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AUGEN AUF BEIM MODELLVERKAUF - Nur Bares ist Wahres

Augen auf beim Modellverkauf​


Nur Bares ist Wahres

Artikel aus FlugModell 06/16

Jürgen Rosenberger​


Wir Modellflieger können je nach Wetter, Laune und Örtlichkeit verschiedene Flugobjekte aus unserer Flotte wählen, da muss hin und wieder auch mal ein Modell verkauft werden. Der Verfasser musste leider feststellen, dass das nicht immer ohne Risiko ist. Vor allem dann, wenn der Käufer so gar nicht verhandeln will.

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Es begann irgendwann im November 2015: Vor Wochen hatte ich mein Flugmodell, eine Wegner Auster mit 19,8 kg und einer Spannweite von 3,23 m, in einem der Internetforen zum Verkauf angeboten. Nun meldete sich, welch eine Freude, ein in Schweden lebender Amerikaner unter dem Namen „Mr. Weeks“. Umgehend wollte er meinen Flieger kaufen. Fragen zum Modell stellte er keine, nun ja, soweit meine Hochmut-kommt-vor-dem-Fall Gedanken... Vielleicht kennt der ja meinen Artikel zum Flieger aus FlugModell und weiß, dass ich vorzüglich baue – Else, meine Angetraute, würde sagen „bist du witzig“. Über den Preis wurde auch nicht diskutiert. Der vermeintliche Käufer hatte andere Prioritäten: Er interessierte sich für die Nummer meines Reisepasses und Führerscheins sowie meine kompletten Bankdaten. Erstes Misstrauen erwachte in mir, also schrieb ich via E-Mail zurück, wozu denn Pass- und Führerscheinnummern dienten. Hierauf gab es keine Antwort, stattdessen erhielt ich, gewissermaßen als vertrauensbildende Maßnahme, die Fotokopie eines Ausweises mit Bild von „Mr. Weeks“. Die modifizierte Botschaft lautete nun: Er wolle sofort zahlen, ich möge ihm aber bitte meine Bankdaten mitteilen. Nun gut, der eine oder andere von uns Modellbauern, so auch ich, verfügt über ein Konto, das separat nur für's ach so teure Hobby genutzt wird, denn die Ehefrau muss schließlich nicht alles wissen. Nach einer taktischen Rücksprache mit der Bank leerte ich das Konto und ließ den Zugriff für Dritte auch nach auswärtiger Überweisung blockieren. Unter diesen Vorgaben wagte ich den nächsten Schritt und teilte Weeksyboy, so nenne ich ihn fortan, die Daten dieses speziellen Kontos mit. Der amerikanische Freund mailte, das Geld nun transferieren zu wollen, sogar Datum und Uhrzeit der Überweisung wurden genannt. Und um mein Vertrauen vollends zu gewinnen, beauftragte er ein Stockholmer Anwaltsbüro als ausführendes Organ.


