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Deutsche Meisterschaft im Saalflug Klasse F1M/F1M-L

Dieter Brehm

Dillingen/Saar am 31.10.2010

Eigentlich lag der Termin für den Wettbewerb sehr günstig – wurde doch in der Nacht zuvor der Beginn der Winterzeit eingeläutet. Will heißen, dass dieser Umstand dem Wettbewerber eine ganze Stunde mehr Schlaf zuteil werden ließ. Wohl ausgeruht sollte es an den Start gehen. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis sah das Ganze wieder einmal ein wenig anders aus: Gerade wähnte ich mich in Morpheus Armen, als plötzlich wimmernde Geräusche im Hause lauter wurden. Ach ja, von den lieben Kleinen waren ja zwei pünktlich zum Wochenende krank geworden und konnten keinen ruhigen Schlaf finden. Damit war natürlich das Wunschziel ruhiger Schlaf auch für die lieben Eltern in weite Ferne gerückt; der Vorteil der geschenkten Stunde war dahin. Trotzdem machte ich mich frohen Mutes auf die nicht ganz vierstündige Fahrt nach Dillingen. Unterwegs floss der Verkehr, typisch für den Sonntagmorgen, leicht säuselnd dahin, so dass ich recht entspannt voran kam. Es war gerade halb zehn geworden, als ich das Ortsschild von Dillingen passierte. Kaum hatte ich die Schifffahrt auf der Saar bewundert, kam auch schon die Sporthalle West in Dillingen als imposanter Rundbau in mein Blickfeld. Trotz der großzügigen Erscheinung ist die Halle im Inneren wieder ganz normal: Eine typische, rechteckig angelegte Sporthalle mit ca. 7 m Höhe. Wäre die um etwa 3 m abgehängte Decke nicht, würden wir Saalflugjünger wohl laut und vernehmlich jubeln. Dennoch – schön ist die Halle immer noch, da die Decke recht glatt ist und als Hindernisse lediglich links und rechts je einen hübschen Basketballkorb beherbergt.

Ob meiner frühen Ankunft blieb mir genügend Zeit, neben den Anmeldeformalitäten noch einen Trainingsstart zu absolvieren. Ich wollte einfach sehen, ob die von mir hergerichteten Gummistränge die gewünschten Flugzeiten möglich machten. Beim letzten Wettbewerb vor der DMM, dem Bayernpokal in Augsburg, ist mir ein 9 min-Flug geglückt und das erklärte Ziel für die DMM war natürlich, diese Zeiten zumindest reproduzieren zu können. Also flink mal so geschätzte 80% der maximal möglichen Umdrehungen aufgezogen und ab damit. Da in der Luft schon Gedränge herrschte, war der Flug nicht wirklich einfach, mehrere Male musste ich mit der Teleskopstange mein Modell in die gewünschten Flugbahnen lenken. Eine Tätigkeit, die mir immer Schweißperlen auf die Stirn treibt, da sich letztendlich zwischen erfolgreich steuern und zerschlagen des Modells nur ein schmaler Grat befindet. Nach der Landung folgte der Blick auf die Stoppuhr: 8 min 50 s. Damit war ich vorerst recht zufrieden.


Jetzt schnell den nächsten Wertungsflug anmelden

Weitere Trainingsflüge konnte ich leider nicht mehr machen, da Alfred Klinck die Gunst der frühen Stunde nutzen wollte und den Wettbewerb eröffnete. Immer drei Modelle durften gemeinsam fliegen. Dennoch konnten Modellzusammenstöße nicht vermieden werden. So traf es auch mich, als ich den ersten Wertungsflug versuchte. Nach nicht mal 60 Sekunden Flugzeit verhakte sich mein Modell innig mit einem anderen, was zur Folge hatte, dass beide Modelle wie welke Blätter zu Boden sanken. Schäden waren zum Glück nicht zu beklagen. Beide Piloten dürfen in einem solchen Fall ihren Wertungsflug wiederholen. Ich hatte meinen Gummi für den Wiederholungsflug auf die maximale Aufzugszahl aufgezogen und wurde mit einem wunderschönen Flug belohnt, bei dem ich mit meiner Teleskopstange fast nicht steuernd eingreifen musste. 9 min 18 s. Dies war meine neue Bestzeit und ich fühlte mich dadurch wahrlich beflügelt. Auch der nächste Wertungsflug war mit 9 min 2 s sehr ansehnlich. Mein Ziel, wieder 9 min in der Luft zu bleiben, hatte ich damit erreicht.


Ein Modell wird vorbereitet


Der Gummi wird aufgezogen und das Drehmoment überwacht


Das Modell ist startklar


Aber auch andere warten schon auf freien Flugraum


Es wurden auch elektrische Aufzugshelferlein eingesetzt

Im Fortgang des Wettbewerbes sollte mir das Glück allerdings nicht mehr so gewogen bleiben. Beim nachfolgenden Flug arbeitete sich mein Modell zusehends der Hallenwand entgegen und es wollte mir nicht gelingen, dass Modell mit meiner Steuerstange rechtzeitig einzufangen. Rums, und es war an der Wand. Ich versuchte zwar, es mit der Stange aus dieser prekären Lage zu befreien, scheiterte aber final. Das Ergebnis war eine verpatzte Wertung und ein unsensibel zerschlagenes Modell.


