Der Björn von WiK

Es war 1965, also rund 60 Jahre her, als mein Vater einen Björn von WiK baute. Einen "Björn", keinen BS-1 Björn und auch keine KS-3, die gab´s ja noch gar nicht. Damit unternahmen wir "weitere Flugversuche". Etliches Andere zuvor war schon mehr oder weniger kläglich gescheitert. Wir waren halt alleine auf weiter Flur und mussten alles selbst lernen. Modellflugvereine, einen Flugplatz o.ä., das alles gab es nicht, von Lehrer-Schüler ganz zu schweigen. Letzteres hätte aber schlussendlich auch nichts genützt, denn schließlich waren wir Beide fliegerische Grundschüler, wenn auch mit einer Generation Altersunterschied.

Wir versuchten es mit Hochstart, weil es fliegbare Hänge in unserer Gegend nicht gibt. Die Flugzeiten waren sehr überschaubar. Mein Alter Herr baute daher (wohl nach einer FmT-Anregung) einen Motor-Untersatz, um größere Ausgangshöhen zu erreichen. In dem Untersatz waren der Motor, der Tank und ein Fallschirm enthalten. Dieser Untersatz wurde bei laufendem(!) Motor von unten mittels zweier schräg nach vorn oben zeigender Stahlstifte in zwei entsprechend im Rumpf eingebaute Messingröhrchen eingeschoben und der Fallschirm dabei an einem Druckknopf eingeklickt. Wenn der Motor lief, blieb er durch seine Zugkraft am Flieger. Blieb er stehen, rutschte er nach hinten aus den Röhrchen raus, der Fallschirm wurde aus der Gondel gezogen, entfaltete sich und die ganze Chose kam am Fallschirm runter und durfte vor dem nächsten Start gesucht werden. So war´s halt damals.

Leider hat dieser Björn auch nicht so arg lange gelebt, denn er bekam Kontakt mit einem Springbauwagen. Springbäume waren uns bereits bekannt, aber Springbauwagen noch nicht. Ich war gerade im Landeanflug, als dieser Bauwagen genau in die Flugrichtung unseres Björn sprang! R.i.P.!

Gut 50 Jahre später begann ich nach meiner manntragenden Phase wieder mit dem Modellflug. Und ich hätte aus Nostalgiegründen gerne wieder einen Björn gehabt. Einen Björn, keine BS-1, keine KS-3, einen Björn. Ich hätte mir ja einen bauen können, der Plan war immer noch da. Bei Pichler gab´s mittlerweile auch einen neu aufgelegten "BS-1 Björn", aber der hatte eine Klarsichthaube, weniger Spannweite und war gelasert. Neee, den nicht! Nein, ich wollte keinen Retro-Flieger bauen, ich wollte ein Original.

Irgendwann wurde ein Björn im Netz angeboten und er sah auch den Fotos ganz annehmbar aus. Dass es kein Neuflugzeug war, war klar. Dass etwas Arbeit erforderlich werden würde, um ihn nach meinen Standards wieder in die Luft zu bekommen, war auch klar. Also mal kaufen, gucken, was da kommt und dann schau´n mer mal....

Er kam an und das Gelieferte
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war dann doch nicht ganz so wie auf den Angebotsfotos. Das Seitenleitwerk abgebrochen und in einem jämmerlichen Zustand:
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Offensichtlich war es auch bereits einmal "geöffnet" gewesen und lieblos wieder zugeklebt worden. Das ging gar nicht und schrie nach einem Neubau. Das Seitenruderblatt war auch abgebrochen und musste somit auch neu gebaut werden.

Am Höhenleitwerk waren die Ruderspalte unterirdisch und das Messingröhrchen zwischen den beiden Ruderblättern, das am Leitwerk selbst hätte angeklebt sein sollen, hing frei in der Luft.

