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Erfahrungsbericht: WSTech LinkVario

Daniel Schneider

Als Segelflieger, insbesondere als Purist ohne Antrieb, möchte man den Naturgewalten einen möglichst langen Flug abtrotzen. Hierbei kann ein Variometer (kurz: Vario) wertvolle Dienste leisten. Was im manntragenden Segelflug schon lange üblich ist, hat sich mittlerweile auch im Modellflug etabliert. Mit dem Aufkommen der neuen Übertragungsmöglichkeiten im 2,4 Ghz-Band ergeben sich jedoch auch andere Möglichkeiten zur Übertragung der Variodaten.

Der bisher übliche Weg bediente sich des 433 Mhz-Bands. Hierzu war im Vario ein kleiner Sender integriert. Die Ausgabe am Boden erfolgt über einen LPD-Funkempfänger. Zur Einstellung von verschiedenen Ausgabemodi und zur Stromversorgung musste hierfür ein Empfängerkanal/-ausgang gestellt werden.

Das Jeti-Duplex-System beinhaltet zur Datenübertragung einen Rückkanal vom Empfänger zum Sender. Jeti bietet dafür bereits eine Vielzahl von Sensoren an, die diesen Rückkanal nutzen. Bei diesen Sensoren erfolgt entweder eine optische Ausgabe der Telemetriedaten über eine angeschlossene Jetibox und/oder akustisch über den Piezo-Geber des Sendermoduls. So wird beispielsweise von Jeti ein Vario-Modul angeboten, das jedoch aufgrund seiner geringen Auflösung, sowie der rudimentären Möglichkeiten der akustischen Ausgabe durch den Piezo-Piepser im Sendermodul Einschränkungen im praktischen Einsatz unterliegt. Die herkömmlichen Modellflug-Variometer sind diesem „Einfachst“-Vario in Funktionsumfang und Genauigkeit weit überlegen.

Das neue LinkVario von WSTech basiert auf der bereits bewährten Technik des CSVarios. Wie sich nun der geneigte Leser aufgrund der vorangegangenen Erläuterungen denken kann, wird zum Übertragen der Variodaten ebenfalls der vom Jeti Duplex System bereitgestellte Rückkanal genutzt. Durch den Wegfall der Sendeeinheit im Vario ist das LinkVario nochmals kompakter geworden. Doch wie erfolgt nun die Ausgabe des Signals sowie die Ansage, wenn kein LPD mehr da ist?

Hierzu besteht das System aus zwei Hauptelementen: Erstes Element ist die sogenannte „Board-Unit“, die, wie es der Name bereits vermuten lässt, im Modell installiert wird. Diese beinhaltet nicht nur die Drucksensoren, sondern auch Eingänge für weitere Sensoren, hierzu später aber mehr. Über den „Ext“ern-Anschluss des Jeti-Empfängers werden die ermittelten Messwerte über den Rückkanal gesendet. An das Modul im Sender wird als zweites Element die sogenannte „Ground-Unit“ angebracht. Über den an der Ground-Unit angekoppelten Kopfhöreranschluss erfolgt die akustische Ausgabe. Eine Übersicht über die einzelnen Systemelemente findet sich in der folgenden Abbildung.

Der Einbau der Board-Unit erfolgt im Modell wie bisher. Die Ground-Unit kann nach eigenen Vorstellungen im Sender integriert werden und ist auch vom verwendeten Typ abhängig. Eine der Möglichkeiten zeigt die nachfolgende Abbildung. Weitere Ideen können in diesem Thread gefunden werden:
http://www.rc-network.de/forum/showthread.php?t=198051

