Bau- und Flugbericht
von Arno Wetzel.
von Arno Wetzel.
Seit über 50 Jahren betreibe ich nun Modellbau und kann daher von mir behaupten, dass ich das Fliegen und vor allen Dingen den Bau von Modellflugzeugen von der Pike auf gelernt habe. Vor 12 Jahren wurde die Begeisterung für dieses Hobby unterbrochen, das Feuer flammte aber Anfang dieses Jahres erneut auf. Von Anfang an galt die Prämisse: Kein Geruch von Methanol, Kerosin und keine Öl verschmierten Hände mehr, sondern lediglich Modellflug ohne oder mit elektrischem Antrieb.
Nachdem meine RC-Komponenten entsprechend dem heutigen Stand aktualisiert waren und alte Segler aus dem verbliebenen Fundus überarbeitet und teilweise elektrifiziert wurden, wollte ich dann auch noch einmal ein Kunstflug-Motormodell durch die Luft bewegen.
Nach reichlichen Recherchen im Internet stieß ich bei den einschlägigen Anbietern vielfach auf die Mitteldecker Extra, Edge und Co. in allen erdenklichen Größen, aber so richtig Gefallen fand ich daran nicht.
Dann entdeckte ich auf den Seiten von Pichler die Dalotel 1500. Zunächst dachte ich beim schnellen Hinsehen, dass es sich um einen Agrar-Flugzeug handelt. Jedoch bei genauerer Betrachtung wurde das Modell immer mehr zum Objekt meiner Begierde.
Bei der Dalotel handelt es sich um eine verkleinerte Modellkonstruktion von Hanno Prettner aus den 80er Jahren. Alleine der Name dieser Modellfluglegende erzeugt bei mir schönste Erinnerung an solche Modelle wie Quick Fly, Curare und andere Kato-Baukästen, die in dieser Zeit wahre Highlights darstellten. Prettner war in der Zeit von 1971 bis 1993 siebenfacher Weltmeister in der Wettbewerbsklasse F3A (ehemals RC-1) und achtmaliger Gewinner vom Tourament of Champions in Las Vegas, der inoffiziellen Profi-Weltmeisterschaft.
Ja, das hörte sich für mich alles gut an, aber seien wir ehrlich: Man kann über Geschmack bekanntlich streiten, aber eine Schönheit ist dieses Modell im Vergleich zu heutigen Modelldesigns nun gerade nicht. Aber je mehr ich das Modell betrachtete, die Geometrie von Rumpf und Fläche, die riesige Kabinenhaube, das Einziehfahrwerk, ja ich erlag immer mehr dem Charme dieser in die Tage gekommenen Modellkonstruktion.
Und es wurde von Hanno Prettner konstruiert und verspricht daher hervorragende Kunstflug-Qualitäten und vielleicht gelingt mir dann auch einmal ein perfekt geflogener Rollenkreis, den ich in früheren Zeiten mit meinen Kato-Modellen nie so richtig hinbekommen habe.
Drei Tage später stand das Paket bei mir im Hobby-Raum. Neben der Dalotel hatte ich bei Pichler auch das elektrische Einziehfahrwerk bestellt. Man kann das Modell auch ohne Einziehfahrwerk bauen, da aber die Flächen für dieses Fahrwerk vorgefertigt und auch die Fahrwerksschächte als Tiefziehteile dem Baukasten beigefügt sind, wäre es eine Schande, wenn man darauf verzichten würde. Und der Preis von knapp 51 € pro Paar ist ja auch nicht gerade üppig.
Bei dem Modell handelt es sich um ein ARF-Modell in Holzbauweise. Nun, ich habe meine Holz-Modelle in der Vergangenheit immer selbst gebaut und mir wäre früher im Traum nicht eingefallen, ein ARF-Modell anzuschaffen. In diesem Fall hatte ich mich nach anfänglichem Zögern doch dazu überwunden, mich dem heutigen Mainstream einmal anzupassen.
Nachdem ich die gut verpackten Einzelteile, Rumpf, Flächenhälften, Höhenleitwerk, Seitenleitwerk, separater Rumpfdeckel mit Cockpit, Kabinenhaube, GFK-Motorhaube sowie ein Beutel mit diversen Einzelteilen von diversen Schutzfolien befreit hatte, konnte ich mir einen ersten Eindruck von diesem ARF-Modell verschaffen.
