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Ein wirklich gemütliches Speedtreffen

Dr. Ralph “powercroco“ Okon

Nachdem der Dachauer Verein dieses Jahr sein Speedtreffen leider abgesagt hatte, kam Sascha „Jamaicaman“ Wendt auf die Idee, bei seinem Verein nachzufragen, ob man nicht Lust hätte, den Speedern für ein Wochenende eine Bleibe zu bieten.

Der Flugplatz des FMC-Albatros Sintfeld 1979 e. V. in Bad Wünnenberg-Haaren unterliegt nur sehr moderaten Nutzungseinschränkungen und ist geografisch fast optimal gelegen, nur etwa 60 km nordwestlich von Kassel.
Dort kann, ohne besondere Höhenbeschränkungen, von morgens 8 bis abends 20 Uhr, mit einer Mittagspause zwischen 12 und 13 Uhr, geflogen werden.

Es gelang Sascha als 2. Vorsitzenden ziemlich schnell, seinen Verein für das Wochenende 21. - 23. Mai 2010 zu überzeugen.
Bei den Speedern war’s noch einfacher – die Idee wurde sofort begeistert aufgegriffen.
Auch musste nicht lange überredet werden, um Mario Roos nebst Messanlage nach Bad Wünnenberg-Haaren in Marsch zu setzen.

Ich kam bereits Freitagmittag an und war dennoch nicht der Erste.
Der zusätzliche Sicherheitszaun stand schon und der Rasen auf der Landepiste war echt golffähig. Auch die nächsten Bäume standen weit genug weg - also hab’ ich den Eisvogel wirklich ausgepackt.

Den ganzen Freitagnachmittag und -abend konnten wir trainieren.
Als die Dämmerung hereinbrach, gab’s die ersten Würste vom Grill. Der Tag wurde mit der Präsentation von neugebauten kleinen Uhus einer Jugendgruppe und der Kunstflugvorführung von Thomas Weiss, die selbst einen so eingefleischten Speedfetischisten wie „Kasumi“ überzeugte, abgeschlossen. Ein toller Kontrast – Speeder, kleine Uhus und Kunstflug der Spitzenklasse an einem Spätnachmittag.

Nach einer ziemlich kalten Nacht (ja, Hotels gab’s dort auch, aber die sind ja nur was für alte Herren und Weicheier) begrüßte uns der Samstag mit herrlichem Sonnenschein und Saschas Papa (Siegfried) sogar mit frisch gebrühtem Kaffee ausreichender Stärke.
Die letzte Rettung für Gerd Uhlig, der Freitagnacht zusammen mit Harry angekommen war und sich trotz bitterer Kälte einfach auf dem Rasen zum Schlafen gelegt hatte, war ein Klotz Holz, den er frühmorgens auf dem Grill angezündet hat, um sich zu wärmen. Weil er obendrein was Warmes trinken wollte, legte er auch noch eine Flasche Malzbier in die Glut!
Nach und nach trudelte dann im Laufe des Vormittags die diesmal ziemlich verbrennerlastig aufgestellte Speedgemeinde ein.

Mario beim Testen der letzten Anpassungen des von Volker Cseke, Christoph Jahns und Andreas Domeyer entwickelten Messrechners, dem neuen, stark verbesserten Herzstück des Messsystems.

Als dann die Anlage lief, ging es für alle rund.
Bei den Verbrennern war Stefan „Winky“ Winkler mit ~370 km/h der Schnellste, den schnellsten elektrischen Messstreckendurchflug hatte Stefan „Steve“ Penz mit 381 km/h.
Doch die Ergebnisse waren nebensächlich. Es wurde soviel geschwatzt und gefachsimpelt, dass vom Messanlagenteam mehrfach gerügt werden musste, dass kein startfähiger Pilot an der Linie wartete.

Auch beim Fliegen merkte man, dass sich das Verhältnis zwischen V- und E-Speedern mittlerweile sehr entspannt hat. So war es nahezu selbstverständlich, dass unsere V-Kollegen bereitwillig und ohne zu murren dem E-Speeder mit seinen gerade geheizten Akkus den Vortritt ließen.
Überhaupt – inzwischen ist es eine echte Gemeinschaft geworden, bei der sich jeder ehrlich über die Leistungen der Anderen freuen kann.
Der Vereinsvorstand von RCN war durch seinen 2. Vorsitzenden, Volker Cseke, vertreten und ich glaube annehmen zu dürfen, dass er alles, was er sehen konnte, für „bestens“ befunden hat.
Man darf mit Fug und Recht behaupten, ohne die Unterstützung von  stünde die Speedszene nicht da, wo sie heute angekommen ist.