Anruf der Bank

Das vorgegebene Datum vor Weihnachten verstrich, beim Geldeingang hieß es jedoch: Fehlanzeige. Else, die Durchblickerin vom Dienst raunte, „der linkt dich“. Also schrieb ich die Sache ab. Nach Weihnachten meldete sich unser Modellbaufreund wieder und nannte ein neues Datum für den Geldübertrag: Den 20.01.2016, 14 Uhr. Wenig überraschend verging auch dieser Termin ohne Geldsegen, ebenso der nächste angekündigte Tag, der 28.01.2016. Else, aber auch meine beratenden Modellbaukollegen verboten mir nun jeden weiteren E-Mailverkehr. Die Angelegenheit schien fast schon vergessen, da erklang, oh Freude, am 22.02.2016 eine hübsche Frauenstimme am Telefon – meine Bankerin. Sie teilet mir mit, dass ein Scheck über 7.000 € von einer Frankfurter Bank eingegangen sei. Weeksyboy ließ mich zeitgleich via E-Mail wissen, sein Anwalt habe versehentlich 7.000 Euro überwiesen, ich möchte doch bitte 5.000 Euro davon auf ein von ihm beziffertes Konto retransferieren. Mein Hinweis per E-Mail, ich fordere doch nur 1.250 Euro, wurde mit der Antwort entkräftet, er wollte mich für den Zeitverzug entschädigen. Fakt: Der Scheck lag vor, 7.000 € warteten auf Einlösung, der gute Mensch in Schweden vertraute mir soviel Geld an. Sogar ein Begleitschreiben, „Memorandum“ tituliert, bescheinigte vollmundig Seriosität, was will man mehr? Der Käufer, wissend, dass der Scheck eingetroffen ist, bombardierte mich nun mit schleimigen Mails und drängte auf zügige Rücküberweisung der 5.000 €. Dann aber kam, was eigentlich kommen musste: Frau S., die hübsche Bankerin, rief eine Stunde später an und teilte mir mit charmantem Bedauern als Ergebnis ihrer Recherchen mit, dass der Scheck nicht gedeckt und über ein Konto ausgestellt worden sei, welches seit geraumer Zeit nicht mehr existierte.

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Der eingesandte Scheck des Käufers samt „seriösem“ Begleitschreiben. Sieht doch gut aus, ist aber leider nicht gedeckt.


April, April! Ein Schüttelscheck!

Was war die Absicht? Gauner Weeksy spekulierte wohl, dass ich, einen 7.000 €-Scheck in Händen haltend, im Überschwang des Glücksgefühles und im Glauben, ihn einlösen zu können, 5.000 € ohne vorherige Überprüfung zurück überweisen würde, um mir hinterher eine lange Nase zeigen zu lassen! 5.000 € meines Geldes wären weg gewesen. Da kann ich nur sagen: Ein Lob auf unsere Banker!


Und die Moral von der Geschicht?

Wir befinden uns im Zeitalter der Globalisierung. Geschäfte werden zunehmend auch zwischen Privatleuten weltweit abgewickelt. Betrügern sind damit Tür und Tor geöffnet. Seid also vorsichtig, liebe Modellbaufreunde, wenn ihr Geschäfte mit euch unbekannten Personen tätigt. Vielleicht ist diese Geschichte auch Anlass für euch, über ähnliche Abläufe zu berichten. Übrigens: Die Auster ist noch zu haben, aber nur Bares ist Wahres! Und Augen auf beim Modellverkauf!

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Bis Skandinavien hat sie es nicht geschafft. Meine Auster fliegt erst einmal weiter zu Hause.
 

Kommentare

Lieber Jürgen, dies ist ein Uralttrick im Gebrauchtwagenhandel. Gab es auch schon vor 10-12 Jahren. Niemals solche Scheckdeals!!!
Oft ist es besser bei solchen Sachen jemanden ins vertrauen zu ziehen, Deine Frau hatte ja das richtige Bauchgefühl...

Gruß Werner
 
Genau das Gleiche hat man bei mir versucht als ich ein Motorrad verkaufen wollte. Die Anfragen kamen allesamt aus England... Hat aber bei mir auch nicht geklappt :-)
 
Kaum zu glauben, dass da noch einer drauf reinfällt.
Hör auf deine Frau.
Und wenn du für dein Hobby ein eigenes Konto brauchst, dann isses kein Hobby mehr. Meine Meinung.

H.
(der nicht sicher ist, ob der Hinweis auf den nach wie vor beabsichtigten Verkauf hier ins Magazin gehört)
 
Hallo, dieser Fall ist wirklich ziemlich offensichtlich. In der anwaltlichen Praxis begegnen mir subtilere Methoden, die das gleiche Ergebnis haben: Geld weg oder Ware weg. In einem Fall war das deutsche Empfängerkonto mit gefälschten Papieren angelegt und der Internetaccount bei einem unbescholtenen Dritten gehackt. Wann immer möglich sollte man abgesicherte Zahlungswege, z.B. Paypal benutzen oder die Übergabe persönlich machen. Und bei Zweifeln frühzeitig die Polizei und je nach Lage des Falls auch eine(n) Anwalt(in) einschalten.
 
