Ein Motormodell mit 1,63 m Spannweite
von Knut Zink.
Der Vorteil des Alters ist, dass man in der Jugend noch einige Modellflugzeuge aus der Frühzeit des Modellfliegens besessen hat – oder sich diese, was leider häufiger der Fall war, damals nicht leisten konnte.von Knut Zink.
Ich denke da zum Beispiel an den Segler BETA und das Motormodell TAXI, beide von Graupner. Die hatte ich.
Ein Modell, das ich mir damals nicht leisten konnte, war zum Beispiel die CURARE von Hanno Prettner. Wie gerne hätte ich so eine Maschine damals besessen und fliegen lassen.
Heute habe ich nun sowohl das Geld als auch die Zeit, mir meinen Kindheitstraum zu erfüllen.
Zur Auswahl stand ein Fertigmodell mit GfK-Rumpf und Styro-Abachi-Flächen, bei dem der "Bau" im Einbau der Elektrik besteht - sogar das Finish ist schon drauf - oder ein Bausatz mit gefrästen Spanten und Rippen und einem Haufen Holz.
Ich habe mich für einen Bausatz der Firma Ratzo-Modellbau entschieden - die harte klassische Tour. Der gleiche Bausatz wird auch von anderen namhaften Firmen vertrieben. Zwei Wochen Lieferzeit ist OK.
Zeitgemäß werde ich aber keinen 10 cm³ Verbrennungsmotor einbauen, sondern einen BL-Motor.
Baubeschreibung
Allgemeines
Der Bau geht konventionell vonstatten. Das heißt, der Flügelbauplan ist nur für eine Hälfte vorhanden, im Plan stehen nur Teilenummern, die man dann in der Stückliste wiederfindet und es ist etwas Kreativität gefordert, denn nicht alles ist bis ins Kleinste vorgegeben. Das ist ganz nach meinem Geschmack.
Die gefrästen Teile des Bausatzes sind einwandfrei und ohne Frässpäne. Zur Erklärung: Ich mag keine gelaserte Bauteile. Zum einen riechen sie immer verbrannt und zum anderen bekommt man schwarze Finger und der Kleber hält manchmal nicht so gut auf den schwarzen Rändern. Perfektionisten schleifen ja diesen Abbrand weg.
Es liegen Balsabretter für die Beplankung bei und eine Unmenge formgefräster Balsateile für Rumpf usw. Am tollsten ist aber, dass alle Teile eine aufgestempelte Nummer haben. Da hat sich einer richtig Arbeit gemacht. Außerdem gibt es zwei Baupläne im Maßstab 1:1.
Man braucht noch die Elektrik, einen BL-Motor oder einen Verbrennungsmotor, wer mag, die drei Einziehfahrwerke (EZFW) und Bespannmaterial. EZFW ist für mich Neuland, das hatte ich noch nie.
Nach dem Kauf erhält man eine bebilderte Bauanleitung per E-Mail.
Rumpf
Die Seitenwände werden aus jeweils vier 5 mm dicken Balsateilen zusammengeklebt: zwei Teile unten und zwei Teile oben. Dabei ist es hilfreich, die beiden größeren unteren Teile an ein Lineal oder einen Strich auf dem Baubrett zu legen. Vor dem Flügel werden die Seitenteile außerdem mit einem großen Brett aus 2 mm dickem Sperrholz verstärkt.
Danach sollte man eine Baugruppe aus Spant 1 und 2 und den Formteilen 12 und 13 aus 10 mm Sperrholz bauen.
Für die Gestaltung der Rumpfnase sind die Schnittzeichnungen A, B und C unbedingt erforderlich und sehr hilfreich.
Nun kann man mit dieser Baugruppe und dem Spant 3 die Seitenwände verbinden. Zwischen Spant 2 und 3 verlaufen die Seitenwände parallel. Hinten und vorne werden sie zusammengezogen.
Hinten gibt es Verstärkungen an der Höhenleitwerks (HLW)-Auflage und so wird der Rumpf dann zusammengezogen.
