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2,4 GHz Fernsteuersysteme
Legalität, Konformität und andere Mysterien

Frank Tofahrn

In den Anfängen der Funktechnik hat mal einer gesagt:

„Funk ist nichts für Zivilisten!“

Nun, der das sagte, hatte eine Uniform an. Das ist aber schon lange her und in den Ansichten über die Verwendung von „Funk“ durch Zivilisten hat seit dem ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Die frühere strikte Kontrolle und Überwachung jeglichen Funkbetriebes durch die staatliche Fernmeldehoheit ist einer liberaleren Handhabung gewichen, die zumindest in Teilbereichen eine freizügige Nutzung von Funkanwendungen durch jedermann erlaubt. Trotz aller Freizügigkeit gibt es nationale und internationale Regelwerke, die ein halbwegs friedliches Miteinander (oder zumindest Nebeneinander) von Funkanwendungen sicherstellen sollen.

Die Grundlagen

Innerhalb der EU sind Anwendungen, Frequenzbereiche und technische Standards definiert worden, die bezwecken, dass ein Funksystem innerhalb der EU betrieben werden kann, ohne anderen Anwendern die Zornesröte ins Gesicht zu treiben, weil es furchtbare Störungen verursacht.

Bricht man diese Definitionen auf den Bereich der Modellfernsteuerung in Europa herunter, findet man sich im Bereich der sog. SRDs (Short Range Devices) wieder. Das sind Funkanlagen geringer Reichweite, die durch jedermann ohne individuelle Frequenzzuteilung oder Lizenzierung betrieben werden können - und das europaweit.

Die Grundlagen für den Betrieb von SRDs sind in der EU die Recommendation 70-03 (REC 70-03), die R&TTE-Direktive und die jeweils anwendbaren europäischen Normen, die die technischen Rahmenbedingung für den Betrieb solcher Funkanlagen festlegen.
Die REC 70-03 definiert, welche Anwendungen in den Bereich der SRDs fallen und welche Frequenzbereiche diesen Anwendungen zuzuordnen sind. Das ist sozusagen das übergeordnete Regelwerk, das den generellen Rahmen für den Betrieb von SRDs schafft.

Dann gibt es die R&TTE-Direktive, die die grundlegenden Anforderungen an solche Funksysteme definiert und festschreibt, z. B. wie die Verfahren der Inverkehrbringung auszusehen haben.
Die technischen Normen definieren Mess- und Prüfverfahren sowie einzuhaltende Grenzwerte, um die Erfüllung der in der R&TTE Direktive geforderten grundlegenden Anforderungen vermuten zu lassen. Das mit der „Vermutung“ hört sich jetzt etwas seltsam an, ist aber dort tatsächlich so formuliert.

Gemäß diesen oben genannten Regelwerken kann ein SRD in der EU ungehindert in den Verkehr gebracht (zu gut deutsch: verkauft) werden, wenn es in einem harmonisierten Frequenzbereich betrieben wird und die Anforderungen der anzuwendenden, harmonisierten Normen erfüllt. „Harmonisiert“ bedeutet, dass die Frequenzbereiche bzw. Normen innerhalb der EU von allen in der CEPT organisierten, nationalen Fernmeldehoheiten implementiert sind. (EFTA-Staaten wie z. B. die Schweiz gehören auch dazu).

Der Nachweis der Einhaltung dieser Anforderungen an das Produkt wird durch die Kennzeichnung mit einem CE-Mark und durch die Konformitätserklärung des Inverkehrbringers erbracht. Diese Konformitätserklärung wird durch denjenigen erstellt, der das Produkt im Markt platziert, den Inverkehrbringer. Die Überprüfung auf Einhaltung der wesentlichen Anforderungen der R&TTE-Direktive und der anzuwendenden Normen kann durch den Inverkehrbringer oder Hersteller durchgeführt werden.

Für den Eigenbedarf können auch Geräte ohne CE-Mark verwendet werden, wenn diese nicht weiterverkauft werden (auch nicht als gebraucht/defekt über Ebay). In diesem Fall ist allerdings der Betreiber vollumfänglich für die Einhaltung der Normen zuständig und muss diese im Zweifelsfall nachweisen. Um es kurz zu machen, das kostet etwa 5000 €.

