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Ikarus Race-Hovercraft „craftair“

Christopher Schmidtmann

Mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift

Während meines Rundgangs auf der Modellbaumesse Friedrichshafen 2008 wurde wohl nicht nur ich in der Car-Arena von einer Neuerscheinung der Firma Ikarus überrascht: Auf einem nicht unwesentlichen Teil der Halle drehten die neuen Hovercraft-Modelle ihre Runden. Auch Messe-Besucher konnten die Modelle Probe fahren, um sich von dem Konzept zu überzeugen. Auf dem Kurs waren unterschiedliche Varianten des Hovercrafts zu bewundern. Zum einen das RTR-Modell „dragstair“ (siehe Test in SchiffsModell 6/09), zum anderen das Race-Hovercraft „craftair“. Letzteres wird als sog. Pro-Bausatz ohne Elektronik und Motoren angeboten.


"craftair" und "dragstair", die beiden Ikarus-Hovercrafts im Vergleich

Das „craftair“ unterscheidet sich vom „dragstair“ grundsätzlich schon einmal durch die verschiedenen Materialien des Chassis. Beim Fertigmodell kommt das schockresistente und unsinkbare Material Acropor® zum Einsatz, beim Bausatzmodell besteht der Rumpf hingegen aus einer Lexan-/ABSGemischtbauweise. Beiden Hovercrafts gemein ist, dass in ihnen eine Menge guter Ideen steckt, das wird auch anhand der Patente klar, die seitens Ikarus für diese Modelle angemeldet wurden. Beim „craftair“ ist vor allem der kompromisslose Leichtbau hervorzuheben, eine Grundvoraussetzung für gute Beschleunigung und Wendigkeit. Auch der „craftair“ verfügt über zwei getrennte Motoren für Schub und Luftkissen.

Mit dieser Konfiguration und einer möglichen getrennten Ansteuerung der Motoren, wie sie auch in dem hier vorgestellten Modell zum Einsatz kommt, lässt sich das Luftkissen über einen separaten Steuerkanal an die Gegebenheiten optimal anpassen. Es ist somit unabhängig von der Position des Gasknüppels. Positiv überrascht hat mich auch die Schürzenkonstruktion, die ähnlich der eines „großen“ Hovercrafts realisiert ist. Dank einer raffinierten Fixierung ist ein Wechsel der Schürze ohne große Umstände möglich.

Wie jedes Hovercraft eignet sich natürlich auch der „craftair“ zum Einsatz auf nahezu allen Untergründen, wobei hier aus Umfangsgründen hinsichtlich der generellen Auswirkung des Untergrunds auf den Beitrag des „dragstair“ in der Juni-Ausgabe verwiesen sein soll. Befassen wir uns lieber mit dem Bau des Modells. Als Vorgeschmack kann man sich auch schon mal die Videos vom Modell auf Youtube und unter www.ikarus.net anschauen.
 

DER BAUSATZ

Bereits beim ersten Blick in den Bausatz fällt auf, dass bei der Zusammenstellung der Komponenten konsequent auf Leichtbau geachtet wurde. Der Rumpf besteht aus Ober- und Unterschale, wobei die Oberschale aus sehr zähem Lexan gefertigt ist. Deren Lackierung kann bzw. sollte, wie im RC-Car-Sport üblich, von innen erfolgen. Die präzis tiefgezogene Unterschale sowie Luftruder, RC-Abdeckung und Duct (Schutzring um den Schubpropeller) bestehen aus ABS. Des Weiteren liegen dem Bausatz schwarz eingefärbte GfK-Teile bei, hierzu gehören die Motorträger, die obere Aufhängung der Luftruder und deren Anlenkung. Die Ruderachsen und die Sturzeinstellstreben des Duct bestehen hingegen aus CfK. Sehr lobenswert ist es, dass dem Bausatz gleich zwei Schürzen beiliegen, an Ersatz wurde also gleich gedacht. Abgerundet wird der Bausatz durch alle möglichen Klein- und Zubehörteile wie Propeller, Schrauben, Muttern, Klebe- und Klettband, die zum erfolgreichen Bau des Modells benötigt werden. Damit das alles auch richtig zusammengesetzt werden kann, gibt es natürlich auch eine Bauanleitung in Deutsch und Englisch, die mit Text und Fotos der einzelnen Teilabschnitte durch den Bau führt. Ergänzt wird das alles durch Papierschablonen, die zum Zuschneiden von Duct, Ruderblättern und RC-Abdeckung aus den beiliegenden ABSPlatten dienen.