Das Steuern der Modelle ist kein einfaches Unterfangen

Mir blieb also nichts anderes übrig, als mein zweites Modell aus der Kiste zu holen. Dieses hat im Vergleich zu dem nun kaputten Modell viel weichere Flächen, was in der Summe immer zu einer etwas schlechteren Gesamtleistung geführt hat. Da sich mittlerweile die Zeiger der Uhr erbarmungslos schnell fortbewegt hatten und folglich die Zeit drängte, passte ich beim Aufziehen nicht hinreichend auf und produzierte einen Strangriss. Da ich keinen vorgedehnten Strang mehr hatte, beschloss ich, einen noch unbenutzten Gummi auf etwa 90% aufzuziehen. Mein Modell konnte die Kraft des Gummis zwar umsetzen, aber die erreichte Zeit war erwartungsgemäß geringer. So ist es mir leider nicht gelungen, über die 9 min hinaus zu kommen: Nach 8 min 50 s lag der Vogel wieder am Boden. Ich wollte es jetzt noch einmal wissen und versuchte, das Modell bei der nächsten Wertung mit maximaler Aufzugszahl zu starten. Es sah alles ganz gut aus, es flog nun schon über 3 min an der Decke kratzend, als es begann, sich wiederum Richtung Wand vorzuarbeiten. Diesmal wollte ich behutsam steuern…..aber leider ist es auch dieses Mal nur beim Versuch geblieben. Dank meiner neuen Behutsamkeit war jetzt aber nur ein Flächenohr ab und der Vorderholm des Höhenleitwerks angeknickst. Nun, auch dieser Wertungsflug konnte die Bilanz leider nicht mehr verbessern.


Feldreparaturen sind beim Saalflug immer wieder erforderlich


Feinabstimmung des Motorträgers durch behutsames Dünnerschleifen

Was nun folgte, waren die entsprechenden Reparaturarbeiten, die mir erfreulich schnell von der Hand gingen. So wollte ich es abschließend noch mit einem guten Wertungsflug versuchen. Das Aufziehen gelang gut, Aufzugszahl und Drehmoment stimmten, aber auch jetzt war mir das Glück nicht hold und ich musste den zweiten Modellzusammenstoß erleben. Als ich den Gummi für die Wiederholung dieses Wertungsfluges vorbereite, hatte ich im Eifer des Gefechtes wieder einen Strangriss. Damit war die Chance auf einen Flug mit 9 min oder mehr dahin; ich musste jetzt wohl den Wettbewerb mit den erreichten Zeiten beenden. Aus allen Durchgängen wurden die zwei besten Flüge in die Wertung genommen. Somit hatte ich eine Wertungszeit von 18 min 20 s erreicht. Für einen Platz auf dem Treppchen hat das nicht ganz gereicht. 12 s trennten mich vom Drittplatzierten. Die Altmeister Klinck und Bundesen hatten Flüge von über 10 min auf dem Konto. Von solchen Flugzeiten kann ich zur Zeit nur träumen. Aber was wäre das Leben ohne Träume…


In der ersten Flugphase mit hohem Drehmoment sind die filigranen Modelle einer hohen Belastung ausgesetzt


Hier sieht man sehr schön, wie sich das Propellerblatt bei einer Deckenberührung verbiegt


Die zweite Flugphase ist dafür zum genießen – eben Saalflug pur

Mittlerweile war es auch schon 18:00 Uhr geworden und die wackere Saalfluggesellschaft wollte ihre Sieger ehren. Schön anzusehen war es übrigens, dass die Jugend die Mehrzahl der Teilnehmer stellte. Von den insgesamt 20 Meldungen waren nur 8 Senioren. Die vorwiegend von Uwe Bundesen geschulte Jugend schlug sich sehr respektabel und zeigte allen eindrucksvoll, wie hoch die Latte liegen kann: Max Mandel schaffte es mehrfach über 10 min zu fliegen.

  Klasse F1M-L    
1 Uwe Bundesen BW 20:54
2 Alfred Klinck SL  19:13
3 Martin Meyer SL 18:32

 
  Klasse F1M-L Jugend    
1 Max Mandel BW 21:35
2 Andreas Busam BW 18:31
3 Felix Gütle BW 17:58

 
  Klasse F1M Jugend    
1 Felix Gütle                     BW 16:50
2 Max Mattes                    BW 08:45


Siegerehrung – respektable Leistungen! Vor allem von der Jugend


Uwe Bundesen mit einem seiner erfolgreichen Zöglinge

Der organisatorische Rahmen wurde souverän von Alfred Klinck gestemmt. Die Zeitnehmer waren geduldig mit uns Saalfliegern und der Wettbewerb verlief sehr harmonisch. Alfred Klinck sorgte um die Mittagszeit für Getränke und einen Imbiss, so dass keiner hungrig oder gar durstig bleiben musste. Die Getränke und das Essen waren im Startgeld inbegriffen, so fühlte man sich den ganzen Tag über gut versorgt.


Der Organisator und Saalflugspezialist Alfred Klinck

In der nächsten Saison werde ich gerne wieder nach Dillingen fahren – vielleicht fliege ich bis dahin schon mit einem Modell der Klasse F1M. Die Herausforderung ist dabei der Bau eines Verstellpropellers, der Flugzeiten deutlich über 10 Minuten möglich macht. Darüber hinaus dürfen in der Klasse F1M Bauweisen verwendet werden, die so auch in der Königsklasse F1D Verwendung finden. Rohrrümpfe, Bor- und Kevlarverstärkungen seien exemplarisch genannt. Was F1M von F1D aber mehr als deutlich trennt, ist das vorgeschriebene Mindestgewicht: F1M-Modelle müssen mindestens 3 g wiegen, das ist mehr als das doppelte Gewicht eines F1D-Modelles! Aber dafür ist F1M für einen nicht ganz unbeschlagenen Saaflieger wiederum relativ einfach zu bauen…..wenn dieser verflixte Verstellpropeller nicht wäre.

 

Stand: 27.12.2010