Einige bekannte Speedpiloten wie Erwin „Eisvogel“ Schamburger, Jacob „Aliasjack“ Karpfinger, Mr. F3D und Rolf „Dr. Toppspeed“ Pietschmann ließen das Treffen aus verschiedenen Gründen aus.
Dagegen sind einige neue Gesichter aus der V-Pylonszene und andere Gastpiloten aufgetaucht, die einfach nur mal wissen wollten, was sie selbst und ihre Modelle so können.
Bernd Guntermann war der Einzige, der mit einem 3,5 cm³-Speeder, nach alter Lesart F3S-A, an den Start ging und damit eine 274er Wertung durch die Strecke brachte.

Auch erstaunlich viele Besucher hatten sich nach Wünnenberg verirrt und stellten die üblichen Fragen (ist der Flieger von Graupner? Wie hoch kann der fliegen? usw.).
Björn Köster (Reno-race) hat eine Unmenge Fotos geschossen.
Zum Abschluss des Flugtages wurden Dag “Holzbock“ Camann-Walczak und Hartmut „Harti“ Schultze die offiziellen Anerkennungsurkunden für ihren Weltrekord überreicht.

Abends ging’s weiter mit Grillwurst, Lagerfeuer und jeder Menge Dummschwatz bis Mitternacht.

Sonntags war es anfangs neblig, später gab’s zwar nur noch etwas Dunst, der sich aber bis Mittag in der Luft hielt, sodass die Sichtbarkeit verschiedener Modelle echt mies war. Die Caller haben gute Arbeit geleistet – vier Augen sehen eben mehr als zwei. Dass ich meinen Eisvogel heil wieder mit heim nehmen konnte verdanke ich z. B. nur dem Holger „Kasumi“ Mittelstädt.
Auch Stefan „steve“ Penz war wieder ganztägig vor Ort, obwohl er Samstag seine einzige Fläche eingebüßt hatte.
Insgesamt hielten sich die Modellverluste aber sehr in Grenzen. Am gesamten Wochenende gingen nicht mehr als drei Modelle zu Bruch – da passiert bei manchem Vereinsnachmittag mehr.

So locker und familiär die Atmosphäre auch war (die Kasse für die Verpflegung und Getränke stand offen in der Vereinshütte und jeder legte freiwillig und völlig unkontrolliert rein, was er schuldig war) – es gab keine Sicherheitsregelverstöße wie Überfliegen der Grundlinie oder sonstige gefährliche Flugmanöver.
So macht das echt Spaß!
Man darf nicht vergessen – diese Hochgeschwindigkeitsmodelle sind nicht ungefährlich. Als das Kleinste abstürzte, hinterlies es im Getreide eine 2 m lange Schneise, an deren Anfang nur die Spitzen der Halme abgeschnitten waren, zum Ende hin aber auch deren Wurzeln mit herausgerissen worden sind.

Auch eine „Speedcobra“ verirrte sich nach einem schwächlichen Startwurf ins Getreidefeld und wurde flugs zur „Kornnatter“ degradiert.

Die Flugleistungen waren am Sonntagnachmittag besser. Man merkte, dass sich die Piloten wieder eingeflogen hatten. Tagesschnellster war Stefan „winky“ Winkler mit ~370 km/h.
Bei den E-Speedern ging die Tagesbestleistung mit nur 315 km/h im Schnitt weg – es war aber nur noch ein Einziger am Start.
Alle Ergebnisse auf einen Blick.

Interessant waren auch die neuen Konzepte.
So stellte Joachim Weirich – eigentlich bekannt aus der Verbrennerszene – einen eigenen E-Speeder vor.

Wilbur “portobello“ und Raimund Sonst waren mit ihren Nurflügelkonzepten zu Gange.
Der aufgehende Stern am Verbrennerhimmel, die „Flame Evo“, hatte leider mit Vibrationen im Antriebsstrang zu kämpfen, weshalb sie aus Sicherheitsgründen nicht an den Start ging.

Der dafür selbstentwickelte 10 cm³-Verbrennungsmotor „SP 60“ ließ, in einem Weirich-Speeder eingebaut, schon mal ahnen, was in ihm steckt.
Mein eigenes Antriebskonzept, große Latte, hohe Steigung (10“x20“) und niedrige Drehzahl, konnte zeigen, was mit einem guten Piloten möglich sein kann. Es war zudem der mit Abstand leiseste Antrieb jenseits der 300 km/h und in der Beschleunigung nicht zu toppen.

Sonntagabend sind dann alle sehr zufrieden nach Hause gefahren; denn sowohl für die Piloten, die Zuschauer und auch für den Verein war es ein ebenso tolles wie stressfreies Wochenende. Es lässt berechtigte Hoffnungen keimen, dass wir dort nächstes Jahr wieder zu Gast sein dürfen.

 

Stand: 05.06.2010