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Der FW5 flow

Heinz Pfaffinger

Revolution „und/oder“ Evolution - Ein Test-  und Erlebnisbericht

Ende der Saison 2009 war klar, es wird bei nahezu allen Herstellern neue HLGs geben. Im Hinblick auf die bevorstehende Weltmeisterschaft mussten einfach Neuerungen her. Die Gerüchteküche brodelte, und es wurde allerorts an der Verbesserung der Starthöhen sowie der Performance von HLGs gearbeitet.
Bei PCM, ich hatte schon immer einen Draht zu heimischen Herstellern, liefen gerade Tests für das Projekt FW5 flow, und das Modell stand unmittelbar vor der Fertigstellung. Bei PCM wurden von Beginn an unzählige Prototypen mit unterschiedlichsten Geometrien und Profilen getestet. Die Ergebnisse dieser Tests wurden sehr professionell und nachvollziehbar ermittelt. In der Endphase konnte ich den ersten, schon sehr seriennahen Prototyp bewundern.

„Sieht doch gut aus!“, dachte ich. Das Konzept gefiel mir auf Anhieb, und deshalb wollte ich den Prototyp testen! Markus Podivin, der Hersteller, überließ mir dankenswerter Weise den ersten FW5 flow-Testprototyp.
 

Erste Eindrücke

Das Vorserienmuster hatte noch einen etwas schweren Flügel, ein zu kleines HLW, und es fehlten noch einige Detaillösungen, die in die Serie einfließen sollten. Insgesamt machte der FW5 flow jedoch bereits einen erstaunlich reifen Eindruck. Als Besonderheit dieser Konstruktion sind die seitliche RC-Öffnung und, wie auch schon beim FW4, das Kreuzleitwerk zu nennen. Die große V-Form ist etwas ungewöhnlich.


 

Baubeschreibung

Wie immer halte ich diesen Teil kurz und widme mich lieber den Flugeigenschaften und Eindrücken beim Fliegen!
Die Teile, ganz in Hochglanzoptik, sind wunderschön verarbeitet. Es sind keine Nacharbeiten oder gar das Erfinden anderer Lösungsansätze erforderlich. Als Zubehör finden sich praktische Teile wie etwa das Ruderhorn für das Seitenruder, Bleiballast, Servobrett, Stahldraht für den Torsionsstab des Seitenruders u.v.m.! Das Servobrett mit dem kompletten Servosatz (drei digitale HS4045-Servos für Quer und Höhe sowie ein D47 für Seite) wird an Ort und Stelle eingeklebt. Als Empfänger habe ich einen superschmalen Yeti 7 eingebaut, und soviel sei gesagt, es geht wirklich sehr eng zu.

Der Akkupack, bestehend aus 2 x 240 mAh parallel verschalteten LiPos, von einem Booster auf konstant 5 V angehoben, wurde auch gleich mit einem Ladekabel sowie einem Mikroschalter versehen. Den Stecker vom Empfänger abziehen geht zwar auch, ist aber unter meiner Würde, und solange ich die kleinen Stecker des Schalters noch sehe, wird gelötet.

Beim RC-Einbau musste ich gleich mal zwei Servokabel kürzen, da sie in dem äußerst knapp bemessenen Rumpf nur Chaos verursacht hätten, und es prompt auch in der gekürzten Version taten.
Obwohl der Rumpf geräumig erscheint, sind die Verhältnisse doch sehr beengt. Wenn alles drin ist, hat man ein wirklich schönes Gefühl der Erleichterung! Raum wird hier neu definiert. Dennoch, es passt alles! „Works as Design“ - das Modell ist offenbar um die RC-Anlage herum konstruiert! Das Servobrett für die vier Servos im Rumpf wurde mit 1-Stundenharz eingeharzt. Damit ist der FW5 flow einer der wenigen HLGs mit allen Servos im Rumpf. Laut PCM-Testreihe ist die Konzentrierung der Massen nahe am Schwerpunkt messbar von Vorteil!

