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YAK 55 M mit 1,4 m Spannweite von GB-Models

Ulrich Köster

1. Prolog

Als Einstieg erfolgt hier zunächst für alle diejenigen, die in der griechisch-orthographischen Mysteriologie nicht so bewandert sind, eine kurze Erläuterung des Begriffes Prolog.
Also, Prolog, das ist, wenn es los geht, aber irgendwie doch noch nicht, also wenn man noch nicht weiß, was man sagen oder schreiben soll, aber doch irgendwie beginnen möchte oder gar muss. Also los.

Im Anflug eines urplötzlich einsetzenden Wahnsinns habe ich mich, sogar zu meiner eigenen Überraschung, erneut an die Tastatur begeben, um das RCN-Magazin mit einem ganz ganz kleinen Baubericht zu beglücken.
Bevor aber jetzt ein Teil der Leser möglicherweise einen leicht humoristisch angehauchten Ausflug in die vertrackte Welt des Modellbaus erwartet, was beim Studium meiner bisherigen Berichte ohnehin eine völlig abwegige Hoffnung wäre, möchte ich darauf hinweisen, dass auch der nachfolgende Beitrag so trocken und langweilig werden wird, wie es sich selbst die größte Trantüte nicht vorzustellen vermag.
Ich möchte mich wie immer ausschließlich konkreten, objektiven Fakten widmen und dumme Sprüche komplett außen vor lassen. Aus diesem Grunde habe ich mich auch entschieden, keinen interaktiven Bericht im RCN-Forum, sondern lediglich eine passive smiley- und fischertechnikfreie Abhandlung für das RCN-Magazin zu verfassen. So kann ich ungehindert in meiner bekannten, rasend schnellen Art den Baufortschritt vorantreiben und fachgerecht eintönig dokumentieren.

Alle, die nicht bereits nach dieser Einleitung eingeschlafen sind, dürfen nun voller Anspannung weiterlesen.
 

2. Der Anfang

Nach einer geradezu grandiosen Karriere als weltberühmter Elektro-Segler-Pilot fühlte ich mich schon seit Längerem zu höheren Dingen hingezogen. Unter dem Motto „endlich raus aus dem Mais“ sollte die neue Herausforderung kein eigenstabiler, gegen verzweifelte Steuersignale vollkommen resistenter Segler mehr sein, sondern ein sportives Motormodell, perfekt abgestimmt auf mein unbändiges Naturell, natürlich auch wieder mit Elektroantrieb. Außerdem sollte es einerseits halbwegs handlich sein, anderseits aber auch wiederum nicht zu winzig, denn von den Seglern bin ich großräumiges Fliegen gewohnt, was den enormen Vorteil bietet, dass ein Absturz meist nicht allzu hautnah geschieht. Eine gewisse Distanz erleichtert nämlich den mentalen Umgang mit einer solchen Situation ungemein.

In der Klasse von etwa eineinhalb Metern Spannweite tut sich dazu passend ein nahezu gigantisches Angebot auf. Jedoch hatte ich nach etlichen Monaten Beobachtung der Szene die Nase voll von den vielen Caps, Edges, Extras, Katanas, Funtanas, Suks und wie sie alle heißen.
Auch das in meinen unqualifizierten Augen recht blasse italienische Dreifarben-Design wollte irgendwie nicht so recht meine uneingeschränkte Zustimmung finden, auch wenn gerade diese Modelle dafür stehen, ohne Änderungen aus der Schachtel heraus völlig problemlos zu fliegen. Okay, zusammenbauen und ausrüsten muss man sie vor dem ersten Flug natürlich schon noch.

Dann kam er, der Tag. Der Tag, an dem sich Gerhard Hanssmann wieder einmal Baubericht schreibend im Forum betätigte. Der Flieger, dem er sich diesmal widmete, war eine YAK 55 M in einem genial aufdringlichen gelb-rot-schwarzen Äußeren, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Auch die Größe erschien mir mit 1,4 m Spannweite wie für mich maßgeschneidert.
(Obwohl der Name dieses Fliegers ja ein wenig seltsam klingt. Hört sich YAK 55 M doch eher an wie der Internet-Alias eines männlichen, mittlerweile in die Jahre gekommenen tibetischen Zotteltieres…)

Nun bin ich kein Kunstflugpilot und erst recht kein 3D-Anhänger, dennoch beschloss ich, dass dieser Flieger einfach gut aussieht, scheinbar wenig Bauaufwand erfordert – obwohl gerade ich diesbezüglich keine Untaten scheue - und somit unbedingt mein Neuer im Stall werden muss.

