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Der neue Wingo2 von robbe

Der neue Wingo 2 von robbe

Teil 1: Endlich ist er da

Stephan zu Hohenlohe


Ende der 90er Jahre, unsere Sender hatten noch lange Antennen, tauchte auf dem Markt ein neues, sehr ungewöhnliches Flugmodell auf. Der Wingo von Conzelmann sollte die Klasse der Parkflyer populär machen. Dank vieler Schaumteile war der Wingo schnell gebaut, die Flugeigenschaften waren einfach genial und es gab tolles Zubehör, um lange Spaß mit dem Modell zu haben. Das knuffige Modell war bis in die 2000er sehr beliebt. Nun bringt robbe den Wingo 2 auf den Markt. Anlass für einen Blick zurück.

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Klaus Conzelmann stellte Ende der 90er Jahre in Nürnberg den Wingo vor (Bild: Archiv Klaus Conzelmann)

Wenn man in gemütlicher Runde unter gestandenen Modellpiloten den Wingo erwähnt, kommen viele Geschichten zusammen. Es gibt kaum jemand, der noch nie Wingo geflogen hat. Die ungewöhnliche Form mit der unter der Tragfläche liegenden Wanne, oft mit Willi, dem Coyoten als Pilotenfigur, die fließend geformte Tragfläche mit der “runden” V-Form oder der Leitwerksträger, anfangs aus Holz, haben sich eingeprägt. Für den Wingo benötigte man plötzlich kein Modellfluggelände mehr. Ein Feldweg oder eine Wiese reichte, um Spaß am Modellflug zu haben. Spaziergänger, die den damals noch üblichen “Knatterbüchsen” sehr skeptisch gegenüberstanden, blieben nun stehen, um dem lustigen Flugzeug zuzuschauen.

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Der Coyote "Willi", eine beliebte Pilotenpuppe für den Wingo, war bei Conzelmann als Zubehör erhältlich

Schnell merkten wir Flieger, dass der Wingo ein prima Lastenesel war, vor allem, wenn man den alten Speed 400 durch etwas “Schärferes” ersetzte. Ein kleine “Ritsch-Rartsch-Klick" Kamera, ausgelöst mit aufgeklebtem Servo, machte den Wingo zum Fotoflieger. Eine Maurerschnur am Baldachin machte das Modell zum Schlepper für den Sportwing.


Über den Bodensee

Mit Schwimmern wurde das Modell zum Wasserflugzeug, für viele Modellpiloten eine vollkommen neue Erfahrung. Im Jahr 2000 haben die Wasserflieger um Arnim Selinka mit zwei Wingos den Bodensee überquert. In knapp 40 Minuten flogen zwei Wasserflug-Wingos, begleitet von einem schnellen Boot, von Romanshorn in der Schweiz nach Friedrichshafen. Ein Unternehmen, das nur dank der damals noch in den Kinderschuhen steckenden LiPo-Akkus gelingen konnte.

Ich habe damals den Wingo “missbraucht”, um 2007 erste Erfahrungen mit 2,4 GHz zu machen. Auf der Messe in Sinsheim diskutierte ich mit Mitarbeitern von robbe, ob sich die Technik durchsetzen würde. Auch hier auf :rcn: wurde das Thema leidenschaftlich diskutiert. Am Ende des Gespräches habe ich leihweise eine Futaba T6EX mitgenommen. Die T6EX war die erste 2,4 GHz-Fernsteuerung von Futaba, die bei uns verkauft wurde. Machen sie sich ihr eigenes Bild, sagte man am Stand von robbe.

Das passende Testmodell habe ich gleich am Stand von Freescale, früher Conzelmann, mitgenommen. Es folgte eine unglaubliche Zeit. Die Begeisterung über die tollen Flugeigenschaften des Wingos wurde von den Leistungen des kleinen Futaba-Senders in den Schatten gestellt. Alles, was heute so selbstverständlich ist, habe ich mit dem Wingo entdecken dürfen: Große Reichweite, keine Störungen, kein Warten auf die “Klammer”. Beim Wasserflugtreffen am Grundlsee wurde mir genau erklärt, warum man über Wasser niemals mit Zwo-Vier fliegen könne und alle haben genickt. Bis ich dann mit dem Wingo gestartet bin. Bis weit auf den See bin ich hinaus geflogen, gestiegen, bis der kleinen Parkflyer kaum noch zu sehen war. Ja, ich habe sogar im Flug den Sender aus- und eingeschaltet.