Und ich muss sagen: Ich war überaus positiv überrascht. Die Rumpfspanten und Flächenrippen sind alle gelasert, aber gerade der Rumpf, wo man die Holzkonstruktion ja am besten betrachten kann, war absolut exakt gebaut, ohne wenn und aber. Es gab für mich wirklich nichts auszusetzen. Aber am meisten war ich von der Folienbespannung des Rumpfes, der Flächen und Leitwerke begeistert. Die verwendete Folie ist mir in meiner Praxis noch nie begegnet. Sie ist einseitig mit einem Klebefilm versehen, der extrem gut haftet, aber wie man letztlich eine Spannung beispielsweise auf den Rippenflächen erzeugt, ist mir gänzlich schleierhaft. Ich habe versucht, Abfallfolie thermisch zu behandeln, es passiert überhaupt nichts. Die ganze Folienbespannung ist eh so perfekt ausgeführt, dass ein Nachbügeln, wie gelegentlich bei Oracover, nicht erforderlich ist. Ich habe dann Rücksprache mit Pichler genommen, weil mich das interessierte. Es handelt sich um eine dünne Klebefolie, die mit dem kompletten Farbdesign, Zierstreifen, Namen und Kennungen bedruckt ist. Chapeau vor dem Personenkreis, der solche Folien absolut faltenfrei auch an den Rundungen aufbringt. Wirklich überzeugend! Dazu gibt es auch eine gut bebilderte Bauanleitung in deutscher Sprache.
Das einzige Manko: Die Kabinenhaube war total verzogen und absolut unbrauchbar. Eine E-Mail an Pichler, eine kurze Rückfrage vom Service und vier Tage später war eine neue Haube in der Post. Klasse!
Das Modell wird bei Pichler für den Betrieb mit einem E-Motor angeboten, auch die Bauleitung sieht einen E-Motor vor. Im Baukasten selbst sind aber auch Teile für den Einbau eines Verbrennungsmotors enthalten. Dazu gehören neben einem Motorträger aus Kunststoff mit Befestigungszubehör eine Halterung für ein zusätzliches Drossel-Servo sowie ein weiterer Bowdenzug für die Vergaser-Ansteuerung. In der Bauanleitung wird lediglich darauf hingewiesen, dass der Einbau eines 6,5 cm³ Zweitakters oder etwa 8 cm³ viertakt Glühzünders möglich ist. Eine Anleitung gibt es jedoch dazu nicht.
Vor Baubeginn habe ich die wichtigsten Teile gewogen:
- Rumpf 370 g
- Fläche rechts 303 g
- Fläche links 312 g
- Höhenleitwerk 127 g
- Seitenleitwerk 55 g
- abnehmbarer Rumpfdeckel
mit Kabinenhaube und Pilot 129 g - GfK-Motorhaube 67g
Zunächst werden die Querruder an die Flächen angeschlagen, dies geschieht mit Vlies-Scharnieren. Die Scharniere sind bereits in den Querrudern eingeklebt, die Schlitze in den Flächen sind auch schon vorhanden. Man braucht also nur das Querruder mit den Scharnieren in die Schlitze einstecken und ausrichten. Das Einkleben erfolgt mit dünnflüssigem Sekundenkleber. Wer solche Vlies-Scharniere noch nicht verwendet hat, hier eine kurze Anleitung:
Für das Verkleben schiebt man das Querruder nicht gänzlich in die Fläche, sondern lässt zunächst einen Abstand von etwa10 mm bis zur Endleiste. Die Scharniere besitzen in der Mitte einen Schlitz, in dem man nun jeweils einige Tropfen dünnflüssigen Sekundenkleber träufelt und danach das Querruder bis zum Anschlag in die Fläche drückt. Das Querruder rund 30 Sekunden weiter gegen die Endleiste drücken, danach müsste der Sekundenkleber sicher haften. Durch die Kapillarwirkung des Klebers ergibt sich eine sichere Verklebung.
