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Baubericht Whirli 6

Mit dem Funny Fast Birdy DLG habe ich Blut geleckt und will jetzt endlich einen "grossen" Schmeissgeier fliegen. Ich habe eine Weile Foren gewälzt und darüber gegrübelt, welches Modell für mich wohl das richtige ist. Den Whirli hatte ich dabei anfangs nicht wirklich auf dem Radar, weil man nicht so viele konkrete Informationen findet - er hat am Ende trotzdem gewonnen, weil er mir mehrfach empfohlen wurde, vor allem auch wegen Stabilität (die ich als Wildflieger und relativer DLG-Anfänger wichtig finde).

Weil ich solche Bauberichte selbst gerne lese, und um die Informationslage zum Whirli etwas zu verbessern, habe ich mir vorgenommen, den Aufbau meines Whirli hier zu dokumentieren. An dieser Stelle gleich schonmal ein dickes Dankeschön an Dieter (airfish27), mit dem ich sozusagen zusammen baue - wenn auch "asynchron", jeder in seiner eigenen Werkstatt, mit regem Gedankenaustausch per E-Mail :) - und der mich schon mit vielen Tipps und Ratschlägen unterstützt hat.

Der Plan sieht ungefähr so aus:
  • Graupner GR-12/GR-16 HoTT als Empfänger (bin mir noch unschlüssig)
  • Vario für die Wurfhöhenanzeige am Sender
  • 1S-LiPo-Setup
  • DES 428MG für die Querruder, mit Überkreuzanlenkung ("top-drive")
  • FS31 für's Leitwerk, mit Schmuckdrahtanlenkung und U- oder Doppel-L-Feder
  • FW6-Wurfblade
  • extrastarke Flächenschutztaschen Marke Eigenbau
  • selbstverständlich ein schickes Design für die Flächen (bisher nur grobe Ideen, noch nichts konkretes)
  • später noch ein Ballastsystem
Das ganze soll rechtzeitig bis zum F3K Mainhattan Workshop am 28.03. fertig werden. Ambitioniert, aber machbar - immerhin habe ich am Birdy ja auch nur 1,5 Jahre gebaut...

PS: Das werden die ersten Beiträge für mich hier sein, in denen ich Bilder einbaue. Bitte beschwert euch gleich, wenn ich irgendwas "falsch" mache (Bilder zu gross, zu undeutlich, zu was-auch-immer).
 
Auspacken und wiegen

Auspacken und wiegen

Jan Henning hatte "vorgewarnt", dass der Bausatz wohl erst im Februar fertig würde. An Silvester kam dann aber überraschend eine Mail von ihm, dass er wegen schlechtem Wetter mehr Zeit in der Werkstatt verbracht hat und mein Whirli schon fertig geworden ist - yippieh! Ein paar Tage später traf das Paket ein, und ich konnte das Auspacken am Abend ebenso geduldig erwarten wie ein Kind, das am Weihnachtsmorgen "versehentlich" einen neugierigen Blick auf die Geschenke unter dem Tannenbaum erhascht hat.

Alle Teile waren gut gesichert verpackt, so dass keine Transportschäden zu beklagen waren.

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Den Transportkarton sollte man tunlichst nicht gleich entsorgen, denn auf der Innenseite findet sich eine Umrisszeichnung der Flächen, auf der die Position und Maße der Querruder eingezeichnet sind:

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Jedes Einzelteil wurde behutsam aus dem Paket geschält, begutachtet und stolz der besten Ehefrau von allen präsentiert. Mit jedem Teil wuchs mein Grinsen und die gute Laune... und bei meiner Frau wohl die Frage, ob ich vielleicht etwas zu tief ins Whisky-Glas geschaut haben könnte, ohne dass sie es mitbekommen hat ;)

Auf zum wiegen, mit der extra dafür angeschafften Feinwaage - dass ich wohl doch besser zu einem Modell gegriffen hätte, das zehntelgrammgenau wiegt, hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich gestört:
  • Rumpf: 45 Gramm (ohne Haubenausschnitt; Haube und Flächenübergangsrohling noch aufgeklebt)
  • Leitwerk: 13 Gramm (ich habe eine verstärkte Ausführung bestellt)
  • Flächen: 66 und 65 Gramm
Unter 190 Gramm für alle Einzelteile, das klingt doch vielversprechend:

002-wiegen-4.jpg

Werkstatt, ich komme!
 
