Das „Bunte Huhn XXL“ mit 4,80m Spannweite

Die Vergrößerung des ursprünglichen Huhns mit 3,10 m Spannweite von Klaus Jakob durch Hans Scholten (NL)

von Verfasser Knut N. Zink.​

Totgesagte leben länger – dieser Spruch von Erich Honecker hat sich für ihn (Gott sei Dank) nicht bewahrheitet.
Dagegen trifft er auf das Thermikbrett „Das Bunte Huhn“ von Klaus Jakob zu 100 % zu. 1997 baute Klaus dieses skurrile Modell zum ersten Mal. 2018 bin ich auf das Modell gestoßen und erhielt von Klaus einen GFK-Rumpf mit SLW (Seitenleitwerk) und einen Bauplan. Ich baute mir also das Huhn mit 3,10 m Spannweite.


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Da zu dieser Zeit bereits hervorragende BL-Motoren und dazugehörige Regler auf dem Markt waren, beschloss ich, einen Motorrumpf zu bauen, um beim Start unabhängig zu sein.

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Das SR (Seitenruder) habe ich auf Anraten von Klaus gleich etwas größer ausgeführt, dafür aber die „Bremse“, also das geteilte Seitenruder, weggelassen.

Der XXL-Rumpf im Vergleich zum Motorrumpf.

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So sieht das aktuell aus.

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Aber warum XXL?

Das kam so: Die niederländische Modellfliegergemeinde liebt offenbar skurrile Modelle. Das Huhn wurde von Hans Scholten nachgebaut, gleich mit BL-Motor.
Nachdem der Bau erfolgreich war, erreichte mich die Meldung, dass sie das Huhn in einer XXL-Version mit 4,80 m Spannweite bauen wollen.

Im Laufe der Jahre wiederholt sich manches. Zuerst wurde der Bird-of-Time in verschiedenen Größen gebaut. Dann kam der SINDBAD, ein ehemaliges Freiflugmodell, an die Reihe und wurde zunächst vergrößert (2,36 m) und anschließend verkleinert (1,23 m) gebaut. Der augenblickliche Hype betrifft den LEPRECHAUN, den irischen Kobold. Er wurde mit 3 m, später mit 4 m und größer sowie mit Querrudern, Knickflügeln und weiteren Varianten gebaut. Sogar ein Mini-Kobold mit 1,20 m Spannweite ist auf dem Markt. Siehe dazu den Beitrag im RCN-Magazin.

Warum also nicht ein Buntes Huhn mit 4,80 m Spannweite?

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Die Niederländer sind fleißig und haben offenbar eine CNC-Fräse. Rob hat die Teile gefräst.
Diese Frästeile, Rumpfwände, Rumpfspanten und Rippen habe ich mir gekauft und gleich mit dem Bau begonnen.

Rumpfbau
Es gibt zwei Seitenwände, einen Hauptspant mit Querspant für das Seitenruderservo und die Flachstahlsteckung (15 x 2 mm in einer Messinghülse) sowie einen weiter hinten liegenden Spant für die Torsionsdrähte aus 3 mm Stahldraht im Messingrohr.

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Das Seitenruderservo musste ich um 10 mm höher legen, damit die Bowdenzugrohre nicht durch die Flächenstähle laufen.

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Zwischen diesen beiden Spanten liegen die Messinghülsen für die Flachstahlsteckung. Darunter befindet sich das Servobrett.

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In diesen Röhrchen laufen die 3 mm Stahldrähte.

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Die Teile der Flächensteckung sehen so aus:

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Das Seitenruderservo sitzt an dieser Stelle. Ich lenke das Seitenruder mit zwei Bowdenzügen an, nicht mit Seilen.

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Elektrik
Ich baue diesen BL-Motor ein: XM 4250 EA-7 von Dualsky.

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Der Motor sitzt etwa so in der Rumpfnase.
Für die Nase wurden zehn 5 mm dicke Balsascheiben mit einem Loch von 50 mm Durchmesser geliefert. Ich verwende nur sechs Stück.