Auf der Unterseite kommen hinten noch zwei Dreikantleisten aus Balsa rein.
Die Flügel-/Rumpfübergänge werden aus je zwei Balsateilen gefertigt, die abgeschrägt werden.
Hier ist der Spant 4 zu sehen, an dem der Flügel mit M6-Nylonschrauben angeschraubt wird. Außerdem sind die Einschlagmuttern zu erkennen, die mit Harz (Mumpe) verklebt werden .
Die beiden Höhenruder (HR) werden damit angesteuert (Eigenbau).
HR- und Seitenruder (SR)-Servo im Rumpf.
Ich habe die Bowdenzugrohre sowohl vorne als auch hinten festgelegt und sie im Rumpf mit drei Balsastegen verklebt, im Abstand von jeweils 5 cm. Somit können sich die Bowdenzüge beim Betätigen der Ruder nicht mehr bewegen.
Beim Bearbeiten der Rumpfnase komme ich mir vor, als würde ich den Rumpf aus einem Baslaholz-Baumstamm herausschnitzen.
Unterseite
Oberseite
Oberseite
Die Belüftungsschlitze sind schon vorhanden. Dann wird geschliffen!
Das Rumpf-EZFW ist eingebaut und die Achse musste leicht gekröpft werden.
Die Alu-Drähte wurden später natürlich durch 5 mm Federstahldrähte ersetzt.
Kabinenhaube
Ein Rahmen und zwei Halbspanten aus 3 mm Sperrholz bilden die Kabinenhaube. Der klassische Riegel hält die Haube, vorne habe ich zwei Neodym-Magnete eingesetzt. Der einfache Stift gefiel mir nicht.
Die Klarsichthaube ist schon mal grob zugeschnitten.
Eigentlich wollte ich Haube und Rahmen mit CanopyGlue verkleben. Nach ein paar Testklebungen, auch nach Anschleifen der Haube, war ich nicht überzeugt.
Ich habe schließlich die Haube mit 2mm-Holzschrauben verschraubt.
Flügelbau
Wie üblich ist auf dem Plan nur die rechte Flügelhälfte dargestellt. Für den linken Flügel habe ich Rapsöl auf den Plan gestrichen, das macht ihn durchsichtig und die rechte Flächenhälfte erscheint auf der Rückseite des Plans als linke Flügelhälfte. Rapsöl ist nahezu geruchlos und verfliegt nach einigen Tagen fast restlos.
Der Holm ist eine 5x10 mm Balsaleiste (heute würde man Kiefer nehmen), auf dem die Rippen mit Füßchen am Ende aufgeklebt werden. Oben drauf kommt wieder die gleiche Holmleiste und nur die ersten vier Rippenfelder werden mit 2 mm Balsa verkastet.
End- und Hilfsnasenleisten werden stumpf an die Rippen geklebt. Da der Flügel voll beplankt wird (mit 2 mm Balsa), ist das alles sehr stabil. Zuletzt wird nach der Beplankung noch die endgültige Nasenleiste angeklebt.
Die Flächenhälften werden zusammengeklebt, indem man die eine Hälfte um 75 mm vom Baubrett anhebt und diverse Knickverstärkungen an Holm- und Endleiste anbringt.
Als Beplankung wird hinten und vorne je ein 2 mm Balsabrett aufgeklebt. Dann bleibt eine keilförmige Fläche in der Mitte übrig. Da man drei Balsabretter mit einer Breite von jeweils 10 cm benötigt, beträgt die Breite des Flügels in der Mitte 30 cm. Hinzu kommen die Nasenleiste und das Querruder aus Vollbalsa.
Zuerst wird die Oberseite beplankt, danach die Unterseite. Die ist nicht ganz so einfach, da hier zunächst die Servoschächte mit Deckel und die EZFW eingebaut werden müssen.
Die Rippen haben schon Löcher für die Servokabel und es gibt Abachi-Leisten für die Befestigung der Fahrwerke. Ich nehme für die Servokabel je Flächenhälfte einen D-sub-Stecker mit neun Polen, die auf der Flächenoberseite montiert sind. Wenn jemand Bremsklappen vorgesehen hat, reichen diese Stecker mit neun Polen auch für drei Servos.
