
Weltrekordversuche 2009 in der Klasse F 3
Im Sinne von immer weiter, immer schneller, immer höher wird
schon seit Jahrzehnten versucht, auch im Modellflug zur Spitzenklasse
in den unterschiedlichen Kategorien zu gehören. Es sollte
versucht werden, die Geschwindigkeitsrekorde für Flugmodelle
mit Kolbenmotor (N° 145) und für Flugmodelle mit Elektromotor mit
wiederaufladbarer Stromquelle (N° 175) zu verbessern.
Die aktuellen Weltrekorde in diesen Klassen werden bei der FAI geführt - http://records.fai.org/models/. Hier die entsprechenden Auszüge:
History of Model Aircraft World Records
Sub-class: F3 Open (Radio Control Flight)
Category: Aeroplane
Group: Piston Motor
N°145: Speed : 343.92 km/h
Date of flight: 21/09/1971
Record holders: Vladimir GOUKOUNE (USSR), Valery MYAKININE
Course/place: Klementyeva (Russia)
Database ID 2431
Links to other records set by Vladimir GOUKOUNE
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Sub-class: F5 Open (Radio Control Flight)
Category: Aeroplane
Group: Electrical Motor Rechargeable Sources
N°175: Speed : 361.0 km/h
Date of flight: 10/06/2007
Record holder: David DZIDA (Germany)
Course/place: Neumagen-Dhron (Germany)
Database ID 14678
Links to other records set by David DZIDA
N°175: Speed : 282.60 km/h
Date of flight: 08/08/1992
Record holder: Werner VAUTH (Germany)
Course/place: Versmold (Germany)
Database ID 2497
Links to other records set by Werner VAUTH
Hier ist bei N° 175 der untere Rekord mit 282,60 km/h der Vorgängerrekord.
Die Rekorde N° 145 und N° 175 galt es zu überbieten,
insbesondere der "uralte" Rekord für Kolbenmotoren von
1971!
Wie werden diese Rekorde erflogen?
Von einem Vermessungsingenieur wird eine Strecke von exakt 400m ermittelt,
die in 100 m - 200 m - 100 m-Abschnitte aufgeteilt wird, dazu Parallelvermessung
zur Schaffung eines Flugkorridors. Der gesamte Flugkorridor wird in seinen
Abschnittspunkten durch Pylone von etwa 5 m Höhe markiert.

Die Geschwindigkeitsmessstellen sind Beginn und Ende des 200 m-Abschnittes,
pro Versuch (Flug) muss die Strecke von 400 m insgesamt einmal hin und
zurück
zwischen den Pylonen in Höhen zwischen 5 m und 35 m durchflogen
werden, um den FAI-Anforderungen zu entsprechen. Die korrekte Ein- und
Ausflughöhen
werden von Schiedsrichtern optisch überprüft, die Zeitmessung
erfolgt durch zwei Photosensoren, die vollautomatisch ausgelöst
werden. Die Zeiten des Hin- und Rückfluges werden gemittelt und
dann entsprechend bewertet.
Bei den Kolbenmotoren ist der Hubraum auf 10 cm³ und die Flächenbelastung
auf 75 g/dm² begrenzt, bei den Elektromotoren die maximale Spannung auf
72 V und die Flächenbelastung ebenfalls auf 75 g/dm².
Weitere Informationen zum Speedflug sind im Magazin zu finden.
Waren in den letzten beiden Jahren die Austragungsorte Neumagen-Dhron
und Laucha für die gleichzeitige Veranstaltung von Wettbewerb und
Rekordversuchen, so war dieses Jahr die
Wahl auf Rothenburg
in der Oberlausitz als Austragungsort für die
Weltrekordversuche gefallen.
Bei Rothenburg/Görlitz (EDBR) handelt es sich um einen ehemaligen Militärflugplatz,
der jetzt als Verkehrslandeplatz durch die Flugplatz Rothenburg/Görlitz
GmbH betrieben wird. Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung
gestaltete sich für uns unkompliziert und ausgesprochen erfolgreich;
so wurde durch sie auf der Basis unserer Ausschreibung beim Luftamt Sachsen,
Landesdirektion Dresden, beantragt, den Flugplatz für drei Tage
aus der Betriebspflicht zu nehmen und eine Aufstiegserlaubnis für
diese Veranstaltung zu erteilen – und alles wurde zügig genehmigt.
Und das sollte für den Verlauf der Rekordversuche nicht ohne Folgen
bleiben. 
Bereits am Donnerstag reiste Leitender Sportzeuge Mario Roos mit Sportzeuge
Roland Dieterle an, Sportzeuge Ulrich Horn folgte am Freitag. Sie bereiteten
die Zeitmessanlage so vor, dass am Freitag mit den Übungsflügen
begonnen werden konnte – eine reife Arbeitsleistung. Den Freitagabend
verbrachten die Sportzeugen mit den Piloten bei der Vermessung der
Modelle.


