eigenbau: verhältnisse ok?

Hallo Leute,
ich bin völlig neu im RC bereich, aber ich baue und vorallem plane jetzt schon seit längerem an meinem ersten, selbstentworfenem rc-segelboot. Zur Zeit bin ich dabei für den Rumpf ein passendes Rigg und segel zu finden.

Da hier ja doch einige schon mehr Erfahrung mit segelbooten dieser größe haben, möchte ich euch bitten mir doch einmal eure meinung zu dem entwurf zu sagen.

Zur veranschaulichung 2 bilder.
Wie sieht's aus mit dem verhältniss Großsegel/genua? und überhaupt segelfläche/masthöhe zu dem Rumpf?

der kiel wird später noch kommen.. jenachdem wieviel gewicht ich verwenden kann..

boot.JPG

bootreal.JPG


vielen dank schonmal für jedes kommentar :)
 
ein achterstag ist nicht vorgesehen. und da die sonst üblichen backstagen schwer möglich sind, hatte ich vor sehr stark angefeilte salinge zu verwenden sodass die wanten deutlich hinter dem mast verlaufen.

aber ich weiß halt nicht ob die segelflächen von größe überhaupt hinkommen.
 
Moin Daniel

Ich glaube, daß Du grundlegend Probleme bekommen wirst, in dein Modell akzeptable Segeleigenschaften "einzubauen". Wenn ich mir die Zeichnung über dem Photo anschaue, dann wird das Modell ja lediglich 42cm lang. Das reicht eigentlich nur für ein Standmodell.

Zur Segelproblematik:

Durch die starke Achterlieksrundung beim Großsegel ist die Verwendung eines Achterstages unmöglich. Die von Dir montierte Salingspfeilung (wie im Photo ersichtlich), wird aber wohl nicht ausreichen dem Mast genügend Steifigkeit nach Achtern zu verleihen. Hier müßte eine wesentlich größere Pfeilung verwendet werden, was sich jedoch auf Kursen mit achterlichem Wind nachteilig auswirkt. Um eine ungewollte Mastbiegung möglichst zu unterbinden, wirst Du des Weiteren kaum umhinkommen einen recht steifen Mast (Eigenstabilität) zu verwenden, der allerdings auch Gewicht nach Oben verlagert, welches Du durch entsprechende Gegenmaßnahmen am Kiel ( Gewicht oder Flossenlänge) ausgleichen mußt.

Auf dem Photo ersehe ich des Weiteren, daß Du beim Vorsegel eine Überlappung des Mastes vorgesehen hast. Derartiges verlagt eine zweite Segelwinde, da solche Segelgrößen nur Mittels zweier Vorsegelschoten gesteuert werden können. Eine sog. Genuasteuerung wird sich, wegen räumlicher Enge im Rumpf, wohl eher nicht verwirklichen lassen.

Mein Tipp:

Baue den Rumpf in mindesten doppelter Größe, verzichte auf überlappendes Vorsegel und großer Rundung des Großsegelachterlieks, dann sieht die Geschichte schon etwas realistischer aus.

Viele Grüße
Joachim
 
Hallo Daniel,

Joachim hat recht. Die Segeleigenschaften sind schon deutlich von der Grösse des Bootes abhängig. Für einen kleinen Teich sollte der Rumpf trotzdem gehen. Bei der Größe solltest Du aber alles was Gewicht bringt weglassen. Also immer erst wiegen und dann einbauen. Auch zu den Segeln kann ich mich Joachim nur anschließen. Auch wenn das nicht scale ist, baue die Fock ohne Überlappung und mit Baum.
Bei ausreichend Maststeifigkeit würde ich auch die Wanten weglassen und nur ein Achtestag verwenden. Ansonsten teste auch mal Holz für Mast und Bäume. Das ist zum Teil noch leichter als CFK und bei der Größe sollte das locker gehen.
Was willst du denn als Segelmaterial verwenden? Ich rate dir zu farbiger Geschenkfolie. Ist leicht und billig.
Die große Achterliekrundung bringt auch viel Krängung, die durch Kielewicht oder Kiellänge ausgeglichen werden muss, und beide bremsen. Dann lieber ein kleineres Großsegel mit besseren und gutmütigeren Segeleigenschaften.
Ziel sollte es sein, ein leichtes und neutral segelndes Boot für einen möglichst großen Windbereich zu haben, sonst ist man schnell gefrustet, wenn das Boot bei zunehmenden Wind nicht mehr zu kontrollieren ist.

Schöne Grüsse von der Spree
Mario
 
Hallo Daniel,

für mich sieht es aus, als ob du mehr ein optisches Muster vorgelegt hast, die Fock brauchst du tatsächlich nicht einmal zu testen, so wie sie abgebildet ist. Allerdings besteht für dein Rumpfkonzept vielleicht noch eine alternative Lösung. Wenn du das Rick etwas verkleinerst, so leicht wie es nur geht baust, dann könnte die Länge deines Rumpfes einen Kimmkiel vertragen. Je nach modellierung kommt dein Bötchen dann bei wenig Wind, wofür es durchaus am ehesten geeignet ist, ins gleiten.

