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Bau- und Erfahrungsbericht SWISS-Trainer 1:2,8

Dietmar Hallmann

Es gibt einen neuen Hersteller für Scalemodelle auf dem Markt. Die Firma Maassen-Flugmodellbau stellt Modelle für den anspruchsvollen Modellflieger her. Die angebotenen Flieger sind ohne Kompromisse leicht und doch überaus stabil gebaut. Alle Modelle sind kunstflugtauglich und das ohne Aufpreis und Sonderbestellung zu absoluten Toppreisen. Ich habe hier für Euch mal einen kleinen Bericht verfasst.

Modellbau auf niederrheinisch

Im Sommer 2009 stellte sich für mich wieder die Frage: Was baue ich im Winter?
Mein letztes Projekt war eine Piper mit 3,6 m Spannweite. Der Hochdecker flog ganz ordentlich und ist auch gut für den Schleppeinsatz geeignet. Aber, wie alle Hochdecker von Piper, Wilga und Co., sind diese Modelle ziemlich wind- bzw. seitenwindempfindlich. Ich glaube, dass wir Modellflieger in den letzten Jahren stark unter dem Klimawandel leiden und der Wind wohl auch objektiv zugenommen hat.

Also wurde der Markt sondiert und einige Modelle auf den Prüfstand gestellt. In die nähere Auswahl kam eine Bölkow-Monsun und ein SWISS-Trainer. Beide Modelle sind Tief- bzw. Mitteldecker und stehen auf drei Fahrwerksbeinen. Aufgrund des geringen Anstellwinkels nach der Landung und während des Rollens sind diese Konstruktionen wesentlich unempfindlicher gegen Wind aus allen Richtungen. Nach einer Weile entschied ich mich dann für einen SWISS-Trainer. Und selbst dabei war die Entscheidung nicht einfach: 3 m aus Deutschland oder 3,6 m aus Österreich? Letzterer wurde nicht verschickt und hat eine lange Sonderausstattungsliste. Und jetzt kam ein neuer Anbieter auf den Markt, der ebenfalls einen SWISS-Trainer mit 3,6 m Spannweite anbot. Seit Anfang 2009 fertigt die Firma Maassen-Flugmodellbau in Kranenburg, NRW, nahe der holländischen Grenze, das besagte Modell sowie eine ASK 21 und eine ASW 15. Also habe ich kurzentschlossen dort angerufen und einen Termin für einen Besuch in der Werkstatt vereinbart. Hier wurde mir Konzept und Aufbau des Modells anschaulich erklärt. Nach etwas  Bedenkzeit habe ich den Trainer dann (nach meinen Vorstellungen) bestellt und später selbst dort in der Werkstatt abgeholt. Ich bekam einen super ausgerüsteten und vorbereiteten „Schnellbausatz“, bei dem vor allem die Abmessungen und die Ausstattung beeindruckend sind.

Aber kommen wir endlich zum versprochenen Baubericht:
Der Bausatz besteht aus Rumpf, Motorhaube, Kabinenhaube, Verglasungen, Tragflächen, Höhenruder, Seitenruder, Fahrwerk mit Radschuhen, Flächensteckung mit eingebauter V-Form, allen Spanten und Verstärkungen aus unterschiedlichen Materialien. Nach Sichtung aller Einzellteile ging es frisch ans Werk.

Ich fing mit dem Bau der Tragflächen an.
Die Ruder sind vorgefräst und für die Landeklappenscharniere sind bereits Verstärkungshölzer eingebaut. Vor dem Austrennen der Ruder montierte ich zunächst die Landeklappenscharniere. Somit entfallen später umständliche Anpassarbeiten. Nachdem dies erledigt ist, werden die Landeklappen aus dem vorgeschnittenen Kern gelöst, die Verkastung der Fläche und der Ruder angebracht, alles wieder montiert und auf Maßhaltigkeit überprüft. Bitte denkt daran, dass die Klappen leicht positiv stehen, da die Bespannung später auch noch Platz braucht. Nun, wenn alles passt, lösen wir die Querruder heraus. Diese Ruder sind mit einer Hohlkehle versehen. Bei mir laufen die Ruder absolut spielfrei.

