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Sebart WIND-S110E

Jochen Strubel

Nach der Sebart Katana-S120 und der Angel-S50 wurde es Zeit für eine neue Maschine. Da mich die Flugleistungen der Angel-S50 schon sehr begeistert haben, die Größe jedoch etwas gestört hatte, hielt ich Ausschau nach einem ähnlichen, jedoch etwas größeren Modell. Die Wahl fiel auf die Wind-S110E, ebenfalls aus der italienischen Sebart-Schmiede. Ein F3A-Trainer in Holzbauweise, ausgelegt für einen 8-10S-Antrieb.

Technische Daten Sebart Wind-S110E (Herstellerangabe):

Spannweite:

1740 mm

Länge:

1800 mm

Flächeninhalt:

58,0 dm²

Flächenbelastung:

56,0 g/dm²

Gewicht:

ab 3250 g (ohne Akku)

Servos:

5

Austattung des Testmodells:
3 x Savöx 1258 + 2x Savöx 1350
1 x Axi 4130/16
1 x APC-E 18x10
1 x Jeti Spin77
1 x Jeti MAX BEC + 2S Kokam 1500 mAh
1 x 6S 22,5V SLS 4200 mAh 30C
1 x Futaba 614 FASST
 
Nach kurzer Zeit stand ein großes Paket vor der Haustür und wurde auch direkt unter die Lupe genommen. Nach öffnen des Baukastens zeigte sich ein bei Sebart-Modellen gewohntes Bild. Alles war schön aufgeräumt und sorgfältig verpackt.

Für 449 € Baukastenpreis kann man einiges erwarten. Selbst nach näherer Betrachtung konnten keine Mängel an Teilen oder Zubehör festgestellt werden. Die Flächen, Leitwerke und der Rumpf sind in gewohnter Sebart-Qualität sauber gefräst und lassen keine Wünsche offen. Die Klebestellen sehen alle sauber und belastbar aus.

Da ich ein F3A-Modell wollte, verzichtete ich auf das optional erhältliche 3D-Höhenleitwerk.

Ein Blick in den Kleinteilekarton verrät, dass hier bezüglich Umfang noch zugelegt wurde. Nun ist neben dem üblichen Inhalt sogar noch Klettband zur Akku-Montage enthalten. Sämtliche Kleinteile zeugen von hoher Qualität.

Als Antrieb kommt ein Axi 4130/16, ein Jeti Spin77-Steller und einer APC-E-Luftschraube zum Einsatz. Dieser Antrieb ist als Set samt Spannkonus und GfK-Motorträger passend für den Wind bei www.hepf.at für 309 € erhältlich. Angesichts der Qualität der gelieferte Ware geht der Preis völlig in Ordnung.

Das Antriebsset: Statt des im Testmodell verwendeten Sets mit dem GfK-Motorträger ist hier das Alu-Montagekreuz abgebildet.

Begonnen habe ich mit der Montage des Fahrwerks. Dieses ist aus Alu gefertigt und mit 134 g relativ schwer. Hier sollte eventuell über ein CfK-Fahrwerk nachgedacht werden. Zugunsten der Bauzeit habe ich mich jedoch dagegen entschieden.
Nachdem das Fahrwerk samt Radschuhen montiert war, ging es weiter mit dem Servoeinbau in Leitwerke und Flächen.

Auf anraten eines Vereinskollegen fiel die Wahl auf Savöx-Servos. Die mir bis dato noch unbekannten Servos finden wohl eher im Heli-Segment Verwendung und zeichnen sich angeblich durch besondere Stellgenauigkeit bei vergleichsweise geringem Preis aus.
Am Höhenruder wurde pro Seite ein Savöx 1350 eingebaut. An 6 V erreicht es laut Datenblatt eine Stellkraft von 4,6 kg. Mehr als ausreichend für eine Maschine dieser Größe und mit 45 € noch im Rahmen.
Es müssen lediglich die Aussparungen in den Leitwerken mit dem Dremel etwas verbreitert werden, dann passen die Servos saugend hinein. Nach Montage der Anlenkungen und einem ersten Funktionstest bestätigte sich die Stellgenauigkeit und absolute Spielfreiheit der Servos!
Auf dem Quer- und Seitenruder werden Servos vom Typ 1258 eingesetzt. Mit 12 kg/6 V Stellkraft mehr als ausreichend und mit 57,90 € günstiger als andere Servos in dieser Leistungsklasse. Es sind keinerlei Anpassarbeiten für den Einbau in die Querruderschächte und das Seitenruderservobrett nötig.

