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Bau- und Erfahrungsbericht Elapor-Modell "Merlin" von Multiplex
(Elektro-Version)

Udo Fiebig

Eigentlich hatte ich dieses kleine Elapor-Modell schon für meine US-Hangflugtour im Mai/Juni 2009 ins Auge gefasst. Über alle Achsen steuerbar, nur etwa 78 cm Spannweite und auf kleinstes Packmaß zerlegbar, das wäre ideal gewesen. Und auch an solchen Hängen fliegbar, an denen keine brauchbare Landefläche vorhanden ist.
Leider kam es zu einer etwas längeren Verzögerung, bis die ersten kleinen Merlins ausgeliefert wurden.

Aber dann stand er endlich zur Verfügung. Ich konnte den kleinen bunten Karton mit dem 'Fliegerle'-Bausatz in Empfang nehmen. Gleichzeitig hatte ich auch den optimal passenden Antriebssatz "Merlin -TUNING" Li-BATT powered, Best.Nr. 333653" einschließlich dem empfohlenen 3S-Lipo 450 mAh bestellt. Und natürlich die erforderlichen vier Nano-S-Servos.

Im neugierig geöffneten Karton präsentierten sich super aufgeräumt in einem besonderen Schaumteil die doch teilweise recht filigranen Einzelteile des Merlin. Dieses Schaumteil ist auch für den späteren Transport des fertigen Modells hervorragend geeignet. Dazu gibt es übrigens bei MPX (für die Perfektionisten) eine Transporttasche mit Umhängemöglichkeit (Best.Nr. 76 3316).

Und hier der Tuning-Antriebssatz im Detail - mit zwei Klappluftschrauben:
7x4'' für zügiges Steigen, 8x5'' für senkrechtes Steigen

Wer nicht zum ersten Mal ein Modell (egal ob Schaum oder sonst wie) baut, wird gleich erkennen, dass in der Konstruktion eines solch kleinen 3achs-gesteuerten Modells eine gehörige Portion Gehirnschmalz steckt. Deshalb zollte ich dem MPX-Konstruktions-Team schon vor dem eigentlich Aufbau ein respektvolles Lob. Wirklich genial gelöst erscheint mir die Anlenkung des steck- und verriegelbaren Höhenruders.

Die mitgelieferte Bauanleitung mit zahlreichen Detaildarstellungen der einzelnen Baustufen lässt wirklich keine Fragen offen. Wer sich an die empfohlene Reihenfolge hält, kann eigentlich keinen Fehler machen.
Die Anleitung kann von Interessierten auf der MPX-Homepage eingesehen und heruntergeladen werden:
http://www.multiplex-rc.de/cms/vorschau/upload/d_anleitungen/m_merlin_5sp.pdf

Da ich bereits während des Tests nach Einzelheiten der Höhenruder-Anlenkung gefragt wurde, hier eine Detailaufnahme mit Erläuterungen, die einiges klarmachen sollte:

Für alle Verklebungen ist das neue 'Zacki-Elapor' von MPX sehr zu empfehlen, da es in der Regel die Verwendung eines Aktivator-Sprays überflüssig macht.

Ein Blick auf den Bereich der Tragflächenaufnahme, bevor die Rumpfhälften miteinander verklebt werden:

Sehr vorsichtig und mit sparsamem Sekundenklebereinsatz sollte beim Verkleben der CfK-Flächenholme und der Flächensteckung vorgegangen werden. Gerät hier Sekundenkleber in die Öffnung, die für die Aufnahme des gegenüberliegenden Holms vorgesehen ist, gibt's eine schöne Fummelei. Diese Öffnung muss dann vorsichtig mit einem langen Bohrer und einer Spitzfeile wieder freigemacht werden. Ist mir leider so passiert, deshalb ist das Ende des Holms auch leicht angespitzt.

Auf der nächsten Aufnahme ist die Verriegelung der Tragflächen zusehen. Sie halten die beiden Hälften per 'Klick' absolut sicher, springen aber bei zu hoher Belastung (z. B. zu schnelle Landung in hohem Gras) problemlos auf und vermeiden so Schäden.

Etwas Mühe sollte man sich mit der angedeuteten Kabinenhaube geben: Rundum sauber abkleben und dann mit der Sprühdose lackieren. Ob zur Vorbereitung der empfohlene Primer für Elapor von MPX verwendet wird oder hier einfach leicht mit Aceton (!!!) abgewischt wird, sei jedem selbst überlassen. Aber so ein bisschen Lack macht schon etwas her.

Hier noch ein Blick auf ein Querruderservo und das absolut stabile und gleichzeitig leichtgängige Ruderhorn.

Das ist schließlich das Ergebnis nach etwa vier Stunden Modellbauaktivität. Ein wirklich nettes, kleines 'Fliegerle'. Noch sieht man ihm allerdings nicht an, was alles in ihm steckt.

Der kleine 2,4 GHz-Empfänger 'RX-6-DR light M-Link' von MPX passt perfekt in den Rumpf. Der 3S-LiPo 450 mAh wird mit Klettband direkt unter der Rumpfklappe angebracht, sodass der Schwerpunkt genau stimmt.

