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Schaufelradschlepper GLASGOW mit Dampfanlage PREMIUM von Regner

Kaspar Hunziker

Der Schaufelradschlepper GLASGOW von Graupner ist der vorbildähnliche Nachbau eines Schleppers, wie er früher vor allem in nordenglischen und schottischen Häfen häufig zum Einsatz kam.
Das Modell im Maßstab 1:40 kann wohl als Klassiker im Graupner-Programm bezeichnet werden, ist es doch schon seit Anfang der 90er Jahre auf dem Markt. Der Dampfer kann wahlweise mit Dampfmaschine oder E-Motor betrieben werden.

Wahl der Maschinenanlage

Es war von Anfang an klar, dass ich das Modell mit einer Dampfmaschine ausrüsten würde. Die vom Hersteller vorgeschlagene Wilesco-Maschine kam für mich jedoch nicht in Frage. Ursprünglich liebäugelte ich mit der Plover Paddle von Cheddar, da ich mit der Pintail dieses Herstellers im Dampfboot Anna (Krick) sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Nun, ich zögerte zu lange und schon war die Firma Cheddar Geschichte und das Maschinchen nicht mehr aufzutreiben.

In Frage kam noch die schiebergesteuerte, sehr schöne Quartz Horizontal von Anton, die jedoch aus Kostengründen ebenfalls bald vom Tisch war. So habe ich mich also letztlich für die Dampfanlage Premium von Regner entschieden.
Bei dieser Maschine handelt es sich um eine schrägliegende, oszillierende Zweizylindermaschine mit 10 mm Bohrung und 14 mm Hub.
Der Dampf wird in einem liegenden Kessel mit 320 ml Inhalt erzeugt. Geheizt wird über einen Rohrbrenner, als Brennstoff kommt das übliche Propan/Butan-Gemisch (z. B. Campinggas) zum Einsatz. Die Abbildungen 01 und 02 zeigen das Aggregat mit Zubehör im Auslieferungszustand.


01

Abb.01 und 02: Maschine und Kessel im Auslieferungszustand. Der Kondensatabscheider rechts im Hintergrund von Abb.1 muss separat gekauft werden.


02

Auf dem Prüfstand läuft die Maschine bereits prächtig. Sie kann über das Umsteuerventil oder bei Bedarf (zur feineren Regelung) zusätzlich über den Dampfhahn angesteuert werden. Ich werde die Maschine voraussichtlich aber nur über das Umsteuerventil bedienen. Auch wenn dieses nur eine relativ grobe Drehzahländerung bewirkt, dürfte es für den Zweck des Schiffsantriebes ausreichen.

Der Baukasten GLASGOW

Teilweise merkt man dem Baukasten an, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Das soll jetzt aber nicht negativ gemeint sein. So verwendet Graupner relativ viel Holz – ein Werkstoff, den ich persönlich sehr gerne mag. Die Teile sind nicht immer ganz so passgenau und exakt ausgefräst, wie man es heutzutage von moderneren Modellen gewohnt ist. Es gibt immer mal wieder was nachzuarbeiten oder selbst herzustellen, so z. B. die Relingstützen oder den Modellständer, für den man auch das Material noch selber besorgen muss. Hier ist Modellbau also noch ModellBAU. Die Qualität der Teile ist jedoch meist gut bis sehr gut.

Rumpf, Spanten und Einpassen der Maschinenanlage

Der ABS-Rumpf ist recht stabil, einzig den Bugbereich habe ich sicherheitshalber mit etwas Epoxidharz verstärkt.
Das Spantengerüst wird aus vorgefertigten Sperrholzteilen gefertigt, welche in den Rumpf eingepasst werden. Hier sind gewisse Modifikationen gegenüber dem Bauplan nötig, wenn eine Dampfanlage eingebaut werden soll. So habe ich zur besseren Durchlüftung des „Maschinenraums“ je zwei Öffnungen in Bug- und Heckspant geschnitten. Auch für die Verlegung des Dampfrohres und den Brenner musste eine Zusatzöffnung geschaffen werden. Mit dem doch recht grossen Dampfaggregat wird’s eher eng im Bauch des Schiffes (Abb.03 – 06).


03

Abb.03 – 06: Einpassen der Maschinenanlage in das Spantengerüst. Gut erkennbar sind die diversen, zusätzlich in die Spanten eingebrachten Öffnungen.


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Ein Knacknuss für mich ist die Positionierung des Kessels: Damit das Abgasrohr möglichst unter den späteren Schiffskamin zu liegen kommt, muss der Kessel so nahe wie möglich am Heckspant montiert werden. Gegenüber dem Bauplan habe ich das ganze Spantengerüst zudem um ca. 0,5 cm weiter in Richtung Heck verlegt. Dennoch werde ich aber vermutlich den Schiffskamin später um einige mm in Richtung Bug verlegen müssen.


06

Kessel und Maschine habe ich auf eine 0,6 mm Aluminiumplatte montiert, die als eine Einheit ein- und ausgebaut werden kann. Kondensatabscheider und Gastank werden separat positioniert, da der Ein- und Ausbau von Kessel und Maschine bei den engen Verhältnissen schon eine relativ fummelige Angelegenheit ist.

