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Agrar- und Löschflugzeug PZL M-18 Dromader

Wolfgang Zähle


 

Kurzgeschichte der M-18

In der DDR waren in den siebziger Jahren mit der industrialisierten Landwirtschaft große Schläge entstanden, die aviochemisch mit Agrarflugzeugen wie L-60 Brigadyr, Z-37 Cmelák, PZL 106 Kruk und PZL M-18 Dromader behandelt wurden. In den letzten Jahren seines Bestehens bearbeitete der Interflugbetrieb-Agrarflug rund fünf Millionen Hektar im Jahr und hatte 310 Agrarflugzeuge. Von den in den Jahren 1985 bis 1989 importierten 58 Dromader war im Jahr 2006 nur noch der klägliche Rest von vier Maschinen bei der Firma FSB-Airservice GmbH mit Stammsitz am Flugplatz Kyritz/Heinrichsfelde im Einsatz, deren Bestand im Sommer 2006 durch zwei Totalverluste weiter reduziert wurde. Die Geschichte der M-18 beginnt Anfang der siebziger Jahre bei PZL-Mielec. Der Erstflug der Agrarflugvariante fand am 27. 8.1976 statt, der des Löschflugzeuges am 11.11.1978. Die Serienproduktion lief im September 1978 an und bescherte PZL-Mielec einen großen wirtschaftlichen Erfolg, inklusive der nationalen Zulassungen für Flugzeug und Motor in den Exportländern.

Der vom polnischen Lizenzbau des Doppeldeckers Antonow AN-2 stammende 1000 PS starke Schwezow Motor ASch-62IR, den die Polen in Lizenz als Kalisch-K9-Motor bauen, erlaubte auch die Ausführung einer Löschflugzeugvariante der M-18 schon ab dem Produktionsjahr 1978. Infolge der schlechten Erfahrungen mit der Kruk kooperierten die Agrarflugtechniker der Interflug (IF-Betrieb Agrarflug) zwei Jahre lang an einem Verbesserungsprogramm mit dem polnischen Hersteller, damit die Maschine die ostdeutschen Anforderungen erfüllen sollte. So wurde die amerikanische Tunnelstreuanlage Transland 20250 durch eine neue verbesserte Ausführung des Typs „Krajowy“ ersetzt. Weitere Ergebnisse waren die Erhöhung der Reichweite, die Erprobung einer Überlastvariante mit erhöhter Zuladung von Chemikalien bis 2300 kg und der Einbau einer Kabinenheizung.

Zusätzlich erhielt auf Forderung der IF-Agrarflug die ab 1984 gebaute Ausführung M-18A einen Mechanikersitz. Die für die Interflug gebauten Maschinen trugen am Rumpf den Schriftzug „M18A-DROMEDAR“, nicht „Dromader“. Der Motor wurde auf eine Startleistung von 980 PS reduziert und kam so auf einen Verbrauch von 180 Litern pro Flugstunde. Dazu erhielt sie die von der AN-2 stammende Luftschraube AW-2-30 mit einem angepassten, kleineren Durchmesser von 3,3 m. Die Motordrehzahl wird über ein Planetengetriebe 1:0,687 untersetzt. Das erstklassig federnde Fahrwerk erwies sich als ideal für den Einsatz auf Feldflugplätzen.

Löschflugzeuge hatten im Jahr 1976 ihre erste große Bewährungsprobe, als im Gebiet der letzten großen Kesselschlacht des zweiten Weltkrieges, die Ende April 1945 bei Halbe/Teupitz stattfand, 300 Hektar Wald brannten und die Feuerwehren wegen ständig explodierender Munition am Boden nicht vorankamen. Mit Hilfe von drei Z-37 konnte nach mehreren Tagen der Brand eingedämmt werden. Daraus entwickelte sich dann bei der IF-Agrarflug ein eigener Arbeitsbereich für diesen Einsatzfall.
 

