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Eine Brandungsbarkasse

Karl-Ernst Jencok

Mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift

Es ging wieder einmal auf den Winter zu, die Abende wurden länger und die „Outdoor-Aktivitäten“ weniger. Wie jedes Jahr im Herbst wurde die Suche nach geeigneten Modellbauprojekten intensiviert, um die Freizeitbeschäftigung nun vermehrt wieder in den warmen Keller zu verlagern. Beim Durchblättern gesammelter Unterlagen stieß ich erneut auf den DIN A4 großen Generalplan einer Barkasse, dessen Realisierung ich bereits mehrfach verschoben hatte. Doch dieses Mal habe ich mich durchgerungen – die Brandungsbarkasse wurde gebaut!

Dies erforderte zuvor aber noch eine Menge an Überlegungen und Zeichenarbeit. Durch Vergrößern des Generalplans, geringfügiges Ändern des Spantenrisses und des Aufbaus entstand auf dem Reißbrett zwar kein vollständig neues, aber doch ein auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes Boot. Spanten, Verstärkungsleisten, Kiel, Bodenbretter, Ruder und Stevenrohr, Aufbauten und Beschläge mussten zuerst „modellbaumäßig“ hergerichtet werden. Der Kielspant wurde fünfteilig ausgeführt, um das Stevenrohr und den Ruderkoker aufnehmen und kleinere Abmessungen von Sperrholz verwenden zu können. Die Spanten dienen gleichzeitig als Auflage für die zwei Einlegeböden, sprich Akku- und Motorengrundplatte sowie  Rudermaschinenbrett. Außerdem wird daran die Umrandung des Decksausschnitts angeschlagen. Wichtig war mir, dass die ganze Konstruktion stabil, aber dennoch leicht sein sollte. Die Konstruktion überzeugte mich nach Abschluss der Arbeiten und danach wurde die Brandungsbarkasse auf Kiel gelegt.

Schleppgeschirr und mittlerer Lukendeckel

Der Einsatzzweck solcher Brandungsboote um die Jahrhundertwende lag wohl im Retten von in Seenot geratenen Seeleuten und dem Bergen liegen gebliebener kleinerer Boote. Mittels des auf dem Achterdeck befindlichen Schlepphakens konnten die havarierten Boote in Schlepp genommen und in den schützenden Hafen gebracht werden. Die Brandungsbarkasse war ein reines Zweckboot und musste daher primär see- und wellentauglich sein. Die Ausstattung war daher sehr spärlich und auf das Allernotwendigste beschränkt. Je weniger auf dem Schiff herumliegt oder je weniger sich darin befindet, desto weniger kann sich bei starkem Seegang selbstständig machen. Das vordere Deckshaus ist eigentlich nur ein Maschinenraumoberlicht, eine Unterkunft für die meist nur aus zwei Mann bestehende Besatzung gab es nicht, da die Einsatzzeit nur auf wenige Stunden ausgelegt war.


Steuerstand am Aufbau mit montierter Persenning
 

Der Bauplan

Auf Anfrage einiger Modellbauer habe ich mich entschlossen, den Bauplan der Brandungsbarkasse über den Neckar-Verlag zu veröffentlichen, damit er möglichst vielen Modellbaukollegen zugänglich wird. Der Bauplan wurde so gestaltet, dass die wesentlichen Beschlagteile und praktisch alle Bauteile wie Kiel, Spanten, Einlegeböden usw. bereits einzeln heraus gezeichnet sind. Die Zeichnungen müssen also nur noch auf das Baumaterial übertragen werden, danach kann man sie sofort aussägen. Die eine Seite der Draufsicht zeigt den halb beplankten Rumpf mit halber Maschinenraumabdeckung, die andere Seite das Spantengerüst mit hinterem Rudermaschinenbrett. Die Seitenansicht zeigt den unbeplankten Rumpf, jedoch mit Deck und Maschinenraumabdeckung. Nicht gesondert beschriebene Bauteile und Zubehör sind dem Bauplan zu entnehmen. Wie beim Modellbau nach Plan üblich, sollten natürlich alle Teile dennoch mit ein wenig Übermaß ausgesägt werden, um noch etwas Reserve zum genauen Ein- und Anpassen zu haben.

Die Brandungsbarkasse ist in Rundspantbauweise gefertigt und mit einer Holzbeplankung aus Red Meranti versehen. Das vordere Deck aus 1-mm-Sperrholz habe ich mit Furnierleisten beplankt, die schwarze Kalfaterung dazwischen ist mit Kartonstreifen imitiert.


