Baubericht: Rhönadler 35

8up

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An dieser Stelle möchte ich in den nächsten Monaten über den Nachbau eines Rhönadler 35 im Maßstab 1:2.9 berichten.



Nach meinem ersten, zumindest flugtechnisch recht erfolgreichen Ausflug in’s Reich der „Holznachbauten“, hat mich das Oldtimerfieber gepackt. Der Plan aus England hat funktioniert, aber:

Da ist noch mehr drin!



Originalpläne wären natürlich eine große Hilfe; es gibt sie wohl aber man kommt einfach nicht ran. Wenn Murphy’s Gesetz recht behält, dürften sie spätestens nach der Fertigstellung des nächsten Rhönadlers vorliegen.



Wenn es also keine Originalpläne vorliegen wird eben interpoliert.



Was ich bisher mit akzeptablem Aufwand zusammentragen konnte, sieht aber schon ganz gut aus.

Der Rhönadler 35 hat es mir irgendwie angetan und ich hoffe, dass mein erster Versuch einen „Vintageglider“ nachzubauen, funktioniert.

Es wird aber kein detaillierter Bericht entstehen, ab und zu möchte ich euch hier nur über ein paar Informationen zum „Stand der Dinge“ berichten.

Mittlerweile wurden die Zeichnungen schon drei Mal komplett überarbeitet. Warum: Immer wieder tauchen neue Informationen über den Rhönadler 35 auf.



Am Wochenende ist Flohmarkt, da gibt es bestimmt etwas für das Instrumentenbrett. Bevor ich mit großem Aufwand Zeiger, Gehäuse oder Gläser nachbaue werden alte Uhren ersteigert. In der richtigen Größe gibt es dann für ein paar Euro alles was man so braucht.

Einen immer noch funktionierenden Höhenmesser habe ich noch aus meinen Fallschirmspringerzeiten rumliegen. Der wird auch gleich im Rhönadler verpackt.


Für konstruktive Kritik, Anregungen oder Hilfe bin ich absolut dankbar.​







spant.jpg






strak.jpg




Spant 7 und der komplette Spantenstrak.






Gruß von Jürgen aus ETHA;)
 

8up

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Instrumententafel

Instrumententafel

Jetzt habe ich mir mal die Mühe gemacht und ein paar entsprechende Instrumente mit Corel Draw gezeichnet.

Man sieht sie zwar nicht mehr wenn die Haube drauf ist, aber egal.​




Instrumentenbrett.jpg







Fahrtmesser.jpg


Der Saugdruck-Fahrtmesser stammt aus dem Jahr 1932. Die Skalierung habe ich abgeändert und eine Funktion über ein Staurohr hab ich auch schon im Kopf.



Höhenmesser2.jpg



Der Höhenmesser stammt aus den 20ern. Das Zifferblatt wird auf meinen vorhandenen Höhenmesser aufgeklebt und funktioniert.






Kienzle.jpg



Die Uhr stammt ebenfalls aus den 20ern. Die passenden Zeiger habe ich bereits aus einer alten Uhr geklaut.





Variometer.jpg



Das Variometer bekomme ich auch noch zum Laufen.


Als Neigungsmesser kommt eine Libelle aus einer Wasserwaage zum Einsatz.



Gruß Jürgen:cool:
 

H.F

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Hi Jürgen kann es sein das Kompensirt ein "e" fehlt oder ist das alte Deutsche Rechtschreibung?
Das soll nicht ironisch rüberkommen, bin wirklich gerade am grübeln!?

Mit freundlichen Grüßen
Hugo

Nachtrag: mein Fehler, habs gerade bemerkt " compensirt". (Warum nicht Deutsch?, war das so?)
 

8up

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Compensirt

Compensirt

Hallo Hugo,

genau den gleichen Gedanken hatte ich auch als ich es gelesen habe. Hab dann gleich gegoogelt.

Man hat es damals aber tatsächlich so geschrieben.

Gruß Jürgen
 

8up

User
Bei der Rekonstruktion des Rhönadlers gab es noch kleinere Ungereimtheiten. Gestern konnte ich meinen Schlepppiloten dazu überreden, mich zum Museum zu begleiten. Wir sind dann ein Stück durch Deutschland gefahren und haben den Nachbau nochmal unter die Lupe genommen.