Aber Vorsicht: Das Einträufeln des Klebers in die Scharniere und das Einschieben des Querruders sollte zügig erfolgen. Wenn man zu lange wartet, haftet der Kleber bereits und man bekommt die Querruder nicht mehr reingeschoben.
Weiter geht’s mit dem Einbau der Querruder-Servos. Die Servo-Schächte sowie die Abdeckungen sind bereits vorhanden, jedoch mit Folie überklebt. Man muss lediglich mit einem scharfen Messer die Abdeckungen aus dem Rahmen schneiden. Die Servohalterungen sind an den Servoabdeckungen angebracht, in den Halterungen finden Midi-Servos Platz. Pichler empfiehlt die Hausmarke Master DS3615. Ich habe in den Abmessungen vergleichbare Servos von D-Power DS-340BB verwendet. Beides sind Digital-Servos. Die Servos werden in die Halterungen geschraubt, die Abdeckungen mit Servos abschließend in die Rahmen gleichfalls verschraubt. Die Servokabel werden in den Flächen bis zu den Rumpf-Befestigungslaschen geführt. Damit dies einfach gelingt, findet man einen Bindfaden im Servoschacht, der bis zur Flächenbefestigung verlegt ist. Man braucht also nur den Bindfaden an den Servostecker zu knoten und zieht damit das Kabel aus der Fläche heraus. Nette Hilfe, aber in meinen Augen überflüssig, da es in der Fläche nun wirklich nicht beengt zugeht. Bei den Ruderhörner für die Querruder handelt es sich um GfK-Teile, die mit Epoxidharz eingeklebt werden. Die Anlenkungen erfolgen mit 2 mm Stahldraht, einerseits mit Gewinde und mit etwas Übermaß passend abgelängt, alle Gabelköpfe und Sicherungsclips bestehen aus Kunststoff.
Für die Montage des Einziehfahrwerks muss zunächst wieder die Folie entfernt werden. Generell kann man das Modell auch mit starrem Fahrwerk ausstatten. Die Fahrwerksbeine samt Befestigung sind Bestandteil des Baukastens, aber wie bereits eingangs erwähnt, wäre es eine Schande, wenn man darauf verzichten würde. Die Antriebe passten leider nicht auf Anhieb in die dafür vorbereiteten Flächenaufnahmen aus massivem Kiefernholz. Hier muss mit einer kleinen Proxxon nachgeschliffen werden, was schnell erledigt ist. Die Fahrwerksdrähte sollten zunächst in die Antriebe gesteckt werden, was allerdings auch nicht so ohne weiteres möglich ist, weil Bohrung und Drahtdurchmesser absolut identisch sind. Hier empfiehlt es sich, das Ende des Fahrwerksdrahtes etwas anzufasen (anschrägen) und den einzusteckenden Teil des Fahrwerks
mit sehr feinem Schleifpapier zu schleifen. Nach ein paar Versuchen passt der Draht mit Drehbewegungen quasi saugend in die Bohrung. Dieser soll dann mit einer Schraube fixiert werden. Wenn man die beiliegende Schraube verwendet, passt der Antrieb wiederum nicht mehr in die Halterung, da sie vorsteht und man müsste noch einmal die kleine Proxxon zur Hand nehmen. Man sollte hier besser eine Stiftschraube verwenden, da diese in die Gewindehülse versenkt werden kann und somit beim Einbau nicht mehr stört. Hierzu noch ein wichtiger Tipp: Wenn man eine Befestigungsschraube mit Kraft gegen den Fahrwerksdraht einschraubt, kann am Draht ein Abdruck der Schraube entstehen, quasi ein kleiner Krater. Dabei entsteht auch an der Oberfläche ein minimaler Wulst, der es dann unmöglich macht, das Fahrwerksbein für Reparaturen aus dem Antrieb zu ziehen. Darum sollte man vor dem Festziehen mit einer Feile den Fahrwerksdraht an der Befestigungsseite abflachen (siehe Bild).