So präsentiert er sich auf der Seite des Anbieters


Quelle: www.gb-models.com

Nach der Auswahl des Modells ging es nun darum, mir einen Händler des Vertrauens auszuwählen, um dort die Bestellung abzugeben. Die Wahl fiel auf einen freundlichen Fachhändler, der alles für den Elektroflug und zudem auch einige gefräste CfK-Zubehörteile anbietet.

Ich hatte die Bestellung kaum ausgesprochen, da stand der große Karton auch schon bei uns im Flur und versperrte die Badezimmertür, denn einfach die Schachtel öffnen und mit dem Bau beginnen war noch höchstrichterlich verboten. Es galt vielmehr - wie schon bei anderen Fliegern davor - das Leuchten des Weihnachtsbaumes abzuwarten.

Es vergingen schreckliche Tage und Wochen. Doch dann war es endlich soweit. Der Weihnachtsmann kam und das Leuchten strahlte nicht nur vom festlichen Baum sondern auch in den Augen des glücklichen Besitzers. Das Dauergrinsen dagegen spare ich mir für den Erstflug auf, selbstnatürlich in der Hoffnung, dass es kein Dauerheulen nach dem Erstflugabsturz werden möge.
 

3. Auspacken

Auweia, hoffentlich liest meine Frau jetzt nicht mit, denn das erste oberflächliche Auspacken und Begutachten des Kartoninhalts musste ganz klar so bald wie nur irgend möglich erfolgen. Schließlich wollte ich die Reklamationen nicht erst nach Weihnachten starten, sondern so früh wie möglich. Völlig endgetäuscht muss ich allerdings mitteilen, dass es leider keinen Rücksendegrund gab, aber auch wirklich keinen einen Einzigen. Alles ist perfekt aufgebaut, perfekt bebügelt, alle einzelnen Teile perfekt durchschüttelrüttelsicher voneinander abgetrennt und in Folie verpackt, die Kleinteile dabei in mehreren separaten Beuteln.

Das vollständige Auspacken geschah dann natürlich erst an Weihnachten. Ich habe dazu mindestens gefühlte 68 Kunststoffbeutel geöffnet und dazu 274 Klebestreifen entfernt.

Eine Übersicht über diverse Schrauben und Kleinteile und deren vorgesehene Verwendung befindet sich übrigens hier im Forum.

Und was gibt es zur beiliegenden Anleitung zu sagen? Sie scheint von jemandem geschrieben zu sein, der zwar genau weiß wie es geht, dieses Geheimnis aber nach Möglichkeit nicht mit allen seiner freundlichen Mitmenschen teilen möchte. Sie beschränkt sich auf die wesentlichen Angaben und enthält in der mir vorliegenden Printversion einige leicht unscharfe Schwarzweißfotos.
Zu ihrer Ehrenrettung muss ich jedoch anmerken, dass gleich zu Beginn darauf hingewiesen wird, der Baukasten sei nur für erfahrene Modellbauer geeignet (oops, doch die falsche Modellwahl für mich?...).
Das ist natürlich schade, denn im ARF-Zeitalter gibt es sicher den einen oder anderen guten Piloten, der im Gegentum zu mir zwar mit dem Betrieb des Modells problemlos zurechtkommt, jedoch keine unerschöpfliche Modellbauerfahrung mit bringt - äh, wie ich leider auch nicht.

Als ein willkürliches Beispiel für die Detailverliebtheit des Anleitungsverfassers sei die Beschreibung der Seilanlenkung für das Seitenruder genannt.

Der zugehörige Text lautet: …Seilanlenkung anfertigen – dabei nicht zu viel Vorspannung einstellen..., fertig, mehr nicht.