Von unten gesehen.
Qu-Servo auf Deckel montiert und der Rahmen, auf den dann der Deckel geschraubt wird.
Die EZFW und Räder werden später hier liegen. Dazu werden die Rippen mit Sperrholz und Abachi-Leisten verstärkt.
Wenn die Fahrwerke eingebaut sind, kann auch die Fläche unten beplankt werden.
Radkasten aus 1 mm Sperrholz.
Die Alu-Drähte wurden später natürlich durch 5 mm Federstahldrähte ersetzt.
Der Randbogen soll so gestaltet werden.
Fertig verschliffen sieht das dann so aus.
Höhenleitwerk
Wie üblich habe ich zunächst den Leitwerksplan aus dem großen Plan ausgeschnitten. Für jede HLW-Hälfte gibt es sieben Balsarippen mit Füßchen. Der „Holm“ besteht aus 3x5 mm Balsa und geht nur über zwei Rippenfelder. Hilfsnasen-, Nasen- und Endleiste analog der Flügelbauweise.
Das HLW hat eine negative V-Form. Dazu legt man eine Hälfte mit der Oberseite auf das Baubrett und hebt die andere Hälfte so weit an, bis die Rippe 86 (außen) 110 mm über dem Baubrett liegt. Jetzt die beiden winkeligen Sperrholzverstärkungen an Endleiste und obere Holmleiste kleben – fertig.
Auch das HLW wird mit 2 mm Balsa voll beplankt. Die Höhenruder bestehen jeweils aus zwei formgefrästen, dicken Vollbalsaleisten. Nach dem Zusammenkleben muss kräftig geschliffen werden.
Randbogen nur angeklebt ...
... verschliffen.
Mit dem Rumpf verklebt und SLW verschliffen:
Die Ruderhörner mache ich selber aus 2 mm GfK.
Antrieb
Motor: DUALSKY 4255EA-10, 620 kV, 1240 W
Der Hersteller hat einen 50er Motor vorgesehen, weil die Rumpfnase genau 50 mm Platz hat. Das Problem war aber, dass die Anschlusskabel nirgends untergebracht werden konnten, auch nicht bei um 45° verdrehtem Einbau.
Daher der 42er Motor. Mit 1240 W ist das wohl auch völlig ausreichende Power. Ich bin ja nicht Hanno Prettner!
Für den Motor habe ich einen Spant aus 2 mm GfK gemacht.
Der Motor ist um 45° gedreht, damit die Anschlussdrähte noch Platz haben.
Motor eingebaut.
Regler: YEP 80A
Flugakku: 5S 5000 mAh
Luftschraube: 14x7"
Rohbaubilder
10.11.24
2.12.24
13.12.24
Weihnachten 24
13.2.25
Flügel und HLW mit Zierstreifen. Rumpf kommt noch.
14.2.25
Fertig
Flug
Der Erstflug fand am 20.9.25 in Kufstein statt.
Der Flug war (fast) problemlos, da sich ein Rad im Fahrwerk etwas nach außen gedreht hatte. Nach der etwas hakligen Landung konnte ich das aber beheben.
Fazit
Wie erwartet, flog die CURARE sehr schön, aber flott. Da ich aber kein Kunstflieger bin, habe ich es dabei belassen.
Sonstiges
EZF elektrisch.
Servos: vier Standard
Technische Daten | |
|---|---|
Spannweite | 1630 mm |
Länge | 1440 mm |
Flügelfläche | 40,8 dm² |
Fluggewicht | 3500 g |
Flächenbelastung | 85,8 g/dm² |
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Der Boom ist schon die ganze Zeit. Deswegen suche ich schon seit nun fast einem Jahr. Keiner will eine rausrücken. Bzw keine der angebotenen ist so, wie ich sie gerne hätte. Ich denke ich werde mir so nen Bausatz zu Weihnachten wünschen!
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