Zurück zu den Wurzeln
von Andreas Hanisch.
von Andreas Hanisch.
Früher war alles besser. Aber mal ehrlich, es kommt doch darauf an.
Gern möchte ich euch auf eine Zeitreise mitnehmen. Eine Reise in die Vergangenheit und wie ich das Schöne von früher wieder habe aufleben lassen. Meine Hobby-Leidenschaft gilt dem RC-Car-Rennen. Wie es dazu kam? Das ist eine lange Geschichte. Ich habe die mal etwas gekürzt.
Ich habe, als ich noch kleiner war, immer mal ein Spielzeug-Modell mit Fernsteuerung von Nikko, oder was es damals noch gab, gehabt. Die gab es dann meistens zu Weihnachten. Und die wurden gefahren bis zum abwinken. Das war "Romantik pur". Da gab es mal einen Buggy der ging wie die Hölle mit Turbo-Gang am Sender und schaltbarem Zweigang-Getriebe, den Taiyo Black Rider.
Dann hatte ich auch mal einen Jeep Renegade (New Bright Jeep Renegade) in grün mit goldenen Felgen:
Später dann mal einen weißen Truck mit SuperMegaSpoiler, Sound und Zündschlüssel in weiß (Bild habe ich nur in schwarz gefunden,
Einer in meiner Klasse, der kannte sich mit Tamiya-Modellen gut aus, hatte sich mal einen Tamiya Grasshopper I gekauft. Für mich war das damals bei einer kleinen Vorführung der Inbegriff von Speed. Danke dafür, Christian.
Es vergingen einige Jahre!
Ich habe, nachdem mich mein Kumpel 1996 mit einem Kyosho-Katalog
ganz heiß gemacht hat, mir damals einen Pure Ten Verbrenner gekauft. Danke dafür, Hilde. Der war aber so mager ausgestattet, dass ich den Bausatz voller Enttäuschung wieder zurück geschickt habe. Der Kommentar von meiner Mutter: Was, so eine dünne Karosse? Die bricht doch schon beim anfassen, der ist sein Geld nicht wert. Sorry, es war Lexan und mir fehlten die Argumente.
Monate des Lesens in der "amt" waren vergangen, als ich mir damals einen Jamara Stadium-Truck gekauft habe. Dazu einen OS Max 21 RGP-x ABC Motor. Erkenntnis: Offroad fetzt. Ich habe aber damals, 1997, vor dem Motor so viel Schiss gehabt (ja, das war kein Respekt mehr, das war pure Angst) dass ich den Truck nicht mal eingefahren habe. Heute steht er immer noch bei mir und sammelt Staub.
Nun gut, damals war das Fieber ausgebrochen. Das war auch nicht mehr zu stoppen. Es folgten Jahre des Schweigens, als ich nichts mehr mit Modellbau zu tun hatte. Irgendwann habe ich mal bei ebay einen Pure Ten FW-05S günstig gekauft. Da war es dann wieder, das Nitro-Fieber.
Da ging das Sammeln los. Ich habe von Kyosho mehrere Modelle, teilweise neu, viele aus den 90er Jahren, ersteigert und mir so eine kleine Sammlung aufgebaut. Da sind zum Beispiel dabei:
- USA1 Nitro Crusher neu komplett
- F-Ten Verbrenner Formel neu komplett
- Vorgänger vom GP10 Chassis neu komplett
- Super Ten FW-03 wenige Tankfüllungen gelaufen
- drei SuperTen FW-04, alle damals neu und komplett, zwei davon in limitierter Sonderauflage
- FW-05S mit Tuningteilen gebraucht
- FW-05R neu mit OSmax 12 TZ-P T3 Motor und viel Schnickschnack (nicht mal einen halben Liter gelaufen, also noch fast unberührt)
Hm, gar kein Offroad dabei. Offroadmodelle waren für mich nur mit Verbrennungsmotor akzeptabel. Die konnte ich bei mir nicht fahren. Also weiterhin kein Offroad.
Keine Ahnung, wie ich dazu gekommen bin. Ich habe damals bei meinem Händler (ich war ein sehr sehr treuer und wirklich guter Kunde) ein paar Leute kennengelernt, mit denen wir uns auch mal zu einem kleinen Treffen verabredet haben. Erst sind wir Verbrenner gefahren. Dann haben wir zu Tagen der offenen Tür usw. ein paar kleine Vorführungen gemacht .