Aber es gibt ja die wunderbare Beschreibung von Gerhard Hanssmann, die kaum Fragen offen lässt.
 

4. Bauen

Dieser Baubericht von Gerhard im RCN-Forum ist bereits so detailliert und bestens bebildert ausgeführt, dass ich mir eigentlich jegliche Arbeit mit einer bloßen Wiederholung sparen könnte. Da eine Beschreibung im Forum allerdings immer mal wieder gerne durch fachfremde Kommentare von sowohl begeisterten als auch kritischen Usern und anderen Querulanten unterbrochen wird, will ich dennoch hier im RCN-Magazin möglichst lückenlos berichten, um eine Beschreibung in einem Stück zu liefern, aus einem Guss sozusagen, wie der Gärtner zu sagen pflegt. Da ich weiterhin nicht über einen so ungeheuren Erfahrungsschatz wie Gerhard verfüge, gibt es vielleicht auch das eine oder andere Detail, welches sich lohnt, aus der Sicht eines etwas weniger erfahrenen Modellbauers betracht zu werden, vielleicht auch nicht.

Es gibt ja sogar Mitmenschen, die felsenfest behaupten, zu einem ARF-Modell muss man gar nichts schreiben. Die ignorieren wir alle zusammen jetzt einmal gehörig.
 

4.1 Die Vorbereitung

Zu Beginn habe ich mir zunächst Besteck und Spachtelunterlage bereitgelegt.

Nein, nein, Text und Foto sind nicht etwa falsch, ich hatte an dem Tag lediglich noch nicht gefrühstückt. Okay, danach ging es aber los.
 

4.2 Das Tragwerk

Zunächst habe ich begonnen, die Vlies-Scharniere für die Querruder einzukleben. Denn ab Werk nur lose eingesteckt, erschienen sie mir ziemlich indifferent und dem zukünftigen, rauen Extrembetrieb nicht ganz gewachsen. Um zu erkennen, wie weit sie in den Flügel und die Ruder gesteckt werden dürfen, habe ich die Mitte mit Bleistift angezeichnet, in der Hoffnung, dass der Strich aus Blei nicht zu viel an unnötigem Gewichtszuwachs mit sich bringt.

Als Servos verwende ich die HS 225 MG, die mit wenig Spiel in die vorbereiteten Öffnungen in Flügel und Rumpf passen.

Die Servohebel, hier in dem Bild mit den Servos irgendwie etwas schlecht zu erkennen, müssen verlängert werden, was entweder mit den GfK-Teilen des Baukastens geschieht oder aber mit edlem CfK-Zubehör, welches aus unerfindlichen Gründen den Weg zu mir gefunden hat.

Diese wunderbaren Hebel besitzen sauber gefräste Vertiefungen, die exakt zu den zweiarmigen Hebeln u. a. der HS225 passen.
In folgendem Bild liegt vorne die 1,6 mm Vorgängerversion, noch ohne diese Ausfräsung.

Dazu passend gibt es natürlich auch die Ruderhörner in hellem, freundlichen Schwarz.

Eingebaut sieht das dann doch schon mal richtig gut aus. Ich denke, ich muss mir unbedingt jemand Erfahreneres für den Erstflug suchen…

Die Kugelgelenkanschlüsse lassen sich deutlich besser auf die Gewindeenden der Gestänge aufschrauben, wenn man sie mit einer leichten Fase versieht.
Ich habe das Gestänge übrigens an beiden Enden ca. 1 - 2 mm gekürzt, um es nicht bis zum Anschlag in den Kugelgelenkanschluss hineindrehen zu müssen.

Für einen steckbaren Servoanschluss habe ich das Servokabel etwa 7 cm hinter dem Servo abgeschnitten. Der Abschnitt kann im Rumpf als Verbindung zwischen Stecker in der Rumpfwand und Empfänger verwendet werden. Die Länge ist allerdings abhängig von der Empfängerposition.
Der Kabelstummel am Servo muss danach noch entsprechend verlängert werden. Es wird eine Gesamtlänge von ca. 26 - 30 cm benötigt. Bitte alles gut verlöten und keine Leitung vergessen, die Steuerfolgsamkeit könnte ansonsten ein klein wenig leiden.