Nun heißt es Ruder und Hohlkehle wieder mit Balsa verkasten und die Drehpunkte, die bereits im Kern mit eingeschnitten sind, mit Alubüchsen versehen, so dass später eine Drehachse (bei mir 5 mm Kunststoffschrauben) eingebaut werden kann. Zwei kleine Holzspanten für die Herstellung des Drehpunktes zwischen Lande- und Querruder liegen dem Bausatz bei. Diese werden im Kern verklebt. Nachdem die ersten Arbeiten abgeschlossen sind, bekommen wir ein Gefühl dafür, wie viel Vorarbeit vom Hersteller in das Modell investiert worden ist. Höhen- und Seitenruder werden entsprechend hergestellt.
Das Höhenruder wird mit Randbögen ausgerüstet. Danach werden die Ruder herausgetrennt, verkastet und mit Ruderscharnieren versehen. Ich habe das Ruder geteilt und mit zwei Servos in der Dämpfungsfläche angelenkt. Das ist sehr direkt und störungssicher.
Das Seitenruder ist ebenfalls mit einer Hohlkehle ausgeführt, was auch hier wieder Spielfreiheit ergibt und wirklich einfach fertigzustellen ist.

Nun, da sich die Ruder bewegen, machte ich mir Gedanken über deren Anlenkung. Der Anbieter fräst auf Wunsch schon die Servoschächte in die Fläche. Ich habe mir für drei Servos Schächte einfräsen lassen. Die Landeklappen haben eine stattliche Größe, so dass ich pro Fläche zwei Servos mit der wichtigen Aufgabe betraut habe. Einbaurahmen bietet der Modellhersteller gleichfalls an, die passen dann natürlich genau in die vorgefertigten Servoschächte. Die Landeklappen werden innen und die Querruder außen angelenkt (auch hier sind bereits Verstärkungen eingebaut), die Ruderhörner und Servorahmen werden eingeklebt (auch diese passenden Teile gibt es beim Konstrukteur) und mit Servos (Hitec 645 MG) bestückt (für Seitenruder und Bugfahrwerk Hitec 805 BB), schließlich müssen noch Kabel verlängert werden... „fertig“!

Ja, fast.

Jetzt kommen wir zu einer meiner „Lieblingsarbeiten“: Das Bespannen der Flächen. Ich hoffe, hier dem Einen oder Anderen noch einen Tipp geben zu können. Seit einigen Jahren bespanne ich meine Modelle nur noch mit Oracover. Die Firma hat auch ein gut abgestimmtes Zubehörprogramm. Die Tragflächen müssen vor dem Bespannen natürlich 100%ig verschliffen und vom Staub befreit werden. Jetzt, und das ist wichtig, werden Flächen und Leitwerke vorbehandelt. Entweder mit Heißsiegelkleber von Oracover, den es passend für jedes Produkt gibt, oder mit Zaponlack, der auch sehr gut als Voranstrich geeignet ist. Den Lack nach der Durchtrocknung mit feinem Schleifpapier verschleifen und alles gründlich abstauben. Wichtig!

Nun schneiden wir die Bespannfolie mit etwas Übermaß aus und legen sie auf die Unterseite der zu bespannenden Fläche. Dann bügeln wir die Folie von der Wurzelrippe bis zum Randbogen in einem schmalen Streifen in der Mitte der Fläche an. Wenn es optimal werden soll, ist jetzt ein Helfer unverzichtbar. Die Folie wird, von der Mitte ausgehend, zuerst nach vorne bis zur Nasenleiste gezogen und vorsichtig angebügelt, so dass keine Streifen oder Kratzer auf die Fläche kommen. Danach wird von der Mitte bis zur Endleiste gebügelt. Das Prozedere wiederholen wir an jedem Bauteil und auf jeder Seite entsprechend. Jetzt aber noch das Wichtigste: Während des Bügelvorgangs muss die Luft, die sich noch zwischen Folie und Beplankung befindet und die sich infolge der Wärmezufuhr ausdehnt, mit einem weichen Tuch ausgerieben werden. Nur so erhalten wir eine spiegelglatte Oberfläche. Die kleineren Bauteile werden, um sichtbare Ansätze zu vermeiden, mit einem Folienstück belegt, das wir erst auf der Unterseite und dann auf der Oberseite, genau wie vorhin an den Flächen, aufbügeln.
Die Ansätze legen wir in die Kehlen. So stören sie das Bild nicht und können sich auch nicht lösen.

