Aero-Naut: Lilienthal 40 RC ("PLUS")

Ein zur Anfängerschulung geeignetes AERO-NAUT-Modell

von Dietmar Helms.​

Der RCMC (Radio-Control-Modellsport-Club) in Düsseldorf bietet für alle Interessierten kostenlose Flugschulungen an und wir haben damit eine große Bandbreite an Flugschülern aller Altersklassen und dadurch letztlich auch Neumitglieder gewinnen können. Für die jugendlichen Flugschüler benötigen wir ein Segelflugmodell, welches nicht so teuer, einfach zu bauen, robust, leicht zu fliegen und einfach zu reparieren ist. Wir setzen bei uns im Verein in der Jugendarbeit schon seit vielen Jahren den Lilienthal 40 RC von AERO-NAUT ein, der in über 10 Exemplaren gebaut wurde, sodass es inzwischen einen großen Erfahrungsschatz mit diesem Modell gibt.

Im folgenden Beitrag gebe ich Tipps zum Bau der „Standardversion“, ich beschreibe aber insbesondere eine Version, bei der ich verschiedene Änderungen vorgenommen habe, die mir im Laufe der Jahre eingefallen sind. Der Lilienthal ist schon in der Standardversion ein sehr schönes und preiswertes Segelflugmodell, mit sehr guten Flugeigenschaften und ausgesprochen robust.
Trotzdem: Mit etwas mehr Bauaufwand und entsprechend längerer Bauzeit kann ein noch schöneres Modell entstehen.

Ich wollte ein flexibel einsetzbares Modell bauen. Der Lilienthal soll im Verein zur Flugschulung als Segler und auch als Elektrosegler einsetzbar sein.
Der Motoraufsatz sollte daher steckbar sein.

Insgesamt habe ich paar konstruktive Änderungen vorgenommen und nach meinen Erfahrungen im Modellbau auch kleine Änderungen in der Bauausführung vorgenommen.


Konstruktive Änderungen

Flächenbefestigung

Die Flächenbefestigung mit Gummis wurde durch eine Befestigung mit Schrauben ersetzt.
Die Fläche sitzt nun vorne mit einem Holzdübel in einem zusätzlichen Spant und wird hinten mit zwei Schrauben (M3-Nylon) auf dem Rumpf befestigt. So wird es bei vielen kleinen Seglern und auch häufig bei den RES-Seglern gemacht.
Dafür habe ich zusätzlich einen Holzspant in den Rumpf geleimt und die Haube entsprechend gekürzt. Die Haube wird mit einem kleinen Magnet gehalten. Ein kleines, aufgeleimtes Balsa-Formstück deckt den Spant nach vorne ab. Die Haube ist damit auch bei aufgeschraubter Fläche abnehmbar. Das erleichtert den Akkuwechsel erheblich.

In den Rumpfseitenteilen wurden vor dem Zusammenleimen 3 mm Sperrholzplatten (zwei Stück 15*10 mm) für das noch zu fertigende Gewinde eingelegt.
Das Gewinde für die Flächenbefestigungsschrauben wurde später nach Ausrichtung der Fläche in die Sperrholzplatten geschnitten. Dafür benutzte ich einen Bohrer mit Ø 2,5 mm und einen M3-Gewindebohrer. Die Gewinde schneide ich per Hand. Das Gewinde kann anschließend mit etwas Weißleim gehärtet werden. Einfach einen Tropfen in das Gewinde streichen, trocknen lassen und dann noch mal mit dem Gewindebohrer nachschneiden.


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Bowdenzüge/Anlenkungen

Die Bowdenzüge werden im Original außen am Leitwerksträger geführt. Das ist schnell gemacht, sieht aber nicht so super aus.
Sie passen aber auch in das Rohr und der Bowdenzug für das Höhenruder kann komplett nach innen gelegt werden.

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Das Ruderhorn am Höhenleitwerk ist dann zwar etwas kurz, aber in Kombination mit einem kurzen Servoarm passt es (mein programmierter Servoweg liegt bei 60%).
Für das Seitenruder habe ich statt des beiliegenden Drahts mit Ø 0,8 mm einen mit Ø 0,6 mm verwendet.

Beim Zusammenkleben des Rumpfes sind die Aussparungen für die beiden Bowdenzugrohre mit Restmaterial zu verschließen. Für die in den Leitwerksträger verlegten Bowdenzugrohre werden entsprechende Öffnungen in die Rumpfteile gefeilt.
Für den Schutz des Ruderhornes habe ich zusätzlich einen kleinen Hecksporn an den Leitwerksträger geklebt.