Vor der Endmontage müssen die Fahrwerksschächte in die Flächen eingeklebt werden. Es handelt sich um lackierte Tiefziehteile, die exakt in die Flächenaussparung passen. Für das Einkleben sollte man 20-Minuten Epoxid verwenden, weil sich durch die Konstruktion sehr viele Kontaktflächen ergeben, die man innerhalb der Verarbeitungszeit von 5-Minuten Epoxid gar nicht alle sorgfältig mit Klebstoff bestreichen kann. Jetzt können die Einziehfahrwerke montiert und die Räder mit Stellringen befestigt werden und einem Probebetrieb steht nichts mehr im Wege. Die Antriebe fahren nur in zwei definierte Endstellungen, die man nicht verändern kann, auch nicht mittels Servoeinstellungen über den Sender. Es ist daher sinnvoll, die überstehenden „Achsen“ bis zu den Stellringen bündig abzuschleifen, damit sie nicht im eingefahrenen Zustand an den Schächten anschlagen.
Der ganze Ein- und Ausziehvorgang ist schön anzusehen, insbesondere begeistern mich die mit 75 mm Durchmesser sehr üppigen Räder, die ja nur das fehlende Bugrad ermöglicht.
Bei den früheren RC-1 oder FA-3 Modellen waren in der Regel nur Durchmesser von 50 mm möglich, da größere Räder am Bugfahrwerk wegen des darüberliegendem Kraftstofftanks nicht möglich waren.
Der Flächenbau wäre damit abgeschlossen, wenn da nicht die beiden Servokabel aus der Wurzelrippe herausschauten, die mich jetzt schon störten. Allein der Gedanke, ständig vier filigrane Steckverbindungen beim Auf- und Abbau zusammen zu stecken und zu lösen, ließ für mich keine andere Lösung als eine Flächenverbindung mit MPX-Steckern zu.
In der Wurzelrippe und an der Flächenanbindung am Rumpf gibt es genügend Platz und Öffnungen, um dies zu realisieren. Man benötigt lediglich kleine Holzplatten aus 2 mm Sperrholz, die man von innen gegen die Öffnungen klebt und die Stecker mit Aufnahmen darin einpasst. Das ist in Bezug auf die exakte Positionierung und wegen der Einbautiefe der Stecker eine etwas zeitraubende Fummel-Arbeit, aber man wird froh sein, wenn man sich im späteren Flugbetrieb um diese Steckverbindungen nicht mehr kümmern muss. Man kann sich hier das Leben auch etwas einfacher machen, wenn man die MPX-Stecker in den Flächen vor dem Einbau der Fahrwerksschächte in die Wurzelrippen einbaut, weil man dann über die Schachtöffnung die Sperrholztafeln an die Wurzelrippen kleben kann und die Montage der Stecker wesentlich einfacher möglich ist.
Als nächstes muss man sich um die Montage des Antriebs kümmern. Empfohlen wird ein Boost 40 „Hanno Spezial“ aus dem Hause Pichler, der mit 3-5s Lipos und unterschiedlichen Luftschrauben betrieben werden kann. Ich hatte aber noch einen AL 42-06 von D-Power im Bestand, der mit 3-6 s Lipos angetrieben werden kann. Damit ist das Modell leicht übermotorisiert, lässt aber mehr Spielraum, um mit unterschiedlichen Zellen und Luftschrauben zu experimentieren.
Der Elektromotor wird an den Motorspant geschraubt, der Motorspant dann mit Abstand am Kopfspant des Rumpfes. Die Montage am Kopfspant erfolgt mit Kunststoffhülsen, die den Abstand vorgeben und Langschrauben, die vom Motorspant durch die Kunststoffhülsen am Kopfspant mittels Einschlagmuttern geschraubt werden. Alle Bohrungen für die Schrauben sind vorhanden bzw. exakt angegeben. Motorsturz und Seitenzug sind übrigens im Kopfspant bereits berücksichtigt. Wenn man probeweise die GFK-Motorhaube ansetzt, stellt man fest, dass der Abstand knapp 1,9 cm zu gering ist, will heißen: Der Motor muss um diese Differenz weiter vorne montiert werden. Verlängern kann man die Kunststoffhülsen nicht. Wenn man andere zur Hand hätte, wären dann die Langschrauben zu kurz. Man könnte die…
…Befestigung nun gänzlich mit 5 mm Gewindestäbe realisieren. Diese verursachen aber mit den vielen notwendigen Muttern und U-Scheiben zusätzliches Gewicht, was nicht gerade förderlich für die Gewichtsbilanz ist, insbesondere so weit vor dem Schwerpunkt. Aus diesem Grund habe ich 8 mm Alu-Stäbe auf die notwendige Länge geschnitten und diese am Ende jeweils mit 4 mm Gewinde versehen. Diese neuen Distanzstücke habe ich dann mit kurzen Gewindeschrauben an Kopf- und Motorspant befestigt. Die ganze Befestigung wiegt 75 g, die alte und zu kurze Befestigung wog 54 g. Damit lässt sich leben. Letztlich zählt nur die entstandene Lösung und diese gefällt mir mit den Alu-Stäben sehr gut. Sie ist starr, verwindungssteif und dazu noch leicht. Leider stellte sich später heraus, dass diese Vorgehensweise doch keine glückliche Entscheidung war.