Um den späteren Aufbau der Maschine etwas bequemer zu gestalten, wurden die grünen 6-poligen MPX-Stecker an den Wurzelrippen eingeharzt, um die elektrische Verbindung direkt beim Zusammenschieben der Leitwerke und Flächen herzustellen. Am Höhenleitwerk müssen die Stecker jedoch versetzt eingeharzt werden, da, bedingt durch den schmalen Rumpf, am Heck kein Platz ist, um sie gegenüber zu montieren.

Die Seitenruderanlenkung wird, wie schon bei der Angel-S50, über eine Seilanlenkung hergestellt. Alle hierfür nötigen Teile liegen dem Baukasten bei.

Als nächstes wird der Einbau des Axi vorbereitet. Hierfür muss der werksseitig für den Hacker-Motor vorgesehene Motorspant herausgetrennt werden. Dies geschieht am besten mit dem Dremel und einem passenden Fräser. Man sollte jedoch unbedingt eine Atemmaske oder Absaugeinrichtung benutzen, da dabei einiges an Schleifstaub entsteht!
Es ist nötig, ein Loch, das etwa den Durchmesser des Axis aufweist, herauszufräsen. Ist dies geschafft und der letzte Feinschliff erledigt, wird der neue GfK-Motorspant aus dem Hepf-Set von vorne eingeharzt und verschraubt. Hierbei ist unbedingt auf den korrekten Sitz des Spants zu achten, damit der Spinner später sauber mit der Motorhaube abschließt!

Der original Motorspant, passend für den empfohlenen Hacker-Antrieb.

... und nach der Bearbeitung mit dem Dremel.

Wenn das Harz ausgehärtet ist, kann der Motor eingebaut werden. Ich verwende dafür immer einen Tropfen mittelfestes Loctide, damit sich der Motor nicht ungewollt lösen kann.
Für den Steller ist bereits ein Platz im Wind vorgesehen. Da der Jeti Spin77 jedoch wegen seiner Baugröße nicht auf diesen Platz passt, muss ein Adapterbrett angefertigt werden.

Nachdem alle Teile ihren Platz haben, also Motor, Servos und der Steller montiert waren, wurde das Modell zur Schwerpunktkontrolle probeweise montiert.
Hier zeigten sich erste Schwächen. Nachdem die linke Tragfläche leicht hakte, konnte die rechte Hälfte nur mit sanfter Gewalt in ihre Endposition gebracht werden. Hier ging bei der Produktion im Bereich der Flächensteckung/Arretierung wohl etwas schief. Da dieses Problem, wenn man es als solches ansieht, aber wohl bisher nur von dieser Maschine bekannt ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Einzelfall.
Nun wurden die restlichen Komponenten positioniert. Die werksseitige Schwerpunktangabe von 175-185 mm stellte sich später als sehr gut heraus.

Zur Spannungsversorgung dient das Jeti Max-BEC in Verbindung mit einem 2S Kokam 1500 mAh-Akku. Diese Kombination hatte sich bereits in der großen Katana bewährt.
Abschließend wurden noch die Futaba FASST-Antennen im 90°-Winkel verlegt und der Bau war somit fast erledigt.

