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Erfahrungsbericht Vision-Plus von MiBo

Udo Fiebig

(Vision-Plus = "noch mehr Erscheinung")

Nach einem unserer regelmäßigen Hangflugurlaube auf der Gerlitzen in Kärnten bot es sich wieder mal an, einen Besuch bei MiBo in Logatec/Slowenien anzuhängen. Bei einem vorausgehenden Telefongespräch mit dem Firmenchef Bogo Stempihar konnten wir vereinbaren, dass er den Prototyp seines neuen F3J-Modells "VISION-PLUS im Hause hatte und ich die Möglichkeit bekommen sollte, einen Probeflug damit machen zu dürfen.

Leider war es dann schon fast früher Abend, bis wir uns auf seinem Flugplatz treffen konnten. Der VISION-PLUS war schnell aufgebaut und begutachtet. Aber weder eine Winde noch ein Gummiseil waren vorhanden. Da traf es sich nun sehr gut, dass ich auf dieser Flugtour den kleinen EMA-Motoraufsatz von Florian Schambeck im Gepäck hatte. Der brachte seither schon recht oft meinen Vision-Sport auf ausreichende Höhe. Da die Positionen der Flächenbefestigungsschrauben bei beiden Modellen identisch sind, war der VISION-PLUS ganz schnell damit ausgerüstet. Hier nochmals mein Dank an Bogo Stempihar, dass er mir den Prototyp anvertraute. Wie von der Sport-Version gewohnt, wurde auch der Plus ohne Motor abgeworfen und erst im Gleitflug eingeschaltet. So lässt sich das unvermeidliche Nickmoment beim Anlaufen problemlos ausgleichen. In kurzer Zeit waren ca. 100 m Höhe erreicht und ich konnte ohne Antrieb die Ruderwirkung erproben. Das gefiel mir schon recht gut, direkt und doch angenehm weich. Mittlerweile war es etwa 20 Uhr. Trotzdem spürte ich, dass sich da leichtes Steigen einstellen wollte. Unglaublich, langsam aber sicher konnte ich mit stetigem Kurbeln gut und gerne weitere 100 m Höhe (ohne Motorhilfe!) gewinnen.
Dann musste diese Höhe natürlich im Schnellflug vernichtet werden. Und hier konnte man nun deutlich hören, dass MiBo das Modell für das 'Soaren' konzipiert hat. Schnell geflogen wird er eindeutig lauter als der Vision-Sport. Als Profil nennt MiBo ein " MT-25750-L", eine mir bisher nicht bekannte Bezeichnung. Es handelt sich dabei offensichtlich um ein auf Basis des bekannten HQ/W in Slowenien in Richtung geringstes Sinken modifiziertes Profil. Und das schien mir nach dem vorhergehenden beeindruckenden Flug auch gelungen zu sein.

Also war danach (mit wohlwollender Zustimmung meiner Ehefrau) die Bitte an Bogo Stempihar fällig, mir so bald wie möglich solch einen 'Super-Soarer' nach Baden-Württemberg zu liefern.

Es dauerte dann aber doch einige Monate, bis ich mein Exemplar in den Farben weiß/blau aus der ersten kleinen Musterserie in Empfang nehmen konnte. Sauber verarbeitet, wie schon vom bewährten Vision-Sport gewohnt, die Flächen durchgehend mit Carbon-D-Box. Mit dem Modell wurden auch alubeschichtete Flächen- und Leitwerksschutztaschen geliefert, ein kompletter Kabelbaum, ein Ballastset sowie eine Tüte mit Kleinteilen.
(Dazu will ich gleich anmerken, dass dies wirklich ein Modell aus der Vorserienfertigung des Herstellers war und so nicht zur Serienauslieferung kommen sollte. Ich habe mir später noch einen zweiten VISION-PLUS in Serienausfertigung gönnen dürfen!)

Zum VISION-PLUS gibt MiBo die nachstehenden technischen Daten an:

Spannweite ca. 3505 mm
Rumpflänge ca. 1618 mm
Tragflügelprofil MT-25750-L
Höhenleitwerksprofil SD8025
Tragflügelinhalt ca. 68,8 dm²
Höhenleitwerksinhalt ca. 6,9 dm²
Gesamtflächeninhalt ca. 75,7 dm²
Fluggewicht je nach Ausrüstung ab ca. 1950 g

Eine 3-Seiten-Ansicht ist auf der MiBo-Homepage zu finden.

