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Zwei Speed-Weltrekorde

Rolf Pietschmann

Mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift

Rückblick auf die Speedflugsaison 2009

Mit zwei neuen Weltrekorden ging die Speedflugsaison 2009 zu Ende: Dag Cammann-Walczak mit 382,44 km/h bei den Verbrennern und Jakob Karpfinger mit 420,24 km/h in der Elektroklasse sind die neuen Rekordinhaber! Was passierte noch in der Saison 2009?

Der FAI-Weltrekord Nr. 145 bei den Verbrennern ist wieder in deutscher Hand. Werner Käseberg hatte diesen mit 320 km/h im Juli 1970 aufgestellt, ihn aber 1972 an den Russen Myakinine, der 343,92 km/h flog, verloren.
In der Elektroklasse verlief die Entwicklung in den letzten Jahren umso rasanter: 2007 flog David Dzida in Neumagen-Dron einen neuen Rekord mit 360 km/h, 2008 konterte Stefan Penz mit 394 km/h (noch inoffiziell), und nun Jakob Karpfingers Rekordflug in Rothenburg/Oberlausitz, der auf die Anerkennung wartet.
Doch der Reihe nach: Die Saison 2009 begann im Mai mit dem Speedcup in Dachau, gefolgt von der deutschen Meisterschaft im August in Osnabrück sowie, als krönender Abschluss des Jahres sozusagen, den Weltrekordversuchen Ende September in Rothenburg/Oberlausitz. Die neuen Rekordhalter hinterließen hierbei deutlich ihre Spuren, wie wir gleich sehen werden.

Holger Mittelstädt präsentiert erstmalig die Neuentwicklung »FLAME Evolution« mit zurückgesetztem SP60 mit einer Fernwelle, integriertem Resorohr, minimaler Leitwerkfläche an einem langen Hebelarm. Rohbaumodell des »Weirich Speeder 2007«. Dieses immer noch aktuelle Modell hat alle Voraussetzungen für den Sieg.
Die »FAITAI«-Gang aus dem Bayernland: Peter Koppendorfer und Rolf Pietschmann
Im wahrsten Sinne Pechvögel: Schamburger mit »Eisvogel« und Jakob mit »Eagle«
 

Speedcup Dachau

Insgesamt hatten hier 22 Piloten gemeldet, geflogen wurden fünf Durchgänge in drei Verbrennerklassen: (bis 6,5 cm³, bis 10 cm³; bis 15 cm³) und in der Elektroklasse (max. 42 V Akkuspannung). Die Mess-Strecke war in Dachau von 200 auf 150 m verkürzt worden. Gemessen wurde mit der präzisen und für Weltrekordversuche zugelassenen Anlage von , bedient von Mario Roos. Dag Cammann-Walczak legte hier einen perfekten Saisonauftakt hin und gewann die 10-cm³-Klasse sehr knapp vor Joachim Weirich, und die 15-cm³-Klasse mit gleicher Geschwindigkeit wie Hartmut Schulze, aber besserem 2. Durchgang. Die 6,5-cm³-Klasse wurde von den erfahrenen Pylon-Piloten Michael Jakob und Joachim Weirich mit erprobten F5D-Modellen und Metkemeier-Motoren dominiert, die Elektroklasse von einem Modell namens »Eisvogel« im Verbund mit Strecker-Motoren. Die Top Five sind jeweils in der Tabelle aufgelistet. Erwähnenswert ist der 3. Durchgang von Erwin Schamburger in der E-Klasse: Er erzielte von einer Richtung (mit Rückenwind) eine Spitzengeschwindigkeit von 456 km/h, und sofort kam wieder die Diskussion um die Genauigkeit der Messanlage auf. Aus heutiger Sicht bestehen nun keine Zweifel mehr an der damals erzielten Geschwindigkeit.

Unsanfte Landung: Kai Koppenburgs »Weirich Speeder 2007« mit Novarossi 10 cm³ Immer noch ein gutes Anfängermodell und für jedermann zugänglich: die »Cobra« von Fliegerland, hier die Version von Guido Diehl mit 10er-Rossi
Und Action: Start des Modells »Speedei« von Hartmut Schulze, Werfer Dag Cammann-Walczak Der neue 15er-OPS, eingebaut in den »Kaiser Speeder« von Sacha Wendt. Leider „nur“ 316,5 km/h
 