Ok, dafür darf er mich mal wieder schleppen.

Ergebnis: Die bisherige Konstruktion des Rhönadlers passt, bis auf ein wichtiges Detail.

Das Seitenleitwerk, genauer gesagt: Welches Profil es haben könnte.

Wenn man sich die Bilder genauer ansieht entsteht der Eindruck, dass der Verlauf der Rumpfkontur ab dem letzten Rumpfspant bis zum Seitenleitwerk gleich bleibt, oder eventuell sogar dicker wird.

Ein Naca 0012 ist ja für die Konstruktion eines Seitenleitwerks nie verkehrt. Aber irgendwie ist das Profil beim Rhönadler an der Vorderseite stumpfer.

Ich konnte auch nicht herausfinden, ob es das NACA 0012 im Jahr 1929 schon gab und glaube auch nicht, dass es beim Rhönadler verwendet wurde.

Was hat man denn in dieser Zeit so verwendet?

Ich nehme mal an, dass beim Rhönbussard oder bei der Petrel das selbe Profil verwendet wurde.

Wäre eine große Hilfe wenn da jemand weiterhelfen könnte?


Gruß Jürgen





heck.jpg









heck 3.jpg




Gruß Jürgen;)
 

Joe H.

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Rumpfende

Rumpfende

moin moin. In der Draufsicht wird der Rumpf nicht Dicker,er wird nur "Gefälliger" in den Sporn einbezogen. Über die Leitwerksprofile würde ich mir keine Alzugrosse Sorgen machen,bei dem Seitenruder die Rumpfbreite beachten und Selber Zeichnen den bei diesen "Geschwindigkeiten" die die Holzbomber Fliegen passiert nicht viel.

Gruß
Joe
 

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8up

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Vielen Dank,

die Aufnahmen sind genial und die Erklärung passt auch. Da werde ich mich jetzt mal "reindenken". Der Knoten ist geplatzt!


Gruß Jürgen:cool:
 

8up

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Auf dem letzten Bild kann man den Profilverlauf des Seitenruders gut erkennen.

Ich vermute mal das es sich hier um ein GOE 459 handelt. Passt auch relativ gut in den weiteren Rumpfverlauf.

Der Rhönadler hatte ja keine Luftbremsen, zumindest der Nachbau im Museum.

Falls später welche nachgerüstet wurden nehme ich mal an, dass es sich nur um DFS Luftbremsen handeln konnte.

Da es so langsam an die Konstruktion der Tragflächen geht und es auf kleineren Plätzen ohne Bremsen doch etwas eng werden könnte, hab ich mich dazu entschieden nur auf der Oberseite welche einzuplanen. Ich übernehme mal die Daten vom Rhönsperber.


Gruß Jürgen;)
 

8up

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Hallo Joe,

auch für dieses Bild nochmals vielen Dank. Ich hab einen Teil des Seitenruders mit dem GÖE gezeichnet. Es läuft jetzt, wie bei der Abbildung, harmonisch in den Rumpf hinein.

Es ist schon erstaunlich mit einem fast 18 meter Segler ohne Störklappen herumzuturnen. Würde sich heutzutage wohl kaum noch jemand zutrauen.


Gruß Jürgen:)
 

8up

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Die Kabinenhaube

Die Kabinenhaube

Dem Wetter sei Dank, ein unerwartet dicker Brocken ist geschafft,

die Kabinenhaube.

Zählt man die Schrauben des Schiebefensters dazu, besteht die Haube aus insgesamt 71 Bauteilen.

Ohne einen vernünftigen Plan bleibt einem nichts anderes übrig, als jedes einzelne Teil in mühevoller Kleinarbeit zu zeichnen.

Eine große Hilfe waren die zahlreichen Fotos die ich vom Originalnachbau aus dem Museum aufgenommen habe.

Im richtigen Winkel aufgenommen und auf den entsprechenden Maßstab herunterskaliert wurden sie in die CAD Oberfläche eingefügt. Die wichtigsten Konturen abgenommen und jetzt hat man zumindest einen groben Anhalt über die entsprechenden Dimensionen.

