Die Kinematik ungewollter Differenzierung

Eckart Müller

„Versteh’ ich überhaupt nicht, der geht besser links als rechts rum. Dabei ist alles hundertprozentig gerade!“ Wem ist dieser Satz noch nicht begegnet. Handelt es sich bei dem betreffenden Modell um einen Segler, fällt zumindest die Möglichkeit des falschen Seitenzugs des Motors weg. Daneben gibt es noch etliche andere Ursachen für diese Eigenheit eines Modells. Ein Grund für eine derartige Unart könnte in der Anlenkung des betreffenden Ruders liegen. Meist wird die Anlenkung in erster Linie unter Festigkeitsgesichtspunkten ausgeführt. Wichtig ist, dass sie hält. Das ist zweifellos richtig. Aber das ist nicht der einzige Aspekt, der bei einer Ruderanlenkung beachtet werden sollte. Um beim späteren Betrieb unangenehme Überraschungen zu vermeiden, sollte der Geometrie von Ruder, Ruderhorn, Anlenkung und Servo etwas Beachtung geschenkt werden.

Zunächst die ideale Ausführung. Hier geht einerseits die Senkrechte auf der Mittellinie des Ruders durch den Anlenkpunkt des Rudergestänges und die Achse des Ruders. Andererseits verläuft die Achse des Rudergestänges parallel zur Neutralstellung des Ruders. Zu beiden Seiten gleiche Servoausschläge vorausgesetzt, ergeben sich so völlig symmetrische Ruderausschläge.

Ein möglicher Fehler: Das Rudergestänge steht in der Neutralstellung nicht rechtwinklig zum Ruderhorn. Ob das Gestänge nun auf seiner gesamten Länge oder ob nur das freie Ende unmittelbar vor dem Ruderhorn nicht korrekt eingebaut ist, spielt für die Fehlfunktion keine Rolle. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich schlecht. Auch hiermit handelt man sich eine unerwünschte Differenzierung ein.

In dem dargestellten Fall hat ein Fehler von ca. 8° eine Differenzierung von fast 2° zur Folge! Häufig kann man noch ganz andere „Schrägungswinkel“ beobachten.

Ein weiterer Aspekt, der häufig wenig beachtet wird: Das Ruderhorn ist so installiert, dass die Verbindungslinie Anlenkpunkt – Ruderachse und die Mittellinie des Ruders nicht im rechten Winkel zueinander stehen. Der sich ergebende Abstand ist in Abb. 3 mit „A“ bezeichnet. Die aus diesem Fehler resultierende Differenzierung beträgt hier deutlich über 50%(!).

Stellt man sich nun noch vor, dass sich diese Baufehler sogar miteinander kombiniert „einschleichen“ können, ist es manchmal nicht verwunderlich, dass es Modelle gibt, die nur in einer Richtung kurven wollen.

Werden solche Mißgeschicke erst nach der Fertigstellung des Modells bemerkt, helfen oft nur noch die zahlreichen Möglichkeiten eines Computersenders, die schlimmsten Folgen zu mildern.


Stand: 19.05.2003