Zur Ermittlung der Flächeninhalte – Flügel und Höhenleitwerk – werden
die Umrisse auf eine Papierunterlage projiziert und anschließend
mit einem kalibrierten Hochleistungsplanimeter (Planix
7 P) abgefahren. Die Summe aller Flächen ergibt den Tragflächeninhalt,
das Gewicht aller Flugzeugteile das Gesamtgewicht. Daraus ergibt sich
die Flächenbelastung in Gramm pro Quadratdezimeter.
Am Samstagmorgen waren fast alle Piloten anwesend; der Tag brachte
endlich den Beginn der Rekordversuche. Die Piloten bauten ihre „Arbeitsplätze“ auf,
richteten die Modelle her und trugen sich in der Starterliste ein – das
Briefing erfolgte durch den Flugleiter des Platzes und der Leitende
Sportzeuge eröffnete
das Ereignis.

Flugzeiten von 09:45 Uhr bis 18:00 Uhr ließen einen
ereignisreichen Tag erwarten, am Sonntag sollte bis 14:30 Uhr geflogen
werden. Blauer Himmel, kaum eine Windregung, alle Beteiligten in optimistischer
Stimmung, Sportzeugen und Beobachter sind auf Station. Erste Starts,
man fliegt sich langsam ein – Elektro wie Verbrenner. Der gravierende
Unterschied zwischen den Antrieben: Verbrenner hört man
während des gesamten Fluges, die Elektroantriebe beschleunigen geräuschvoll,
um dann im Gleitflug ihre Ausgangsposition für den Anflug in die
Messstrecke zu suchen. Aber dann geht es ohrenbetäubend in den Sturzflug,
gefolgt von einem möglichst horizontalen Durchflug durch die 300
m Messstrecke.
Kurz nach der Mittagspause war schon der erste Rekord geknackt – Dag
CAMMAN-WALCZAK bei den Verbrennern mit 344,76 km/h, den er im Laufe des
Nachmittags auf 380,41 km/h verbesserte. Fast auf den Tag genau hat
dieser Weltrekord von Vladimir GOUKOUNE und Valery MYAKININE 38
Jahre Bestand gehabt…

Obwohl die Modelle am Vorabend vermessen und markiert wurden, werden nach dem Erzielen einer neuen Rekordzeit die markanten Werte wie Gewicht, Hubraum bzw. Spannung sofort nach dem Flug erneut überprüft, dazu ein Foto geschossen – alles soll korrekt und unanfechtbar ablaufen.
Zur Gewichtsbestimmung wurde von der Firma Kern & Sohn
GmbH eine
kalibrierte Präzisionswaage zur Verfügung gestellt.

Auch die Elektroflieger knackten ihren zwei Jahre alten Rekord bereits
am Nachmittag. Jakob KARPFINGER erflog 402,81 km/h. Jakob, noch Schüler, ist der jüngste
Teilnehmer und wird von Erwin Schamburger gecoacht.

Nach den restlichen Vermessungen traf man sich am Abend in geselliger
Runde, die vorläufig inoffiziellen neuen Weltrekorde wurden schon einmal
gebührend
gewürdigt.