Die DM in Osnabrück

26 Teilnehmer in vier Klassen bei geflogenen vier Durchgängen, d. h. jede Menge Action über zwei Tage auf dem Fluggelände des ausrichtenden Osnabrücker Modellsport-Clubs DO-X e. V. Der Trend geht zu den FAI-Klassen mit 10 cm³  bzw. Elektroantrieb, die kleinste Verbrennerklasse bis 3,5 cm³  war z. B. gar nicht besetzt. Bewährt hat sich die Ausgliederung der Weltrekordversuche, dadurch verdoppelte sich nämlich die Anzahl der geflogenen Durchgänge. Doch nun zu den Ergebnissen: Bernd Kleist konnte mit seinem bewährten 6,5er-Speedmodell »VR40« nach Wechsel auf einen 7 x 10"-APC-Prop (in einer Kohleversion) mit deutlichem Vorsprung diese Klasse für sich entscheiden: 343,8 km/h. Dies ist die bisher höchste geflogene Geschwindigkeit auf der 200-m-Strecke in dieser Klasse (nur nebenbei: Er war hier sogar schneller als mit seinem 10-cm³-Motor in der höheren Klasse und erzielte somit persönliche Bestleistung). Die 10-cm³-Klasse erlebte ein Revival mit Joachim Weirich: Mit 394,4 km/h zeigte er, dass der Lucky Punch von 2007 reproduzierbar ist, zumindest durch ihn selbst. Aber auch Cammann-Walczak konnte sich verbessern und blieb Joachim auf den Fersen: 372,9 km/h, 2. Platz. In der 15-cm³-Klasse ließ er sich den 1. Platz nicht nehmen und flog 383,7 km/h, gefolgt vom deutschen FAI-Rekordhalter Hans Joachim Schaller mit 372,5 km/h. In der Elektroklasse dann die Überraschung: Jakob Karpfinger, in Dachau noch knapp unterhalb der 400-km/h-„Schallmauer“, konnte hier erstmalig auf der 200-m-Strecke diese Marke übertreffen und gewann hochverdient mit sensationellen 418,8 km/h.

»FAITAI E-vo«: Powercroco 4020 mit kegelförmigem Adapterring, NACA-Einläufe zur Kühlung des Motors und des Reglers, Kühlkörper des Hacker-Reglers liegt in der freien Strömung Schöner Vergleich: Steve Penz hat seinen »Hayabusa« nun auch mit einem MB 40 motorisiert. Leider kam es zu keinem Flug mit Wertung. Die Flächen zeigen die Verwendung unterschiedlicher Kohlefasergewebe
  

Weltrekordversuche Rothenburg/Oberlausitz 2009

Die Erfahrung der vergangenen Jahre führte zu der weisen Entscheidung, die Weltrekordversuche von der deutschen Meisterschaft zu trennen. Die Hektik und der Stress im Wettbewerb standen immer im Widerspruch zur sorgfältigen Vorbereitung auf einen Weltrekordflug. Der ruhige Verlauf dieser Versuche bei einem deutlich kleineren Teilnehmerfeld war sicher mit eine Ursache für die erzielte Rekordflut. Die alten Weltrekorde wurden mehrfach übertroffen und es ist mir eine Freude, als Chronist diese Leistungen hier aufzuführen:
Mit Dag Cammann-Walczak, Rolf Pietschmann, Hartmut Schulze und Holger Mittelstädt übertrafen gleich vier Piloten in der 10-cm³-Verbrennerklasse den alten WR! In der Elektroklasse lagen drei Piloten über dem alten (noch inoffiziellen) Rekord: Jakob Karpfinger 420,24 km/h, Stefan Penz 413,37 km/h und Kai Koppenburg 411,9 km/h. Schon der erste Flug am Samstagmorgen weckte Hoffnungen: Peter Koppendorfer erzielte mit seinem »FAITAI«, angetrieben von einem Novarossi, 339 km/h im Mittel. Für Peter bedeutet das zugleich österreichischen Rekord.
Kurz danach flog Dag 344,76 km/h mit seinem »Nr.1« und einem O. S.-Motor 61 RF, im Anschlussflug 380,41 km/h mit »Nr. 2« und einem O. S.-61 VR-ABC. Das Team Cammann-Walczak/Schulze war professionell vorbereitet. Jeder hatte in der Verbrennerklasse vier Modelle am Start! Rolf Pietschmann alias Dr. Topspeed flog dann seinen »FAITAI« mit OPS 60 VAE mit 373,44 km/h durch die Strecke. Dies war persönlicher Rekord, aber leider hatte Dag die WR-Latte schon etwas höher gelegt. Bei den Elektrofliegern hatte Jakob Karpfinger mittlerweile unter großem Jubel die magische Grenze von 400 km/h überschritten: 402,81 km/h, neuer Weltrekord, zumindest für den Samstag.
      Am Sonntag konnte Holger Mittelstädt nach mehrfachem Anlauf trotz motorischer Schwierigkeiten den alten Weltrekord ebenfalls übertreffen: 347,03 km/h im Mittel mit seinem »Weirich-Speeder«, Motor: Eigenentwicklung SP60. Cammann-Walczak legte nach: 382,44 km/h und somit aktueller Weltrekord. Sein Teamkollege Hartmut Schulze konnte den alten Weltrekord in seinem letzten Flug auch noch überbieten: 360,41 km/h mit »Speedei« und Rossi. In der Elektroklasse blieb es spannend bis zum Schluss; Jakob Karpfinger steigerte sich zunächst auf 420,24 km/h, Kai Koppenburg erzielte 411,9 km/h (pers. Bestleistung), und dann hätte fast Stefan Penz den Rekord noch an sich gerissen: Im letzten Flug des Tages scheiterte er mit 413,37 km/h nur knapp. Alles in allem eine super Veranstaltung, die endlich einmal den Erwartungen gerecht wurde.