Für den Kopfhöreranschluss muss der entsprechende Platz im Sender geschaffen werden. Priorität hat hierbei natürlich eine leichte Zugänglichkeit zum Einstecken des Kopfhöreranschlusses. Ebenso darf das Kabel nicht so verlegt werden, dass es das Steuern erschwert oder es sogar behindert. Wen selbst noch das Kopfhörerkabel stört, für den gibt es von WSTech einen Bluetooth-Adapter, so dass, einen entsprechenden Kopfhörer vorausgesetzt, auch die Audioübertragung kabellos erfolgen kann. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass auch Bluetooth im 2,4 Ghz-Bereich sendet. Die Funkstrecke zum Modell wird nicht merklich beeinflusst, da das Bluetooth-Signal bedeutend schwächer als das Signal des Senders ist. Vielmehr wird der Sender Auswirkungen auf die Übertragungsqualität zum Kopfhörer haben. Da dieser Betrieb von mir nicht getestet wurde, kann ich keine Aussage zu den tatsächlichen Auswirkungen im praktischen Betrieb machen. Neben dem Kopfhöreranschluss ist auch noch für einen 3-Stellungsschalter Platz zu schaffen. Dieser dient zum Umschalten der verschiedenen Modi.

Über das Sendermodul können die Ground-Unit und eine Jetibox nicht zeitgleich betrieben werden. Um nun, ohne den Sender öffnen zu müssen, zwischen beiden Geräten wechseln zu können, bedarf es eines 3-poligen Umschalters.

Für das Vario gibt es eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten. Hierzu wird das frei verfügbare LinkVarioTool verwendet.


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Das vom Anwender erstellte Setup wird hierbei auf einer MicroSD-Karte gespeichert. Dafür besitzt die Ground-Unit einen entsprechenden Kartenslot. Beim Einschalten der Ground-Unit wird die entsprechende Datei mit den Einstellungen von der Speicherkarte eingelesen. Mit verschiedenen Speicherkarten kann eine modellspezifische Einstellung erfolgen. Aber auch ohne Speicherkarte kann das Vario mit seinen Basiseinstellungen genutzt werden. Ein weiterer Vorteil, der aus der Nutzung der Speicherkarte resultiert, ist die Aufzeichnung der von der Board-Unit übertragenen Daten. Ohne den Anschluss weiterer Sensoren werden standardmäßig Informationen zur Höhe, Steigen/Sinken und der Empfängerspannung erfasst. Mit der Software Logview kann die Auswertung der aufgezeichneten Daten erfolgen. Aufgrund der Tatsache, dass die Log-Dateien nur wenige kB groß sind, können ohne weiteres auf einer Speicherkarte die Daten einer ganzen Saison Platz finden. Mit Hilfe eines weiteren Bluetooth-Moduls können die Daten sogar live an einen PC oder PDA übertragen und visualisiert werden.

Doch nun zu den von Vielen erwarteten praktischen Flugerfahrungen. Hierzu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen – es funktioniert einfach wie man es sich vorstellt. Beim Einschalten des Senders werden zunächst die Einstellungen von der Speicherkarte eingelesen. Die Initialisierungsschritte werden dabei verbal ausgegeben. Sobald die Anlage im Modell eingeschaltet wurde und somit auch die Board-Unit aktiviert wurde, wird dies mit einem „Board–Unit erkannt“ quittiert. Die Übermittlung von Steigen oder Sinken ist sehr angenehm und feinfühlig. Insbesondere bei der „Duo“-Option ist die Auflösung der Flughöhe sehr präzise. Die Regulierung der Lautstärke der Ansage erfolgt über ein Potentiometer in der Ground-Unit. Um aber auch eine rasche Anpassung an die Umgebungsbedingungen zu ermöglichen, empfiehlt es sich, einen Kopfhörer mit integrierter Lautstärkeregelung zu nutzen. Über den 3-Stellungsschalter können drei Modi ausgewählt werden. In Position 1 die Integralvariometeransage (Höhengewinn pro Zeit), in Position 2 die Höhenansage (alle x-Sekunden bzw. alle 50 Höhenmeter; je nach Einstellung) und in Position 3 wird die Varioansage ausgeschaltet. Dabei wird nochmals die aktuelle Flughöhe, die Empfängerspannung sowie die Flugdauer angesagt. Diese Modi werden nicht über einen freien Empfängerkanal gesteuert, sondern direkt über die Ground-Unit.