Die Montage der GFK-Motorhaube schließt diesen Bauabschnitt ab, sie wird lediglich am Rumpf mit vier Schrauben befestigt. Eine alternative Anpassung (Verkürzung) der Motorhaube wäre übrigens nicht möglich gewesen, da sie eine konische Form aufweist und somit nach einer Kürzung nicht mehr auf den Rumpf gepasst hätte.
Weiter geht's mit der Montage der Leitwerke, wo zunächst die Ruder, so wie die Querruder, mit Vlies-Scharnieren angeschlagen werden. Für die Montage der Leitwerke sind Schlitze im Rumpf vorgesehen, die zunächst wieder von der Klebefolie befreit werden müssen. Gleichfalls muss man die Folie an den Klebebereichen von den Leitwerken entfernen. Die Verklebung habe ich mit Weißleim vorgenommen. Damit hat man die beste Möglichkeit gerade das Höhenleitwerk exakt und optimal zu den Flächen auszurichten. Die Leitwerke stehen exakt im Winkel zueinander und man braucht an den Schlitzen nichts mehr zu korrigieren, auch die angegebene EWD kann nahezu eingehalten werden. Aufgrund der Bauqualität des Modells habe ich auch nichts anderes erwartet.
Die Höhenruder sind nicht miteinander verbunden und werden getrennt angelenkt. Dies erfolgt über 2 mm Stahldrähte, die in bereits verlegten Bowdenzügen geführt und über einen sogenannten Gestängeanschluss parallel miteinander verbunden werden. Von diesem Gestängeanschluss führt noch ein weiterer Stahldraht zum Servo. Da genügend Platz im Rumpf ist, habe ich ein zweites Höhenruderservo vorgesehen und so auf die Verbindung der beiden Höhenrudergestänge verzichtet. Dies ist in meinen Augen eine wesentlich elegantere Lösung.
Das Seitenruder wird beidseitig über Seilzüge angelenkt, die gleichfalls in bereits eingebauten Bowdenzugröhrchen geführt werden. Hier habe ich tatsächlich etwas dazu gelernt, und zwar die Befestigungsmethode der Züge an den Augenschrauben. Früher habe ich an dieser Stelle eine Knotentechnik aus der Angelei verwendet und diesen dann auch noch verlötet. Hier wird einfach eine zusätzliche Schlaufe gesetzt und das Ganze mit einer Metallhülse verpresst. Ich habe mal zur Kontrolle einen Zugversuch unternommen, das hält bombig!
Die vier Ruderhörner sind, wie bei den Querrudern, aus GFK und werden in die Ruder mit Epoxidharz eingeklebt. Die notwendigen Schlitze hierfür muss man allerdings selbst herstellen.
Der Abschluss ist die Montage des Spornrads, das über eine direkte Verbindung zum Seitenruder angelenkt wird. Leider passt der Ausleger für die Befestigung am Seitenruder nicht, er muss entsprechend angepasst werden. Federstahldraht zu verbiegen ist nicht mal so eben gemacht, vor allen Dingen, wenn keine richtigen Ansetzpunkte für Zangen vorhanden sind. Aber mit einem Schraubstock, einer Spitzzange und einem dicken Daumen sollte das auch dem Modellbau-Einsteiger gelingen.