Auch zu Stadtfesten wurden wir immer angefragt, ob wir was vorführen könnten. Das gab es dann auch mit HPI Savage und anderen Monstertrucks sowie Fighter-Buggies für die Besucher.
Igendwann haben wir zu Messeveranstaltungen für die kleinen Besucher von Modellbaufirmen Autos angefordert und sind dann mit MiniMadness von Krick oder später dann den Asso ZT-2 oder auch dem Monstertruck davon für die kleinen Messebesucher kostenlos da gewesen. Gott was war das für ein Strahlen in den Augen. Da hat sich alles gelohnt. Wir haben extra Hindernis-Parcours aufgebaut mit Wippe, Slalom, Garten-Palisaden und so weiter. Dann gab es immer Zeit-Fahren mit Siegerehrung, Verteilung von Präsenten an die Kleinen, Urkunden und allem drum und dran.
Die Show wurde dann auch immer mal im Kinderheim in der Stadt durchgeführt, da war ich aber nicht dabei. Mein damaliger Fahr-Kumpel erklärte mir dann, dass ihm die Kiddis den Finger so gequetscht hätten, als er immer das Gas begrenzen wollte, dass dieser dick und blau war zum Schluss. Aber die haben sich wirklich mal gefreut.
Dieses soziale Engagement ist dann immer weiter zurück gegangen, man hat ja dabei nichts verdient. Zum Schluss sollten die Kiddis für die Fahrten bezahlen und alles wandelte sich stark in Werbung und so weiter. Heute verstehe ich das irgendwie. Aber der Spaß litt so darunter, dass sich das alles nur noch in einem überschaubaren Rahmen bewegte. Ich bin dann ausgestiegen.
Naja, mit dem Kumpel dann mal einfach einen Elektro-1:10er gekauft. Es war ein TT-01 von Tamiya. Er hat sich dann einen Sprint 2 gekauft. Dann kam noch einer dazu mit einem TT-01 und so waren wir dann schließlich mehrere Fahrer. Da haben wir auf einem großen Platz mit Straßenmalkreide kleine Parcours aufgemalt und sind dann Just 4 Fun gefahren. Wir standen auf Paletten als Fahrerstand. Das war ein Spaß. Unglaublich.
Es war Anfang 2007, da kam uns der Gedanke, angeheizt von unserem Händler, mal eine HPI Challenge mitzufahren. Mein Kumpel gleich, ich fahr doch keinen 23 Turn Brushed-Motor, sondern gleich 17 Turn mit. Tante, bestell mir mal nen Starterset.
Gut, dann machte ich mich auf die Suche nach einem Rennchassis. Ich habe mir damals das Tamiya TB EVO 3 gekauft. Da war eine Kardanwelle drin und alles aus Kohlefaser. Da dachte ich, dass ich den Jungs mit den Riemen-Chassis um die Ohren fahre. Ich bin eben so ein kleiner Theoretiker.
Gesagt, getan: Ich kaufte gleich noch einen TB EVO als Ersatz. In der Nacht von Freitag auf Samstag habe ich dann Panik bekommen. Bis um 4 Uhr am Samstagmorgen habe ich alle Kugellager ausgebaut und mit Bremsenreiniger entfettet. Dabei bin ich beim Festziehen vom Radmutter-Sechskant abgerutscht und habe mit dem verölten Gasfinger der linken Hand in den Dreck gestochen. Ich habe irgendwie ein Heftpflaster drauf gemacht, alles zusammengepackt und dann versucht, wenigstens zwei Stunden zu schlafen. Wir mussten natürlich am Samstag anreisen, um etwas vom Training zu haben. Keiner von uns war jemals zuvor auf einer Rennstrecke. Mir kommen gerade die Tränen vor Lachen und ich habe wieder dieses mulmige Gefühl von damals. Schnief ... Was haben wir uns damals nur gedacht?
Um 8 Uhr morgens ging es los in Richtung Leipzig. Auf der Hinfahrt sind wir noch geblitzt worden und ich habe meinen ersten Punkt in Flensburg für besondere Blödheit kassiert. Unterwegs haben wir schön Mittag gemacht. Zumindest waren die Bratkartoffeln genießbar.