Die Realität

So, und jetzt geht das Elend los !
Das bedeutet im Klartext, dass sich der Hersteller oder Importeur die Erfüllung der Anforderungen an sein Produkt selbst bescheinigt und auch die technische Prüfung selbst durchführt, ohne dabei einer externen Kontrolle zu unterliegen. Es gibt natürliche eine gewisse externe Kontrolle dadurch, dass beispielsweise ein Konkurrent oder die Marktaufsicht (im Bereich Funk die Bundesnetzagentur) diesem oder jenem Produkt mal etwas genauer unter den Rock guckt. In Anbetracht der riesigen Anzahl von Funkprodukten (der R/C-Bereich ist da nur eine kleine Nische) ist es aber praktisch unmöglich, alle Systeme in diesem Rahmen zu kontrollieren.
Leider zeichnet sich auch im R/C-Bereich ab, dass der europäische Markt zunehmend von Produkten überschwemmt werden wird, die zwar ein CE-Mark tragen und für die es zumindest auf Nachfrage auch eine Konformitätserklärung gibt, die aber dennoch die wesentlichen Anforderungen der R&TTE-Direktive nicht erfüllen.
Viele dieser Systeme sind für den amerikanischen Markt konzipiert und mögen durchaus den Anforderungen der dort gültigen Norm FCC CFR47/Part 15 entsprechen. Nur ist das in Europa leider vollkommen wertlos. Bei uns gilt das europäische Regelwerk, das sich von den US-Regularien in wesentlichen Punkten unterscheidet.
Ursprünglich war geplant, dem Kunden durch CE-Mark und Konformitätserklärung die Gewissheit zu gegeben, so gekennzeichnete Produkte seien in der EU einsatzfähig. So war der Plan. Nun, es sind schon bessere Pläne gescheitert.
Durch massive Fälschungen des CE-Marks, gegenstandslose Konformitätserklärungen und ganz offensichtlich falsche Prüfberichte ist das Gütesiegel CE im R/C-Bereich de facto wertlos geworden. Die Kennzeichnung eines Produktes mit dem CE-Mark und eine durch den Hersteller oder Inverkehrbringer ausgestellte Konformitätserklärung ist leider kein sicheres Indiz für die Konformität und Legalität eines Produktes.

Dieser Nachweis ist aber für den Anwender essentiell, da er für den Betrieb der Funkanlage in jeder Hinsicht verantwortlich ist. Auch wenn CE-Mark und Konformitätserklärung falsch sind.

Die Anbieter, deren Produkte legal und konform sind und die teilweise viel Geld in die Hand genommen haben, um dies gegenüber ihren Kunden nachzuweisen, sind natürlich angesichts dieser Tatsache unheimlich begeistert. Sie fragen sich wohl manchmal insgeheim zu Recht, warum sie sich eigentlich das ganze Verfahren der CE-Zertifizierung antun.

In der Praxis wird den Kunden ein Produkt verkauft, dem eine wesentliche Eigenschaft (Konformität) letztendlich fehlt. Daran ändern auch beiliegenden Konformitätserklärungen und aufgedruckte CE-Marks nichts, wenn diese gefälscht sind.

Das mit dem falschen CE-Mark ist ungefähr so, als ob einer ein Porsche-Emblem auf einen Trabbi klebt und einem dann die Pappe als Porsche andrehen will. Nur fällt das beim Trabbi eher auf als bei R/C-Anlagen.

Bei falschen Konformitätserklärung wäre das in etwa so, als ob ein Herr aus Fernost schriftlich bestätigt, dass man hier bei Rot über die Ampel fahren darf. Tut man das, wird dabei erwischt und legt dann der „Rennleitung“ diesen Zettel vor, wird das sicherlich Aufmerksamkeit und vielleicht noch Erheiterung auslösen, den Lappen ist man aber trotzdem los.

Die Konsequenzen

In den meisten Aufstiegserlaubnissen und Platzordnungen ist verankert, dass die Fernsteuerungen den Vorgaben der Bundesnetzagentur entsprechen müssen. Mit einer illegalen Anlage auf einem legalen Platz fliegen ist also nicht. Es ist Aufgabe der Flugleiter bzw. Vorstände, sicherzustellen, dass diese Anforderung erfüllt wird.