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Die Holzschraube diente nicht als Deko, sondern damit war das HLW auf seiner Aufnahme verschraubt gewesen! Man lernt doch nie aus, was andere Bauweisen betrifft. Immerhin wiesen die Ruderhörner sowohl am HLW als auch am SLW die graupnertypischen schrägen Unterlagen auf, um die Konizität der Ruder auszugleichen:

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Ach so, ja, lose waren die Ruderhörner auch. Bei mir schrillten die Alarmglocken. Mal probeweise an der Seitenruderanlenkung gezogen, das war mir deutlich zu schwergängig. "Mach´ den Rumpfdeckel runter und guck´ dir das genauer an!" Und dann zeigte sich des Elends ganzes Ausmaß:

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Man hatte als Führung für einen Stahldraht, der zum Seitenruderblatt führte, ein Stück eines Pertinaxröhrchen eingebaut, aber wie!!! Auf dem oberen Foto ist eine schiefwinklig eingepappte horizontale "Abstützung" erkennbar. Auf dem unteren Fotos sieht man dann, dass diese selbst sich auch noch an einer ebenfalls windschief eingebauten vertikalen Leiste abstützte. Am nächsten Spant hatte man Balsastücke angeklebt und das Röhrchen darin verklebt (unteres Foto, auf dem oberen hatte ich sie schon ausgebaut). Es war ein Grauen!

Dieser ganze Mist ausgebaut gab schon ein ordentliches Materiallager

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Die vordere linke Seitenwand bestand nur noch aus Schalterlöchern und Einbau- bzw. Ausbauspuren

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Um die Nerven zu beruhigen, wurde wenigstens da schonmal ein Balsaplättchen eingepasst und verklebt

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Die Flächen sahen eigentlich ganz ordentlich aus, zwei kleine Löcher in der Papierbespannung, das war alles. Da hätte ich die Flächen eigentlich nach der Reparatur der Löcher direkt verwenden können. Aber in Anbetracht der "Vorgeschichte" musste da die Bespannung runter und das "Drunter" inspiziert werden. Und das war gut so!

Der Björn hat ja nur eine oberseitige Beplankung bis zum Hauptholm, auch im Flügelwurzelbereich gibt´s keine Unterseitenbeplankung. Das ist ja nun schon wenig genug, aber wenn man dann das Pattex zur Verklebung von Rippen und Beplankung auch noch dahin schmiert, wo gar keine Rippen sind, wird´s schon schwierig:

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Die Holmverkastungen waren teilweise auch nicht mit dem Holm verklebt:

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Mann, mann, mann, da haste dir mal wieder Arbeit gekauft! Aber erstaunlich war schon, dass dieser alte Flieger trotz der ganzen Fehler mal geflogen sein und dies ohne Anlegen der Ohren überstanden haben musste. Die "Alten" haben schon massiv konstruiert, vielleicht in der Vorahnung, was man alles mit ihren Produkten falsch machen könnte?

Egal, der Flieger wurde überholt und so weit notwendig eben nachgebaut.

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In´s Seitenleitwerk wurde gleich ein 8mm-Servo mit eingebaut

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Die Flächen, die ihre Torsionssteifigkeit bei der Originalkonstruktion ja durch die Papier- oder Seidebespannung bekamen, wurden durch den Einbau von Diagonalrippen zwischen Nasenleiste und Holm verdrehsteif gemacht:

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Es versteht sich von selbst, dass die Rippen an der Beplankung und die Holmverkastungen an den Holmen nachverklebt wurden.