Wird es anschließend in 3D zusammengefügt, sieht man auch gleich wo es beim Konstruieren zwischen den Ohren etwas geklemmt hat.

Seitenruder und Höhenleitwerk sind auch schon fertig gezeichnet und bereit zum fräsen.

Die Abbildung zeigt den Aufbau des hinteren Bereichs der Haube, wie beim Original werden alle Details, so gut wie möglich, in den Nachbau eingeplant und beim Modell entsprechend gebaut. Wenn schon, dann richtig!






haube.jpg




haube1.jpg




Noch so ein Sommer und ich plane als nächstes ein U-Boot.



;)


Gruß Jürgen
 

8up

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Instrumente

Instrumente

Jetzt habe ich mir ja in den Kopf gesetzt dem Rhönadler funktionierende Instrumente zu verpassen. Ist natürlich reine Spielerei, bringt nichts, macht aber Spaß sich mal an so etwas heranzuwagen.

Bis auf die Flächen ist der Adler komplett gezeichnet. Bevor es aber ans Fräsen geht, ist überprüfen der einzelnen Teile angesagt. Es sind viele Teile, sehr viele, also viel Arbeit.

Als kleinen Ausgleich fange ich schon mal an die Instrumente zu basteln.


Der Neigungsmesser aus der Wasserwaage funktioniert schon mal 100%ig.


Bei der Uhr wird es schon schwieriger. Fotopapier ist doch relativ dick und nach dem Aufkleben auf das Zifferblatt bleibt den Zeigern nicht mehr viel Platz sich zu bewegen, sie schleifen auf dem Blatt und verklemmen sich meistens kurz vor 12. Hier sollte also noch etwas geforscht werden.


Der Höhenmesser funktioniert Dank einer kleinen Aneroiddose tadellos. Die gesamte Mechanik entstammt einem Höhenmesser für Fallschirmspringer. Um das QFE einzustellen, also vor dem Start auf Null zu stellen, wird die Mechanik auf der Rückseite des Instrumentenbretts drehbar angebracht.

Das Zifferblatt ist fest montiert und der Zeiger wird einfach, vorne auf die Mechanik gesteckt. Ok die 4000 Meter Angabe ist vielleicht etwas hochgegriffen. Der Höhenmesser zeigt es aber sehr präzise an.


Als Größenvergleich habe ich mal wieder den guten, alten Euro daneben gelegt.​




b1.jpg



Für ein Vario und einen Tacho ist der Maßstab 1:2,9 schon sehr grenzwertig. Ein Uhrmacher würde vermutlich darüber lachen eine entsprechende Mechanik herzustellen, ich nicht.


Mal sehen was mir einfällt.​

Gruß Jürgen:)
 

8up

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Digitaluhr

Digitaluhr

Hallo Herr Schlepppilot,

daran hatte ich auch schon gedacht. Allerdings hatten 1930 die Digitaluhren noch keinen akkustischen Warnton.

Darauf sollte man aber schon Wert legen, als mögliche Alternative schwebt mir noch diese Version vor.

uhr.jpg



Gruß Jürgen :):):)
 

8up

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Frage

Frage

Ich grübel schon länger über die Funktion dieses Bauteils. Vermutlich wird damit irgendetwas arretiert oder justiert.

Um was könnte es sich da handeln?


verschluss.jpg

Gruß Jürgen :confused:
 

Joe H.

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Werkzeug

Werkzeug

..dafür! Das ist das Werkzeug für die insgesamt 4Hauptbolzen. 2Bolzen verbinden die Flügel (von Oben nach unten) und 2 Querkraftbolzen. Die verbinden das Tragwerk mit dem Rumpf,diese werden von der Seite her eingeschraubt (Bild). Der Rohrschlüssel wurde halt einfach in den Nichtvorhandenen Gepäckraum gelegt damit in den "Heiligen Hallen" die Putzfrau nicht drüberstolpert ;)

Gruß Ich
 

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8up

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Hallo Joe,

so einfach ist das, daran habe ich nicht mal ansatzweise gedacht. Es erleichtert die Sache schon ungemein wenn man jemanden mit solch einem Fachwissen zur Hilfe hat.