Sind wir doch mal ehrlich: Die können das gar nicht leisten. Es kann niemand verlangen, dass jeder Flugleiter oder Vorstand Spezialkenntnisse zum Thema R&TTE-Direktive, den nationalen und europäischen Frequenzzuweisungen, den technischen Parametern der Norm und zur aktuellen Politik der EU-Kommission hat und darüber hinaus mal eben den notwendigen Messgerätepark zur Überprüfung aus dem Kofferraum holt (passt da eh nicht rein). Für diese Verantwortlichen gibt es keinen verlässlichen Nachweis mehr, der die Legalität einer Anlage belegt. Hat der Verantwortliche Bedenken bezüglich der Legalität und untersagt den Betrieb, zieht der Betroffene die Konformitätserklärung aus der Tasche, wedelt damit vor der Nase des Flugleiters rum und zeigt auf das magische CE-Mark. Und schon ist der Krach im Verein da.
Da die Bundesnetzagentur eine effektive Überwachung des Marktes nicht leisten kann, sehen wir uns der pikanten Tatsache gegenüber, dass eine Kontrolle der Verwendungsfähigkeit vor Ort praktisch nicht möglich ist.
Das wirft gleich eine weitere Frage auf: Was passiert eigentlich im Falle eines Unfalls (z. B. mit Personenschaden)? Sollte sich herausstellen, dass die mangelnde Konformität des Systems ursächlich für den Unfall war, dann gute Nacht. Dabei sei angemerkt, dass die typischen Billigsysteme aus Fernost nur sehr begrenzte Betriebssicherheit bieten. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Dinger so billig sind. Es könnte zu allem Überfluss noch die Situation eintreten, dass der Versicherungsschutz in Frage gestellt wird. Ferner könnte der Flugleiter mit zur Verantwortung gezogen werden, weil er den Betrieb nicht verhindert hat, aber der steht ja eh immer mit einem Bein im Knast.

Was kann man tun?

Leider gibt es für den Kunden nur wenig Möglichkeiten, die Echtheit und Gültigkeit der CE-Kennzeichnung von Produkten sicher zu überprüfen.

Es gibt allerdings einige Maßnahmen, mit denen man sich innerhalb gewisser Grenzen schützen kann:

  1. Eigenimporte von Fernsteueranlagen, insbesondere direkt aus Fernost, sollte man unterlassen, und sei es noch so billig und verlockend. Das Zeug ist erfahrungsgemäss nie konform. Das ist ein ziemlich sicherer Weg, zu illegalem Equipment zu kommen. Nebenbei relativiert sich der Preis oft, wenn man Zoll, Steuer und Fracht gezahlt hat. Im ungünstigen Fall hat man gegen Fernmelde-, Zoll- und Steuerrecht verstoßen. Wird man dabei erwischt, sollte man hoffen, dass der Richter nicht den Beinamen „Der Gnadenlose“ hat.
     
  2. Konformitätserklärungen, deren Unterzeichner ihren Sitz nicht in der EU haben, sind wertlos. Solche Produkte stellt man besser sofort ins Regal zurück. Finger weg von solchen Dingern!
     
  3. Vorsicht ist geboten bei supergünstigen Angeboten wenig oder gar nicht bekannter Systeme durch inländischer Kleinanbieter (z. B. in Verkaufsportalen). Da ist oft etwas faul.
     
  4. Beobachtung der Internetforen zum Thema Modellbau. Dort werden solchen Themen diskutiert und man bekommt dort manchmal sogar Informationen.
     
  5. Wählt man als Quelle für die neue 2,4 GHz-Fernsteuerung den lokalen Modellbauhändler des geringsten Misstrauens oder einen seriösen Versandanbieter und beschränkt sich auf Systeme der etablierten Hersteller, ist man eigentlich auf der sicheren Seite.

Fazit

Der Markt der 2,4 GHz-Anlagen ist unübersichtlich. Es kommen zunehmend Systeme zweifelhafter Legalität auf den Markt, die hier nicht betrieben werden dürfen. Die Situation ist schon bei reinen Fernsteuersystemen kaum noch überschaubar und wird im Bereich der RTF-, RTR oder Ready To-sonst-was-Modelle völlig unübersichtlich.
Aus diesen Gründen wäre es an der Zeit, eine unabhängige Prüfinstanz zu etablieren, die im R/C-Bereich die Verwendungsfähigkeit und Legalität von Fernsteueranlagen außerhalb des staatlichen Verfahrens prüft, bestätigt und ein verlässliches Legalitätsmerkmal bietet. Erste Überlegungen und Aktivitäten zu diesem Thema laufen bereits.

Abschließend noch eine Anmerkung

Es gibt einen ganzen Katalog von Merkmalen, die eine Fernsteuerung erfüllen muss, damit sie verkauft und betrieben werden darf. Auf die Erfüllung dieser Merkmale hat der Kunde ein Anrecht und sollte es ohne Ausnahme einfordern.
Das Geld, mit dem wir die Fernsteuerung bezahlen, muss ebenfalls eine lange Liste von Merkmalen erfüllen, um gültig zu sein. Die Erfüllung dieser Merkmale fordert der Verkäufer von unserem Geld ja auch.

Oder kann man nicht-konforme Anlagen mit Monopolygeld bezahlen?

Holm- und Rippenbruch

Stand: 22.02.2009