Ich glaube, dass die Herstellung bzw. die Fertigstellung der Flächen kein Problem darstellt und die Arbeit zügig und sicher zu erledigen ist, da die Vorfertigung gut überlegt wurde. Der Rumpf ist sehr sauber verarbeitet und hat bereits einlaminierte Verstärkungen. Seine Oberfläche ist hervorragend druckfest und dabei extrem leicht. Hier zahlt sich die Erfahrung der Firma Maassen-Flugmodellbau aus.

Der Geschäftsmann hat schon vor Jahren im Formenbau und in der Fertigung von GfK-Bauteilen sein Wissen erworben und in der Herstellung von Bauteilen im Schiffsbau einsetzen und vertiefen können. Das zahlt sich jetzt für uns Modellflieger aus, denn die Teile sind von hervorragender Qualität.

Aber jetzt wieder zum Rumpf. Die Einbauöffnungen für die Flächenaufnahme und deren Befestigung sind bereits aufwändig und passgenau in den Rumpf eingebohrt worden. Das ist serienmäßig und bei anderen Herstellern nur sehr selten anzutreffen. Diesbezüglich wird viel zu oft die Verantwortung auf den Käufer abgewälzt, der dann an der Aufgabe zu scheitern droht. Genau daran erkennt man den seriösen Hersteller, der dem Kunden sein Hobby erleichtern möchte, damit der Spaß an erster Stelle stehen kann.

Wir kommen jetzt zum Einbau der CNC-gefrästen Bauteile, die sehr passgenau sind. Als Erstes habe ich den Seitenruderspant spannungsfrei eingebaut. Dieser wird zusammen mit der Höhenruderauflage eingeklebt.

Tipp: Alle Klebeflächen müssen vor dem Aufbringen von Epoxidharzen angeschliffen werden. Bitte verzichtet auf 5 Min.-Harz, dessen Festigkeit geht im laufe der Zeit verloren. Ich habe Harz und Baumwollflocken direkt mitbestellt.

Das Höhenruder wird von einem Dübel und einer Zentralschraube gehalten. Der kleine Spant wird direkt auf die Höhenruderauflage geklebt, so dass am oberen Ende die untere Befestigung bzw. der Drehpunkt für das Hohlkehlseitenruder angebracht werden kann. Nachdem das obere Gegenlager befestigt ist, können wir das leichte Seitenruder probeweise montieren. Wenn sich alles reibungslos bewegt, kann man auch gleich das Höhenruder anpassen, die Bohrung für die Zentralschraube herstellen und die M6er Einschlagmutter befestigen.

Jetzt kommen wir zum Motorspant. Im Spant sind bereits die Bohrungen für das Fahrwerk und die Schalldämpfer vorgesehen. Des Weiteren hat der vordere Spant vier kleine Bohrungen, die die Einbaulage horizontal und vertikal genau vorgeben. Also einkleben, Bugfahrwerk anschrauben, durch das Bugfahrwerk ein Loch in den Rumpf bohren, Fahrwerksbein mit Radschuh und Radaufnahme montieren..... fertig.
Auch hier wird die Idee und die Umsetzung gleich mitgeliefert. Das spart wiederum Zeit, Geld und Nerven.
Die Befestigung des Motors möchte ich aufgrund der vielfältigen Typen nicht beschreiben. Nur soviel, dass ich meine typbezogene Montageplatte auf vier Bolzen einstellbar verschraubt habe. Die Motorhaube passt immer 100 %ig, hier sollten keine Veränderungen am fertigen Bauteil vorgenommen werden. Die Belüftungsöffnungen sind auch wieder serienmäßig vorhanden. Jetzt montieren wir den Hauptspant. Die fertige Flächensteckung durch den Rumpf fädeln, den Hauptspant mittig und rechtwinkelig positionieren und die Lage im Rumpf anzeichnen.