Die Kabinenhaube, seitlich mit einem Kohlestift gehalten, ist keine optimale Lösung und wurde in der Serie sofort auf Magnetverschluss geändert. Nachträglich auch im Prototyp! Das zaubert ein Lächeln auf das zerfurchte Modellfliegerantlitz. Besser und perfekter geht es nicht! Der Anbau des Kreuzleitwerks (übrigens Kohlevlies mit Balsa als Stützstoff) ist nur eine sehr kurze Übung. Mehr als Kevlarseile in den Rumpf einziehen, Leitwerk aufsetzen, ausrichten, drei Tropfen dickflüssigen Sekundenkleber und dünne Glaspatches links und rechts auflaminieren ist nicht notwendig! Die Arbeit dauert genauso lange wie das Lesen dieser Zeilen. Ich dachte noch: „Das ist wohl der Ausgleich für den RC-Einbau“.

Auch die Arbeiten am Flügel sind als geringfügig einzustufen. Das fertige Vorserienmodell wiegt 285 g, und das ist beileibe nicht zu schwer.
Der Schwerpunkt bei 68 mm wurde wie in der Bauanleitung eingestellt. Inzwischen liegt der Schwerpunkt bei 70 mm, und ich bin geneigt, noch ein wenig zu variieren.
Die Ausschläge sowie das komplette Setup des FW5 flow wurden aus dem Bauplan übernommen, und was soll ich sagen: „Die Einstellungen passten exakt“! Bis auf die geänderte Kriegsbemalung und einem selbstgefertigten Höhenleitwerk (das Original war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar) wurde der FW5 flow strikt nach den Vorgaben des Herstellers gebaut.
 

Der Arbeitsaufwand

Da es sich um einen Prototyp handelt, waren viele Arbeiten zu Anfang Neuland. Erst beim zweiten Modell ging es dann flotter. Viel ist nicht zu tun, und wenn der RC-Einbau geschafft ist, kann man sich schon auf den ersten Flug freuen.
Der FW5 flow ist üblicherweise nach spätestens zwei Abenden flugfertig!
Da der FW5 flow sehr spät ausgeliefert wurde, konnte ich kaum trainieren, und so wurde der Bau an einem Donnerstagnachmittag begonnen und das Modell schon Freitagabend bei Laternenlicht eingeflogen.
Am nächsten Tag war Wettbewerb, und somit zählte der Wettbewerb als Einfliegen! Mein Gedanke: „Damit wird der FW5 flow gleich richtig in der Szene bekannt gemacht“.

Der Wettbewerb verlief leider nicht so, wie ich es gehofft hatte: Flugzeug weitgehend unbekannt, 4. Platz!
Mehr ist dazu nicht zu sagen. Ich versuchte, den FW5 flow so zu fliegen, wie meine bisherigen Modelle. Das funktioniert zwar bis zu einem gewissen Grad, aber seine volle Leistung spielt der FW5 flow erst aus, wenn er zügig, also sehr dynamisch geflogen wird. Daher werden Piloten, die gewöhnt sind, ihr Modell ständig ans Höhenruder zu hängen, weniger Freude am FW5 flow haben. Das liegt am Profil! Piloten, die gewinnen wollen, werden den Dreh jedoch schnell ’raus haben. Umstellen ist also gefragt!

Bis zum nächsten Wettbewerb gab es wegen des unberechenbaren Wetters keine einzige Trainings- oder Einstellmöglichkeit. Das Modell wurde jedoch in der Mittagspause des F3K-Contestwettbewerbes in Salzburg komplett umgetrimmt, der Schwerpunkt zurückgenommen und auf flottes Fliegen eingestellt! Perfekt! Sofort lief es gleich wesentlich besser, und ich konnte ohne große Probleme in der Spitze mithalten. Leider wurde für meinem FW5 flow der Luftraum zu eng. Mit einem unschönen Crash und der darauffolgenden Wartezeit bis zum Aufschlag ging der erste ernstzunehmende Wettbewerb für den FW5 flow zu Ende. Die Regeln besagen, dass ein außengelandetes Modell geborgen werden muss. Den 200 Meter-Sprint zum Modell und den Dauerlauf mit den lädierten Einzelteilen zurück verbuchte ich als Verdauungsspaziergang. Die fehlende Zeit im Durchgang war da schon schmerzlicher, und so wurde es nichts mit einem der vorderen Ränge.