Die gesamte Tragwerkaufhängung mit Bolzen etc. habe ich bei der Konstruktion meines Rhönadlers nahezu 1:1 vom Original übernommen und alles ist bereits fertig gezeichnet.

Vielen Dank nochmals für diese Information.
 

8up

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Erstens dauerts länger, zweitens als man denkt, dieser Spruch passt gut zur Konstruktion des Rhönadlers. Es sind schon verdammt viele Teile die man zum Bau dieses Flugzeuges benötigt. Keine Ahnung wie viele Teile ich bisher gezeichnet habe, einige hundert sind es bestimmt schon. Aber es geht voran, auch ohne Originalpläne. Bis nach Australien habe ich jetzt meine Fühler ausgestreckt um an die Pläne zu kommen, nichts, absolutamente nada!

Wobei mir bei der Konstruktion aus England aufgefallen ist, dass man hier, zumindest teilweise, Originalpläne verwendet haben könnte. Einige Details, die aus keiner der mir bekannten 3-Seitenasichten hervorgehen, weisen darauf hin.

Auf den ersten Blick gibt es im Netz nicht viele Informationen über den Rhönadler, zähle ich aber mal zusammen was ich bisher so habe, ist es doch schon eine ganze Menge.

In Sachen funktionierende Instrumente bin ich auch ein gutes Stück weiter. Höhenmesser, Uhr und Neigungsmesser funktionieren tadelos. Das Vario und den Geschwindigkeitsmesser wollte ich ja ursprünglich auch über Druckdosen bewerkstelligen, wäre machbar aber leider wird der Platz im Cockpit dafür zu eng. Manchmal denkt man halt viel zu kompliziert, es geht auch viel einfacher, mehr dazu später.

Rhönadler nummerozwo entsteht in der Werkstatt meines Schlepppiloten. Tja wie kommt der Schlepppilot jetzt stilgerecht nach oben? Diesen Part wird eine M 23 übernehmen, wenn der Rhönadler nervt, zeichne ich zum Ausgleich an einer meiner neuen Schleppmaschine.

By the Way, von der M 23 gibt es natürlich auch keine Originalpläne mehr.:confused:

Momentan werden die Fräsplatten bestückt, nächste Woche geht es los.


teile.jpg

Gruß Jürgen;)
 

8up

User
Weiter gehts

Weiter gehts

Es ist schon eine feine Sache wenn einem nach monetelanger Konstruktionsarbeit die ersten Teile aus der Fräse entgegenpurzeln. Aus Neugierde wird natürlich gleich mal gebastelt um zu sehen wie es denn so passt.




5.jpg

Und wie es passt, die Teile flutschen zusammen wie aus einem Steckbaukasten. Die Abbildung zeigt den hinteren Teil der Kabinenhaube. Kann sich doch schon mal sehen lassen.​



4.jpg


Die Fräse war fleißig und hat nebenher schon mal alle Spanten gefräst. Außerdem sind alle Teile der Helling bereits fertig und auf dem Baubrett montiert.​




3.jpg





Seltsamerweise waren zwei Teile der Helling aus dem Winkel. Wie kann das sein, sind sie doch alle an einer Seite eines 20x20mm messenden Kantholz aus dem Baumarkt geschraubt.​




2.jpg





Jetzt könnte man davon ausgehen, dass ein quadratisches Kiefernholz vier mal den Winkel von 90° haben müsste. Im Baumarkt ist das aber anders, gelegentlich haben die Leisten sogar 20x20mm, meistens jedoch nicht. Wie man es allerdings schafft ein quadratisches Kiefernholz
mit unterschiedlichen Winkeln zu produzieren ist mir ein Rätsel. Den Begriff Kiefernholz könnte man übrigens durch „Banane“ ersetzen.

Bevor ich das Rad neu erfinde, habe ich erstmal geschaut was in Sachen Helling so alles auf dem Markt geboten ist. Ich habe mich dann für eine wirklich geniale Variante entschieden. Ist zwar ein relativ großer Aufwand der sich aber auszahlt. Mit diesem Teil kann man so richtig arbeiten. Vielen Dank schon mal an Denjenigen der sich das ausgedacht hat. Dazu beim nächsten Mal mehr.



1.jpg

Gruß Jürgen:)
 
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