Bevor die obligatorische Frage nach den Leergewichten der einzelnen Komponenten kommt, hier eine Aufstellung (so gewogen bei meinem 2. Plus-Exemplar in der endgültigen Serienausführung):

Rumpf inkl. Haube 368 g
Höhenleitwerk 50 g
Fläche Mittelteil 586 g
Fläche links 268 g
Fläche rechts 268 g
Leergewicht Modell 1540 g
Kleinteile, Verbinder, Anlenkungen,
Kabelbaum usw.
120 g
Alle Servos, Empfänger, Akku usw. 319 g
Gesamtgewicht (abflugbereit) 1979 g

Da dieser neue VISION-PLUS vom Konzept her weitestgehend an den bewährten Vision-Sport angelehnt ist, möchte ich für Einzelheiten zum Bau bzw. zur RC-Installation auf meinen entsprechenden Bericht im Magazin von RC-Network verweisen: Erfahrungsbericht Vision-Sport von MiBo

Die Bauanleitungen dazu finden sich mittlerweile auf der MiBo-Homepage:
http://www.MiBomodeli.si/slike/Bauanleitung%20Vision-Sport-Segler.pdf
http://www.MiBomodeli.si/slike/Bauanleitung%20Vision-Sport-Elektro.pdf

Auf den Einbau des Ballastrohrs habe ich zunächst verzichtet. Haupteinsatzzweck des Modells sollte ja das Auskurbeln leichtester Aufwinde sein.

Als Servos kamen für die Wölbklappen und Querruder Robbe/Futaba S3150, fürs Höhenruder Hitec HS85MG und fürs Seitenruder Graupner C271 zum Einsatz. Die S3150-Servos habe ich natürlich mit den bewährten Servorahmen von Michael Frey (http://www.servorahmen.de) eingebaut, die ebenfalls von MiBo geliefert werden. Etwa 100 g Blei wurden, wie beim Vision-Sport beschrieben, in der Rumpfspitze platziert.

Erfreulich: Beim VISION-PLUS ist bereits ein verstellbarer Hochstarthaken eingebaut. Der Aufwand zum nachträglichen Einbau an dieser schlecht zugänglichen Stelle entfällt also.
Auch die Durchbrüche für die Anlenkung von Wölbklappen und Querrudern waren bei diesem Vorserienmuster bereits angebracht.

Beim Einbau von Servos, Empfänger und Empfängerakku im Rumpfvorderteil gab es absolut keine Platzprobleme.

In diesem Bereich habe ich mich für folgende Komponenten entschieden:

  • Empfänger:                Multiplex RX-9-SYNTH-DS M-PCM compact
  • Höhenruder-Servo:      Hitec HS85MG
  • Seitenruder-Servo:      Graupner C271
  • Empfänger-Akku:         4 Zellen GP2000

Da bei diesen ersten VISION-PLUS-Exemplaren auch im Rumpfvorderteil noch CfK-Gewebe verwendet wurde, habe ich die Empfängerantenne, wie schon beim Vision-Sport, auf möglichst kurzem Weg aus dem Rumpf heraus nach hinten geführt.

Bei der Einstellung von Einstellwinkeldifferenz und Schwerpunkt habe ich mich im Prinzip an meine guten Erfahrungen mit dem Vision-Sport gehalten. Das waren daher wieder 1,0° EWD und der Schwerpunkt bei 94 mm.

Flugerprobung

Über die ersten Flüge des VISION-PLUS gibt es nichts Außergewöhnliches zu berichten. Zum Jungfernflug am Himmelberg bei Schwachwind über die Kante geschoben, flog das Modell so, als ob es schon oft in seinem Element gewesen wäre. Die Reaktionen waren genau so, wie ich sie schon beim Probeflug in Slowenien erlebt hatte, absolut gutmütig.

Obwohl so gut wie keine Thermik vorhanden ist, macht der VISION-PLUS Meter um Meter Höhe. Bei einer Flächenbelastung von unter 30 g/dm² hatte ich eigentlich auch nichts anderes erwartet. Aus etwa 100 m Höhe wurde das Modell dann zur Überprüfung des Abfangbogens im 45°-Winkel beschleunigt. Nun konnte man ihn im Schnellflug deutlich hören, Höhenruder neutral und er fing sich einfach ideal im ganz leichten, weiten Bogen ab. Das kann besser kaum sein!