Das Vario hat im praktischen Betrieb während einer halben Saison zuverlässig funktioniert. Die Nutzung des Rückkanals funktionierte hierbei einwandfrei und die Frequenz der Datenübertragung ist mehr als ausreichend, so dass es nicht zu „ruckeln“ oder unangenehmen Verzögerungen kam. Ebenso führte die Nutzung des Rückkanals nicht zu einer Einschränkung bzw. Verschlechterung der Reichweite. Insbesondere bei schwachem Steigen in niedriger Höhe bzw. schwachen Bedingungen kommen die Vorteile eines Variometersystems voll zur Geltung und die Flugzeiten erhöhen sich signifikant. Außerdem kann man Abends, mit Hilfe der Auswertung, die schönsten, interessantesten oder aufregendsten Flüge nochmals Revue passieren lassen.


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Hier eine kompakte Auflistung der großen Vorteile des LinkVarios in Vergleich mit den bisher gebräuchlichen Systemen:

  • Es kann kein LPD vergessen werden,
  • es können keine leeren Akkus im LPD den Flugspaß verderben,
  • es muss kein Empfängerkanal geopfert werden,
  • es erfolgt keine Beeinflussung der Funkstrecke.

Das Vario ist sehr ausgereift, dennoch können auch gute Dinge noch besser werden, und so bleiben noch drei Wünsche offen:

  • Logging der Antennenqualität → Möglicherweise auch Ansage,
  • ein längeres Gewinde für den Kopfhöreranschluss. Beim vorliegenden Gerät musste hierzu etwas Schrumpfschlauch entfernt werden,
  • bei der höhenbasierten Ansage der Flughöhe auf die Ausgabe verzichten, wenn kurz darauf die zeitbasierte Ansage folgt und umgekehrt.

Ein Aspekt bleibt abzuwarten: Inwiefern es sich bei der vollständigen Durchdringung der Modellfliegerwelt mit 2,4 Ghz-Systemen durch die Vielzahl von gleichzeitig in Betrieb befindlichen Anlagen zu gegenseitigen „Behinderungen“ kommt. Für die Nutzer anderer 2,4 Ghz-Systeme gibt es bereits von Weatronic eine Version. Varianten für Multiplex M-Link sowie ACT 3SD befinden sich ebenfalls in Planung.

Das LinkVario bietet eine Fülle von Funktionen, die hier in ihrer Summe nicht komplett erläutert wurden. So gibt es eine Vielzahl weiterer Sensoren, deren Messwerte nicht nur per Ansage kommuniziert werden, sondern die auf der Speicherkarte der Ground-Unit aufgezeichnet werden (z. B. Stromsensoren, GPS, etc.). Um den vollen Funktionsumfang des Geräts erfassen zu können, empfiehlt es sich, das Handbuch von der Webseite www.wstech.de (hier findet sich auch das LinkVarioTool) herunterzuladen. Der kommende Winter bietet sich zum Studieren und Schmökern der Anleitung geradezu an. Rechtzeitig zur neuen Flugsaison kann das Gerät dann mit all seinen Möglichkeiten eingesetzt werden.
 

Technische Daten 24.2 LinkVario GU

Abmessungen typ. 45 mm (55 mm mit Laschen) L, 28 mm B, 9,5 mm H
Gewicht typ. 12 g
Stromversorgung 4,5 V bis 9 V über Data Link Verbindung aus dem Sender
Stromaufnahme typ. 25 mA
Speicherkarte Micro SD Karte max. 2 GB, bevorzugter Hersteller: SanDisk
Dateisystem FAT16
Aufzeichnungsrate 1 Datensatz/s bzw. 1 Hz
Dateiformat der Log-Datei CSV-Format, LogView kompatibel
Höhenauflösung in der Duo Version 0,1m.

 

 

Stand: 28.10.2010