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Wir bauen gemeinsam einen Doppeldecker

Henner Trabandt

Ein erfolgreiches internationales RC-Network-Projekt

Es gibt sie doch noch: Modellflieger, die auch gerne bauen. Viele haben sich im Aircombat-Forum von RC-Network getroffen. Und es sind dort schon einige interessante Bauberichte veröffentlicht worden. Nur Doppeldecker für die Sparte WW1-Aircombat sind bis jetzt noch rar. Nur die hübsche Nieuport von Daniel Lux, die SE5A von Timo Starkloff (ein FMT-Plan) und zwei ARF-Modelle sind mir bisher bekannt. Das erschien mir etwas mager, zu wenig Auswahl. Ich möchte das ändern.

Meine vier Doppeldecker, die ich bisher gebaut habe, sind alle vom Brett weg gut geflogen. Warum also nicht gleich das fünfte Projekt öffentlich machen? Nach kurzer Diskussion im Forum stand fest: Es sollte ein möglichst einfach gehaltenes Modell im Maßstab 1:8 entstehen! Die Wahl fiel letztlich auf die in der Diskussion bereits mehrfach erwähnte Bristol Scout, die den Forderungen der meisten Diskussionsteilnehmer doch recht nahe kommt: Ein simpler Kastenrumpf, senkrecht stehender Baldachin und nur ein Paar Stiele zwischen den Flügeln. Das sollte den Bau relativ einfach machen. Die Flugeigenschaften würden Dank des langen Rumpfs und der großen Leitwerksflächen recht gutmütig sein.

Damit sich die noch Unentschlossenen und Zweifler einen letzten Motivationsschub holen können, hier im Vorgriff schon ein Foto vom Erstflug.

Ich war seinerzeit total von den Socken, wie begeistert diese Idee im Kreise der RC-Network-User angenommen wurde. Schon nach ein paar Tagen waren fast vierzig Teilnehmer dabei, die nicht nur einfach mit bauen wollten, sondern die sich auch mit Rat und Tat aktiv am Workshop beteiligten. Einer der Teilnehmer machte zunächst aus meinen Bleistiftskizzen richtige technische Zeichnungen.

Aus so etwas...

  

...wurde das:

PDF für Flächen

Mit so einer Zeichnung sollte der Bau gelingen. Los ging es also mit den Tragflächen. Alle vier Tragflächen sind übrigens völlig gleich, ein weiterer Vorteil des gewählten Vorbilds.

Die Flächenhälften wurden durch ein Mittelstück miteinander verbunden...

...und dann die Querruderservos im Unterflügel eingebaut.

Jetzt konnten wir die Tragflächen zunächst zur Seite legen. Es war an der Zeit, die Verbindung zwischen den beiden Querrudern sowie die Befestigungspunkte der Stiele zu gestalten.

Zwischenzeitlich waren auch die Leitwerke gezeichnet, sodass der Bau nicht zum Stillstand kam.

Das Höhenleitwerk besteht aus drei Schichten Balsa, 2 mm-3 mm-2 mm, in Überplattungstechnik. Eine stabile, wenn auch sehr aufwändige Konstruktion.

Das Seitenleitwerk ist als Pendelruder ausgelegt, kommt also am Stück daher. Hier sieht man den Vorteil der aufwändigen Bauweise: Sehr leicht bei hoher Stabilität.

Wie ein Kastenrumpf gebaut wird, braucht man nicht näher zu beschreiben, das gehört zu den Grundfertigkeiten eines Modellbauers. Bei solchen Modellen aus dem ersten Weltkrieg ist eines aber unabdingbar: Hinter dem Schwerpunkt möglichst Gewicht sparen! Deshalb gibt’s die hintere Rumpfhälfte wieder als Puzzle in Stäbchenbauweise. Bei der vorderen Hälfte haben wir es uns einfach (aber dafür eben nicht leicht) gemacht, indem wir hier massives, 3 mm Pappelsperrholz für tragende und formgebende Aufgaben verwendeten.

Akku- und Servobrett werden gleich mit integriert...

...und ein paar Rechteckspanten aus je zwei Lagen 2 mm Balsa komplettieren den Rohbau.

Ich konnte es nicht lassen und wollte schon einmal so etwas wie ein Flugzeug sehen. Deshalb habe ich das, was schon fertig war, provisorisch zusammengesteckt:

 

In diesem Baustadium erliege ich immer wieder dem Irrtum, ich hätte bereits fast alles hinter mir. Eigentlich fehlen doch nur noch Fahrwerk, Baldachin, Rumpfrücken, Motorhaube, Bespannung und die Elektrik. Aber die Erledigung dieser „Restarbeiten“ zieht sich doch jedes Mal mindestens doppelt so lange hin, wie eigentlich gedacht.

Übrigens, in der Überschrift steht ja etwas von „internationalem Projekt“. Doch bisher gab es nur Bilder aus meiner Werkstatt. Es hat sich in diesem Workshop wirklich ein über den ganzen Erdball verteiltes Völkchen getroffen. Zugegeben, die meisten Teilnehmer waren natürlich aus Deutschland. Aber auch in der Schweiz, in Österreich und in Russland wurden fleißig Scouts gebaut. Ebenso in USA, wobei dort einige Probleme mit unseren metrischen Maßen aufgetreten sind. Ach ja, ein Spanier hat sich später auch noch mit eingeloggt. Hier ein paar Bilder aus Russland, veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung von Vladimir Mirkow aus Irkuzk. Das liegt ganz weit in Sibirien am Baikalsee.

Aufgrund von Beschaffungsproblemen, es gab dort wohl kein Pappelsperrholz, wurden die lasergeschnittenen Teile mit möglichst vielen Erleicherungsbohrungen versehen.

Sieht ganz toll aus, was unser russischer Kollege dort gebaut hat. Aber auch in Deutschland waren die Workshop-Teilnehmer nicht untätig:

Wenn man bedenkt, dass nach Aussage dieses fleißigen Erbauers es sein erstes Holzmodell ist, muss ich vor Ehrfurcht erblassen. Ich hätte das nicht so gut hinbekommen.

Es fehlten allerdings ein paar Dinge, die vor dem Erstflug noch zu erledigen waren: Die Tragflächen mussten ausgerichtet und befestigt werden....

 

Stand:01.11.2008