Wann immer möglich sollte man abgesicherte Zahlungswege, z.B. Paypal benutzen oder die Übergabe persönlich machen.
PayPal ist bei Geschäften unter Privatleuten überhaupt nicht abgesichert! Bitte nicht solche Unwahrheiten verbreiten.
Bei PayPal kennt man nur eine Emailadresse - mehr nicht!
Den Käuferschutz gibt es bei Privatgeschäften nicht!
Dann doch lieber die klassische Überweisung - da hab ich immerhin noch die Kontodaten des Empfängers ... da fühle ich mich etwas sicherer bei.

Am sichersten ist immer noch die persönliche Übergabe!
 
Also bei einem Brief einer Bank in welchem die Schrift 'Comic sans' verwendet wird sollte man sehr misstrauisch werden. Die Schrift dürfte eigentlich nur von kleinen Mädchen zum verzieren von Einhörner verwendet werden. Aber danke für den Hinweis zum Vorgehen.
 
Immer wieder schön zu lesen wie sicher doch unser Umgang mit all diesen "Uralt-Tricks" ist.
Nur gibt es jeden Tag etliche Geschädigte die aus Scham über ihre Naivität schweigen. Und genau an der Stelle ist der Hinweis auf die "Uralt-Tricks" der Grund warum diese Menschen nicht offen mit dem Malheur umgehen und es vielleicht gar nicht zur Anzeige oder Rechtsberatung bringen. "Wie naiv bist Du denn...?"
Was für den Einen ein uralter Trick ist, ist für den Anderen völlig neu. Dazu kommt, dass die Betrüger ihr Spiel teilweise mit Druckmitteln, Einreden eines schlechten Gewissens, E-Mail Bombardements etc., also psychologischem Druck unterstützen.

Mein Fazit: Schön wenn Viele den Trick schon kennen, trotzdem dem Autor an dieser Stelle ein "Danke schön" so offen mit dem Thema umzugehen. Und wenn es nur Einen davon abhält einen Fehler zu machen, dann war der Artikel das wert. :)
 
PayPal ist bei Geschäften unter Privatleuten überhaupt nicht abgesichert! Bitte nicht solche Unwahrheiten verbreiten.
Bei PayPal kennt man nur eine Emailadresse - mehr nicht!
Den Käuferschutz gibt es bei Privatgeschäften nicht!
Dann doch lieber die klassische Überweisung - da hab ich immerhin noch die Kontodaten des Empfängers ... da fühle ich mich etwas sicherer bei.

Am sichersten ist immer noch die persönliche Übergabe!

Vielen Dank für den Hinweis, dass Paypal nur gewerbliche Käufe absichert. Das war mir nicht bekannt! Ist sicher wichtig für alle Mitleser. Dann gibt es in der Tat kaum eine sichere Zahlung. Denn wie in dem von mir geschilderten Fall ist nicht einmal ein deutsches Konto immer "wahr" oder "sicher". Außerdem nützt das auch wenig, wenn der Empfänger nicht freiwillig zurück zahlt. Da hilft dann wieder nur noch der Anwalt.
 
Naja, ob "Uralt" oder nicht, auch die Prozeduren bei den Banken ändern sich, ohne dass man es in jedem Einzelfall mitbekommt, und allein dadurch tauchen Methoden aus der Gruft auf, die man bereits vergessen hat.

Hier wird ausgenutzt, dass viele Banken Schecks erst mal gutschreiben, und erst danach die Validität prüfen. Deswegen auch der immense Druck, "sofort" die Differenz weiter zu überweisen.
Dabei werden Schuldverhältnisse in Wochen und Monaten gehandhabt, aber nicht in Tagen oder womöglich Stunden.