Nach der Reparatur des FW5 flow ging ein LiPo-Akku kaputt. Mir fiel später auf, dass das Höhenruderservo sehr heiß wurde. Ich maß diesem Umstand jedoch keine Bedeutung bei. Auch als das digitale Servo anfing zu leuchten, verstand ich es nicht als Bedrohung für Servo oder Akku.
Infolge des übermäßigen Stromverbrauches, verursacht durch eine recht starke Feder am HLW und dem Digitalservo, das nach Leibeskräften versuchte, die eingestellte Position präzise zu halten, zerstörte sich der erste Akku, danach der zweite Akku und anschließend das Servo.

Nach Rücksprache mit PCM erfuhr ich, dass die starke Feder aus besonderem Grund eingebaut wurde. Am Kreuzleitwerk entstehen (laut PCM) beim Start Saugspitzen, die zu unerwarteten Flugmanövern führen können. Mit einem neuen analogen HS45-Servo, einem 350er NiMh-Akku und leicht geändertem Übersetzungsverhältnis ist dieses Phänomen behoben, und der FW5 flow zieht schnurgerade hinauf. Gleichzeitig sollte auf LiPos verzichtet werden, da die große Stromlast den winzigen LiPo-Akku in die Knie zwingt und, wie in meinem Fall, schnell tief entlädt! NiMhs sind robuster, und als zusätzliches Goodie bekommt man den passenden Schwerpunkt gratis dazu. Wie heißt es so schön: „Back to the future“!
 

Flugeigenschaften

Der FW5 flow ist ein schnelles Modell. Um die Vorzüge optimal zu nutzen, sollte man seinen Flugstil auf zügig umstellen. Das Kreisflugverhalten ist recht gut, und trotz hoher Geschwindigkeit steigt der FW5 flow im Kreis leichtfüßig. Bei guter Luft sind mehrere Fesselflugkreise in Bodennähe fast lächerlich einfach! Der Flieger stützt sich in der Kurve einfach schön ab, und selbst bei abenteuerlichen Manövern hat man nie das Gefühl, der FW5 flow könnte vom Himmel fallen.

Wesentlich zum optimalen Bewegen eines solchen Modells sind die perfekt abgestimmten Flaps, andernfalls würde der Flieger seine Leistung nicht erbringen. Weniger ist mehr, das ist die Devise beim FW5 flow!
Das Modell ist nach meiner Erkenntnis ab 270 g optimal unterwegs, kann aber auch wesentlich leichter gebaut werden, um später mit Ballast zur Leistungsmaschine zu werden. Dabei ist der FW5 flow sehr wendig und einfach zu fliegen. Beim schnellen Gleiten ist der Höhenverlust gering. Macht man den FW5 flow jedoch langsam, dann verlässt man den optimalen Bereich und es steigt die Sinkrate. Einfacher Zusammenhang: Je langsamer, desto größer wird das Sinken. Trotzdem bleibt er stets gutmütig, ist gut einzuschätzen und leicht beherrschbar! Die Starts gelingen gradlinig und die erreichbaren Starthöhen sind recht gut!

Was mir besonders aufgefallen ist: Der FW5 flow steigt sehr leicht. Am Pilot kann es nicht liegen, denn ich koche auch nur mit Wasser! Enges Kreisen macht Spaß und hilft, sehr kleine Bärte auszukurbeln. Dabei muss man sich nicht mal besonders anstrengen. Das geht fast von alleine. Floaten in toter Luft kann der FW5 flow aufgrund seines geringen Gewichtes sehr gut!
Die Bremse wirkt schwächer als bei anderen HLGs üblich. Man sollte sich also die Landung gut einteilen, denn der FW5 flow kommt flott herein!
 