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Der Motor wird an einem 2 mm dicken GFK-Spant angeschraubt. Dieser wird wiederum mit dem mitgelieferten Sperrholzspant verklebt und das Ganze anschließend in einen 5 mm dicken Balsaspant eingesetzt.

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Das SLW – Dämpfungsfläche, Sporn und Seitenruder – sieht zunächst so aus:

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Flügelbau

Alle Rippen für die Flügel und die Winglets.

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Hier sind alle Holmleisten des gebogenen Teils zu sehen. Sie wurden über Nacht gewässert und einen Tag auf die Helling gespannt. An der Rippe 1 sieht man, wie viele Holmleisten benötigt werden. Die Leisten des Hauptholms (10 x 12 mm) fertige ich jeweils aus drei 3 x 12 mm Leisten, die anschließend zusammengeklebt werden. Die geraden Stücke am Außenflügel werden direkt beim Bau geschäftet.

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Das Flügelgerüst mit Hauptholm und zwei Hilfsholmen.

Hinten habe ich beim Bau die Rippenenden auf das Baubrett geklammert, damit keine Rippe hochsteht.

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Die Endleiste ist angebracht.
Haupt- und Nebenholm sind beidseitig mit 3 mm Balsa verkastet.
Das ist eine Arbeit für Menschen mit sehr viel Geduld.

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Die Nasenbeplankung ist ebenfalls aufgebracht; zuvor habe ich noch die Hilfsnasenleiste angeklebt.
Der Wurzelbereich ist ebenfalls beplankt. Das Balsa hat leider eine schlechte Qualität.
Vergleich mit dem „normalen“ Huhn. Aber was ist beim Bunten Huhn schon normal?

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Ende August 2025:
Nach einer längeren Zwangspause kann ich endlich am Huhn weiterarbeiten und die Flügelunterseite fertigstellen. Dazu gehören die hinteren Hilfsholme, die Querruderverkastung mit Kiefernleisten, die Endleisten- und Nasenbeplankung sowie die Rippenaufleimer.

Endleiste:

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Die Winglets haben – wie alles beim XXL-Huhn – riesige Ausmaße.
Zuerst wird eine Helling gebaut. Danach werden die Nasenleisten aus 2 x 3 mm Sperrholz ausgeschnitten und verklebt, die Endleisten aus 2 x 3 mm Balsa hergestellt und anschließend sechs Rippen nach Plan ausgesägt. Zum Glück kann man die Helling für das linke und das rechte Winglet benutzen.
Wenn man bedenkt, dass die Winglets nahezu ausschließlich wegen des skurrilen Aussehens gebaut wurden – ob sie das Flugverhalten verbessern, wage ich zu bezweifeln –, ist das ein ganz schöner Aufwand.
Zwei Holme, wieder jeweils aus 2 x 3 mm Balsastreifen, geben dem Ganzen Stabilität.

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Das fertige Winglet.

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Es passt an den Flügel.

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Beide Winglets sind fertig.

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Rohbau

Beide Flügel sind auf der Oberseite bereits fertig.
Der Vergleich mit dem kleinen Huhn.

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Finish

Das Bunte Huhn sollte seinem Namen entsprechend bunt sein. Damit lässt sich gut erklären, dass viele Folienreste zum Einsatz kommen.
Mein erstes Huhn, das „kleine“, hatte ich daher mit weißer, blauer, gelber, grüner, orangefarbener und roter Folie wirklich bunt gestaltet.
Das zweite Huhn, das „große“, sollte ebenfalls wieder bunt werden.
Den Rumpf habe ich mit gelbem ORATEX bebügelt und mit einigen schwarzen Applikationen versehen. Das Seitenruder wurde blau transparent bebügelt.

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Die Winglets sind angeklebt, die Querruder ausgeschnitten und angeschlagen sowie bereits silbern bebügelt.

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Stand: 20.10.2025

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Halloween, 31.10.2025

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Technische Daten

Spannweite: 4,80 m
Länge: 1,37 m
Tragflächeninhalt: 238 dm²
Abflugfertige Masse: 5,2 kg
Flächenbelastung: 21,8 g/dm²
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ziemlich krasses Teil - mit bemerkenswert geringer Masse!