Bauvorbereitung

Bauvorbereitung

Die Wartezeit zwischen Bestellung und Lieferung habe ich genutzt, um mir Wissen darüber anzulesen, wie man den Bau eines solchen DLG wohl am besten angeht. Dabei bin ich verschiedentlich über eine interessante Vorrichtung gestolpert, z.B. hier bei Loet Wakkerman:



Ich meine, dass damit später die Verklebung der Flächenhälften leichter fallen sollte. Während der Verklebung kann man die Flächenhälften fixieren, der Winkel wird automatisch eingehalten, und man kann die Klebefläche und vor allem darüber gelegten CFK-Patch beidseitig schön gleichmässig andrücken (Schaumstoffkeil, darauf ein Brett, und darauf Gewichte). Das ganze ist nicht schwer zu bauen und erschien mir daher als geeignetes Miniprojekt zum "entrosten" meiner Bastelerfahrungen.

Beim Material habe ich für Styrodur entschieden, weil ich noch einige Platten übrig hatte und es leicht zu be- und verarbeiten ist. Für's zuschneiden habe ich mir mit einem Alu-Vierkantprofil eine Schneideschiene gebaut, wie sie hier beschrieben wird. Kann ich nur empfehlen - ist einfach zu bauen und erlaubt wirklich saubere, rechtwinklige Schnitte. Das Ergebnis sieht fast aus wie CNC-geschnitten. :)

Jan Henning hat auf dem "Beipackzettel" skizziert, wie man die Flächen bei der Verklebung unterlegen soll, um den richtigen Winkel zu bekommen:

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Der Plan für die Vorrichtung war dann schnell entworfen. Zwei Platten mit 75 x 20cm als Auflage für die Flächen, vier Keile als Unterbau und für den Winkel, und vier "Streben" für die Stabilität. Die Keile so schneiden, dass die hintere Kante 16cm länger ist als die vordere Kante, damit ergibt sich der richtige Winkel - easy peasy... Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle schon den Fehler entdeckt haben, der mir erst auffiel, als ich die Einzelteile zusammengesetzt habe: 16cm Höhendifferenz gelten natürlich nur, wenn man auf einer Seite unterlegt, wie auf der Skizze gezeigt, bei meinem Konstrukt sind es jeweils nur 8cm. Schnell korrigieren, bevor es jemand merkt und ich mich zum Affen ma... oh. *hüstel* :)

005-rampe-1.jpg

Geklebt wurden die Teile mit Uhu Por, und zur zusätzlichen Sicherung habe ich noch einige Holzdübel verbaut.

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Das Ergebnis ist ausreichend stabil geworden und erfüllt bis jetzt meine Erwartungen. Anschliessend habe ich noch mehrere 8cm lange Holzschrauben beidseitig in die "Auflageplatten" geschraubt, zur Befestigung der Gummis, mit denen ich dann die Flächen fixieren kann (sieht man später).

Das ging doch ganz gut von der Hand, mal sehen, ob sich das so fortsetzt...
 
Flächen ver- und ggf. angleichen

Flächen ver- und ggf. angleichen

Als nächstes habe ich mir angesehen, ob beide Flächen gleich lang und tief sind. Die Länge war identisch, hier musste ich also nichts anpassen. Aber eine der Flächen war stellenweise etwas tiefer als die andere. Hmm.

Um besser beurteilen zu können, ob da zusätzliche Arbeit auf mich wartet, habe ich auf der tieferen Fläche entlang der Endleiste einen Streifen Kreppband aufgeklebt. Anschliessend beide Flächenhälften mit der Unterseite aufeinander gelegt, an den Nasenleisten bündig ausgerichtet, und dann den Verlauf der Endleiste der kleineren Fläche mit einem Druckminenbleistift nachgefahren. Tief Luft holen, kleinere Fläche runternehmen... und aufatmen.

An der Wurzel sind es kaum 1mm Unterschied, der sich zur Mitte hin auf "fast nichts" reduziert, Am Randbogen sind es knapp 2mm. Nichts wildes also, das werde ich wahrscheinlich einfach so lassen.

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Den Kreppstreifen lasse ich aufgeklebt, damit ich die Differenz beim Anzeichnen der Querruder später leichter berücksichtigen kann.
 