FW5 flow der Serie

Die positive Überraschung: Die Serienversion des FW5 flow verhält sich zwar in den meisten Disziplinen wie der Prototyp, doch beim Abgleiten in ruhiger Luft sind gut 15 Sekunden längere Flugzeiten möglich. Das geringere Gewicht wirkt sich aus! Das Kreisflugverhalten wurde noch etwas einfacher, fast könnte man den Flieger in eine Kurve bringen, stabilisieren und dann warten, ob der FW5 flow die Thermik von selbst findet und dann auch noch selbst zentriert. Einfach angenehm, direkt und sympathisch! Kreise lassen sich noch in Bodennähe absolvieren. Toll!

Fazit:

  • Fliegt ausgezeichnet,
  • durchdachtes Konzept,
  • zeigt die Thermik korrekt an und steigt recht ordentlich,
  • Flügel sehr drehsteif,
  • schnell, der FW5 flow überstreicht einen großen Bereich und kommt sicher zurück,
  • leicht zu manövrieren,
  • zeigt kaum Unarten bei den Flugeigenschaften,
  • sehr schön verarbeitet,
  • grifffest (darf also berührt werden),
  • Zugänglichkeit der RC-Anlage ist gut gelöst,
  • Kabinenhaube mit Magnetverschluss (sehr praktisch) und hoffentlich mit Vorbildwirkung,
  • detaillierte, sehr ausführliche Bauanleitung mit allen Einstellwerten,
  • Ballastsystem recht gut gelöst.

Weniger Positives:

  • Mit dem zur Verfügung stehenden Weg der Flaps bremst der FW5 flow nicht besonders wirksam,
  • die V-Form ist recht groß,
  • Platz im Rumpf ist in jedem HLG Mangelware. Beim FW5 flow ist durch das vorgegebene Layout, die Auswahl auf wenige Servotypen eingeengt,
  • Umlenkungen von Höhen- und Seitenruderseilzügen kennen wir üblicherweise nicht,
  • bei Sonnenbestrahlung treten Harzwarzen aus der hochglänzenden Oberfläche aus
  • die erreichbaren Starthöhen sind nicht so wie bei vergleichbaren Modellen. Daran wird aber gearbeitet,
  • das Höhenleitwerk mit Kohlevlies ist etwas bruchanfällig.

Beim Testmodell kostete das etliche Stunden an Reparaturarbeit. Zumeist konnte der FW5 flow repariert werden, aber es gab auch Bruch, der mit dem Totalverlust des Modells endete. Einmal ist der Rumpf knapp vor dem Leitwerk gebrochen. Er hat den Start nicht ausgehalten! Betretene Gesichter! Das andere Mal brach beim Start zunächst eine Höhenleitwerkshälfte, und anschließend flatterte die zweite Hälfte davon. Diese Fehler sollten in der Serie behoben sein!

Jede Neuentwicklung bringt Überraschungen. Hat man das Modell verinnerlicht, ist es nicht nur ein völlig neuer HLG, sondern auch ein tolles Konzept und eine sehr gelungene Konstruktion!
Die Einstellwerte der Bauanleitung können 1:1 übernommen werden! Den Schwerpunkt für ruhiges Wetter würde ich auf 71 mm legen, ansonsten auf 70 mm!

Der FW5 flow gehört der flotteren HLG-Generation an. Das bedeutet, dass beim Konzept weniger Wert auf reines Abgleiten gelegt wurde. Vielmehr handelt es sich um einen regelrechten Thermikjäger. Der Start, wissen wo die Thermik steht, der Thermik nachjagen, auskurbeln und aus der Distanz nach Hause jagen, das ist die ureigenste Veranlagung des FW5 flow.

Mit einem Wort: Eine sehr gute Wettbewerbsmaschine mit Alltagstauglichkeit, unkompliziertem Flugverhalten und hohem Funfaktor!

 

Stand: 21.11.2010