An der Maschine selbst habe ich bisher folgende Änderungen vorgenommen: Die Wellen wurden um je 1 cm gekürzt und das Manometer habe ich nicht, wie ursprünglich, an der Kesselstirnseite, sondern auf dem Kessel platziert. Dort ist es von oben her, nach Entfernen der Aufbauten, sofort sichtbar. Als weitere Modifikationen gegenüber dem Auslieferungszustand werde ich eine längere Gasleitung montieren und zusätzlich den schon erwähnten Kondensatabscheider einbauen. Letzterer ist eigentlich ein Muss und ich verstehe nicht ganz, weshalb er nicht im Lieferumfang der Maschine - die als betriebsbereit verkauft wird - enthalten ist. Denn ohne das Teil ist eine Ölverschmutzung des Dampfers und seiner Umgebung programmiert. Die mitgelieferte Kesselbeplankung habe ich vor der Montage mit Leinöl „lackiert“, da dieses die enormen Temperaturunterschiede, die der Kessel verursacht, ohne weiteres wegsteckt. Ich habe damit schon gute Erfahrungen beim Kessel der Anna gemacht. Mittlerweile – auf den Bildern noch nicht ersichtlich - habe ich auch die Dampfleitung mit Takelgarn isoliert. Dies allerdings in erster Linie aus optischen Gründen.

Die Antriebswelle für die Schaufelräder wird in zwei Messingröhrchen gelagert, welche ich mit Uhu Endfest im Rumpf resp. im Spantengerüst eingeklebt habe. Dies ist so von Graupner vorgesehen, allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich hier nicht anständige Lager besser gewesen wären. Ich gedenke jedoch, später zumindest, noch Schmiernippel auf die Messinglager zu löten. Die Schaufelradwelle war übrigens von Beginn an deutlich verkrümmt und ich habe sie austauschen müssen.

Lackieren des Rumpfs und einpassen des Decks

Ich lackiere das Modell baustufenweise, da ich das für einfacher halte als am Schluss den fertigen Rohbau zu lackieren und dann Details mühsam abzudecken. Ich weiß aber, dass die Meinungen diesbezüglich auseinander gehen. Das Graphitschwarz für den Rumpf habe ich selbst gemischt, der Farbauftrag erfolgt mit einem Wagner Sprühgerät. Der einfachen Verarbeitbarkeit wegen verwendete ich hier zum ersten Mal Acryllacke. Noch etwas zum Sprühgerät: Das Ding ist eigentlich nicht für den Modellbau, sondern eher für grosse Flächen gedacht. Ein Gebläse erzeugt einen Luftstrom, der verhindern soll, dass zuviel Abdrift entsteht. Dennoch ist eine grosszügige Abdeckung der Arbeitsfläche empfehlenswert (Abb.07).


07

Eine einigermaßen staubfreie Umgebung ist ebenfalls notwendig, da das Sprühgerät einen enormen Luftstrom erzeugt und somit auch buchstäblich einiges an Staub aufwirbeln kann. Die Lärmentwicklung steht einem Staubsauger in nichts nach. Mit etwas Übung können mit dem Gerät grössere Flächen sauber und vor allem sehr zügig lackiert werden. Für den GLASGOW-Rumpf benötigte ich nur wenige Minuten pro Schicht. Bei kleineren Flächen greife ich auf den Pinsel zurück. Nebenbei: Ich vertrete die Meinung, dass das Modell eines Arbeitsschiffs nicht wie aus dem Ei gepellt aussehen muss resp. darf.

Nach dem kompletten Lackieren des Rumpfes sowie der Namensgebung, bei der ich mir gewisse Freiheiten genommen habe (Abb.08) ging es, noch vor dem finalen Klarlacküberzug, ans Einpassen des Decks.


08

Schiffstaufe: Mein Schlepper soll Volcano heißen, der Heimathafen Glasgow war dann naheliegend... Die Buchstaben ließ ich anfertigen (www.modellbau-kaufhaus.de).

Dies ist nicht ganz einfach, da es nur sehr knapp in den Rumpf hineinpasst. Ebenfalls eine Geduldsprobe ist das Montieren der Klüsenrohre zwischen Bordwand und Deck.

Als nächstes habe ich die hölzernen Radkastendecks angefertigt (Abb.09). Wenn man sich hierbei exakt an den Bauplan hält, kann eigentlich wenig schief gehen. Die Radkästen selber bestehen aus ABS-Tiefziehteilen, welche noch zugeschnitten werden müssen. Es liegt eine Folie bei, mit der die Schlitzöffnungen der Radkästen dargestellt werden können. Viel authentischer ist es jedoch, wenn die Schlitze ausgeschnitten werden. Mit Skalpell und Rundfeile geht das relativ gut, die Folie kann dabei als Schablone verwendet werden. Bei beiden Radkästen war das Material an einigen Stellen extrem dünn. Ich habe diese jeweils von innen her mit Epoxikleber etwas verstärkt.


09

Die folgenden Arbeitsschritte möchte ich nicht im Detail dokumentieren, ich werde in erster Linie auf weitere dampfmaschinenspezifische Anpassungen eingehen. Insbesondere bei der Wahl der Kraftübertragung von der Dampfmaschine auf die Schaufelradwelle bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. Davon dann später mehr.

Fortsetzung folgt

 

Stand: 30.12.2008