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Der Wingo-Porter war eine Weiterentwicklung des Wingos, speziel für den Lastenabwurf entwickelt (Bild: Archiv Klaus Conzelmann)

Den Sender musste ich zurückgeben, den Wingo durfte ich behalten. Lange Zeit war “Willi” der Coyote mit dem Wingo ein ständiger Begleiter. Im Lauf der Zeit wurden die Macken im Styropor zu viel, war der Bürstenmotor ausgeleiert... ich habe meinen Wingo schließlich verschenkt. “Irgendwann kaufe ich einen Neuen!”

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Irgendwann gab es Freescale nicht mehr. Die meisten Modelle tauchten später im Programm von robbe wieder auf. Einzig der Wingo wurde nicht neu aufgelegt. "Der passt nicht mehr in die Zeit" hieß es damals...Schade.


Er ist wieder da

Doch nun ist er als Wingo 2 wieder da. Zeitgemäß aus EPO, das viel unempfindlicher ist als seinerzeit das Styropor. Alle Holzteile wurden durch Kunststoff-Spritzteile ersetzt, was den Aufbau vereinfacht Mit bürstenlosem LiPo-Antrieb muss sich der Parkpflyer vor modernen Konstruktionen nicht verstecken. Trotzdem ist es der gute alte Wingo von früher. Gut, dass Willi der Coyote mit mir gewartet hat. Auf zu neuen Abenteuern.

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Alle Kunststoffteile des Wingo2 wurden neu entwickelt


Interview mit Klaus Conzelmann

Klaus Conzelmann ist der Mastermind hinter dem Wingo. Zahlreiche Modellflieger haben schon in den 90ern mit dem knuffigen Modell fliegen gelernt. Ursprünglich wurde der Wingo von Conzelmann produziert und direkt vertrieben. Die neue Version wird immer noch in Deutschland hergestellt. Robbe hat, wie für einige andere Modelle von Conzelmann, den Vertrieb übernommen.

Ich habe mit Klaus Conzelmann über die Geschichte des Wingo gesprochen:

Stephan: Hallo Klaus, robbe hat den Wingo wieder ins Programm genommen. Das Modell ist ja quasi ein Urgestein der Parkflyer und hat viel mit Dir zu tun. Wann ist denn damals der erste Wingo geflogen?

Klaus: Ja, das ist wohl wahr. Da muss ich mir, damit ich nichts Falsches sage meinen alten Projektordner hernehmen. Es war bereits 1997 und zwar irgendwann im Frühsommer, nach einem schönen Elektro-Flugtag in Welzheim, nahe Stuttgart, als vier Fliegerkameraden sich danach noch zu einer Vesper im Biergarten verabredeten. Udo Bloch, Norbert Ladenburger, Siegfried Glöckner und ich fachsimpelten, wie es halt unter Modellfliegern so ist, über dies und das. Die einhellige Meinung war, dass es wieder Spaß gemacht hat. Nur waren es wieder die gleichen Leute, die mit uns ein Jahr älter geworden sind. Damals brachte ich meine Beobachtung und Idee zur Sprache, dass uns die Einsteiger fehlen und es toll wäre, wenn wir für diese Gruppe ein einfach zu fliegendes Modell hätten, dass knuffig aussieht. Es würde sicherlich gut ankommen, wenn es so wie ein Ultraleichtflugzeug aussehen würden. Damals kamen ja gerade die ersten aerodynamisch gesteuerten ULs auf den Markt. Na ja, so nahmen dann die Dinge ihren Lauf ...

Stephan: Hast Du denn gleich das Potential des Modells erkannt?

Klaus: Was heißt erkannt? Manche Dinge entwickeln sich einfach durchs Tun, vielleicht gehofft?! Es war ja wirklich ungewöhnlich, aber auch spannend, den traditionellen Weg eines Modellflugzeugs zu verlassen und was völlig Neues zu wagen.

Stephan: Du hast große Erfolge mit dem Wingo gehabt. Wie kam es dazu, dass Du als Modellbauhändler zum Hersteller wurdest?

Klaus: Auch damals stand man schon bei Markenartikeln im gewissen Preiskampf. Zwar war der Markt noch etwas regionaler abgegrenzt, aber die Versender wie Henke und Co. gab es damals auch schon, und die machten uns stationären Händlern zu schaffen. Deshalb suchte ich nach Alleinstellungsmerkmalen mit eigenen Produkten. Aber der Hauptantrieb war, Neueinsteiger für das schöne Modellbau-Hobby zu gewinnen.

Stephan: Das Schäumen von Modellflugzeugen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so weit entwickelt. Woher kam das Knowhow, Flugzeugteile zu schäumen?