Der fertige Rumpf noch ohne Decksbeplankung

Das hintere Deck besteht aus 1-mm-Sperrholz und aufgeklebtem Schleifpapier mit 150er-Körnung, um der Decksoberfläche die Optik eines rutschfesten Belags zu geben. Überkommendes Wasser kann über die seitlichen Speigatten ablaufen. Unter der mittleren Luke verbergen sich die Ladebuchse und der Schalter der RC-Anlage.

Achterschiff mit Ruderservobrett, Ruderkoker und Lukenumrandung

Durch die hintere Luke ist der Zugang zum Ruder und zur Ruderanlenkung möglich. Der Schornstein besteht aus 0,5-mm-Messingrohr, der Lüfter aus einem 90-Grad-Fitting.

Über ein Gestell aus 2,5-mm-Messingdraht wird die Persenning aus Segeltuch gespannt, das Ganze ist als komplette Einheit abnehmbar. Die Doppelkreuzpoller aus Messing, das Schleppgeschirr, die Bullaugen, das Steuerrad, die Reling, die Laternen und das andere Zubehör habe ich selbst angefertigt, nur die passenden Reifenfender besorgte ich mir im Zubehörhandel. Als Antrieb dient ein ziemlich dicker 12-VElektromotor aus der schon oft erwähnten Grabbelkiste, der seinen Fahrstrom über einen Drehzahlsteller aus einem 12 V/7,2-Ah-Bleiakku bezieht.


Ein Blick ins Innere mit Antriebsmotor, Wellenanlage und RC-Komponenten

Die Fahrzeit beträgt damit, je nach Fahrstufe, mehrere Stunden. Wer keinen einigermaßen passenden Motor mehr im Fundus hat, sollte sich einen Motor wie den SPEED 720 BB Torque anschaffen. Damit ist die Brandungsbarkasse dann auch Schleppeinsätzen gewachsen. Neben der Steuerung von Motor und Ruder habe ich meine Barkasse noch mit einem Geräuschgenerator (Schiffsdiesel), einem Nebelhorn sowie einer funktionsfähigen Beleuchtung ausgestattet. Die Bauzeit betrug ca. 300 Stunden.

Vordeck mit Doppelkreuzpoller, Tankverschluss und Spritzwasserleisten  

So ganz nebenbei sei erwähnt, dass sich die Brandungsbarkasse ohne den Aufbau natürlich auch sehr gut als Dampfbarkasse eignen würde. Dank ihrer Abmessungen und dem Völligkeitsgrad von 0,5 kommt sie auf eine Verdrängung von 10,2 kg. Bei einer Erhöhung des Tiefgangs auf problemlos mögliche 10 cm ergäbe sich dann schon eine Verdrängung von 12,75 kg. Bei einem Leergewicht der Bootsschale von ca. 1,5 kg inkl. Ruder, Ruderservo und Antriebswelle betrüge die Zuladung dann etwa 11 kg, also durchaus ausreichend für eine funktionstüchtige Dampfanlage.

Um den Nachbau der Brandungsbarkasse noch mehr zu erleichtern, ist zusätzlich
zum Bauplan auch noch ein Frästeilesatz erhältlich. Dieser beinhaltet insgesamt 24 fix und fertig passgenau CNC-gefräste Teile, und zwar die neun Spanten (6-mm-
Pappelsperrholz), eine Grundplatte (6-mm-Pappelsperrholz), das hintere Bodenbrett
(6-mm-Pappelsperrholz), den aus fünf Teilen bestehenden Kiel (8-mm-Pappelsperrholz), sechs Kielverstärkungen (2-mm-Flugzeugsperrholz) und zwei Kielverbinder (6-mm-Pappelsperrholz), siehe Foto. Mit diesem Frästeilesatz steht das komplette Spantengerippe schon nach kurzer Zeit beplankungsfertig auf der eigenen Helling.

Der Bauplan ist unter der Best.-Nr. 9836 für € 26,– erhältlich, Bauplan und Frästeilesatz gibt es ebenfalls ab sofort zum günstigen Komplettpreis von € 119,– unter der Best.-Nr. 9835 beim Neckar-Verlag.

Technische Daten  
Länge: 98 cm
Breite: 26 cm
Tiefgang: ca. 8 cm
Verdrängung: ca. 12,5 kg
Maßstab: 1:10
   

www.neckar-verlag.de

Stand: 11.02.2010