V-Form anlegen

V-Form anlegen

Genug rumgetrödelt, jetzt geht's der Fläche an den Kra.. äh, die Wurzel - der Winkel für die V-Form sollte geschliffen werden. Der Abend war kurz, aber dafür sollte es reichen, also ran ans Werk. Zuerst habe ich entlang der zu schleifenden Kanten je einen Tesastreifen aufgeklebt, um zu verhindern, dass ich einzelne Fäden aus dem Kohlegewebe rausreisse - sicher ist sicher. Dann habe ich die erste Fläche auf die noch jungfräuliche Rampe gespannt, den kampferprobten Kork-Schleifklotz rausgekramt, 280er Schleifpapier drauf und losgelegt.

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Anfangs war ich noch zögerlich, der schönen Fläche "weh" zu tun, aber das legte sich schnell. Es folgte die zweite Fläche, bei der es schon leichter von der Hand ging. Fertig.

Jetzt noch schnell das Abendwerk begutachten und dann zufrieden ins Bett werfen. Pustekuchen... Ernüchterung machte sich breit: krumm und schief ist es geworden. Mist. Es war wohl doch keine gute Idee, mit dem kleinen Schleifklotz und nur frei Hand zu schleifen...
 
V-Form anlegen, Anlauf 2

V-Form anlegen, Anlauf 2

Als ich ihm mein Leid klagte, empfahl Dieter, die Tischkante als Führung zu verwenden und zu einem vernünftigen, vor allem aber längeren Schleifklotz zu greifen. Er schwört auf Permagrit, aber zur Not könnte man sich aus Aluprofilen auch was passendes bauen. Hmm, Aluprofile... ja, das könnte gehen.

Ich habe zwei "P-Profile" (so nenne ich sie jetzt einfach mal) hergenommen und so zusammengesetzt, dass auf der einen Seite eine Art Führung für die Tischkante und auf der anderen Seite ausreichend Klebefläche für das Schleifpapier entstand.

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Ein Reststück Kiefernlatte wurde als Griffstück rangebastelt, Schleifpapier mit doppelseitigem Klebeband aufgeklebt, und fertig war ein neues Werkzeug. Aus zwei ausgedienten Regalbrettern und einer 2x2cm Holzleiste habe ich eine Führungskante gebaut; die Tischplatte hätte es natürlich auch getan, aber so ließ sich die Chose besser auf der Arbeitsplatte positionieren.

Es galt aber noch zu verhindern, dass die Stosskanten der beiden Flächenhälften an der Wurzel im nächsten Schleifgang noch krummer werden - und ich hatte auch schon eine Idee. Ich richtete die Flächen auf der ebenen Arbeitsplatte zunächst so gut wie möglich symetrisch zueinander aus, fixierte sie und legte dann von Flächenspitze zu Flächenspitze ein Metall-Maßband auf. Im Bereich der Flächenwurzeln zog ich auf Kreppband entlang des Maßbandes eine Linie. Im rechten Winkel zu dieser Linie zeichnete ich nahe der Wurzel eine weitere Linie, an der ich mich dann beim schleifen orientieren konnte.

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Jetzt konnte es losgehen. Es zeigte sich schnell, dass der Vorteil des Eigenbau-Schleifklotzes - die Möglichkeit, die Schleiffläche durch Austausch des Schleifpapiers mit anderer Körnung den jeweiligen Anforderungen anzupassen - auch ein Nachteil sein kann - man muss das Papier wahrscheinlich auch während einem längeren Arbeitsgang tauschen, weil es schnell stumpf wird. Nunja. Alles in allem funktionierte das Konstrukt aus Schleifklotz und Führungsschiene aber wie erhofft.

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Mission gelungen, Erbauer happy, Bastelabend erfolgreich. So soll es sein.
 
Ran an die Mumpe

Ran an die Mumpe

Jan Henning sieht vor, dass man für die Verschraubung nach dem Verkleben der Flächen 12er Löcher bohrt, diese mit Harz füllt und dann mit einem kleineren Bohrer die eigentlichen Löcher für die Verschraubungen setzt. Ich wollte das aber, auch auf Empfehlung von Dieter, etwas anders lösen.

Mein Ansatz war, die Verstärkungen für die Bohrlöcher bei noch nicht verklebten Flächen vorzubereiten, und dafür war jetzt ein guter Zeitpunkt. Dazu habe ich als erstes die Positionen für die Löcher laut Angaben von Jan Henning angezeichnet, 30 und 92mm von der Nasenleiste aus gemessen. Die späteren Bohrlöcher habe ich mit einer kleinen Rundfeile "angetäuscht", in dem Gedanken, dass man sie so später bei verklebten Flächen vielleicht leichter wiederfindet. Links und rechts davon habe ich jeweils 1cm dazugegeben und markiert. Im markierten Bereich habe ich dann den Schaum etwa 1cm tief rausgepult. Das ergibt nach dem Verkleben der Flächen also einen Bereich von 2x2cm um die Bohrungen herum, der durch Harz verstärkt ist.

