8 x 0,5 mm Edelstahlrohr biegen

Moin Zusammen,

ich habe gerade versucht ein 8 x 0,5 mm Edelstahlrohr zu biegen um einen Haubenrahmen für meine Lo100 zu bauen.

Zur Vorgehensweise: Ich habe das Rohr auf der einen Seite zugelötet, mit Quarzsand gefüllt, verdichtet und dann auf der anderen Seite gequetscht und verlötet. Der Haubenrahmen hat untershiedliche Radien und ich habe mir erst mal eine Schablone gemacht mit dem Innenmaß. Soll heißen (theoretisch) wenn das 8mm Rohr drumgebogen ist und anliegt, paßt die Sache.

Leider komme ich aber nicht so eng rum, wie es die Haube erfordert.

Bislang habe ich das Material nicht ausgeglüht und komme immer an den Punkt, wo es eben doch einknickt - scheinbar hat sich das Volumen im Rohr durch die Verformung geringfügig vergößert und dann fehlt der Druck vom Sand.

Ich bin über jeden Tip dankbar - die Rohre gibt'sja leider nicht geschenkt und ich habe nicht endlos viele Versuche frei. Den Fred von den 3 mm Röhrchen und der Rohrbiegevorrichtung habe ich natürlich schon gelesen. Ich hoffe nur mit etwas weniger Aufwand ans Ziel zu kommen.
 

Oli_L

Vereinsmitglied
Moin,

ohne eine Vorrichtung, die verhindert, dass das Rohr senkrecht zur Biegerichtung oval wird und schließlich flach wegknickt, wird es ab einem gewissen Biegeradius nicht gehen.

Vielleicht kannst du auf deine Schablone oben und unten ne Metallplatte aufschrauben, die um min. den halben Rohrdurchmesser über die Kontur übersteht und das Rohr auf ca. 8mm-8,5mm Oval-Max.-Durchmesser zwängt.

Warmmachen während des Biegens hilft sicher auch, ist aber schlecht für Finger und Holzschablone. ;)

Außerdem wird das Rohr immer etwas zurückfedern, so dass es - auf der Schablone gebogen - immer wieder von dieser abstehen wird. Also musst du etwas überbiegen. Bei Edelstahl ist dieses Effekt aber recht klein.

Viel Erfolg!
Oliver
 
Versuch macht kluch...

Versuch macht kluch...

Hi Oliver,

Danke erst mal für den Tip! Erwärmen habe ich jetzt auch durch (gestern Nacht in einr Frustaktion nochmalprobiert) - ohne Sichtbaren Unterschied, dafür ist das Rohr jetzt wirklich hin. Ich werde meine Schablone etwas kleiner machen, um weiter biegen zu können in der Hoffnung das mit dem Rückfedern in etwa zu treffen UND eine Platte drüberschrauben um das Ausknicken zu reduzieren.

Mal schaun, evtl. kann man das Rohrende nach den ersten Biegungen ja etwas weiter zusammenquetschen, um den Sand weiter verdichtet zu halten.

Wenn das nichts wird, wird der Rahmen aus Sperrholz und Kohlerovings...Wenn das Edelstahlrohr also mitfliegen will....;)


Ich berichte sobald ich das alles ausprobiert habe.
 

skaut

User
Es ist auch möglich mit flüssigem Blei zu füllen statt Sand und nachher wieder herausschmelzen.
Blei hat eine Schmelztemperatur von 330 Grad kann man noch am Gasofen schmelzen.
 

matzito

User gesperrt
Fuellen ist nicht so wichtig wie die Geschmeidigkeit des Werkstoffes, sprich mal mit Harald Zimmermann, Edelstahldaempfer ;-)
Glühen, Abschrecken dann kalt Biegen. ggfs stufenweise biegen und nachgluehen, dadurch wird das Material feinkoernig und versetzungsfreier und damit Geschmeidiger, bis du durchs biegen wieder verfestigungen erzeugst.

Versuchs mal so....
 
Interessant

Interessant

@ skaut

Ja, das mit dem Blei ist mir zwar bekannt aber sehr unsympathisch und das Rohr ist zudem 1m lang - mit wenig Rest wenn gebogen.

@ matzito

Hmm, abschrecken habe ich noch nicht probiert. Ich habe das Rohr mittels Druckluft etwas abgekühlt (das dauert..) weil ich bislang dachte, daß durch anlassen und abkühlen die Oberfläche härter wird und damit eher zum reissen neigt. Deshalb meinte ich das spannungsarm Glühen ein langsames Erkalten erfordert - liege ich da falsch?
 
pilotini schrieb:
Hmm, abschrecken habe ich noch nicht probiert. Ich habe das Rohr mittels Druckluft etwas abgekühlt (das dauert..) weil ich bislang dachte, daß durch anlassen und abkühlen die Oberfläche härter wird und damit eher zum reissen neigt. Deshalb meinte ich das spannungsarm Glühen ein langsames Erkalten erfordert - liege ich da falsch?
Hängt von der Legierung ab. Kohlenstoffstahl mit genügend C wird beim Abschrecken hart. Falls Dein "Edelstahl" (ich hasse dieses Wort, da nichtssagend) ein austenitischer Chromnickelstahl ist, (das sind die mit dem leicht gelblichen Silberglanz) dann wird er durch Abschrecken nicht hart. Ein Vorteil, um das Gefüge weich zu halten ist es m.W. aber auch nicht unbedingt.