Am Spant sind bereits die Bohrungen für das Hauptfahrwerk ausgeführt. Auch das erleichtert die Arbeit wieder ungemein. Wir zeichnen uns eine Rücklage von 15 mm unten im Rumpf an, so dass der Spant später mittig unter der Flächensteckung und um 15 mm nach hinten geneigt eingeklebt und mit einer stabilisierenden Klebewulst versehen werden kann. Wir erreichen dadurch, das das Modell, anders wie schon oft gesehen, nicht nach hinten kippt. Also nicht vergessen!
Die fertigen Fahrwerksaufnahmen werden an den Spant geschraubt und anschließend von oben die Durchbrüche im Rumpf durch die Halterohre gebohrt. Die GfK-Fahrwerksbeine mit den Radaufnahmen und den Radschuhen montieren. Die fertigen Flächen aufstecken und durch leichtes Drehen der Steckung die Flächen genau an den Rumpf anpassen. Steckung mit einer Wulst verkleben und so endgültig fixieren.

Ich glaube, jetzt müssen wir nur noch die Fenster und die Kuppelverglasung montieren. Der Hersteller hat auch hier wieder vorausgedacht und zwei Möglichkeiten für uns vorbereitet. Entweder die „Verglasung“ von außen in eine Vertiefung kleben oder von innen gegen Rumpf oder Kabinenhaube. Ich habe die Fenster von innen montiert.
Dazu wird die Klebefläche entfernt und mit Schleifpapier begradigt. In der Form sind beide Möglichkeiten berücksichtigt. Daher ist auch direkt eine Abrundung vorgesehen. Beide Arten sind machbar, das kann jeder für sich entscheiden. Empfehlen kann ich noch den Kleber und den Haftverstärker, der die Scheiben bombensicher verklebt.

Zum Abschluss der Baubeschreibung möchte ich mich bei der Firma Maassen-Flugmodellbau für den sauberen und gut durchdachten Bausatz bedanken. Ich habe selten ein Modell aus einem so guten Bausatz erstellt.

Nachdem ich meine Anlage eingebaut hatte stand der Erstflug an. Der Bau war schon ein Vergnügen und so konnte es auch getrost weitergehen.

Also Lärmprotokoll erstellt, (aufgrund der eingebauten Resorohre sehr gute Werte) Reichweitentest durchgeführt, nachgetankt und dann zum Start gerollt. Langsam Gas rein und während des Startlaufs leicht gezogen. Die Anspannung ist auf einmal wie weggeblasen, das Modell fliegt, und wie. Ich musste nichts trimmen, es war alles so, als hätte ich den SWISS-Trainer schon einige Male geflogen. Alle in der Form vorgegebenen Einstellwinkel passen 100%ig. Mit dem guten Gefühl im Bauch konnte das Modell jetzt  als Schlepper eingesetzt werden. Schleppseil dran, 9 kg ASK 18 an den Haken und los. Auch jetzt zieht der SWISS-Trainer wieder ganz neutral seine Kreise, kein Trimmen, kein Aufbäumen, also ich bin zufrieden. Jetzt kann ich mich in Ruhe auf die Feinheiten konzentrieren. Der Hersteller arbeitet zur Zeit noch an einer scale Innenausstattung, die möchte ich auf jeden Fall noch einbauen, so dass nicht nur das Äußere top ist. Eine perfekte Innenausstattung hat ihren eigenen Reiz.

Abschließend bereue ich es nicht, mich für dieses Modell entschieden zu haben. Fast hätte ich es vergessen: Die Vorteile, die ich mir bei Wind und Seitenwind erhofft habe, sind wirklich eingetreten. Kein Wegdrehen, kein Kippeln, eben ein Mitteldecker, der Spaß macht. Ich kann das Modell jedem ohne Bedenken empfehlen.

Technische Daten

Spannweite 357 cm
Länge 250 cm
Höhe 100 cm
Motor 3W 140 IB2 - 100ccm auch gut
Krümmer Eigenbau
Schalldämpfer Zimmermann Edelstahl
Luftschraube Menz 28X10 4-Blatt, 5800 U.p.M.
Empfangsanlage 2x DDS 10 PCM mit IRDA Schnittstelle, DPSI Doppelstromversorgung
  2x Frequenzmodul ACT
Servos 4 x Hitec 645 MG Landklappen
  2 x Hitec 645 MG Querruder
  2 x Hitec 645 MG Höhenruder
  1 x Hitec 645 MG Gas
  1 x Hitec 645 MG Schleppkupplung
  1 x Hitec 805 BB Bugfahrwerk
  1 x Hitec 805 BB Seitenruder

 

Stand: 14.07.2010