Endleiste Höhenruder/Seitenruder

Nach dem Bau mehrerer RES-Modelle lege ich gerne einen Sperrholzstreifen (0,6 -0,8 mm) mittig in die Endleiste. Das erhöht die Festigkeit (Verzug) und man kann das Höhenruder oder auch das Seitenruder schön spitz schleifen.
Dafür benutze ich eine kleine Fräse und einen 0,8 mm-Schaftfräser.
Bei der Gelegenheit kann man auch gleich Taschen für Vlies-Scharniere in die Leitwerke und Ruder fräsen. Das sieht dann etwas feiner aus als die Scharniere mit Klebeband.


Hochstarthaken

Der Original-Hochstarthaken ist meines Erachtens sehr weit vorne.
Das gibt zwar für Kinder und Jugendliche mehr Sicherheit beim Start, aber die Starthöhen sind mir zu niedrig.
Wir benutzen eine in einem Aluprofil verklebte Lüsterklemme aus dem Elektrobedarf (das Plastik wird entfernt), in die der verstellbare Hochstarthaken aus 1 mm Stahldraht geschraubt wird. Der Hochstarthaken sitzt etwas weiter hinten als beim Original. Das Aluprofil habe ich in einem Baumarkt gefunden (7,5 mm x 7,5 mm). Es wird passend gesägt und mittels Fräse mit Schlitz und zwei Bohrungen versehen. Die Lüsterklemme wird zusätzlich noch mit Epoxid verklebt. Wer nicht so viel Aufwand treiben möchte, verlängert einfach das Original-Sperrholzbrett für den Hochstarthaken um etwa 15 mm nach hinten.

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Oberfläche: GfK (25 g/m²)

Eine Lackierung mit Klarlack reicht völlig aus und ist auch etwas leichter. Eine GfK-Beschichtung kann aber auch nicht schaden…
Die Tragfläche habe ich nur auf der Oberseite mit einer GfK-Matte beleget (25 g/m²), das übrige Modell komplett mit GfK. Danach mit einem seidenmatten Bootslack (rund 50% Lack und 50% Verdünnung) lackiert. Insgesamt habe ich 30 g Harz angerührt – aber auch nicht komplett verbraucht. Harz und Lack sollten aus Gewichtsgründen sehr sparsam aufgetragen werden.


RC

Da der vorgesehene Empfänger die Empfängerspannung via Telemetrie überträgt, habe ich auf BEC verzichtet und Servos verwendet, die für die Spannung von zwei LiPo-Zellen geeignet sind.
Ich benutze gerne LiIon-Akkus. Die sind preiswert, sehr robust und passen wegen ihrer runden Bauform auch sehr gut in den Rumpf. Benutzt habe ich zwei Zellen der Bauform 18350 mit 1100 mAh Kapazität und je 25 g Gewicht.
Es gibt die Akkus meist nur einzeln, aber zwei Zellen sind ja auch schnell zusammengelötet …


Motoraufsatz

Ich wollte ein flexibel einsetzbares Modell bauen.
Der Motoraufsatz sollte daher aufsteckbar sein. Nach langen Überlegungen (und längeren Blicken in meine Materialkiste) habe ich mich für die steckbare Befestigung mittels eines Carbonrohres (Ø 5 mm) und eines Steckers entschieden. Im Flügel ist ein Messingrohr mit 5 mm Innendurchmesser und die passende Steckerbuchse eingeklebt. Nach einigen Flügen kann ich sagen, dass die Kombination gut geglückt ist. Der Motoraufsatz sitzt fest genug (Vibrationen), aber auch nicht zu fest (Montage).

Für den Antrieb habe ich einen 5 g-Motor (brushless) gewählt. Den gibt es sehr preiswert für kleine Drohnen (Micro 1104, 4300 kV, für 1-2 S).
Der kleine Motor zieht im Stand je nach Propeller etwa 3,5 A (an 8,4 V). Macht also rund 25 W Eingangsleistung.
Das ist für den Lilienthal schon an der unteren Grenze – das Modell steigt damit nur langsam in den Himmel.
Der Wirkungsgrad des 5 g-Motors mit dem kleinen Propeller dürfte eher schlecht sein, dafür ist er aber sehr leicht und der Widerstand des kleinen Propellers wird im Segelflug kaum spürbar sein.
Die Flugzeiten lagen bei den ersten Testflügen bei sehr schönem Flugwetter bei 30 Minuten (Akkus: 2S mit 1100 mAh).
Ich werde aber mal andere Propeller oder gegebenenfalls auch etwas stärkere Motoren (vielleicht 10 g) testen.