Bei Alu und Kupferlegierungen schreckt man, ab, um das Gefüge weich zu halten. Die härten danach, je nach Legierung kalt oder durch weitere Wärmebehandlung aus. Möglich, dass es ähnliche Effekte auch bei austenitischen Stählen gibt.
 
lange her...

lange her...

Austenit, Eutektikum, Liquidus - Solidus Linie im Eisen-Kohlenstoff Diagramm...Stimmt! Da war was - ist aber schon 20 Jahre her, daß ich das mal gebraucht habe. Leider weiß ich nicht mehr, als das mein Edelstahlrohr (von Toni) nicht so leicht rostet (und den Rest hatte ich ja auch schon vergessen :rolleyes: ).

Ich probier mal mit Anlassen und Abschrecken - mehr als schiefgehen kann's nicht. Danke erst mal - ich sag dann bescheid.

Alternativen sind aber immer noch willkommen.
 

matzito

User gesperrt
Hi, oder direkt mal bei Harald Zimmermann nachfragen, der bastelt ganz viel mit Edelstahldaempfern fuer Toni, Stuckerjuergen undauch Turbinenvektorsteuerungen, der macht dir sowas ggfs auch nach Zeichnung.
Gruss und Erfolg Matze
 

PIK 20

User
Hallo,
habe vor einigen Tagen einen Filmbeitrag über die Herstellung eines gebogenen Rohres für ein Waldhorn (Musikinstrument) gesehen.
In diesem Beitrag wurde von einer druckfesten Füllung des Rohres gesprochen, die Enden zeigten bündigen Verschluss, sah aus wie zugelötet.
Nach Fertigstellung der exakten Biegung legt man das Rohr in heisses oder siedendes Wasser und da rinnt das Zeug wieder raus.
Es wurde etwas geheimnisvoll dargestellt, soll auch ein Firmengeheimnis sein.
Der kreisrunde Querschnitt bleibt auf jeden Fall erhalten.

Fragt doch man bei einem Blasinstrumentenhersteller danach.

Gruß von Heinz
 
Teilerfolg

Teilerfolg

Guten Morgen Zusammen,

erst mal vielen Dank für die rege Beteiligung an alle. Wenn ich mir den Zusatz erlauben darf: Vom Kunstflugforum her bin ich nicht verwöhnt und wirklich positiv überrascht wie das hier läuft. Eine schöne Erfahrung!

Zum Thema:
Ich habe gestern ein Rohr erst mal ungefüllt mit dem Brenner bearbeitet. Wie Helmut mir gesagt hat - muß es braun werden. Erfolg und Mißerfolg liegen hier aber nahe beieinander. Mir ist der Sauerstoff (aus der Flasche...:rolleyes: ) ausgegangenund ich mußte eben diese Flasche wechseln - es gab also eine Unterbrechung im durchglühen. Das hatte Folgen beim Biegen. Biegen ließ sich das Material (jetztwieder mit Sand gefüllt) deutlich besser. Durch Unterschiede in der Hitzeeinwirkung habe ich aber unterschiedliche Festigkeiten was das maßgenaue Biegen des Rohrs erschwert hat.

Übrigens reicht das Verquetschen des Rohrendes und abwinkeln des verquetschten Endes auf der einen Seite und ein Holzstopfen auf der anderen Seite vollkommen um Sanddicht zu sein - verlöten überflüssig.

Letztendlich habe ich es mit einigen, vertretbaren Dellen hinbekommen aber ich werde trotz allem einen Holz-CFK-Rahmen bauen, denn die Steifigkeit des Stahl-Rahmens läßt zu wünschen übrig und ich möchte wirklich nicht die Haube Verspannen (zu groß und zu dünn) und am Ende Risse bekommen. Um der Rohrkostruktion die nötige Festigkeit zu geben bräuchte ich mindestens eine Querstrebe vorne und die hat die Lo eben nicht.

Es war aber sehr aufschlußreich für mich. Professionelle Ergebnisse bei kleinen und unterschiedliche Radien und "größeren" Rohrdurchmessern wird man ohne Spannmittel etc. schwer hinbekommen. Freihand ist gut wenn man nicht auf 2-3 Zentel genau arbeiten muß.

Allen nochmals vielen Dank für Tips und Beiträge.
 
Zum Abschluß

Zum Abschluß

Moin,

hier noch kurz der Vergleich zw. den 8 x 0,5er und dem "Holzbau":

Haubenrahmen-klein.jpg

Ich denke alles in allem ist die Holzlösung einfacher herzustellen und auch weiter zu verarbeiten. Das Ergebnis:

Axel-Haube-klein.jpg
 
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