Nach der Inspektion aller Komponenten und dem Studieren der Bauanleitung kann es also ans Werk gehen. Begonnen wird mit dem Zuschneiden der Rumpfober- und Unterschale. Die obere aus Lexan lässt sich wunderbar mit einer speziellen Lexan-Schere zuschneiden, diese gibt es im RC-Car-Zubehör. Leider weist das Lexan an einigen Stellen eine sehr geringe Materialstärke auf, speziell im Bereich der RC-Box, eventuell sollte man also deshalb daran denken, hier Verstärkungen einzuarbeiten. An der Unterschale aus ABS kann man die Schnittkante einfach mit einem scharfen Skalpell abfahren und anschließend das überflüssige Material durch Knicken abbrechen. Beide Teile wurden daraufhin mit Schleifpapier an den Kanten bearbeitet, so dass ein sauberer Abschluss entstand. Im folgenden Abschnitt verwarf ich die Empfehlung der Bauanleitung, die Oberseite schon zu diesem Zeitpunkt zu lackieren. Erst einmal wurden alle nötigen Bohrungen und Ausschnitte in die beiden Schalen eingearbeitet, um zu vermeiden, dass diese Arbeiten bei einer lackierten Schale Spuren hinterlassen würden. Bei diesen Tätigkeiten handelt es sich um den Ausschnitt für den Liftmotor, die vordere Befestigung der Duct-Streben, die Befestigungslöcher für den Schubmotorträger, die zwei Ruderachsführungen, die Durchführungen für die Liftmotorkabel zur RCBox, den vorderen Aufhängungsschlitz des RC-Deckels und zu guter Letzt die Verschraubungspunkte zwischen Ober- und Unterdeck. Nachdem diese angefertigt und entgratet waren, wurde die Oberschale für das Lackieren vorbereitet. Hierzu sollte man das Lexan mit warmem Wasser und Spülmittel gut abwaschen, um alle Fettrückstände und Trennmittel zu entfernen – der Lack wird es später mit besserer Haftung danken. Lexan-Karosserien werden üblicherweise von innen lackiert, das hat den Vorteil, dass man nach dem Lackieren eine perfekte und gleichzeitig robuste Oberfläche erhält.


Schubmotorspant an der Oberschale montiert

Hat man, wie es ja generell sinnvoll ist, in der Anleitung schon etwas weitergelesen, stellt man fest, dass in den folgenden Bauabschnitten eine Verstärkung für den Boden der RC-Box und eine Lagerung für die Luftruder von unten auf das Lexan geklebt werden sollen. Besser ist es jedoch, diese Teile nicht auf dem Lack zu befestigen, daher wurde vor dem Lackieren der entsprechende Bereich abgeklebt, um später eine einwandfreie Klebefläche zu haben. Die Ruderlagerung wurde gar nicht verklebt, sondern im Hinblick auf die Haltbarkeit verschraubt. Nach dem Lackieren der Oberschale mit spezieller Lexan-Farbe erhielt die Unterschale die benötigten Ausschnitte, hierbei handelt es sich in erster Linie um die Löcher für die Luftauslässe. Zu ihrer Herstellung kann ein sog. Karosseriebohrer (RC-Car-Zubehör) verwendet werden, mit dem man mit viel Gefühl in Handarbeit die entsprechenden Bohrungen vornehmen kann. Die anzufertigenden Löcher gliedern sich in zwei Kategorien: Die außen liegenden dienen zum Aufblasen der Schürze, die inneren bilden das Luftkissen aus. Trickreich ist deren Position, denn diese befinden sich nicht direkt auf Bodenhöhe, sondern versenkt im Rumpf. Im Betrieb auf dem Wasser wird dadurch wirkungsvoll verhindert, dass bei ausgeschaltetem Liftmotor Wasser eindringen kann. Das Hovercraft kann also auch ohne Motorkraft problemlos schwimmen! Bei der Unterschale erübrigt sich eine Lackierung, da diese vollständig zwischen Schürze und Oberschale verschwinden wird. Nachdem die Arbeiten an den Chassisteilen abgeschlossen waren, ging es an den Verbau der Anbauteile am Oberdeck. Die Ruder werden unten über die  beschriebene Verstärkung, in die später Messingrohre als Lager geklebt werden, geführt. Da der Boden der RC-Box gleichzeitig als Auflage und Befestigung zwischen Ober- und Unterschale dient (die Verbindung wird mit Haken- und Ösenband realisiert), muss dieser mit einer dünnen GfK-Platte verstärkt werden. Zugleich ergibt dies einen stabilen und verwindungsfreien Boden für die später einzubauenden RC-Komponenten und den Akku.


