Baubericht Helios, Teil 3 (Linker Problemflügel, Bespannen, Auswiegen)

Staubli

User
Liebe Kollegen
Am 29. Oktober habe ich Teil 1 meines Bauberichts gepostet (rechter Flügel), am 13. November Teil 2 (Rumpf, Elektronik). Hier nun der dritte Teil über den Helios von Aeronaut. Es ging nicht alles so glatt wie zuvor. Doch der Reihe nach.

Den linken Flügel habe ich wie gehabt nach Plan aufgebaut.
01_Linker-Flügel-im-Rohbau.jpg

Um später weniger Probleme mit dem heiklen Aussägen der Querruder und Landeklappen zu haben, kann man in dieser Bauphase mit der Zugsäge die «Leimnester» bis zu den Rippen herausholen und so den Weg der Säge vorspuren.
02_Leimnester-heraussägen.jpgsd

Als ich die fertigen Flügel zusammenstellte (die Wurzelrippe am rechten Flügel hatte ich schon angeleimt, die am linken Flügel noch nicht), zeigte sich ein Spalt zwischen Wurzelrippe und Flügel. Offenbar hatte ich ungenau gearbeitet. Ich schliff ein wenig herum, um die Wurzelrippe zum Passen zu bringen, vergaloppierte mich aber ziemlich stark. Der Fehler wurde noch grösser.
03_Ungenau-gearbeitet.jpgs

Nachdem sich die Frustration einigermassen gelegt hatte, versuchte ich logisch vorzugehen. Entscheidend ist beim Helios, dass die beiden Wurzelrippen plan aneinanderliegen. Also habe ich sie mit zwei, drei Tropfen Weissleim zusammengeklebt. Dann habe ich das Modell ausgerichtet. Ich mache das jeweils so, dass ich am einen Ende einer langen Kiefernleiste ein kleines Loch bohre und sie mit einer Nadel an der Leitwerkspitze festpinne. Man kann dann bequem einen Fixpunkt am einen Flügel wählen und dann die Leiste auf die andere Seite ziehen, wo sie am selben Fixpunkt ankommen sollte. Auf diese Weise habe ich die beiden Flügel millimetergenau ausgerichtet.
04_Flügel-auf-Rumpf-positionieren.jpg

Dann habe ich den linken Flügel mit 5-Minuten-Epoxy an drei Punkten fixiert und anschliessend in die Spalten zwischen Flügel und Wurzelrippe Sperrholzscheibchen und -späne eingeleimt.
05_Fehlerbehebung_roh.JPGs

Verschliffen sah das von unten dann so aus. Sicher kein Kunstwerk, aber der Fehler war auf diese Weise behoben, und die Flügel passten zusammen.
06_Fehlerbehebung_fein.JPGs

Mit grösster Sorgfalt sollte man die Flügelbefestigung in den Rumpf leimen, denn dieses Teil entscheidet, ob die Flügel gerade oder schief auf dem Rumpf aufliegen.
07_Flügelbefestigung-im-Rumpf.jpgs

Bei mir kam das nach dem Verschrauben leicht schief heraus, wie das Foto zeigt. Lustigerweise musste ich aber nichts abschleifen. Es reichte, zuerst die (in Flugrichtung) linke Befestigungsschraube anzuziehen und dann die rechte statt umgekehrt, wie ich es zuerst getan hatte.
08_Flügel-und-Leitwerk-noch-nicht-parallel.jpgs

In dieser Phase prüfte ich auch, ob die Flügel gleich schwer waren. 4 Gramm Blei aussen zwischen den Beplankungen reichten, um das Gleichgewicht herzustellen. Das schien mir der bessere Weg, als später Löcher für Bleikügelchen in die eh schon dünnen Randbögen zu bohren.
09_Ballast_Flügel.JPGs

Um mich fürs Bespannen aufzuwärmen, bügelte ich zuerst einmal die kleinen Teile: Querruder, Landeklappen, Servoabdeckungen und das Plättchen mit den Befestigungsschrauben für die Flügel.
10_Kleinteile-bespannen.jpgs