Dr. Ralph „powercroco“ Okon präsentiert seinen Powercroco 4235-Motor eingebaut in Michael Jakobs »Eagle« Der Triebkopf des ģEAGLEĢ von Michi Jakob: brutale 8000 W Eingangsleistung werden auf einen Powercroco 4235 losgelassen
Die angehenden Weltrekordinhaber: Jakob Karpfinger 420,24 km/h in F3S-F und Dag Cammann-Walczak mit 382,44 km/h in F3S-D Erstmalig wurde beim Dachauer Speedcup erfolgreich ein Klapp-Propeller eingesetzt: 353,2 km/h im »FAITAI E-vo«, Motor Scorpion 4020 und 8s-Kokam 3200

Im Folgenden möchte ich kurz auf den Entwicklungsstand der einzelnen Komponenten eingehen.

Propeller:
Bei den Verbrennern werden ausschließlich Kohlefaserpropeller geflogen. Alle Spitzenpiloten bauen diese selbst in Formen, Größe zwischen 8 x 10" (Camman-Walczak u. Schulze) und 7,5 x 13,5" (Pietschmann). In der Elekt­roklasse werden nun auch Klapp-Propeller erfolgreich eingesetzt. Hier geht der Trend zu immer mehr Steigung: auf den Powercroco-Motoren z. B. 9 x 14" oder 9 x 17,5". Der neue WR-Prop ist allerdings klein: 7,1 x 11", hergestellt in einer eigens gefrästen Aluminiumform.

Verbrennerantriebe:
In der 10-cm³-Klasse gibt es einen Zweikampf zwischen O. S.- und OPS-Motoren. Der letztes Jahr noch hoch gehandelte Novarossi hat sich bisher nicht durchsetzen können. Peter Koppendorfer hatte seine Motoren mit etwas zu großem Auslasswinkel versehen und fand keine dauerhafte Einstellung. Der dritte der DM, Stefan Winkler, flog eine ungewöhnliche Kombination: Kurbelwellenteil von Rossi, Kolben und Gehäuse von MAC/MDS und Eigenbau-Einlass-System. Toll! Die Neuentwicklung SP60 wurde erstmalig bei den WR-Versuchen von Holger Mittelstädt eingesetzt. Dieser Motor ist noch nicht ganz konkurrenzfähig, hat aber erhebliches Potenzial und wird 2010 sicher eine wichtigere Rolle spielen, evtl. sogar mit Fernwelle verbaut.

Elektrische Antriebe:
Man nehme einen Strecker-Motor, einen Hacker-Regler 90 Basic Speed Edition und 10 LiPos SLS3200/35C, fertig ist der Weltrekord. Alternativ Powercroco-Motoren der Größe 3525, 4020 oder 4235 gekoppelt mit YGE-Regler, diese Kombi ist auch Erfolg versprechend. Die Eingangsleistung sollte schon so um die 5000 W betragen, um vorne mitzufliegen. Meine ersten Erfahrungen mit einem original Scorpion 4020 und 8 Kokam 3200 ergaben in Dachau über 350 km/h. Dieses günstige Setup hielt gut 15 Flüge, bis ich dem Motor mit über 130 A für 15 s Dauer doch etwas zu viel zugemutet habe.

Modelle:
In der Verbrennerklasse gibt es eine erstaunliche Vielfalt, was die Geometrie angeht: F3D-Renner, ab und zu ein Delta, dann die klassischen Speeder von Kaiser oder Weirich mit V-LW oder Kreuzleitwerk oder aber Nurflügelauslegung (mit SLW). Rümpfe meist in Glas/Kohlebauweise, Fläche vereinzelt noch in Styro/Holz, das Modell »FAITAI« kommt komplett aus Formen in Kohle/Kevlar/Glas-Bauweise.

Fernsteuerungen:
Hier ist der Trend zu 2,4 GHz ungebrochen. Nur noch selten sieht man eine lange und bremsende Antenne am Modell. Aus Gewichtsgründen werden vermehrt zwei kleine LiPos mit Spannungswandler als Empfängerstromversorgung eingesetzt.

Bedanken möchte sich der Autor im Namen aller Piloten bei den Organisatoren und Helfern Mario Roos, Roland Dieterle, Konrad Kunik und Ulrich Horn von RC-Network Modellsport e. V. und bei der Flugplatz Rothenburg/Görlitz GmbH, vertreten durch Rolf Zimmermann und Volker Wollert.

 

Stand: 02.07.2010