Ruderservo mit Gestänge

Nun gilt es, den Spant für den Liftmotor an der vorderen Aussparung anzukleben. Dies passiert von oben, auf der unlackierten Seite der Schale. Hierfür eignet sich Sekundenkleber. Beim Einbau sollte man nur darauf achten, dass auch alles sauber ausgerichtet ist, da eine spätere Korrektur nur schwer möglich ist. Ist der Kleber ausgehärtet, kommt der hintere Motorspant, welcher gleichzeitig die Form für den Duct vorgibt, an die Reihe. Dieser wird mit drei kleinen Inbusschrauben an der Lexan-Schale verschraubt. Leider liegen dem Bausatz nur Schrauben, Muttern und Scheiben in normaler Qualität bei und keine in Edelstahl, wie ich mir es bei einem Modell, welches mit Wasser in Berührung kommt, eigentlich wünschen würde. Die vorgesehenen Verschraubungen erhalten noch ein paar extra große Scheiben auf der Innenseite, um die punktuelle Belastung so gering wie möglich zu halten. Dies beugt Rissen bei den später mit Sicherheit einmal auftretenden stärkeren Belastungen vor. Gleiches gilt auch für die zu befestigenden Messingkugeln  am Rumpf, welche als Halterung für die Verstrebungen am Schubmotorspant dienen. Diese werden sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite vor dem Verschrauben mit Scheiben versehen.


Die fertige Ruderanlage

Auf den Einbau eines Antennenröhrchens konnte verzichtet werden, bei der in meinem Modell zum Einsatz kommenden 2,4-GHz-Anlage wird die Antenne einfach im Inneren des Rumpfes verlegt. Die Luftruder fertigt man aus der dickeren der beigelegten ABS-Platten nach den mitgelieferten Schablonen mit Hilfe eines scharfen Skalpells und einem Stahllineal. Nach dem Anritzen der Konturen lassen sich die Ruder dann einfach durch Biegen der Platte ausbrechen. Die Ruderachsen aus CfK-Stangen werden mit Sekundenkleber auf die Ruderblätter geklebt, ebenso werden die GfK-Ruderhörner in vorzubereitenden Aussparungen befestigt. Die Ruder habe ich dann im gleichen Gelb wie die Oberschale lackiert, nach dem gründlichen Trockenen können die Ruder montiert werden.

Mit einer Strebe, bestehend aus zwei Kunststoff-Gabelköpfen und einer CfK-Stange werden nun die Ruderblätter miteinander verbunden. Der Bauplan schlägt vor, das Lenkservo zwischen den Rudern zu verkleben, aus Sicht einer optimalen Anlenkung zwar der beste Platz, jedoch mit Sicherheit nicht der optisch ansprechendste. Aus diesem Grund wanderte das Servo bei mir in die RC-Box, von wo aus es mit einem gebogenen Stahldraht die Ruder ansteuert. Der Duct wird aus einer dünnen ABS-Platte ebenfalls nach Schablone ausgeschnitten, mit Befestigungsbohrungen versehen, lackiert und dann mit dem Rumpf verschraubt. Auch hier sollte man nicht mit Beilagscheiben geizen, um einem Ausreißen der Materialien vorzubeugen. Nachdem nun der Großteil des Modells fertig gestellt war, ging es an den Einbau der Motoren. Im Gegensatz zu den Empfehlungen in der Anleitung fiel die Wahl beim Liftmotor auf einen kleinen Brushless-Außenläufer. Der verwendete Motor wartet mit nur 1.100 kV auf.