Für den Akku bleibt nun genügend Spielraum, so dass auch hier unterschiedlich schwere Typen genutzt werden können, ohne in Schwerpunktprobleme zu geraten. Die Testmaschine fliegt wahlweise mit 6S SLS 4200 mAh 30C, 4000 mAh 25C oder Zippy-H 6S 4000 mAh.
Die Befestigung des Akkus geschieht mit einem Klettband auf dem Akkubrett sowie einer Schlaufe Klettband, die um Akku und Akkubrett gelegt wird, um ihn noch mal richtig fest zurren zu können. So kann er weder nach vorne oder hinten verrutschten, noch sich bei negativen oder gerissenen Figuren nach oben lösen.

Nun musste nur noch die Senderprogrammierung erstellt werden. Da bei Montage der Anlenkungen diese so weit innen wie möglich am Servohebel angebracht wurden, konnte der ganze Servoweg für die relativ kleinen, F3A typischen Ausschläge genutzt werden. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass die Servokraft voll ausgenutzt werden kann, sondern es sorgt auch für eine präzise Anlenkung, die, je nach Geschmack, keiner elektronischer Anpassung in Form von Exponentialanteilen bedarf.
Fertig programmiert ging es an einem kalten Montagmorgen zum Erstflug auf den heimischen Fluglatz. Bei etwa -5°C stand sie auf der Piste und wartete darauf, dass es los ging. Nach dem Start waren nur minimale Trimmungen auf Höhe und Quer notwendig, danach zog sie perfekt ihre Runden.

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ging es an den ersten Turn, hierbei zeigte sich gleich, dass der werksseitig eingestellte Seitenzug auf Anhieb passte. Im Scheitelpunkt voll Seite und sie dreht einwandfrei zurück, Richtung Erde. Der Messerflug geschieht fast von selbst. Kaum Seitenruderausschlag ist notwendig, um das Modell auf Höhe zu halten.
Das Höhenruder muss zur Kurskorrektur nur genutzt werden, wenn wirklich eine Kurve in der Messerfluglage geflogen werden soll.

Selbst bei starkem Anstellwinkel bleibt sie lammfromm.

Auch Mehrpunktrollen oder Zeitlupenrollen, über die ganze Platzlänge gezogen, stellen für geübte Piloten keine große Schwierigkeit dar.
Im Rückenflug ist nur ein minimaler Tiefenruderausschlag notwendig.

Das Design hebt sich sehr gut vom Himmel ab, sodass die Fluglage stets gut erkennbar bleibt.

Der Axi-Antrieb hat nicht die brutale Leistung wie der einer 10S-Wind. Das ist aber auch gar nicht nötig, da beim F3A-Programm mit „Constant Speed“ geflogen wird, sprich, der komplette Flug erfolgt mit der gleichen Fluggeschwindigkeit und dafür reicht der 6S-Antrieb immer aus.
Mit einem Standstrom von etwa 55 A müssen nach 8 min Kunstflug gerade ~2300 mAh nachgeladen werden.
Die Bremse des Spinstellers ist feinfühlig justierbar. Nach 2-3 Flügen erwies sich eine Einstellung von 0,5 s Death/23% Bremskraft/1,0 s Endbreak als brauchbar.

Fazit:

Alles in allem ist die Wind ein super Modell und wird ihrem Zweck als F3A-Trainer vollkommen gerecht. Auch für den Wettbewerbseinstieg in die Hobby- oder Sportklasse ist sie bestens geeignet, was in meinem Fall letztendlich mit ein Kaufgrund war.
Mit dem 6S Axi-Antrieb ist sie mehr als ausreichend für den F3A-Kunstflug motorisiert und wird auch für all’ diejenigen interessant, die bereits mehrere 6S-Lipopacks ihr eigenen nennen und nicht extra neue Akkus kaufen wollen. Beim Antrieb sollte jedoch speziell bezüglich Steller nicht gespart werden. Eine „stufenlose“ Bremseinstellung wie es der Jeti Spin77 (Spin 99 etc.) bietet, gibt es sonst m. E. nirgends und ist für eine saubere Abstimmung unabdingbar.

 

Stand: 11.04.2009