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F1E (Magnetflug)-Wettbewerbe am Himmelberg, Baden-Württemberg

Roland Oehmann

Roland Oehmann berichtet über seine Erlebnisse als Teilnehmer bei den F1E-Wettbewerben am Himmelberg (24.+25.4.2010). Schönes Wetter und eine mit über 40 Teilnehmern sehr gute Beteiligung zeichneten dieses Wettbewerbswochenende aus. Mit 15 Modellsportlern bildeten die Gäste aus der Schweiz das größte Kontingent, gefolgt von den gastgebenden Baden-Württembergern mit 11 Teilnehmern. Bayern stellte 8 Wettbewerber, Hessen und NRW je 3. Ein Gast aus Österreich war auch mit dabei. Das Ergebnis zählt aus deutscher Sicht zur Qualifikation für die F1E-Weltmeisterschaft im Jahre 2011. Seit bereits 34 Jahren wird auf dem zwischen Willmandingen und Melchingen gelegenen Himmelberg am Hang geflogen.


Wichtig - warten auf den richtigen Moment für den Start

Erster Tag

Da am Himmelberg Rückenwind herrschte, wurde auf den mit seinen 40 m Höhe etwa nur halb so hohen Ruchberg ausgewichen. Dieser liegt vom Startplatz Himmelberg etwa 1 km in nordwestlicher Richtung. Der Organisator des Wettbewerbes, Bernhard Kaupert, konnte diesen Hang kurzfristig organisieren - und das war sehr gut. Der Wind kam zwar auch hier meist von der Seite, aber man konnte trotzdem fliegen. Vermutlich weit besser als es bei komplettem Rückenwind am Himmelberg der Fall gewesen wäre. Ein Blick in die Ergebnislisten zeigt auch, dass trotz des Seitenwinds am Ruchberg doch einige "Volle" (180 s) geflogen wurden. Ein Stechen war trotzdem nicht erforderlich. Die beste Gesamtzeit erreichte mit 853 s von 900 s Friedhelm Mehr. Der Wanderpokal ging an ihn. Auf den weiteren Plätzen landeten Heinz Bleuer (CH, 770 s) und Daniela Seren (726 s). Wir haben also mit dem Ruchberg ein recht brauchbares Ausweichgelände neben dem Himmelberg für Wind aus Ost und Süd gefunden.

Bernhard Kaupert berichtete später über seine erfolgreiche Ruchberg-Verhandlungen:
Ich fuhr also umgehend ins Tal, um die Sache mit dem Landwirt zu besprechen und traf ihn gerade noch vor seinem Hof auf dem Traktor. Seine Antwort auf die Bitte, am Ruchberg fliegen zu dürfen, war so eindeutig wie ungewöhnlich: „Ha jo, I kenn euch doch, freilich könnet ihr dort fliaga. Koi Problem, da könnet ihr au am Wegrand parka.“ Sage noch einer was über unfreundliche Bauersleut!


Der Ruchberg im Hintergrund, vom Himmelberg aus gesehen

Am ersten Tag erreichte ich Platz 27 von 41, d. h. gerade noch im zweiten Drittel. Bei den wechselnden Wind- und Thermikverhältnissen spielte das Glück des richtigen Startzeitpunkts auch noch eine Rolle. Für mein kleines Modell ein brauchbares Ergebnis. Gute Piloten waren teilweise auch weit hinten. Ein Lotteriespiel, aber zumindest konnte man trotz Seitenwind schön runter fliegen.


Startvorbereitung und Wetterbeobachtung

Zweiter Tag

Plazierung 37 von 42 Teilnehmern! Viel Pech gehabt. Die ersten zwei Durchgänge wurden wieder drüben am Ruchberg gemacht, weil der Wind anfangs von Osten kam. Wie am ersten Tag, alles wieder mit 180 s Sollflugzeit. Hier hatte ich zufriedenstellende, durchschnittliche Ergebnisse. Später wurde der Wind schwächer und drehte schließlich auf West. Es war fast nur ein Abgleiten, nur wenige erwischten doch etwas Thermik. Dann sind wir gegen Mittag auf den Himmelberg umgezogen. Der Wind kam fast genau von vorne. Ideal auch die Windgeschwindigkeit. Die Flugzeitvorgabe lag nun bei 300 s – es musste ja tragen. Die Modelle flogen sehr schön, Magnetflug vom Feinsten, so wie man es sich wünscht. T-Shirt-Wetter, Sonne, alles traumhaft...!