Hubmotor

Wie der erste Test des Modells zeigte, konnte der Motor mit dem dem Bausatz beigelegten Propeller nicht genug Auftrieb erzeugen, woraufhin eine Zwei-Propeller-Lösung mit neuen Luftschrauben zum Einsatz kam. Ein Propeller wurde auf der Motorachse im Innenraum des Rumpfes befestigt, der zweite außen, auf dem Gehäuse des Außenläufers.
Tja, selber Schuld, wenn man Herstellerempfehlungen ignoriert … Betrieben wird der Motor mit einem kleinen Brushless-Regler, welcher im Governer-Mode arbeitet, wodurch die Drehzahl immer konstant bleibt. Auch beim Schubmotor bin ich von den Ikarus-Vorgaben abgewichen und habe einen Brushless-Innenläufer montiert. Dieser Motor, welcher eigentlich für kleine Impeller-Antriebe in Flugmodellen vorgesehen ist, bedarf ebenfalls einer speziellen Abstimmung. Die zur Verwendung kommende Luftschraube wird so gewählt, dass der Motor im für ihn vorgesehenen Leistungsbereich arbeitet. Dies bedeutet, dass durchaus Ströme von 40 A fließen dürfen. Dementsprechend sind Steller und Akku zu dimensionieren. Die beiden Drehzahlregler sowie der Empfänger finden ihre Plätze an der Seitenwand der RC-Box, wo sie mit doppelseitigem Klebeband befestigt werden. Dank dieser Unterbringung steht dann genügend Raum für einen entsprechend großen Akku zur Verfügung, der mit den auftretenden Strömen zurechtkommt. Für die Stromversorgung wird ein LiPo 3s1p-Pack mit 2.200 mAh (25C) verwendet. Zu beachten ist, dass an einem der Regler das Pluskabel am Empfängerstecker getrennt werden muss. Da nämlich beide Regler über BEC verfügen, könnte anderenfalls der Empfänger beschädigt werden.


Schubmotor

Nach dem Einbau der Elektronik wurde die Schürze an der bereits vorbereiteten Unterschale aus ABS montiert. Dazu muss an dieser, wie in der Anleitung beschrieben, nach dem Ausrichten an entsprechender Stelle unten ein rechteckiger Ausschnitt herausgetrennt werden. Dieser legt die inneren Luftkissen-Bohrungen frei. Ist alles vorbereitet, wird die Schürze um den Ausschnitt herum mit doppelseitigem Klebeband an der Schale befestigt und somit die Schürze auf der Unterseite abgedichtet. Vor dem Verbinden der beiden Schalen sollte man die Schürze auf der Innenseite der unteren mit Klebebandstreifen fixieren. Dann können die Schalen zusammengesetzt werden, diese rasten in einer Nut ineinander ein. Vor dem Verschrauben der Schalen sollte man den Liftmotor einmal kurz Probe laufen lassen, um die Schürze endgültig auszurichten. Rutscht das Hovercraft nach einem kleinen Stoß gleichmäßig leicht in alle Richtungen, ist die Schürze korrekt positioniert.


Ein Blick auf die RC-Komponenten

Zwischen den freiliegenden Luftkanälen bekommt das Hovercraft noch eine Depronplatte verpasst. Durch diese wird der untere Bereich vor Beschädigungen geschützt, da sie einen Mindestabstand der empfindlichen Teile zum Boden garantiert, außerdem dient sie als Bremse, wenn der Liftmotor in der Drehzahl gesenkt wird. So, bis auf die RC-Abdeckung ist nun alles fertig gestellt. Auch diese wird wie alle anderen ABS-Teile mit Hilfe einer Schablone ausgeschnitten. Da mir jedoch eine simple Abdeckung zu langweilig war, sollte noch eine Verschönerung mit einer Fahrerfigur folgen. Der wild entschlossene Pilot wurde mit der Abdeckung verklebt und anschließend bemalt. Nun stand den ersten Testfahrten nichts mehr im Weg.
 