Technik der M-18

Die M-18 ist als Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit freitragendem ungepfeiltem Trag- und Höhenleitwerk als Rechteckflächen sowie gepfeiltem trapezförmigem Seitenleitwerk ausgeführt. Der Tragflügel ist in das Tragflächenmittelstück und die beiden Außenflügel mit trapezförmigen Endstücken gegliedert. Die Flächen haben ein NACA 4412 Profil, das an der Wurzel mit 16 % modifiziert ist. Das Mittelstück weist eine V-Form von 1,25° auf, die V-Form der Außenflügel beträgt 6°. Gegenüber der Rumpfachse ist die Fläche mit 3° angestellt. Das Höhenleitwerk hat als Profil ein NACA 0012, das Seitenleitwerk ein NACA 0010. Die Beplankung der Maschine besteht überwiegend aus Aluminiumblech. In besonders gefährdeten Bereichen, wie dem gesamten Rumpfboden, wird chemikalienbeständiges Edelstahlblech mit jeweils 1 mm Dicke verwendet. Es kann mit Schnellschraubverschlüssen schnell abgebaut werden.

Dank seiner hohen Sitzposition ermöglicht das Cockpit eine sehr gute Rundumsicht und soll bis 40 g crashsicher sein, ein Konstruktionsprinzip, das beiden Crash-Piloten im Sommer 2006 das Leben rettete. Der aus GfK gefertigte, im Schwerpunkt angeordnete Chemikalientank hat ein Fassungsvermögen von 2500 Litern, wird jedoch im Streueinsatz in der zugelassenen Überlastvariante nur bis maximal 2300 Litern befüllt. Für größere Überführungsreichweiten kann der Chemikalientank mit bis zu 2000 Litern Benzin betankt werden. Eine enorme Belastung für Mensch und Maschine ergibt sich beim Löscheinsatz des Flugzeuges, wenn in drei Sekunden 2000 Liter Wasser abgelassen werden. Für die Zelle gibt es keine Vorgaben hinsichtlich der zulässigen Betriebsdauer, deshalb kommen die Maschinen in jeder Saison in die Inspektion.


 

M-18 Modellbauhinweise

Dem Modellbauer steht als Vorlage die in Kyritz stationierte Löschflugzeugvariante der Dromader zur Verfügung, mit den nun historischen Bildern, denn die D-FOMH gibt es nicht mehr. Vielleicht wird er diese Flugzeuge mit weiß-gelb-schwarzem Anstrich auch bei seinem nächsten Urlaub in Polen, Kanada, Griechenland oder Portugal entdecken.
Der Autor und Godert Wuttke aus Pritzwalk als der Spezialist für DDR-Agrarflugmodelle haben dank dem großzügigen Entgegenkommen der Firma FSB-Airservice ein Aufmaß an einer M-18 in Kyritz nehmen können. Kurioser Weise stellte sich dabei heraus, dass die Länge des Flugzeuges nicht, wie überall zu lesen, 9,47 m beträgt, sondern 9,74 m. Es handelt sich also offenbar um einen Zahlendreher in der Literatur. Wir haben das mehrfach an den anderen drei Maschinen geprüft. Da die Maßvielfalt des Aufmaßes schlecht in die geringe Zeichnungsgröße eines Dreiseitenrisses passt, gibt es beim Autor für alle Nachbauinteressierten eine detaillierte CAD-Zeichnung im erforderlichen Maßstab mit allen zum Nachbau erforderlichen Maßen, sowie auszugsweise DIN-A4-Kopien aus dem M-18-Handbuch mit sämtlichen technischen Daten und eine CD mit den Bilddateien. Den ausführlichen, siebenseitigen Beitrag zur M-18 Dromader inklusive 3-Seiten-Riss mit Farbangaben und 19 Fotos kann man in der MFI Heft 2/2006 nachlesen, erhältlich bei Modellsport (www.modellsport.de).

 

Stand: 11.06.2010