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Der Gedanke: Einerseits erhält man so eine grössere Fläche, die die auf die Verschraubung wirkenden Kräfte aufnehmen kann. Andererseits empfinde ich es als vorteilhaft, dass man diese Arbeiten vor dem Verkleben der Flächen vornimmt, weil man so leichter sicherstellen kann, dass das Harz den Hohlraum auch wirklich vollständig ausfüllt.

Aus der Theorie zurück in die Praxis, und das hiess, die von Jan Henning so schön genannte "Mumpe" vorzubereiten: 24-Stunden-Harz und Härter abwiegen, gut durchrühren und dann mit GFK-Schnipseln - einfach GFK-Matten-Reste mit der Schere zerkleinern und reinwerfen - andicken. Die Flächenhälften habe ich auf die Rampe gespannt und aufrecht hingestellt, damit die Schwerkraft das Harz sicher dort hält, wo es hin soll. Und zur Sicherheit habe ich den Bereich rund um die gepulten Löcher grosszügig mit Kreppband abgeklebt, falls ich kleckere. Mumpe rein, schön verteilen, fertig.

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Weil es meine erste Arbeit mit 24h-Harz war, ging ich am nächsten Abend mit Spannung in die Werkstatt. Alles gut gegangen: die Mumpe ist schön ausgehärtet und wirklich bombenfest. Prima.

PS: Damit hat der Bericht meinen Baufortschritt jetzt eingeholt. Ab hier wird daher etwas mehr Zeit vergehen, bis ich weiter berichte. Der nächste Schritt ist das anzeichnen und schneiden der Querruder, was ich heute fertigbekommen möchte. Stay tuned :)
 
Hier wird sehr ordentlich gebaut und dokumentiert!
Danke für die Blumen (auch an Jimmi).

Ich versuche bewusst, nicht nur zu erklären, wie ich etwas gemacht habe, sondern auch warum. Ebenso versuche ich meine Irrwege zu beschreiben, die ich trotz der zahlreichen Tipps von Dieter beschritten habe und noch beschreiten mag - auch wenn mich das manchmal vielleicht ein wenig blöd dastehen lässt ;) Bei anderen Bauberichten fand ich gerade solche Dinge sehr interessant zu lesen, weil man daraus lernen und Ideen für das nächste eigene Projekt mitnehmen kann.

Ich hoffe, dass der Bericht trotz allem nicht auch für Fortgeschrittene nicht zu langatmig bzw. langweilig wird. Andernfalls lasst es mich bitte wissen.
 

jonasm

User
Grundsätzlich ist deine Vorgehensweise mit den Verschraubungspunkten ja okay, aber benutze doch nächstes Mal Harz mit Microballons statt der Glasschnipsel, weils leichter ist, genauso gut hält und beim Verkleben überschüssiges Harz einfach rausgedrückt wird. Bei Glasschnipseln drückt sich das Harz raus und trockene Glasschnipsel können übrig bleiben. Wir würden dir auch empfehlen, die beiden Verstärkungspunkte und die Flächenverklebung in eins zu machen. Hier mal Bilder:

Schaum an der Nase und an den Verschraubungspunkten rauspulen:



Flächenhälften an der Unterseite mit Tape verbinden:



Erst eine, dann die andere Hälfte mit Micro einschlonzen, den Kabelkanal natürlich freilassen:



Danach Flächen zusammenklappen, an den Randbögen entsprechend unterbauen und in der Mitte etwas beschweren.
 
Microballons sind nicht dazu gedacht.
Gewichtig Ecken rundschmieren kann man damit, mehr nicht.
Wird spröde verglichen mit sinnvollen Füllstoffen.
 

trmk3

User
Was sind denn sinnvolle füllstoffe?
 
Super Tipp! Danke! Das überschüssige Harz gleich entfernen, oder wenns trocken ist mitsamt dem Malerkrepp?
Wenn's sehr viel Überschuss ist, würde ich den gleich entfernen, und den Rest dann mit dem Malerkrepp. Das Krepp saugt das Harz nämlich auf, und je mehr drauf ist, desto schwerer lässt es sich entfernen. Vielleicht ist das aber bei anderen Krepp-/Harzsorten nicht so stark ausgeprägt.
 
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