FAHRERPROBUNG

Die erste Ausfahrt diente der Einstellung der Komponenten und des Antriebsstrangs. Auf dem Testgelände angekommen, war das Gefährt dann auch schnell betriebsbereit. Nun folgte das Einstellen der Liftmotordrehzahl. Nachdem der „Schwebezustand“ erreicht war (das dauert bei dem vorgewählten Regler-Modus einen Moment), konnte es dann auch richtig losgehen.


Den Fahrer kennen wir doch aus dem "Wild Willy" .
 

Vorsichtig wurde mit dem Schubmotor Gas gegeben und siehe da, das Hovercraft setzte sich zügig in Bewegung. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass das ausgewählte Gelände zwar von der Oberflächen-beschaffenheit gut geeignet war, jedoch eine gleichmäßige Neigung in eine Richtung besaß, welche das Steuern stark erschwerte, da das Modell immer in eine bestimmte Richtung abdriftete. Dies hielt mich jedoch nicht davon ab, die Leistungsfähigkeit des verbauten Antriebs zu prüfen. In mehreren Anläufen wurde nun versucht, das Hovercraft gerade auszurichten, um eine optimale Ausgangs-situation für einen ordentlichen Sprint herauszuarbeiten. Wie schon im Testbericht des „dragstair“ erwähnt, muss man sich erst einmal an den speziellen Fahrstil eines solchen Gerätes gewöhnen, da zum Lenken ja auch immer Schub vom Vortriebsmotor benötigt wird. Nach einer kurzen Eingewöhnung funktioniert das aber recht gut und man kommt mit den Eigenheiten zurecht. Nach ein paar „Kreuzfahrten“ ergab sich dann eine optimale Ausgangsposition und der Gasknüppel wurde an den vorderen Anschlag bewegt. Was ich nun zu sehen bekam, hatte ich wirklich nicht erwartet: Der kleine hochdrehende Brushless-Inrunner mit seinem 4,7“ x 4,7“-Prop beschleunigte das Gefährt zügig auf hohe Geschwindigkeit und ich hoffte nur, dass nicht unverhofft ein Hindernis in den Weg geraten würde. Noch bevor die Vmax erreicht war, musste ich allerdings den Gasknüppel schon wieder loslassen, da sich das Ende des Parkplatzes erschreckend schnell näherte. Total  übermotorisiert – aber so sollte es ja sein! Man ist ja auch nicht gezwungen, immer Vollgas zu geben.


Die ersten Proberunden fanden noch auf Schnee statt

Als Nächstes wurden noch einige Einstelloptionen ausprobiert. Zuerst wurde der Motorsturz etwas zurückgenommen, so dass der Druck durch den Schubmotor das Modell hinten nicht so stark an den Boden presste. Nach den ersten paar Proberunden hatte ich nämlich kleine Beschädigungen im hinteren Bereich der Schürze festgestellt. Und da ich nach der nächsten Fahrt auch meine Bastelfinger nicht vom Hovercraft lassen konnte – es heißt ja schließlich nicht umsonst Modellbau – wurde ein neuer Liftmotor, nämlich ein kleiner Hacker A10 12S verbaut. Mit ihm wurde auch das Zwei-Propeller-Konzept wieder verworfen und es kommt nur noch ein Propeller auf der Oberseite zum Einsatz. Da dieser Motor mit etwa 2.900 kV zu Werke geht, konnte auch die Steigung des Propellers wieder verkleinert werden. Dieser Motor hat sich nun im Fahrbetrieb bestens bewährt. Bei einem erneuten Testlauf auf einer wenig befahrenen Straße lief dann auch alles glatt und die getätigten Einstellungen konnten als gut befunden werden. Das Modell war sehr wendig, lief aber, wenn es sollte, auch einwandfrei geradeaus.