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Sonstige Erfahrungen mit dem Lilienthal

V-Form

Da das Mittelteil ein durchgehendes Brett ohne V-Form ist, wird der Winkel der beiden „Ohren“ für die Wendigkeit und einen guten Kreisflug entscheidend. Bei mir kann ich bei flach aufliegendem Flügel 58 mm unter die Ohren unterlegen. Das genaue Ankleben finde ich etwas schwierig. Ich lege den Flügel auf das Baubrett und sichere das Ganze bis zum Austrocknen auf der Unterseite mit feinem Malerkrepp und auf der Oberseite mit Stecknadeln. Ich nehme mir die Zeit, die Ohren nacheinander anzukleben.


Ankleben des Höhenleitwerkes auf den Leitwerksholm

Da weiche ich von der Bauempfehlung ab.
Ich lege das Höhenleitwerk mit der Oberseite auf das Baubrett und lege den Leitwerksträger (an der Klebestelle etwas angeschliffen) einfach auf das Höhenleitwerk. Natürlich ausgerichtet und mit einem Balsa-Reststück (in Dicke des Höhenleitwerks (2,5 mm)) unterlegt. Nach Trocknung des Klebers klebe ich erst das Seitenleitwerk auf das Höhenleitwerk. Der Leitwerksträger wird danach als komplette Einheit mit den Leitwerken in den Rumpf geschoben und verklebt.


Schwerpunkt

Der Schwerpunkt ist bereits am Rumpfseitenteil mit einem Pfeil markiert. Wir fliegen den Lilienthal mit einem etwas weiter hinten liegenden Schwerpunkt. Der Schwerpunkt liegt bei 45 mm. Bei viel Wind befestigen wir ein 10 g-Gewicht auf oder in der Rumpfnase.


Hochstart

Wir benutzen ein dünnes Gummi (Ø 4,2 mm außen, Ø 1,8 mm innen) mit einer Länge von 10 m. Der Hersteller gibt einen Zug (bei 6-facher Dehnung) von 2,8 kg an. Mit etwa 75 m Seil erreicht man dann ganz gute Starthöhen.


Technische Daten
Spannweite119 cm
Länge83 cm
Tragflächeninhalt19,6 dm²
Fluggewicht323 g (Segler), 334 g (mit Motoraufsatz)
Schwerpunkt45 mm


Fazit

Der Lilienthal ist modifiziert wie unmodifiziert ein sehr schönes und im Verein populäres Modell.

Allen, die Lilienthal nachbauen, wünsche ich viel Spaß und Erfolg.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Wir haben kürzlich den Zweiten eingeflogen. Der Erste wurde vor 6 Jahren vom älteren Sohn gebaut, war aber mittlerweile so abgerockt, dass der Jüngere nun einen neuen brauchte. Beim ersten haben wir auch ein paar Änderungen vorgenommen:
-die Fläche auch schraubbar gemacht, allerdings mit zwei Schrauben in einer Reihe. Dazu wurden oben noch ein Brettchen eingeklebt
- Das Auslegerrohr mit Rovings und Harz umwickelt und so crash-resisten gemacht
- seitlich eine Schleppkupplung eingebaut die über das SL-Servo betätigt wurde.

Jetzt beim Zweiten hab ich zuerst auch lange überlegt, bin dann aber aus Einfachheit doch zur Gummibefestigung zurück gegangen. Der Hauptgrund: wenn die Kids damit herummachen, kommt es immer mal wieder zu einem Radschlag. Mit den Gummis hält das die Fläche aus, mit der Schraubbefestigung ging die ganze Wucht in den Flügel und Leitwerksträger. Beide waren mehrmals ab.
Dabei geblieben bin ich bei der Schleppkupplung und hab ihm diesmal eine "Richtige" verpasst, mit einem eigenen 4g Servo. Darüber eine Trägerplatte verbaut, wo nun der Akku und Empfänger sauber sitzt. Das war vorher immer so eine Gewurstel.
Fliegen tun wir mit einem 1s 550mAh Vape-Akku, die Servos gehen ohne Probleme bis auf 3,5V runter.

Hochstarthaken hab ich weit vorne gelassen wegen der Kinder, sonst wird das ein Massaker beim Flitschen. Unser Hochstartseil besteht aus 6mm Angelzug-Gummi von Decathlon und 0,5 Monofikschnur. Saust hoch wie Schmitz.

Lieblingsstart-Form ist aber nach wie vor der Huckepack, da hat man immer zu Zweit Spaß. Daher bis heute noch nie einen Motorpylon verbaut.
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