Nun gut, wir waren angekommen und machten uns ans Auspacken. Wir bekamen Panik, als wir die für unsere Begriffe schnellen Jungs sahen. Wir wussten ja bis dahin nicht, dass die richtig schnellen Jungs erst noch kommen würden.
Also ran an die Karren und geschraubt. Ach ja, beinahe hätte ich vergessen, dass ich vor dem Kugellager-Exzess noch meine Akkus von Stickpack auf Side-by-Side umgelötet bzw. die ersten überhaupt zusammengefügt habe. Es waren VTEC 4200er Big Mama. Ich hatte doch von Löten keine Ahnung.
Beim Schrauben an den Autos habe ich dann auch noch den Minuspol vom Motor abgebrochen. Ich hatte keinen Lötkolben dabei und dachte damals, einmal gelötet hält das für die Ewigkeit. Ich wusste damals noch nicht, was eine kalte Lötstelle ist. Mensch, war ich doch blöd!
Nun ja, die Leipziger Jungs hatten einen schönen Lötkolben und damit habe ich alles wieder zusammengepappt. Es war einfach nichts anderes.
Während mein Kumpel vor Selbstvertrauen strotzend schon auf dem Fahrerstand war, Ping-Pong mit seinem Auto spielte und das noch lustig fand, schwanden bei mir alle Hoffnungen. An Spaß war da nicht zu denken. Ich beschloss, ihn nicht mehr zu kennen. Das war mir sehr peinlich.
Ich traute mich auf die Piste und gab langsam Gas, auch mal mehr auf der Geraden. Bummmms, eingeschlagen. Klingt komisch, aber erst mal aufhören. Uiuiuiuiuiuiuiui, hat der 17. Turn eine Power. Gut, nein, schlecht, ich habe keine Runde hinbekommen. Und trotzdem habe ich mich zusammengerissen. Mann, mit 3 Metern Breite ist die Strecke doch eng!
Gut, was war los? Ach Mist! Das Kegelrad ist zerböselt. Heute weiß ich, dass das Spiel nicht gestimmt hat. Wie gesagt, heute weiß ich das.
Okay, du hast 100 Kilo Werkzeug und ein Ersatzauto dabei. Das Ersatzauto habe ich auseinandergebaut. Ich habe das Kegelrad ausgetauscht und alles wieder zusammengebaut. Die Hauptwelle hat ganz schön axiales Spiel. Mir ist das aufgefallen, aber bis heute weiß ich nicht, was da wirklich los war. Na ja, ich bin einfach weitergefahren. Was heißt hier „weitergefahren”? Einen neuen Versuch gestartet trifft es wohl eher. Nun verabschiedete sich das Kegelrad bereits während der Fahrt. Nachdem ich alle, die ich hatte, aufgebraucht hatte, musste ich aufgeben. Denn es fuhr keiner weiter mit einem Tamiya TB EVO 3. Na, schönen Dank auch. Rennen gelaufen.
Das muss eine besonders schlechte Erinnerung sein, denn an das Rennen am Sonntag kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. So sehr habe ich mich selten blamiert.
Inzwischen sind ein paar Monate vergangen und ich bin schlauer geworden. Es hat mich einiges an Geld, vor allem aber an Nerven und Zeit gekostet. Wie froh wäre ich gewesen, wenn mich jemand bei meinem Einstieg in die Rennszene begleitet hätte.
Ich bin dann meine beiden Tamiyas losgeworden und habe mir von dem Geld einen schwarzen HB Cyclone gekauft. Ein Riemenchassis. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Der ging so gut. Er war so gut, dass ich beim nächsten Rennen in Leipzig gleich Platz 12 von 21 erreicht habe. Aber nicht in der 17er-, sondern in der 23er-Klasse. Das einzige Tuning war eine Veränderung des Roll-Centers. Und ich war happy!
Nach ein paar erfolgreichen Rennen, bei denen ich manchmal sogar auf dem Podest stand (nur, weil die guten Fahrer an dem Tag zu Hause geblieben waren oder einfach mal Pech hatten), und vielen guten Zeiten, flachte das alles ab. Die Knie zitterten nicht mehr auf dem Fahrerstand und es kam mehr Hektik ins Spiel. Dann ging es los mit den ständigen Reglementsänderungen, ständig neue Akkus und neue Regler zu Preisen, für die ich mir locker ein Ersatzauto hätte kaufen können. Das wurde mir einfach zu viel. Viel zu viel.
