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Piper Pawnee „Crop Duster“

Horst Loeb

Nachdem ich 1999, nach einigen Jahren in der Segelfliegerei und noch mehr Jahren totaler Abstinenz, nach insgesamt 23 Jahren meine Modellbaukarriere wieder aufgenommen hatte, gewöhnte ich mich sehr schnell an die ARF-Zeit und konzentrierte mich voll und ganz auf’s Fliegen mit Schaum-, GfK- und Styro/Abachi-Modellen. Weil ich aber immer noch der Segelfliegerei zugetan war, waren viele meiner Modelle Scale-Segler, die – natürlich ohne Propeller in der Schnauze, ich mag das einfach nicht – Schwierigkeiten hatten, in ihr Element zu gelangen. Meine Segler wurden größer und schwerer und die dafür benötigten Schlepper im Verein waren rar. Also beschloss ich, einen eigenen Schlepper zu bauen, auch um möglichst viele Vereinskameraden zu motivieren, es mir gleich zu tun. Dies gelang ausgesprochen gut. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung meines Schleppers waren bereits fünf Schleppmaschinen im Verein im Einsatz, die leider oft genug selbst bei Bombenwetter vergeblich auf Segler warteten. Dass der Bau meines Schleppers so viel Zeit in Anspruch nahm, lag nicht daran, dass ich beim Bau nicht in die Puschen kam, sondern an der Wahl meines Schlepperprojektes. In Memoriam der guten alten Zeiten, wollte ich mal wieder so richtig mit Holz und Weißleim arbeiten und bestellte eine Piper Pawnee von Schneider Modell in Kufstein/Österreich.

Es kam eine schwere Schachtel, gefüllt mit 13 Kilo Holz. Daraus sollte ein Modell gebaut werden, und als wäre das nicht genug, sollte der Flieger auch noch scale sein (nicht wirklich vernünftig bei einem Schlepperprojekt, aber wer ist von uns schon vernünftig?), also mit Cockpitausbau, Nieten und allem was dazugehört (nur bei der Lackierung habe ich meiner Phantasie freien Lauf gelassen).

Summa summarum flossen ca. 400 Stunden in den Bau dieses Schmuckstücks.

Nachdem der Erstflug überstanden war, den ich – ob der vielen Stunden – diesmal nicht selbst machte (danke Marc!), wurde auch einige Male geschleppt.

Bei einer Landung jedoch kam, was kommen musste: Beim Ausrollen ins hohe Gras überschlug sich der Vogel. Das sorgsam gebaute Cockpit mit allen Scaleausbauten reduzierte sich von 20 cm auf 1 cm Gesamthöhe. Der raue Schleppbetrieb schien für meine Schönheit (oder besser schöne Hässlichkeit) dann doch nicht das Richtige zu sein. Während der vielen einsamen Stunden in der Werkstatt, beim Bauen eines neuen Scalecockpits, reifte in mir der Entschluss, die Pawnee nur noch als Showflieger einzusetzen. Einfach nur hin und her fliegen ist allerdings nicht gerade meine Vorstellung von Show. Etwas besonderes musste her. Nach einigen Stunden im Internet sah ich bei Youtube eine Pawnee als Agrarflugzeug im Sprüheinsatz. Das sollte es werden! Einfach eine Sprühanlage dran bauen und schon kann’s losgehen.

Einfach? Nicht wirklich. Nach einigen Recherchen in einschlägigen Threads war die Ernüchterung groß. Viele haben es versucht, das Ergebnis ließ jedoch immer zu wünschen übrig. Also Wasser (auch eingefärbt) geht wohl nicht. Babypuder ist für Löschsimulationen sicherlich geeignet, aber nicht für das Ausbringen unter der Fläche (und das hatte ich mir nun mal in den Kopf gesetzt).