Schon die ersten Landeanflüge waren fast optimal, die Zumischung von Tiefe bei Butterfly musste nur minimal erhöht werden. Im Schritttempo kommt der VISION-PLUS eingeschwebt. Daher ist es kein Problem, ihn einfach in die ausgestreckte Hand landen zu lassen.

Bei etwas kräftigerem Hangwind konnte ich mich am nächsten Tag davon überzeugen, dass der VISION-PLUS auch damit gut zurechtkommt. Obwohl nicht aufballastiert und somit nur mit einem Fluggewicht von ca. 2 kg unterwegs, ließ er sich zügig am Hang bewegen. Das Modell ist sicherlich nicht dafür gedacht, dennoch lässt sich ein einfaches Kunstflugprogramm auch mit der Spannweite von 3,50 m ganz ordentlich absolvieren.

Da sich die Wölbklappen bei Butterfly auf nahezu 90° fahren lassen, sind bei entsprechendem Gegenwind nahezu senkrechte Abstiege möglich. Es ist schon eine Augenweide, wie der VISION-PLUS absolut stabil, quasi fahrstuhlartig, sinkt. Nach einer Gewöhnungsphase lassen sich ein übers andere mal gezielte Punktlandungen (bei mir sind das keine Stecklandungen!) realisieren.

Als nächstes kam der VISION-PLUS auf dem Heimatplatz an die Winde. Zunächst recht gesittet, dann aber zunehmend schärfer. Dabei zeigte sich, dass sich die Tragfläche des Vorserienmodells bei ordentlicher Beschleunigung am Seil schon im Mittelteil deutlich durchbog. Die 35 cm mehr Spannweite gegenüber dem Vision-Sport scheinen da doch etwas auszumachen. Trotz der erkennbaren Biegung gab es aber kein Flattern oder andere erkennbare Probleme, ein ordentlicher Schuss aus dem Seil war immer drin.

Für schnelle 'Trainingsflüge' zwischendurch habe ich danach auch viele Gummiseilstarts machen können (15 m F3B-Gummi von emc-Vega und ca. 80 m Seil). So waren die bei den meisten Jedermann-Wettbewerben geforderten ominösen 200 Sekunden Flugzeit immer locker drin. In der Regel auch mit (nahezu) perfekter Landung.

Nobody is perfect

Aber nicht alles an diesem Vorserienmuster des VISION-PLUS war perfekt.

Bei der Druckprobe vor dem Aufbau fiel mir auf, dass der vordere Bereich des Rumpfes bis ca. 15 cm hinter der Flächenauflage sehr steif ist. Dann hörte schlagartig das CfK-Gewebe auf, sodass der hintere Bereich doch relativ weich zu sein schien.

Als ich im Sommer nach einem schönen Thermikflug zur Landung kam und die gemähte Piste von einem Motorflieger in der Vorbereitungsphase belegt war, musste notgedrungen daneben im höheren Gras gelandet werden. Nicht ganz gerade (wegen unterschiedlich hohem Gras) mit fast normaler Geschwindigkeit aufgesetzt, aber eigentlich sah alles recht gut aus.
Dann aber der Schreck. Genau dort, wo das CfK-Gewebe aufhört, war der Rumpf auf beiden Seiten eingerissen. Nur oben und unten hing er noch an ca. 15 mm Gewebe. Ärgerlich, aber unter Anwendung der bekannten 'Blätzli-Technik' war der Rumpf ein paar Tage später wieder repariert.

Die erkannten Mängel habe ich telefonisch ausführlich mit Bogo Stempihar von MiBo-Modeli besprochen. Dankbar wurden die Kritikpunkte aufgenommen und umgehend Maßnahmen zur Beseitigung zugesagt.

Das Serienmodell kommt

Es dauerte dann wieder einige Monate, bis MiBo mir mitteilen konnte, dass endlich die Test- und Optimierungsphase des VISION-PLUS abgeschlossen sei und die Serienfertigung beginnen konnte. Einige Zeit später brachte GLS in einem Riesenkarton mein zweites Exemplar des VISION-PLUS, als Sonderanfertigung in meiner Wunschfarbe 'gelb/rot' mit Federn auf dem Außenflügel.