Bei den ziemlich stark heruntergezogenen Flügelenden stellt sich mir die Frage - hakt das Ding bei der Landung nicht gerne ein?
 
Hallöchen,

mich würde vor allem interessieren, wie die Helling hergestellt worden ist bzw. wie sichergestellt wird, dass die Fläche dann auch tatsächlich der gewünschten Form entspricht. :)

VG und danke für den Bericht.
Christopher
 
Hallo in die Runde,

bei meinen damaligen Versuchen vom Bunten Huhn bin ich sowohl mit Winglets, als auch ohne geflogen. Die Winglets haben einen Profilstrak: vom eigenstabilen Originalprofil an der Wurzel (CJ3406) mit hoher Wölbung, hin zum äußeren Wingletspitz mit einem Profil mit gerader Unterseite und weniger Wölbung (Goe795), um den Druckausgleich zwischen Unterseite und Oberseite langsam abzubauen. Die geringere Wölbung am Außenbereich des Winglets führt nicht zu einer Überlastung der Strömung (also keine Gefahr für einen Strömungsabriss), da hier die Wingletfläche senkrecht steht, und der Anstellwinkel sich kaum vergrößert beim Überziehen.

Hartmut Siegmann schreibt zum Goe795: "Zeitloses Profil für leichte Thermiksegler (RES) in Rippenbauweise".

Das Ergebnis überrascht nicht:

-mit den Winglets fliegt das Huhn eigenstabiler, besonders im Kurvenflug. Die V-Form wird vergrößert, das ist günstig, weil die Hauptfläche des Flügels keine V-Form hat.
Das Sinken ist subjektiv geringer (klar, die Flächenbelastung wird verringert). Der Geradeausflug ist besser, es entsteht eine gewisse Seitenruderwirkung, da die senkrechten Bereiche des Winglets hinter dem Gesamtdruckpunkt des Fliegers liegen.

-ohne WInglets ist es etwas wendiger. Diese Variante flog ich öfter mal am Hang, bei (leichtem) Hangwind. Im Geradeasuflug muss eher mal korrigiert werden.

Dank an Dirk Schipper, der das originale (CJ3406) Profil durchgerechnet und verbessert hat, sowie an die Kollegen in Holland, die ihre Idee mit der Vergrößerung umgesetzt haben -Hans Scholten, Rob Ghielen- und Frästeile hergestellt haben, und an Knut, der unermüdlich tolle Flieger baut.

Gruß,
Klaus.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dein Bericht geht aber noch weiter. Oder?
Ja, wenn ich endlich den Erstflug gemacht habe. Irgendwie kam immer was dazwischen und ich bin ja selber gespannt.
hakt das Ding bei der Landung nicht gerne ein?
Gerne wohl nicht (grins). Aber es geht gerade so. Mein kleineres Huhn hatte die Flügel noch mehr nach unten gezogen. Die sind dann schon mal eher als der Rumpf im Gras gewesen. Beim Großen haben sie die Steckung so verändert, daß die Enden höher liegen. Aber bei der geringen Landegeschwindigkeit passiert da nichts.
die Helling hergestellt worden
So.
3mm SpH auf einem Gerüst. Da gibt es im Plan eine Skizze.
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Und HIER.

Danke an Klaus Jakob. Schließlich ist er der Konstrukteur des Ur-Huhns. Er weiß alle Einzelheiten. Man kann ihn auch alles fragen.

Videos hier:
und hier: und hier: und hier: und hier: und hier mein Kleines Huhn: https://www.youtube.com/watch?v=sQ2k2sgqkWs
 
Hallo Manfred,

das von Dirk Schipper überarbeitete CJ3406 wurde schon veröffentlicht

Siehe Beitrag Nr. 19 aus diesem Thread:

Grüße,
Klaus.
 
Hallo zusammen,
eben fällt mir auf, dass ich den Plan vom Huhn im Jahre 1997 veröffentlicht hatte.
Da hatte es bereits etwa 4 Jahre auf dem Buckel.

Pfennigfuchsende Grüße,
Klaus. :)
 

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