Höchste Zeit also fürs Foto-Shooting mit Geschwindigkeitsmessung durch GPSLogger. Bei dieser Testfahrt stand dann auch die erste Proberunde auf dem Wasser an. Wie schon erwähnt, schwimmt das „craftair“ auch ohne Motorkraft einwandfrei, dann Liftmotor an, das Luftkissen baut sich auf und der Überdruck aus dem Kissen entweicht seitlich mit dekorativen Wasserspritzern. Beim heftigen Beschleunigen drückt das Modell im ersten Moment die Nase leicht unter Wasser, Folge der Über-motorisierung, Besserung brachten nur gezielte Gasschübe, um das Modell zum Aufgleiten auf die Bugwelle zu überreden, dann kann mehr Gas gegeben werden. Nach einigem Hin und Her kam ich auf die Idee, das Verhältnis von Luftdruck in der Schürze und Luftdurchsatz für das Luftkissen zugunsten des Letzteren zu verändern. Gesagt, getan, nach dem Bohren weiterer Luftaustrittsöffnungen perfektionierte sich das Fahrverhalten und ein Nicken beim Beschleunigen war kaum mehr auszumachen. Grund für diese außerplanmäßige Anpassung ist mit Sicherheit das höhere Abfluggewicht meines Modells durch die frei gewählten Antriebskomponenten und im Speziellen durch den größeren Akku. Nach den Änderungen macht aber nun das Sliden und Cruisen auf dem Wasser richtig Spaß, man kann das Hovercraft mit gezielten Gasstößen richtig um die Kurven jagen und anschließend den Gashahn voll aufreißen, um zu beschleunigen. Bei glattem Wasser hält es trotz der massiven Übermotorisierung gut die Spur. Die gemessene Geschwindigkeit betrug im Mittel 25 km/h. Zu empfehlen ist auf jeden Fall eine Abdichtung der RC-Box, da ich nach den spritzigen Testfahrten doch einiges von dem kühlen Nass im Inneren vorfinden musste.

Nach der erfolgreichen Wassererprobung sollten mit dem neuen Setup dann auch gleich weitere Fahrten auf festem Untergrund folgen. Dabei konnte das Modell ebenso überzeugen wie auf Wasser, die erzielten Geschwindigkeiten auf festem Untergrund sind natürlich deutlich höher. Auf rauem Teerbelag wurden je nach Anlaufstrecke immer zwischen 50 und 60 km/h angezeigt. In diesem Geschwindigkeitsbereich ist die Kontrolle des Hovercrafts dann aber schon eine kitzlige Sache und wortwörtliche „Abflüge“ sind nicht immer zu vermeiden. Die nachfolgenden Überschläge hinterlassen dann natürlich schon ihre Blessuren, wer sein Hovercraft liebt, sollte also den Gasfinger besser zügeln, auch wenn er noch so juckt …
denn „craftair“-Fahren macht einfach Laune!


Rumtoben auf dem Wasser macht besonders Spaß


 

FAZIT

Ohne Einschränkung lässt sich sagen, dass das Race Hovercraft „craftair“ von Ikarus richtig viel Spaß bereitet. Wenn man sich allerdings nicht an die vom Hersteller vorgesehenen Standardkomponenten hält, muss schon etwas Geduld für Einstellarbeiten aufgewendet werden. Nimmt man sich aber die Zeit, wird man für die Mühe belohnt und bekommt eine richtige Rennsemmel, die sowohl auf Wasser als auch auf Land für Aufsehen sorgt. Mir persönlich macht der Betrieb auf dem Wasser sogar mehr Spaß. Die geringere Geschwindigkeit stört mich dabei nicht, aber das tolle Sliden in den  Kurven und das spritzende Wasser rechtfertigen immer wieder den Weg zum nächsten See.

Fest steht ferner, dass das Modell dem Käufer diverse Tuning- und Veränderungsmöglichkeiten bietet, es wird einfach nie langweilig.
 

Technische Daten

Maßstab: 1:10
Gewicht ohne Akku: 630 g
Gewicht Akku: 180 g
Länge ohne Luftkissen:
ca. 400 mm
Breite ohne Luftkissen:
ca. 240 mm
Höhe ohne Luftkissen:
ca. 200 mm
Schubmotor:
Ammo Brushless-Innenläufer mit 3.600 kV
Schubregler:
robbe roxxy 940-6
Liftmotor: Hacker-Außenläufer A10 12S mit 2.900 kV
Liftregler: robbe roxxy 908
Akku: Lipo 3s1p 2.200 mAh
Preis (Bausatz): € 129,–
   

Bezugsquelle: Fachhandel oder
Ikarus Modellbau
Tel. 07402/9291-900
www.ikarus.net

 

Stand: 13.09.2010