Ein Glücksgefühl ohne gleichen, wenn das Modell wie geplant im Hangwind steigt

Mein Start zum dritten Durchgang war gut, das Modell stieg gut am Hang weg und wurde oben von einer Turbulenz erwischt und fing sich nicht mehr ab. Es hat zum ersten Mal unterschnitten. Das Modell schlug nach 82 s auf halber Hanghöhe auf. Glück gehabt, es gab nur geringe Schäden, die ich gleich beheben konnte. Ich habe die EWD erhöht, am Heck 1 g Blei entfernt und zwei kurze Probestarts gemacht. Das Modell flog und steuerte sauber.


Ein einfaches, preisgünstiges F1E erlaubt durchaus die Teilnahme an hochrangigen Wettbewerben

Beim vierten Durchgang flog mein Modell schön raus und stieg weiter. Eigentlich ein herrlicher Flug, bis wieder eine starke Störung kam. Das Modell wurde mit sich senkender Nase schneller und unterschnitt erneut. Wieder ein Einschlag aus großer Höhe, nun nach 130 s Flugzeit. Leider waren die Schäden am Rumpfkopf diesmal nicht mehr reparabel. Ich startete im 5. Durchgang somit nicht mehr. Hatte ja auch kein Ersatzmodell. Da die beiden Unterschneidungen und der fehlende letzte Flug bei mir zu katastrophalen Flugzeiten führten, landete ich im Endergebnis schließlich ziemlich weit hinten. Aber so ist es halt...schade nur, dass der Rumpf kaputt ist. Tragflügel und HLW sind unbeschädigt geblieben. Aber es hat sich wieder mal bestätigt, dass ich mit dem kleinen, einfachen Modell durchaus mitmachen und Spaß haben kann.


Der Rumpfkopf mit der selbstgebauten Steuerungsmechanik - noch vor dem finalen Schaden

Gegen 17 Uhr konnte der Wettbewerb ohne Stechen abgeschlossen werden. Sieger wurde mit 1232 s von 1260 s Walter Spatny (CH), gefolgt von Daniela Seren mit 1224 s und Gerhard Ziegler mit 1195 s. Die Siegerehrung fand wie am Vortag im „Lamm“ in Salmendingen statt, einer Adresse, die allen zugesagt hat.


Die Wettbewerbsleitung verlangt bei guten Bedingungen eine Sollflugzeit von 300 s

Was ich sonst noch erlebt hatte

Bei einem Wettbewerb hat man ja selbst immer was zu tun mit Rückholen, Trimmen, Reparieren, Essen und wenig Zeit, um nach anderen Modellen zu sehen. Aber der schönste Magnetflug den ich je sah, den hab’ ich zufällig beobachten können. Es war schon spät – ich denke es war beim vierten Durchgang und ein Modell wurde gestartet. Die Einstellung der Fluggeschwindigkeit war perfekt und das Modell stieg vor der Hangkante langsam höher ohne weit nach vorne zu fliegen. Praktisch der vollendete Standflug am Hang. Nach einer Weile flog es ganz langsam und allmählich doch vom Hang weg nach vorne, hinaus in die Ebene. Immer mit deutlicher Startüberhöhung. Weiter draußen begann es dann mittels Kreisflugeinstellung zu kreisen. Mit der Winddrift kam es nach und nach wieder näher zum Hang. Die Flugzeit war schon recht lange, ich hatte die Zeit nicht mitgestoppt und erwartete in Kürze die Thermikbremse. Nun war das Modell wieder zurück an die Hangkante gekreist und etwa 30 m darüber klappte das Leitwerk hoch. Genau rechtzeitig. Unglaublich, das Modell sank und landete wieder oben auf dem Hang und nur etwa 70 m links vom Startplatz entfernt.


Was wäre ein Wettbewerb ohne fachsimpeln?

 

Stand: 22.07.2010