Was besser gemacht wurde:

  • Rumpf für 2,4 GHz-Systeme optimiert (vorne ohne Kohle)
  • Rumpf durchgehend und gleichmäßig steif (ohne Soll-Bruchstelle)
  • Flächenmittelteil wesentlich steifer in Voll-CfK, Außenflügel in D-Box
  • Anlenkung der Wölbklappen geändert und verdeckt
  • Einfärbung des Rumpfs besser und dauerhafter

Hier dürfen die Antennen des 2G4-Systems im Rumpf bleiben

Die Wölbklappenanlenkung ist jetzt sauber verdeckt.

Das ist jetzt doch eine saubere Sache!

Mein gelb-roter Thermikschnüffler war bald startklar. Nachdem der 'Alte' in der Ebene Strukturschwächen gezeigt hatte, ging's hier gleich zum verschärften Test an die Winde. Nachdem Bogo Stempihar mir nur Gutes über die neue Tragfläche berichtet hatte, wurde beim Start sofort 'voll' gegeben. Das war schon mal ein Unterschied. Das vorher deutliche Durchbiegen war nicht mehr erkennbar. Die Optimierung der Fläche ist MiBo wirklich gut gelungen.

Der Neue ist startklar, jetzt mit 2,4 GHz.

Ich bin dann, wenn auch mit Bedenken, über meinen Schatten gesprungen und habe tatsächlich mehrere dieser grausigen F3J-Wettbewerbs-Stecklandungen (mit Schmackes) ausprobiert. Auch hierbei waren, selbst bei der folgenden intensiven Untersuchung, keine strukturellen Schäden oder Schwächen mehr erkennbar.

Nachdem ich mich eigentlich aus der Wettbewerbsfliegerei zurückziehen wollte, muss ich nun vermutlich demnächst doch noch einmal eingreifen.

Letzte brandaktuelle Informationen direkt von MiBo

Es wird nun neben der regulären X-Version (Kreuzleitwerk) auch eine V-Version angeboten. Als Sonderanfertigung kann dabei ein Fluggewicht von nur 1700 g erreicht werden!

Die Tragflächen werden nun standardmäßig durchgehend mit D-Box geliefert.
Auf Wunsch gibt es den VISION-PLUS (aufgrund von Anregungen einiger F3J-Spezialisten) auch mit Voll-CfK-Mittelteil und noch steiferem Holm. Das Mehrgewicht soll ca. 50 g betragen.

Alle Versionen des VISION-PLUS werden serienmäßig mit bereits eingebautem Ballasthalter geliefert.
Per Inbusschraube zu sichernde Ballastgewichte mit 200 g und 400 g sind separat lieferbar, bei PRO-Versionen bereits im Preis enthalten.

Zum normalen VISION-PLUS mit X- oder V-Leitwerk werden als Zubehör lediglich Kleinteile für die Anlenkungen geliefert.
In der PRO-Version sind zusätzlich im Preis enthalten:
Komplettes Kabelset, alukaschierte Flächen- und Leitwerksschutztaschen sowie Ballastset.

Zum Abschluss noch eine kleine Foto-Galerie


 

Mein Fazit nach vielen Flugstunden mit meinen beiden 'VISION-PLUS':

  • Als sinnvolle Ergänzung seiner 'Vision'-Reihe hat MiBo zum bewährten Vision-Sport mit dem VISION-PLUS einen wirklichen Soarer mit 350 cm Spannweite kreiert.
  • Hervorragendes Gleiten, besonders bei schwachen Bedingungen, exzellente Thermikeigenschaften. Bei stärkerem Wind kann bei Bedarf Ballast zugeladen werden.
  • Sehr gut geeignet für F3B-A-(Jedermann-) Wettbewerbe, oder auch ganz einfach zum genussvollen Spaßfliegen.
  • Ohne Zweifel - besonders bei schwachen Bedingungen – ist das Modell auch für 'richtige' F3J-Wettbewerbe geeignet. Die dabei üblichen Stecklandungen hält die stabile Konstruktion sicher aus.

Das Testmodell: VISION-PLUS - F3J-Wettbewerbsmodell

Preise zur Einführung am Markt (Stand 08.04.2010):

VISION-PLUS X oder V 869,-- Euro
VISION-PLUS in PRO-Version 949,-- Euro
Zzgl. Versand mit GLS 15,-- Euro

Bezug direkt von
MiBo-Modeli, Logatec/Slowenien
Tel. 00386 - 17 59 01 00 (man spricht deutsch)
( http://www.mibomodeli.si )

Fotos: Udo Fiebig, Frank Albrecht, Eva Fiebig

 

Stand: 24.04.2010