Dann ging's am Wochenende zu unserer Hauswiese mit Hang auf die Schwäbische Alb. Zum Erstflug wurde der kleineren 7x4'' Luftschraube der Vorzug gegeben. Motor an, ein kleiner Schubs und schon fliegt der Merlin zügig los:

Zwar sieht der kleine Merlin in der Luft größer aus als er mit seinen 78 cm Spannweite tatsächlich ist, dennoch erfordern Flugaufnahmen ziemlich viel Geduld, Übung und etwas Glück. Er ist nämlich meist recht flott unterwegs und direkt vor der eigenen Nase möchte man auch nicht gerade herumfliegen.
Sicherheitshalber hatte ich sowohl für Quer- als auch für Höhenruder 40 % Exponential programmiert. Das war auch gut so, denn der Merlin reagiert besonders auf die Querruder sehr direkt. Was natürlich dazu führte, dass ich bereits beim Jungfernflug so richtig reinlangte. Langsame Rollen gehen sehr gut, schnelle Rollen sind beeindruckend zackig. Da gehen dann auch gleich mehrere nacheinander, was von den anwesenden Kollegen immer mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Aber man kann's auch gemächlicher angehen lassen. Eine Flugphase mit leichter Trimmung auf 'hoch' macht den Merlin ganz zahm und trotzdem noch sauber folgsam.
Und er hat mich dann auch gleich bei etwa 10-15 km/h Wind am Hang überzeugt. Okay, ein Leichtwindmodell ist der kleine Merlin nicht und die Flugleistung eines F3J-Floaters wird er nie erreichen. Aber eine Ablösung, die er so in 30 - 40 m Höhe erwischt, kann man schon mit ihm auskurbeln.
Richtig Spaß bringt es aber, ihn so richtig knackig loszulassen. Rauf, mit Schmackes wieder runter, dabei Loops, Rückenflug und natürlich ein paar Rollen, das mag der kleine Zauberer. Zur Landung sollte man ihn etwas aushungern und dosiert die Querruder hochstellen. Dann setzt er sich ganz brav vor den Füßen ins Gras.
Mit dem 450er LiPo und der kleinen Luftschraube erreichte ich ungefähr 7-8 Minuten Motorlaufzeit.
Nach einigen Flügen musste dann aber auch die größere 8x5'' Luftschraube getestet werden. Auch hier haben sich die MPX-ler etwas einfallen lassen. Der Wechsel ist denkbar einfach und geht recht schnell. Nur die vordere Schraube des Spinners lösen, dann die Passstifte (die die Luftschraubenblätter halten) aus den Halterungen drücken, die neuen Blätter einsetzen, Passstifte reindrücken, Spinnerkappe festschrauben, fertig!

Der Akku ist frisch geladen. Dann mit stehendem Motor raus über die Hangkante und 'Motor ein'. Hoppla, da merkt man aber schon einen kleinen Unterschied. Der Merlin zieht nun richtig feurig los. Ein leichter Tick auf Höhe und er geht tatsächlich senkrecht in den Himmel. Ist ja fast ein Hotliner! Auch wenn meine Welt eigentlich reine Segelflieger sind, macht es mir doch einen Heidenspaß, den elektrifizierten Merlin so richtig zu scheuchen. Besonders der Wechsel von schnell und heiß auf langsam und sittsam ist immer wieder interessant. Aber den Kommentaren der Kollegen konnte ich deutlich entnehmen, dass sie den Merlin lieber flott unterwegs sehen möchten.
Dann kam natürlich nach einem erneuten vertikalen Aufstieg mit zahlreichen senkrechten Rollen auch bald aus dem Hintergrund die Aufforderung: "He, das sollte doch auch direkt aus der Hand gehen!" Nachdem die Jungs nach der Landung weiterbohrten, habe ich's dann - wenn auch mit leichten Bedenken - tatsächlich riskiert.

Den Merlin mit der Nase senkrecht nach oben hinten vor dem Leitwerk angefasst, dann den Motor ein und sicherheitshalber mit ganz leichtem Schubs freigegeben. Er geht tatsächlich problemlos senkrecht auf die Reise 'in den Orbit'. So eine Beschleunigung hatte ich eigentlich nicht erwartet. Sieht wirklich stark aus.

"Profifotograf" Tobi Schnurr hat solch einen Start bei unserem Besuch in Kirchzarten dankenswerterweise mal festgehalten:

Ebenso gut gelungen seine Aufnahme vom Endanflug:

Mein Fazit nach ausführlicher Flugerprobung auf dem Heimatplatz und am Hang:

  • Wieder eine hervorragend durchdachte Konstruktion des MPX-Teams,
  • der Aufbau des Modells ist dank der ausführlichen Bauanleitung in wenigen Stunden möglich,
  • es ist ein Modell, das auch dem Modellflieger, der sonst 'schon alles' geflogen hat, enorm viel Spaß bringt,
  • von ziemlich heiß bis absolut zahm ist alles „drin“,
  • das Modell kann wohl in fast jedem Pkw als 'Immer-dabei-Modell' zusammengebaut mitgeführt werden,
  • durch das kaum schlagbare kleine Packmaß ist es ideal für die Mitnahme auf die Urlaubsflugreise,
  • aber: Auch wenn der Merlin auf den ersten Blick klein und possierlich aussieht, ist er für den Einsteiger in den Modellflug wirklich nicht geeignet. Das Modell erfordert schon einen absolut sicheren Piloten am Steuerknüppel.

P.S.
Ach ja, einen Leckerbissen hab' ich da noch; näher ran ging's nicht.

Fotos: Udo Fiebig, Eva Fiebig, Tobias Schnurr

Hersteller Merlin und Zubehör
Multiplex Modellsport GmbH & Co KG, 75015 Bretten (Gölshausen)

Bezug über den Fachhandel

Homepage: http://www.multiplex-rc.de/

Empf. VK-Preis Bausatz Merlin:                              74,90 Euro
Empf. VK-Preis Tuning-Antriebssatz inkl. Lipo-Akku:  119,80 Euro
Empf. VK-Preis Tuning-Antriebssatz ohne Lipo-Akku: 99,80 Euro

 

Stand: 26.12.2009