Der letzte Akt ist das Verkleben der Kabinenhaube mit dem abnehmbaren Rumpfdeckel. Ich habe hierfür einen speziellen Klebstoff für Kunststoffe aus dem Hause Pichler, Ruderer L530, ausprobiert. Fazit: Der Kleber ist sehr flüssig, beim Auftragen auf den Rahmen tropft er teilweise ab. Auch bildet er nach ungefähr 30 Sekunden eine Haut, sodass man sehr schnell arbeiten muss. Alles das erwarte ich von einem optimalen Klebstoff für diesen Anwendungsfall eigentlich nicht. Aber die Klebeverbindung ist nicht mehr zerstörungsfrei lösbar und die Dämpfe trüben auch nicht die klare Kabinenhaube. Das war’s.
Die Schwerpunktwaage brachte dann die Ernüchterung: Der Antriebsakku musste bis ans hintere Ende des Rumpfschachtes positioniert werden, damit ein Schwerpunkt von 110 mm überhaupt annähernd erreicht werden konnte. Nun, für den Erstflug sicherlich eine ideale Einstellung, allerdings befürchte ich, dass der Vogel ziemlich kopflastig sein wird. Für einen Schwerpunkt bis 125 mm ist der Einsatz von Blei in dieser Akku-Konfiguration im Heckbereich unerlässlich.
Für diese Positionierung im Rumpf musste ich die anfänglich gewählte Empfängerposition im Rumpfboden verändern und diesen direkt hinter dem Seitenruder-Servo positionieren.
Durch den frei gewordenen Raum im vorderen Rumpfbodenbereich konnte ich dort nun bequem den Regler verlegen, der vorher an einer Rumpf-Seitenwand befestigt war und nun optimal im Luftstrom liegt.
Die Überprüfung der EWD ergab einen Wert von knapp 0,4°, die Angabe in der Bauanleitung beträgt 0,5°. Dem Erstflug stand nun nichts mehr im Wege.
Durch die großen Räder ist der Bodenstart auf Rasen vollkommen unproblematisch. Es empfiehlt sich aber beim Anrollen das Höhenruder voll zu ziehen, da das Modell sonst möglicherweise einen Kopfstand macht, insbesondere, wenn der Rasen, wie bei uns auf dem Platz, seit einiger Zeit einen Mähgang verdient hätte. Hat das Modell die Grundgeschwindigkeit erreicht, hebt die Dalotel mit leichter Höhenruderunterstützung ab, alles vollkommen unproblematisch. Zunächst musste ich kräftig Höhenruder trimmen, die Kopflastigkeit machte sich sofort bemerkbar. Auf die Querruder reagierte das Modell sehr empfindlich, was mich nach zwei Runden zum Landen veranlasste. Ich hatte anfänglich ohne Expo programmiert, was keine gute Idee war. Also wurde kurzerhand Expo auf Querruder, einmal mit 25% und 40% programmiert, und erneut gestartet. Die Einstellung mit 40% erwies sich als die Richtige. Nun konnte ich das Modell vernünftig und entspannt in der Luft bewegen. Ach ja, Einziehfahrwerk hat das Modell ja auch, dass hatte ich ganz vergessen. Am Flugverhalten ändert sich dadurch nichts, es sieht einfach nur cool aus.
Das Modell fliegt vollkommen unproblematisch und ist flott unterwegs. Es bleibt bei allen Kunstflugfiguren stabil in der Fluglage und neigt nicht zum Strömungsabriss. Trudeln wird sofort beendet, wenn man die Ruder in Neutralposition stellt, man braucht nicht nachsteuern. Looping, auf- und abwärts stellt gleichfalls kein Problem dar, die Rollen sehen etwas behäbig aus, lassen sich aber ganz exakt steuern. Es macht richtig Spaß, das alte RC- Programm zu fliegen. Bei einigen Flugfiguren stört allerding die Kopflastigkeit. Beim Rückflug muss man kräftig drücken, seltsamerweise ist der Messerflug relativ stabil. Ich will es mal so ausdrücken: Der Schwerpunkt ist so einfach nur Käse und man könnte aus dem Modell mit einer Änderung sicherlich wesentlich mehr herausholen.