Der neue Tag, wieder blauer Himmel, noch etwas wärmer, wieder kaum Wind.
Und sie schafften es tatsächlich, ihre Rekordflüge vom Vortag
erneut zu überbieten.
Dag Cammann-Walczak erhöhte auf 382,44 km/h und Jakob Karpfinger
folgte ihm mit 420,24 km/h in seiner Klasse – was für Ergebnisse
im Vergleich zu den alten Rekorden:
343,92 km/h zu 382,44 km/h = + 38,52 km/h bei den Verbrennern = +11,2%,
361,00 km/h zu 420,24 km/h = + 59,24 km/h bei den Elektroantrieben = +16,4%.
Beeindruckend ist die Leistungsdichte der Teilnehmer, die teilweise
sogar schneller waren als die neuen Rekordhalter (siehe weiter unten). Aber zu einem Wertungsflug
gehört
der Hin- und Rückflug in einem Versuch/Anlauf mit dem sich daraus
ergebenden Mittelwert.
Die Flugzeit wurde bis zur letzten Minute ausgenutzt, um doch noch einmal schneller zu sein – vergebens.
Bevor der Abbau der Messstrecke und der Aufbruch der Teilnehmer erfolgte,
trafen sich alle Aktiven noch einmal zur gemeinsamen Verabschiedung.
Dabei zeigte sich, dass sich alle Teilnehmer, trotz anfänglicher
Skepsis wegen der teilweise recht langen Anreisestrecken,
nach den rundum positiven Erfahrungen unbedingt wieder in Rothenburg/O.L.
zur Fortsetzung dieser Veranstaltung treffen wollen – es
hat nämlich
alles gestimmt:
- Platzverhältnisse für das Vorhaben,
- logistische Unterstützung in allen Bereichen durch die Platzbetreibergesellschaft einschließlich der Unterbringung im Sportlerheim in Bremenhain auf der anderen Flugplatzseite,
- das Wetter.
Nicht zu unterschätzen ist die Trennung des Weltrekordvorhabens
von einem parallel laufenden Speedcupwettbewerb wie in Neumagen-Dhron
oder Laucha. Die daraus resultierende Ruhe wegen des fehlenden Zeitdrucks
ist von erheblichen Vorteil für alle Beteiligten.
Besonders hervorheben möchte ich die Geste der Betriebsgesellschaft,
die den beiden neuen Rekordhaltern und dem Leiter der Veranstaltung
eine über Nacht geschaffene Collage überreichte – besser
kann man sein Engagement für die Sache Modellflug auf dem
Flugplatz nicht
zum Ausdruck bringen.
Nach Abschluss der Veranstaltung folgten einige Teilnehmer der
Einladung zur Besichtigung des Luftfahrtmuseums direkt
neben der Wettkampfstätte - äußerst interessant
und informativ dank der engagierten Führung.


Die erflogenen Geschwindigkeiten (ohne Nuller
wegen Abstellern, Abstürzen etc.):
Mittel: Mittel aus beiden Richtungen
vL = Geschwindigkeit nur von links
vR = Geschwindigkeit nur von rechts
V = Verbrenner, E = Elektro
Samstag:
V Peter Koppendorfer: Mittel: 339,00
V Dag Cammann-Walczak: vR 366,25
V Hartmut Schulze: vR: 345,95
V Rolf Pietschmann: vR: 352,37
V Dag Cammann-Walczak: Mittel: 344,76
V Dag Cammann-Walczak: Mittel: 380,41
E Jakob Karpfinger: Mittel: 402,81
E Stefan Penz: vL: 408,64
E Jakob Karpfinger: Mittel: 402,08
V Dag Cammann-Walczak: vL: 374,34
V Rolf Pietschmann: Mittel: 373,44
V Holger Mittelstädt: vR: 334,02
E Kai Koppenburg: vR: 410,52
E Erwin Schamburger: vR: 363,44
E Stefan Penz: vR: 390,71
V Hartmut Schulze: Mittel: 348,40
E Stefan Penz: vL: 406,72 |
Sonntag:
V Holger Mittelstädt: Mittel: 347,03
V Hartmut Schulze: vL: 367,76
V Dag Cammann-Walczak: Mittel: 376,43
E Erwin Schamburger: vR: 378,25
E Rolf Pietschmann: Mittel: 373,62
V Dag Cammann-Walczak ("Weltrekord"):
Mittel: 382,44
E Jakob Karpfinger ("Weltrekord"):
Mittel: 420,24
V Hartmut Schulze: vL: 363,90
E Michael Jakob: vR: 397,15
V Hartmut Schulze: vL: 350,90
E Michael Jakob: vL: 405,44
V Dag Cammann-Walczak: Mittel: 339,33
E Stefan Penz : Mittel: 390,35
V Hartmut Schulze: Mittel: 360,41
E Kai Koppenburg: Mittel: 411,90
E Michael Jakob: vR: 433,79
E Stefan Penz: Mittel: 413,37 |
Die Liste der angemeldeten Weltrekorde ist hier zu finden: - http://records.fai.org/data?c=8
Aktueller Eintrag für unsere beiden Anwärter:
F3 Open |
Aeroplane
Piston Motor |
145: Speed |
382.44 km/h |
27 Sep 2009 |
CAMMANN-WALCZAK (GER) |
preliminary record claim received |
15617 |
F5 Open |
Aeroplane
Electrical Motor Rechargeable Sources |
175: Speed |
420.24 km/h |
27 Sep 2009 |
KARPFINGER (GER) |
preliminary record claim received |
15616 |
Die Tage in Bildern
Bildmaterial von Jakob Karpfinger, Konrad Kunik, Stephan Peereboom, Voker Wollert und Ulrich Horn.
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Videoschnipsel 14Mb |
Freitag

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