Die gesamte Stecker- und Buchsenpositionierung habe ich vollständig bei Gerhard abgekupfert:


 

4.3 Das Geleit

Und schon geht es nahtlos über zum Seitenruder, welches fairerweise gegenüber den Querrudern nicht benachteiligt werden sollte und zuerst auch seine Vliesscharniere erhält. Danach muss ein höllisches 2 mm Loch zur Fahrwerksaufnahme gebohrt werden. Nach dessen Montage können die Scharniere in die Seitenruderflosse eingeschoben und verklebt werden.

Nun fehlt dem Leitwerk zu seinem endgültigen Glück noch der für die Höhe zuständige Teil. Das geht eigentlich ganz einfach, wenn man sich an die Anleitung hält und vor dem Verkleben der Leitwerksteile alles genau ausmisst, auch wenn das für den einen oder anderen fürchterlich lästig erscheinen mag, also, das genaue Ausmessen meine ich. Auf dem folgenden Bild bin ich kurz vor dem Einkleben der Scharniere, um das Ruder anzuschlagen. Äh, stimmt nicht, bin ja gar nicht zu sehen, dafür aber das Leitwerk.


 

4.4 Die Seilschaft oder auch der Drahtseilakt

Nachdem das Leitwerk sitzt, Seiten- und Höhenruderservo eingebaut sind, kann der Kampf mit den Drahtseilen beginnen, für die ich mich in beiden Fällen entschieden hatte. Dieser Teil des Aufbaus war für mich völlig neu. Bisher kannte ich Ruderanlenkungen nur in Form von Schubstangen oder Bowdenzügen.

So sehen die wundersamen Teile aus, die dafür dem Baukasten beiliegen.

Man kann jedoch auch einseitig auf die Beschläge und deren Verstellmöglichkeit verzichten und die Seilschlaufe direkt am Servo- oder Ruderhebel einhängen. Das ist vermutlich Geschmacksache oder auch abhängig davon, wie viele Verstellmöglichkeiten man gerne hätte.

Eigentlich wollte ich ja den Klavierstimmer meines Nachbarn bestellen, der kennt sich nämlich mit solchen Drähten aus. Da ich aber nicht wusste, ob er den richtigen Sinn für das passende Anlenkungsspiel besitzt, habe ich mich doch lieber selbst darüber hergemacht. Zudem ist es möglicherweise auch nicht unbedingt notwendig, die Seilspannung auf Kammerton A abzustimmen. Sanft spielfrei spannen genügt völlig. Hoffe ich doch mal.
Der ganze Einbau ist dann halb so schlimm wie wild. Die Seilschlaufen am Ende halten nach Einstecken des freien Seilendes in die Hülse schon so gut, dass man sich in Ruhe an die korrekte Länge herantasten kann, bevor man die Hülsen zusammenquetscht. Das geht mit einer einfachen Flachzange, besser ist natürlich eine Hülsenzange.

Kleine Anmerkung: Sollte man sich doch einmal verquetscht haben, was mir natürlich niemals nie nicht nimmer passieren kann, dann findet man im Fachhandel Ersatz in Form einer 0,75 mm Drahtlitze. Etwas schwieriger ist es dagegen, die Quetschhülsen zu bekommen, denn nicht jeder Händler hat so etwas in seinem Sortiment. Wer allerdings z. B. ein Fachgeschäft für Anglerbedarf um die Ecke hat, kann auch dort mal vorbeischauen. Deren Kundschaft braucht so etwas, wenn sie mit Drahtseilen hantieren muss, da nämlich einige ihrer raubfischigen Opfer die normale Angelschnur glatt durchbeißen.

Etwas vigeliensch ist das Einfädeln der Seile durch die Spanten im Rumpf, so dass sie möglichst frei laufen ohne sich dabei gegenseitig in die Quere zu kommen.
Aber auch für dieses Problem gibt es von Gerhard sehr hilfreiche Hinweise im bereits genannten Forenthema.

 

 

Stand: 05.05.2010