Es musste also eine neue Idee her! Als ich Tage später ein Modell mit intensivem Smoker sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Den Qualm müsste man doch nutzen können. Also (der Flieger stand wegen des Cockpits sowieso noch in der Werkstatt) erst mal einen Smoker eingebaut. Hier habe ich die einfachste Lösung gewählt: Mit Druckluft und JetTronics-Ventil . Die Anordnung kann nebenstehendem Bild entnommen werden.

Es funktioniert ausgezeichnet bei minimalen Kosten. Das Biegen von Aluwinkeln zur Befestigung der Spraybars unter der Fläche war eine der leichteren Übungen. Diese werden in Gewindebuchsen geschraubt, die in die Fläche eingeharzt wurden. Der eigentliche Sprühbalken besteht aus zwei 10 mm Alurohren, in die ich je (Flächen)Seite 25 Bohrungen mit 2 mm Durchmesser gebohrt habe (bild5.jpg). Diese Bohrungen sollen im Sprühbetrieb 90° zur Flugrichtung stehen, so dass die um strömende Luft dort einen leichten Unterdruck erzeugt und somit der Motor möglichst wenig Arbeit hat, die Auspuffgase durch das System zu drücken. Nun musste ich noch ein Rohr unter dem Rumpf anbringen, um die Auspuffgase und somit den Rauch zu den Spraybars zu transportieren (hier wäre ein Auspuffsystem mit Auslass hinten dem vorhandenen, mit Auslass vorne, vorzuziehen gewesen). Da ich noch experimentierte, kam ein Kunststoffrohr für € 1,99 gerade recht; zum Testen sollte es reichen.

Das Rohr wurde vorne verschlossen und am Auslass des Auspuffs mit einer Bohrung versehen. Ein Stück aufgeschnittener Silikonschlauch dient zur Abdichtung. Außerdem muss das Kunststoffrohr von dem heißen Auspuff ferngehalten werden. Am anderen Ende wurde ein Winkelstück angebracht, um auf das Niveau der Spraybars zu kommen, welches auch verschlossen wird. Ein aufgebohrtes Stück Alurohr dient als Verteiler. Die Verbindung zu den Spraybars wird mit einem kurzen Stück Silikonschlauch hergestellt (siehe Skizze).

Nun kam die Stunde der Wahrheit. Erst mal Drehzahl messen ohne Sprühsystem und die Smokeanlage testen. Alles funktioniert zur vollsten Zufriedenheit! Jetzt mit angeschlossenem Smokesystem und siehe da, ein Drehzahlabfall von lediglich 40 Umdrehungen pro Minute (im Stand, also ohne Unterdruck) machten Mut. Auch der Rauch kam ordentlich und gleichmäßig aus den 50 Löchern. Also raus auf den Platz und fliegen. Nach einem problemlosen Start kamen die ersten Rauchzeichen. Klasse! Aber der meiste Rauch kam aus der Mitte und nicht aus den Spraybars. Was war da los?

Nach der Landung war´s dann klar. Das Kunststoffrohr hatte sich durch die Wärme dann doch ordentlich verformt, so dass der Rauch am Sprühsystem vorbei das Weite suchte. Das Rohr wurde nun durch ein 40 mm Alurohr ersetzt (das Winkelstück ist weiterhin ein Kunststoffrohr aus dem Baumarkt), die Abdichtung zum Auspuff verbessert und siehe da, das von Anfang an von mir erhoffte Ergebnis stellte sich ein. Ein wunderschöner Anblick, wenn die Pawnee ihre Sprüh- und Düngearbeit aufnimmt (bild9.jpg, bild10.jpg und bild11.jpg).

Einige kurze Videosequenzen sind unter http://www.youtube.com/watch?v=RjFRmrbKR4g zu finden.
Und obwohl es ja eigentlich nicht sein kann, aber irgendwie habe ich das Gefühl, die Felder um unseren Flugplatz herum haben dieses Jahr besonders schön geblüht .
Falls jemand dieses System nachbauen möchte und noch Fragen hat, bin ich im RC-Network-Forum unter phase21 zu erreichen.

 

Stand: 27.06.2010