Klaus: Na ja, der Wingo war nicht das erste Produkt aus Schaum, die ersten Erfahrungen machte ich mit der ME 163, deren Prototyp mir Udo Bloch als geschnittenes EPS (Styropor) lieferte. Dafür haben wir schon ein paar Jahre früher ein Alu-Formwerkzeug, damals noch im Sandguss-Verfahren hergestellt, fertigen lassen. Da ich jedoch zu dieser Zeit mit unserem Einzelhandelsgeschäft viel zu tun hatte, habe ich Klaus Westerteicher die Form verkauft.

Stephan: Ja, von der Me habe ich auch einige verschlissen... Der Wingo war nicht nur in Deutschland ein großer Erfolg, stimmt es, dass das Modell auch in USA sehr beliebt war?

Klaus: Ja das stimmt, aber auch hier fing es zunächst ganz klein an. Ein befreundeter ehemaliger robbe-Vertreter riet mir, nicht direkt den ausländischen Markt anzugehen, um keine Zahlungsausfälle zu riskieren. Mit Franz Kavan fand ich damals einen guten Vertreiber, dem ich das Exportgeschäft anvertraute. Wie ich erst später erfahren habe, ist David Martin, der Mann von Franz Kavans Tochter, der Sohn des Hobby-Lobby Gründers Jim Martin.

Das war eine glückliche Fügung. Aber David musste seinen Vater zunächst überreden, dass er doch wenigstens mal vier Wingos nehmen solle. Denn Jim sagte ihm, als der den Wingo am Messestand hängen sah, folgendes: „ What kind of man is this who made this model, is he crazy?” (Was für ein Mann ist das, der dieses Modell gemacht hat, ist der verrückt?)

Auf jeden Fall hat er dann, als er einen Wingo einem Tester gegeben hat und der begeistert von den guten Flugeigenschaften war, seine Meinung rasch geändert. Bereits nach zwei Jahren erfolgreichem Verkauf sagte mir Jim auf der Spielwarenmesse, dass er in seinem langen Modellbauer-Leben bestimmt über 200 verschiedene Modelle im Sortiment hatte und der Wingo zu seinen vier am besten fliegenden Modellen gehört.

Na, ist lange her aber es war eine tolle, aufregende und erfolgreiche Zeit.


Stephan: Der aktuelle Wingo ist ein ganz modernes Modell. EPP und Kohlefaser bestimmen den Aufbau. Wieviel “alter Wingo” steckt in dem neuen Modell und wo hast Du Verbesserungen einfließen lassen?

Klaus: Gleich mal vorab, er ist aus EPO-Schaum, EPP ist für große RC-Modelle zu flexibel, jedoch für Wurfgleiter für Kinder ein hervorragendes Material. Auch das frühere Kohlefaser-Rohr für die alte Gummi-Flächenbefestigung gibt es nicht mehr. Im Grunde sind nur noch die Rumpfschaumteile, die Tragfläche, die Fahrwerksachse und der Leitwerksstab aus Aluminium gleich, alles andere ist neu.

Oft wurde ich von Endkunden und teilweise auch von Händlern auf den Wingo angesprochen: „Wann bringt Ihr den Wingo wieder?“ Der Hauptgrund, es nicht zu tun war, dass der Wingo einfach zu viele Kleinteile hatte, um ihn gegenüber anderen Einsteigermodellen zu akzeptablem Preis fertigen zu können.

Erst jetzt, mit der neuen Mannschaft, die hinter der Marke robbe steht, machte es Sinn, sich Gedanken zu machen, wie der neue Wingo ausgestattet sein müsste, um bei den Kunden die Erwartungen zu erfüllen.

Angefangen hat es damit, dass wir den kleinen ehemaligen Graupner Hochstart-Haken nur bei einer Abnahme von 50.000 Stück uns neu machen lassen hätten können, weil den letztes Jahr Graupner schon nicht mehr im Programm führte, was bei allem Optimismus wohl doch eine unrealistisch Menge gewesen wäre.

Das war der Auslöser, jedes einzelne Bauteil auf den Prüfstand zu stellen, gemäß unserem Anspruch: „Eine Entwicklung ist erst gut, wenn man nichts mehr weglassen kann“

Es ist mir wichtig, in diesem Zusammenhang festzustellen, dass ich beim Wingo2 zwar die treibende Kraft im Hintergrund bin, aber ohne das langjährige Netzwerk von Spezialisten wie beispielsweise Stephan P., der nicht nur ein guter CAD-Mann, sondern auch ein erfahrener Modellflieger ist, wären sehr wahrscheinlich die guten Kunststoff-Spritzteile in dieser Ausführung nicht entstanden.

