
Seit zwei Jahren gibt es den Pöting-Helispeedcup. Dort werden die Geschwindigkeiten der Helis lediglich mittels Radarpistole, und das auch noch im Sturzflug, bestimmt.
Die FAI führt eine Speedflug-Weltrekordklasse auch für elektrisch betriebene Hubschrauber - N° 203, und N° 166 für Kolben getriebene.
Die Bedingungen gleichen denen für Flächenspeedweltrekorde.
Sie sind ziemlich hart und weit weg von einem „funevent“.

Es lag also nahe zu testen, ob die vereinseigene Speedmessanlage von auch die Hubschrauber „sieht“ und ob gute Helipiloten in der Lage sind, ihr Sportgerät auch bei Höchstgeschwindigkeit in geringer Höhe 300 m sauber auf Kurs zu halten.
Da erwiesenermaßen ein Herz für die Flächenspeeder hat, warum sollte das nicht auch für die Helis gelten?
Um diese Frage ganz „unbürokratisch“ zu klären, habe ich einfach mal beim Vereinsvorstand nachgefragt, das kostet schließlich nichts.
Und in der Tat, lange brauchte ich wirklich nicht, um den Vorsitzenden für dieses Vorhaben zu gewinnen. Die Testpiloten waren sowieso sofort Feuer und Flamme.
Um das Ganze nicht gleich zu einer Riesenveranstaltung ausufern zu lassen, haben wir uns entschlossen, die Idee erst mal ganz in Ruhe in einem quasi privaten Rahmen zu testen.
Also haben wir nicht lange gefackelt und was auf die Beine gestellt.
Als Termin bot sich der 21./22. August an, da andernorts eine Veranstaltung kurzfristig abgesagt worden war.
Der beabsichtigte „Austragungsort“ Teutleben liegt verkehrsgünstig an der A4 und nur 20 km neben dem geographischen Mittelpunkt Deutschlands.
Sogar eine passende, eingezäunte Wiese war schnell organisiert – der Jörn Michel vom Siloah-Zentrum in Neufrankenroda stellte unkompliziert deren 500 m x 200 m große Veranstaltungswiese zur Verfügung.

Blick über die Länge der Messstrecke, Messgerät im Aufbau
Und RC-Network setzte den Mario Roos nebst der Speedmessanlage dorthin in Marsch.
Auch die Wettervorhersage versprach nur das Beste.
So kamen am 21. August der Mario Ross, das Equipment und einige Helipiloten bei mir zu Hause an.
Der Teilnehmer mit dem längsten Anreiseweg war Simon Zadra aus Wien.
Jan Henseleit – auch bekannt als „Mister Speed“ der Heliszene - kam extra aus dem hohen Norden nach Thüringen.

Da alle mit anpackten, stand die Messtrecke in weniger als 40 min!
Wir hatten gute äußere Bedingungen: Sonne pur und einen nur leichten, aber böigen Wind.

Was dann kam, war einfach nur klasse. Die Piloten haben einen Superjob abgeliefert.
Fünf von ihnen waren auf Anhieb schneller als der aktuelle FAI–Weltrekord!


Auch die Wahrung der nötigen Sicherheit war bei diesen disziplinierten Spitzenpiloten überhaupt kein Problem.
Leider gab es dennoch ein Opfer: Normans „Diva“ beging Selbstmord, indem sie sich aus großer Höhe in die Wiese stürzte. Da war nichts mehr zu machen.
Marcs Heli versuchte sich am Ausflugpylon und kürzte diesen um 20 cm, allerdings ohne dass der Heli abstürzte.
Auch Jörn auf seinem Trecker schaute mal vorbei.
Er meinte: „Ja, das Helifliegen scheint doch ein bissel schwieriger zu sein, als Rundballen pressen!“ Sprach’s und schwang sich wieder auf sein Arbeitsgerät und verschwand in den Weiten des Areals.
Nach drei Stunden haben wir die Anlage wieder abgebaut und eingepackt – wir wussten, was wir wissen wollten und verlegten ins Motorenbastelzentrum, denn alle Gäste nutzten getunte Motoren bzw. sind sogar selbst Motorenwickler.

Die passende Torte dazu hat der Werner aus der Lübecker Ecke mitgebracht. Mit Marzipan und Nugat, oberlecker.

Das sagten alle Gäste dann auch von den Thüringer Rostwürsten. Es ist halt was anderes, selber eine zwischen den Zähnen zu haben, als nur davon zu hören, dass sie die besten der Welt seien.
Es wurde noch bis tief in die Nacht gebastelt und am Feuer gefachsimpelt.
Ungewöhnlich: Die Cola- und Wasserkisten waren fast leer, aus der Bierkiste fehlten dagegen nur vier Flaschen.
Alles in allem ein gelungenes Wochenende für alle Beteiligten.
Sogar der Pechvogel Norman bekam vom Jan eine „Ersatzlieferung“ für diese Woche zugesagt – normalerweise wartet man ein Jahr auf einen Bausatz.
Eventuell könnte dies der Grundstein für einen „echten“ Helispeedcup in 2011 gewesen sein.
Oder vielleicht sogar der Anstoß für eine eigene Speedklasse der Helis. F3S-H – wer weiß...
Ein hoffnungsvoller Anfang ist jedenfalls gemacht.
Und der Verein scheint ebenfalls interessiert zu sein.
Die besten drei Testpiloten werden nun ebenfalls zu den von ausgerichteten Speed-Weltrekordversuchen am 17.-19.09.2010 nach Rothenburg/Oberlausitz eingeladen und können dort in der Messstrecke zeigen, was sie drauf haben.
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