Bei allen Berichten von Geschädigten solcher Deals, die ich kenne, fallen dubiose Zahlungswege auf. Typisch sind auch Überzahlungen, bei denen mögliche Skrupel durch Gier kompensiert werden. Und natürlich kommen viele dieser Betrügereien nicht zur Anzeige, weil kaum jemand gerne zugibt, dass er ein gieriger Idiot ist.

Schützen kann man sich vor so etwas nur, indem man auf Gier einfach mal verzichtet. Bietet jemand freiwillig viel mehr als die anderen, ist das ja toll - aber geht das dann nur per exotischem Zahlungsweg? Tatsächlich nein, denn so handeln nur Betrüger.

Grüße, Ulrich Horn
 
Moin das Spielchen hatte ich schon 2005 mit einem Motorradverkauf, bin zum Glück auch nicht drauf reingefallen. Gruß
Uwe
 
Nicht nur das Dich einer um Dein Geld betrügt, Du kannst auch noch wegen Geldwäsche in den Knast kommen.

Es gibt X-Varianten, davon in allen Bereichen.
Zu viel bezahltes Geld ist kein versehen, die wollen das dann auf ein anderes Bankkonto zurück, und das ist Geldwäsche.

Wenn ich was verkaufe mache ich das nur Bar (schaut Euch die Scheine genau an) oder über eine Banküberweisung, nie mit Paypal oder Schecks usw.
 
Hallo,

was ich mich frage: So ein Beitrag unter "Szene" in einer Modell"fachzeitschrift"? :rolleyes:
Es gibt eine aviatorische Modell-Zeitschrift, da gibt es eine "letzte Seite", da passt so eine Geschichte hin.

So etwas bestärkt mich, Modellfachzeitschriften nur noch sporadisch nach Durchlesen des Inhaltsverzeichnisses am Kiosk zu kaufen.

Grüße
Reinhard
 
Nebenbei hat der Autor damit kundgetan dass er eine Mutti zu Hause hat die auf ihn aufpasst.
Andererseits hat der Autor ein spezielles Konto eingerichtet damit Modellbau und evtl. andere "Aktivitäten"
Muttis Kontrolle vordergründig entzogen sind.
 
als Kind lernt der Stammhalter schon:
Mutti darf alles Essen, aber nicht alles wissen ......

diese Logik wird nachher noch auf das Finanzamt ausgeweitet .....
 
Gier frisst Hirn - der Mensch ist eigentlich ein Vernunftwesen doch wedelt man den Jürgens (und anderen) dieser Welt mit genügend Geldscheinen vor der Nase herum, scheint kein Hirn mehr da zu sein. Frag Mutti!
 
Paypal

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PayPal ist bei Geschäften unter Privatleuten überhaupt nicht abgesichert! Bitte nicht solche Unwahrheiten verbreiten.
Bei PayPal kennt man nur eine Emailadresse - mehr nicht!
Den Käuferschutz gibt es bei Privatgeschäften nicht!
Dann doch lieber die klassische Überweisung - da hab ich immerhin noch die Kontodaten des Empfängers ... da fühle ich mich etwas sicherer bei.

Am sichersten ist immer noch die persönliche Übergabe!

absoluter Irrglaube....
so lange man nicht "Überweisung an Freunde" auswählt und die entsprechenden Provisionsgebühren anfallen ist das Geschäft abgesichert!

Kontodaten sind schön und gut aber um an das Geld wieder heranzukommen, muss der Kontoinhaber sein OK dazu geben damit das Geld wieder zurückfließen kann, wenn das nicht eintrifft ist man gezwungen eine Anzeige zu erstatten und auf ein Gerichtsurteil zu warten....das nur so nebenbei, hab alles schon durch.....hat 1,5 Jahre gedauert.

seit dem nur noch Paypal mit Gebührenerstattung für die Transaktion!
 

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