Weil die Flächen nun schonmal abbespannt waren, wurden auch gleich ein paar Störklappen eingebaut, die noch von einem ehemaligen ARF-Flieger rumlagen:

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Auf diesem Foto kann man auch die geänderte Flächenbefestigung erkennen. Im Original war im Rumpf ein Messingrohr 12x1mm(!) eingebaut, das lediglich dazu diente, den Gummiring zu führen, der die beiden Flächenhälften gegeneinander und an den Rumpf zog. Das schrie nach Änderung (auch, weil es keine vernünftigen Gummiringe mehr gibt!). Das Rohr wurde raus geflext; mach das mal, eine Dremelscheibe ist zu klein und für eine normale Flexscheibe reicht der Platz zwischen den beiden Messingrohren für die Flächenbefestigung nicht aus... Aber, um´s mal mit meinem sehr geschätzten und leider viel zu früh verstorbenen Ross Schmidt zu sagen: "We have the technology!"

Messingrohr raus, in die Wurzelrippen Schrauben M4 eingeharzt (dank fehlender Unterseitenbeplankung kommt man da gut ran) und dann von der Rumpfinnenseite her mit den kupferfarbenen Muttern verschraubt, wie schon bei meinem Airfish (Airfish 3.0 | Seite 22 | RC-Network.de). Das ist eine probate Methode, wenn man davon ausgeht, dass man bei der Landung die Flächen nicht verlieren können muss.

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Auf dem Foto sind auch das Störklappenservo und der Fahrwerksschacht erkennbar. Räder bekommen alle meine Segler, denn das kommt den Rumpfböden auf unserer Hartpist sehr zugute. Ich hätte das Rad gern etwas weiter vor den Schwerpunkt gesetzt, aber das hätte dann nochmal wieder tiefe chirurgische Eingriffe erfordert und dazu hatte ich keine Lust, es geht auch so.

Danach kamen mal wieder meine Lieblingstätigkeit: Finishen! Spätestens dabei ruiniere ich im Regelfall meine Flieger. Flächen und Leitwerke wurden weiß bebügelt und der Rumpf weiß lackiert. Da mir das Blauweiß bei Michaels LS-1

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gut gefällt, wurde der Björn auch mal blau-weiß.

Dann kam die Stunde der Wahrheit, der Björn war fertig und musste auf die Waage. Das Abfluggewicht soll damals mit 950g angegeben gewesen sein, sagt jedenfalls die AI. Das wäre so viel wie für einen damaligen Dandy und das halte ich für völlig unrealistisch, denn dafür ist der Rumpf viel zu massiv konstruiert. Mein Rumpf bringt alleine inklusiv des erforderlichen Trimmbleis etwas über 1kg auf die Waage! Das kann damals nicht viel anders gewesen sein. Wie dem auch sei, mein Björn wiegt jetzt elektrisch angetrieben von einem kleinen 2836er an einer 10x6 Aeronaut 1.700g!

Am 21.06.26 war es soweit, er durfte erstmals wieder in die Luft (danke für die Fotos Dietrich!):

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Der Erstflug war problemlos, wie es für ein damaliges Anfängermodell auch nicht anders zu erwarten ist. Er benötigte noch 30g Zusatzblei und das war´s. Er ist relativ zügig unterwegs. Das Abreißverhalten ist dank der geometrischen Schränkung sehr gutmütig. Mit dem vergrößerten Seitenruderblatt reagiert er für einen Zweiachser auch gut genug. Der Antrieb hätte etwas stärker ausfallen können, jedenfalls nach heutigen Maßstäben. Der Steigwinkel beträgt etwa 20°, also etwas mehr als damals mit dem OS Mäxchen, aber vielleicht baue ich das nochmal um...

Die Landeeinteilung und die Landung sind dank der Störklappen präzise und einfach zu fliegen. Hätte ich vor 55 Jahren schon Störklappen drin gehabt, wäre er vielleicht nicht am Bauwagen zerschellt....

Und jetzt habe ich wieder einen
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Zuletzt bearbeitet:
sehr schön was du aus der Halbleiche gemacht hast. ist halt Holz kann man immer wieder machen. Auch die schönen Erringung die immer mit fliegt.
P.S. ich erwische irgendwann mal einen auf frischer Tat der solchen Löcher in Rumpfseitenwände für diese reißen Schalter schneidet..........
 
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