In einem FMT-Testbericht aus dem Jahre 2020 wurde die Dalotel mit der von Pichler empfohlenen Motorisierung (Boost 40, 4S 4500 mAh) geflogen. Dabei wurde der Schwerpunkt von 125 mm mit ganz am Kopfspant anliegendem Akku realisiert und das Modell war wesentlich agiler unterwegs, wenn ich den Bericht richtig interpretiert habe. Aber ehrlich gesagt hätte ich im Traum nicht daran gedacht, dass sich eine Verlängerung der Motoraufhängung um 19 mm und deren 21 g Mehrgewicht dermaßen negativ auf den Schwerpunkt auswirken würde. Hier habe ich die Hebelverhältnisse einfach unterschätzt.
Auch fehlt es dem Modell etwas an Durchzug, hier hätte ich auch mehr erwartet. Eine Wechsel der Luftschraube von 15 x 10" auf 16 x 8" verbesserte den Durchzug deutlich, jedoch verringerte sich auch die Geschwindigkeit im Horizontalflug. Abgesehen davon taucht der 16er Prop bei Start und Landungen relativ schnell in die Grasnarbe ein, er ist bezüglich Durchmesser für dieses Modell einfach zu groß. Ich glaube, dem verwendeten Antrieb würden eine Zelle mehr sicherlich guttun, die stand mir aber für Testzwecke leider nicht zur Verfügung. Nach genauer Betrachtung all dieser Faktoren muss ich mir eingestehen, dass das gewählte Motor-Setup eine etwas unglückliche Entscheidung war.
Um den angepeilten Schwerpunkt zu erreichen, musste ich ein Grundblei aus der Angelkiste von 45 g vor dem Spornrad befestigen. Nach dem erneuten Start fühlte sich das Modell schon ganz anders an. Ich musste zwar immer noch leicht Höhe trimmen, was in meinen Augen der nicht ganz stimmigen EWD geschuldet ist. Die Figuren ließen sich aber deutlich exakter fliegen, der Spaßfaktor war wesentlich erhöht. Ich habe dann das Modell nur mit etwa 70% Gas geflogen und nur in den Aufwärtspassagen Vollgas gegeben. Die Dalotel ist dabei im Horizontalflug langsamer, kann aber dann mit etwas Übung eine fast gleichmäßige Geschwindigkeit in den Auf- und Abwärtsfiguren erreichen.
Bei den Landungen auf Graspisten sollte man darauf bedacht sein, nicht zu schnell oder verkantet und möglichst weich aufzusetzen. Die 4 mm Federbeine verbiegen sich bei einer harten Landung relativ schnell, was dann ein nochmaliges Einfahren unmöglich macht, da die Räder nicht mehr exakt in die Schächte laufen. Deshalb nach jeder härteren Landung die Funktionalität des Einziehfahrwerks prüfen.
Dieser Bericht hat gezeigt, wie man es in Bezug auf das Motor-Setup vielleicht nicht machen sollte. Es konnte aber auch dargelegt werden, dass dieses ARF-Modell aus dem Hause Pichler mit einer hervorragenden Qualität in puncto Bauausführung aufwarten kann, die mir so noch nicht begegnet ist. Mit dem in meinen Augen sehr unkritischen Flugverhalten ist die Dalotel ein gutes Einstiegsmodell in den fortgeschrittenen Kunstflug und wer darüber hinaus dem Charme solcher Retro-Modelle erlegen ist, wird sich an diesem Modell insbesondere an seinem Flugbild sehr erfreuen.
Modelldaten:
Spannweite: 1500 mm
Länge: 1320 mm
Antrieb: D-Power AL 42-06 mit 4S/5000 mA
Regler: YGE 65LVT
Servos: 5 x D-Power DS-340BB
Gewicht in der beschriebenen Konfiguration einschl. Trimmblei: 2.902g
Schwerpunkt: 125 mm
| Luftschraube | Drehzahl im Stand | Stromaufnahme Vollgas im Stand |
| APC 15 x 10E | ca. 7.050 U/min | ca. 34,0 A |
| APC 16 x 8E | ca. 6.920 U/min | ca. 34,7 A |
| Ruderausschläge | Bauanleitung | Modell |
| Querruder | +/- 13 mm | +/- 14 mm |
| Höhenruder | +/- 14 mm | +/- 14 mm |
| Seitenruder | Maximum | 70 mm |
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