Es ist eben eine Team-Leistung, bei der ich zwar den Hut auf habe, aber im Grunde nur ein kleiner Dirigent bin, der versucht, das ganze Orchester, dass für so ein Projekt nötig ist, im Takt zu halten. Ich bin froh, dass ich diese Menschen im Team habe, und bin sehr dankbar dafür.

Stephan: Was ist nun konkret neu?

Klaus: Alle bisherigen Holzteile wurden durch Kunststoff-Spritzteile ersetzt. Die Tragfläche wird jetzt mit einer zentralen M5-Kunststoffschraube am Rumpfdom verschraubt. Außerdem wird der Rumpfdom mit einem Kunststoff-Spritzteil verklebt, in dem die Befestigungsmutter integriert ist.

Die Flächenstrebe ist jetzt eine Gewinde-Z-Stange mit Gabelkopf zum Einklipsen an der Kunststoff-Strebenplatte an der Flächenunterseite. Die Fahrwerkshalterung ist nun als Kunststoff-Fertigteil mit integrierter Flächenstreben-Aufnahme ausgebildet. Dabei wird der Fahrwerksdraht jetzt durch seitliche Laschen gehalten und kann jetzt federn.

Eine der wichtigsten Neuerungen: Die kompletten Brushless-Antriebskomponenten sind mit passenden Kabellängen und verpolungssicherem Stecker verlötet. „Plug and play“. Ideal für Einsteiger! Das ist durchgängig, und wurde konsequent beim Zubehör wie z. B. bei den Lipo-Akkus und dem Ladekabel weitergeführt.

Was auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennen ist, dass sämtliche Schaumwerkzeuge überarbeitet und modifiziert wurden, um den „großperligen“ EPO-Schaum verarbeiten zu können.

Stephan: Vielen Dank Klaus für die interessante Einblicke hinter die Kulissen.


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Klaus Conzelmann fliegt den Prototyp des Wingo2


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Eine klasse Bauanleitung mit über 100 Baustufenfotos ist Bestandteil des Bausatzes

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Der Antrieb (ohne Akku) liegt dem Kit bei, alle Stecker sind verlötet. Bei der PNP Version sind Motor und Regler eingebaut.

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Auch die Servos enthält der Bausatz

Der neue Wingo2 ist als Bausatz und PNP-Version erhältlich.

Wie man auf den Bildern sieht, habe ich bereits einen Bausatz des Wingos in meiner Werkstatt. Videokamera und Fotoapparat liegen bereit, ich freue mich schon auf den Zusammenbau.
Zum Bau- und Flugbericht im :rcn:-MAGAZIN.

Vorher möchte ich aber wissen, was Ihr so alles mit dem Wingo erlebt habt. Habt Ihr auch geschleppt, wart Ihr am Grundlsee dabei? Schreibt Eure Geschichten doch in die Kommentare. Ich bin gespannt, was ihr berichten könnt.
 

Kommentare

Das ist mal ein richtig schöner Beitrag aus Magazin und Forum der einen mit etwas Wehmut an die schöne Anfänge mit dem Wingo und den Conzelmann Modellen zurückblicken lässt.

Ich habe meinen Original Wingo (natürlich auch den Coyoten) immer noch flugfertig (inzwischen mit Beleuchtung)

Die Anfänge meiner Modellfliegerei damit bleiben auf immer unvergessen.

Mir fehlt in der Aufzählung noch die Partenavia, das optisch schönste Modell der Conzelman Serie. Und für die damalige Ausrüstung mit 10 NICd Zellen und 2 Speed 480 auch großartigen Fugleistungen. Habe ich auch noch und wird jetzt mit Lipo noch mal rausgeholt. Das Brummen der beiden Günther Flugpiel Propeller ist einfach Nostalgie pur.

Herr Conzelmann für Wingo und Partenavia auch nach vielen Jahren noch mal ein großes Lob und Dankeschön.

Grüße Florian
 
Ich konnte es eben ja fast nicht glauben. Nach einer längeren gesundheitlich und Umstände bedingten Pause , lese ich gerade das es den Wingo wieder geben wird..... ?! Wie geil ist das denn bitte ? Willy sitzt immer noch auf dem Regal und freut sich wieder ins Cockpit zu dürfen. Wenn jetzt evntl. noch die Partenavia in EPO neu aufgelegt würde , na dann wäre mein Wiedereinstieg perfekt , denn ich denke EPO als Werkstoff würde der Parte gut zu Gesichte stehen🤘✌👍
 

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