RC-Network.de
RSS Forum RSS 2.0      Startseite Startseite
 
 
FORUM WIKI MEDIA KALENDER HANGFLUG RCNVV CHAT WERBUNG SHOP BÖRSE VEREIN  

Crimpen von Servokabeln - vom Anfänger für Anfänger

Ulrich Köster

Es gibt im RCN-Magazin bereits einen sehr guten Bericht über das Crimpen.
Dort wird unter anderem beschrieben, wie wichtig eine saubere Crimpung für einen optimalen elektrischen Kontakt ist.
Wenn ich heute daran denke, dass ich vor vielen Jahren die winzigen Haltekrallen der Kontakte einfach mit einer kleinen Spitzzange zusammengequetscht hatte...
Ich kann vermutlich froh sein, dass die derartig „vergewaltigten“ Steckkontakte zur Mitarbeit bereit waren.

In Zeiten von flugfertigen Modellen und zunehmendem Preisverfall wird es vermutlich immer weniger Modellbauer geben, die ihre Servo-Verlängerungs- oder –Anschlusskabel selber mit Steckkontakten versehen.
Da ist es doch viel einfacher, sich fertig konfektionierte Verlängerungskabel zu besorgen.
Trotzdem möchte sich der Eine oder Andere diese Kabel für seinen Zweck vielleicht doch zentimetergenau anfertigen.

Irgendwann wollte ich genau das auch einmal.
Positiv unterstützt wurde ich bei diesem Vorhaben von einem Lottogewinn, der mich in die Lage versetzte, mir für diesen Zweck eine schöne Crimpzange zuzulegen, nämlich die aus dem Angebot der Fa. Nessel.
Auch die Stecker und Gehäuse habe ich von dort bezogen.

Was der o. g. Bericht nicht enthält, ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger, damit auch so ein Dappes wie ich seine erste Crimpung erfolgreich ausführen kann.
Ich möchte also nicht das Rad neu erfinden, sondern nur eine Anleitung liefern, um den Ablauf ein wenig zu verdeutlichen und dem Neuling die Scheu vor dieser „Operation“ zu nehmen.

Das folgende Beispiel hangelt sich an der Herstellung eines JR-Kupplungskabels entlang. Für einen Servo-Stecker funktioniert das Ganze selbstverständlich analog.
Die nahezu einzige Schwierigkeit besteht eigentlich nur darin, sich einmal über die Lage und Richtung der Kontakte im Gehäuse klar zu werden.
Wichtig ist, dass diesbezüglich Stecker und Kupplungen prinzipiell identisch hergestellt werden.
Auf den Bildern liegt ein industriell gefertigter Stecker zum Vergleich daneben.

Also los.

Zunächst benötigt man ein Kabel.
Generationen von Modellbauern haben in langjährigen Versuchen bereits herausgefunden, dass sich dreiadrige Kabel bestens eignen.
Also probieren wir auch nichts Neues, sondern folgen dieser Erkenntnis.

Die vorderen Enden werden von der Isolierung befreit, so ca. 2...3 mm.

Die Stifte hängen meist noch an einem Band zusammen. Das sieht dann so ähnlich aus wie auf diesem Bild, hier sind es aber die Buchsen:

Sie müssen zuerst von ihren Geschwistern getrennt und an den Schnittkanten ein wenig sauber gefeilt oder geschliffen werden.
Ich gebe mir dabei immer viel Mühe, damit später auch alles problemlos im Gehäuse verschwindet.

Jetzt kommt die Zange zum Einsatz. Gemäß der Anleitung, die der Zange beiliegt, wird ein Kontakt in die passende Kerbe der Zange eingelegt.
Die oben genannte Zange bietet dabei die Möglichkeit, sie stufenweise zuzudrücken und damit den Kontakt zunächst nur festhalten zu können, wobei die Zange jeweils einrastet und diese Position hält.

Jetzt wird das abisolierte Ende des Kabels in den Kontakt hineingeschoben.
Wie weit das erfolgen muss, sieht man auf dem nächsten Bild. Hier sind die Halteklammern bereits fertig umgebogen.

Die ersten schmalen spitzen Klammern halten den Bereich mit der Isolierung, die breiten Klammern dagegen krallen sich um die abisolierte blanke Litze.
Nach vorne sollte keine Litze aus den Klammern herausschauen, sonst lassen sich Stecker und Buchse eventuell nicht weit genug zusammenschieben.

Weil das Ganze so supergut geklappt hat, wiederholen wir es gleich noch zweimal.

Danach können die Kontakte wie auf dem folgenden Bild in das Gehäuse geschoben werden.

Oops, was ist das? Will es nicht?

Jenachdem wie dick die Kabel sind, ist das Hineinschieben nicht unbedingt so ohne weiteres möglich.
Es kann sein, dass man z. B. mit einem 2 mm Bohrer die Gehäuseöffnungen ein klein wenig aufweiten muss, damit sich von dort die Kontakte ohne großen Widerstand hinein schieben lassen.

Auf dem nächsten Bild sind Stecker und Buchse schon zusammengeschoben.

Im Falle der Buchse (das ist irreführender Weise die Seite mit den Stiften, während der Servo-Stecker ja die buchsenförmigen Kontakte hat, aber das verstehe wer will...) wird nun noch eine
 Hülse darüber geschoben.

Hier ist zu beachten, dass diese Hülse innen an einer Seite zwei kleine Abschrägungen (Verpolsicherung) enthält, außerdem drei kleine Nasen.
Die Nasen gehören dorthin, wo die Kontakte auf einem kleinen Stück aus dem Gehäuse herausschauen, dort, wo sie durch die Gehäusefedern festgehalten werden.
Die Abschrägungen gehören an das Ende, wo später der Stecker eingesteckt wird, denn auch er ist an zwei Kanten entsprechend abgeschrägt.

Wenn alles fertig ist, sieht es so ähnlich aus wie auf dem folgenden Bild.
(Ich habe – glaube ich – ein Hunderterpack vermurkst, bis es so schön aussah, aber keine Sorge, das will nichts heißen...)

Die Sache mit dem Hunderterpack war natürlich nur ein Spaß.
Man sollte aber dennoch beim ersten Mal zwei, drei Kontakte in Reserve haben, denn beim ersten Mal geht vielleicht noch etwas schief, bis man den Umgang mit der Crimpzange gelernt hat.
Beim nächsten Mal glaubt man dann alles zu wissen und übersieht doch etwas, bis dann die erste halbwegs perfekte Crimpung herauskommt.

Vielleicht fühlt sich nach diesen Bildern ja doch jemand ermuntert, es auch einmal zu versuchen. Dann hätte dieser Beitrag nicht nur reinen Unterhaltungswert.

Stand: 22.09.2008