Ich fuhr mein Material so lange, bis ich merkte, dass meine Akkus nicht mehr so wollten, wie ich es wollte. Und das kurz nach Beginn des Rennens. Ich stand also vor der Entscheidung: Entweder ich investiere viel, oder ich höre erst einmal auf. Ich habe das Hobby wirklich aufgegeben. Ich bin keine Rennen mehr gefahren. Meine Wettbewerbs-Glattbahner habe ich alle verkauft. Einzig das Video von der WM 2006 mit dem Sieger Andy Moore habe ich als meinen „Leitfilm” behalten. Ja, Andy Moore war damals ein echter Held für mich, denn er fuhr mit einem ähnlichen Auto den WM-Titel ein.
Ich erinnerte mich an die Zeit zurück, als ich noch Spaß an meinem Hobby hatte. Was war damals anders? Was hat den Wert für mich ausgemacht, sodass ich manchmal vor Lachen gekrümmt an der Strecke stand, wenn wir über die mit Straßenkreide gezogenen Streckenmarkierungen fuhren? Das waren Zeiten ... Es war die Unbeschwertheit und das Zusammensein mit guten und interessanten Leuten. Es gab keinen Druck, außer dem im Akku – und manchmal nicht einmal den.
Ich habe mich dann im Jahr 2008 entschieden, mir die Geschichte mit dem Offroad durch den Kopf gehen zu lassen, da ich damals mit dem Spielzeug-RC-Buggy wunderbare Spuren im Sand hinterlassen konnte. Huch, zufällig gab es da mal eine Zeitung namens Racer, die ich immer verschlungen habe. Die Artikel darin konnte ich fast auswendig, so oft habe ich sie gelesen. Ich trauere ihr heute noch hinterher.
Zurück zum Thema.
Darin stand, dass im Offroad-Bereich seit Jahren die gleichen Autos gefahren werden. Es gab nicht ständig neue Autos oder superduper Tuning-Bling-Bling beim Offroad. Okay, okay, überredet.
Ich kaufte mir – ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit ich wirklich in die Suche, das Stöbern und das Vergleichen von Buggys gesteckt habe – dann den Associated B44 neu. Das war mein Wagen.
Ich fuhr dann nach Rudolstadt auf die traditionsreiche Offroad-Strecke. Anfangs habe ich mir beim Zusammenbau viel Zeit gelassen, weil ich das sehr ernst nehme und es genau machen möchte. Als ich dann endlich zum Fahren kam, war die Outdoor-Saison leider schon zu Ende. Daran hatte ich vorher nie einen Gedanken verschwendet.
Na ja, ich habe den Buggy eingepackt und irgendwann wieder herausgeholt.
Wir sind damals nur zu zweit gefahren. Ich bin gegen einen Losi XX-4 gefahren, den Micha jahrelang auf die Bahn abgestimmt hat. Die Faszination für die Elektro-Offroader war ungebrochen.
In den nächsten Jahren folgten viele Offroad-Rennen in den Kategorien 1:10 Elektro, 1:8 Elektro, 1:8 Verbrenner Truggy sowie viele Buggy-Rennen und zahlreiche weitere Renngeschichten. Das würde hier den Rahmen sprengen, daher werde ich an dieser Stelle abkürzen.
Hier ist eine kleine Sammlung von Rennen, die ich besucht, organisiert oder geleitet habe. Teilweise waren es auch Deutsche Meisterschaften, bei denen ich als Zeitnehmer tätig war. Wer mag, kann sich gern durch die Bilderserien und Rennberichte klicken. Einige der Artikel habe ich auch selbst geschrieben.
https://mikanews.de/?s=andreas+hanisch
Hier ein Videoauszug: Mein erstes 1:8 Elektro Brushless Buggy Rennen auf der Intermodellbau in Dortmund 2013 mit Platz 5 von 30.
Das Ganze betrachte ich als meine Wurzeln. Gefahren mit NiMH-Akkus, die auf Temperatur geladen werden mussten. Gepaart mit Bürstenmotoren, die wir getuned haben. Genau hier wird es in der Fortsetzung weitergehen...
Die BÜCHSE der Pandora - Teil 2
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