Hier die bespannten Unterseiten der Flügel. Wenn man sich in den Foren umschaut, führen ja verschiedene Bespannmethoden zum Ziel. Ich habe am wenigsten Probleme, wenn ich die Folie auf den Flügel lege, mit tiefer Temperatur an den Rändern ringsherum einige Klebepunkte setze, ohne an der Folie zu ziehen. Dann mit etwas höherer Temperatur die Ränder durchgehend fixieren, anschliessend die Folie ringsherum zuschneiden und Nasenleiste/Randbogen/Endleiste bügeln. Danach mit noch höherer Temperatur das Eisen in der Mitte des Flügels auflegen und mit leichtem Druck zur Nasenleiste und zurück zur Endleiste fahren. Diesen Vorgang Streifen für Streifen gegen innen und aussen wiederholen. Zum Schluss dann mit hoher Temperatur Flügelunterseite und -oberseite noch einmal bearbeiten. Auf diese Weise geht es bei mir ohne Verzüge und Falten.
11-Flügel-Unterseiten.jpgs

So sieht die bespannte Oberseite aus. Die Querruder und Landeklappen habe ich mit Scharnierband befestigt.
12_Flügel_Oberseite.JPGs

Die von Aeronaut vorgeschlagenen Anlenkungen sind mir nicht besonders sympathisch, ich arbeite lieber mit Gabelköpfen und Gewindestangen. Bei dieser Lösung muss man die Feinjustierung mit der Fernsteuerung (Subtrim) machen. Aber der Platz beim Helios ist zu beschränkt.
13_Anlenkungen.JPGs

Dann ging's ans Auswiegen. Aeronaut schlägt einen 3S-Akku mit 1800 bis 2400 mAh vor. Zuerst setzte ich meinen 3S/2200-Akku von Multiplex ein. Wenig überraschend lag der Schwerpunkt bei 65 mm hinter der Nasenleiste. Laut Bauanleitung sollte er bei 70 bis 75 mm liegen. Man müsste hinten also noch ein wenig Blei ankleben, verschieben lässt sich der Akku wegen der engen Platzverhältnisse nicht. Dann habe ich einen 3S/1300-Akku von Hacker eingesetzt, der 50 Gramm leichter ist. Nun lag der Schwerpunkt bei 74 mm. Ich glaube, dass ich mit dieser Balance auf den Platz gehe und mal schaue, wie sich das anfühlt. Noch zum Gewicht meines Helios: Der rechte Flügel inkl. Servos wiegt 312 Gramm, der linke 304 Gramm, der Rumpf inkl. dem kleinen Akku 544 Gramm. Das ergibt ein Abfluggewicht von 1160 Gramm. Der Helios wird seiner Bezeichnung als Leichtwindsegler mehr als gerecht.
14_Auswiegen.JPGs

So sieht der Segler von unten aus.
15_Ansicht-von-unten.jpgs

Wie filigran der Helios trotz grosser Spannweite ist, zeigt der Vergleich mit dem Bergfalken, der 3 Meter Spannweite und ein Abfluggewicht von 3400 Gramm hat.
16_Vergleich-Bergfalke.jpg

Die Einstellung der Ruder bereitet keine grossen Probleme. Aufpassen sollte man einzig bei den Querrudern, die 10 mm nach unten ausschlagen sollten. Die Konstruktion mit der kleinen Dreieckleiste erlaubt diesen Ausschlag nur ganz knapp. Die Querruder also nicht zu nahe an den Flügel setzen.

Aeronaut empfiehlt eine 12 x 6,5" Klappschraube. Ich bin ein wenig vorsichtiger und habe eine 11 x 6"-Schraube montiert. Bei vollem Akku und Vollgas zog der Motor 18 Ampère.

Ich hoffe, dass diese Bauanleitung dem einen oder anderen hilft. Alles in allem hat der Bau grossen Spass gemacht. Und wenn mal etwas schief geht wie bei meinem linken «Problemflügel» finden sich immer Lösungen.

Nun freue ich mich auf den Erstflug. Mal schauen, ob es stimmt, was in einer Fachzeitung zu lesen war: «Der Helios macht's einem leicht. Seine Ruder wirken so gut, dass er sich mühelos gegen die Turbulenzen durchsetzt. Und gleichzeitig so angenehm, dass keinerlei Expo nötig und das Fliegen völlig entspannend ist. Rollen, Loops, flotte Wenden? Kein Problem, aber mehr als Beigabe, nicht als Hauptbeschäftigung. Flugphasen für Thermik und Speed? Muss nicht sein. Aber beim Landen, da wollen wir die vier Klappen sehen: Sicher, zielgenau und ohne Fahrt-Aufnahme geht's damit wieder runter.»

Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Bauen, schöne Flüge und grüsse,

René
 
Oben Unten