Kimmkielkonzept wird hervorragend auf folgender Seite erkläutert!!!

http://www.vision-stoeberl.de/

Beste Grüße
Armin
 
Kielkonzept

Kielkonzept

Hallo Arnim,

ein interessantes Kielkonzept. Es ist jedoch mit einem erheblichen Bauaufwand verbunden und bei einem 50 cm-Boot ohne Regattaambitionen sicher etwas overdressed. Auch ein wichtiges Ziel dieses Kiels, die Verringerung des Tiefgangs, ist bei den meisten Modellbooten nicht ganz so wichtig, obwohl 70 cm bei einem M-Boot schon zu etlichen Problemen beim Zuwasserlassen führen.
Ein direkter Vergleich mit ansonsten gleichen Booten, wäre aber sicher interessant. Insbesondere die Höhe am Wind und wie schnell Gleitfahrt erreicht werden kann.
Für Reagattaboote ist dies aber nur bei offenen Klassenregeln wie zum Beispiel bei der RG-65 (www.rg65.de) möglich.

Schöne Grüsse von der Spree
Mario
 
Ob die Verhältnisse in Ordnung sind bei diesem Entwurf ist so einfach nicht zu sagen.
Neben den angesprochenen praktischen Problemen bei den Segeln solltest du folgendes beachten:
Der Volumenschwerpunkt des Rumpfes muss auf der gleichen Länge liegen wie der Gewichtsschwerpunkt des gesamten Boots. Das ist kein theoretisches Ideal, sondern genau so wird das Schiff später schwimmen. Und wenn das nicht stimmt, schwimmt es schief. Das sollte man aus dem Grund von vorn herein im Auge behalten, dass die Längenkoordinate des Flächenschwerpunkts der Segel etwa (Faustregel) 5% Länge Wasserlinie hinter dem Flächenschwerpunkt der Lateralfläche liegen sollte. Lateralfläche ist die Fläche, die man sieht, wenn man von der Seite auf das Schiff guckt und die unter Wasser liegt. Diese Anordnung bewirkt, dass das Boot leicht luvgierig ist - oder sein sollte.
Die Lateralfläche wird jedoch entscheidend vom Kiel beeinflusst. Und bei einem Segler hängt nun mal auch ein großer Teil des Gewichts am Kiel. Und das muss dann eben aufeinander abgestimmt sein.
Der Rumpf sieht ja so aus, als ob er mit irgend einem CAD-System gezeichnet wurde. Ist das so, hast du dort wahrscheinlich die Möglichkeit, Volumen- und Flächenschwerpunkte anzeigen zu lassen. Wenn es nicht direkt geht, kann auch tricksen, indem man z.B. die Seitenansicht als Fläche malt und den Flächenschwerpunkt nimmt.
Wenn du das berücksichtigst, solltest du selber in der Lage sein, zu beurteilen, ob die Verhältnisse okay sind.
Übrig bleiben dann die angesprochenen praktischen Probleme.
Darüber hinaus, ist bei der Wirksamkeit eines Profils auch die Streckung von Bedeutung. Soll in diesem Fall heißen: Es lohnt sich nur bedingt, das Segel immer länger zu machen, da es dadurch quasi schlechter wird. Wenn du unbedingt so viel Segelfläche fahren willst, dann wäre es wohl besser, das Segel höher zu machen.
 
vielen dank erstmal für deine ausführliche antwort. Ich habe schon gleich mal den erhofften wasserpass eingezeichnet und mit der benetzten fläche rumgespielt..

Der Volumenschwerpunkt des Rumpfes muss auf der gleichen Länge liegen wie der Gewichtsschwerpunkt des gesamten Boots.

So etwas hatte mir auch schon ein amerikanischer "naval architect" erklären wollen..
Nur weiß ich leider noch nichts genaueres über den gewichtsschwerpunkt, bis ich das boot fertiggestellt habe.. aber man müsste den gewichtsschwerpunkt ja etwas beeinflussen können beim bau.. also ist das kein problem.

aber wie findet man den volumenschwerpunkt? der bezieht sich ja nur auf die fläche unterhalb der wasserlinie.. und die ändert sich ja mit dem gewicht..
und da dieser rumpf ja doch etwas komlizierter als ein zylinder ist, wenn man ihn tiefer eintaucht, ändert sich mit dem gewicht auch der volumenschwerpunkt, oder?
hm.. dann bräucht ich jetzt wohl am besten ein gutes computerprogramm, um mir solche daten errechnen zu lassen..
(richtig lustig wirds ja bestimmt noch, wenn ich dann versuche, aussagen über den lateralschwerpunkt und vorallem den volumschwerpunkt bei schräglage zu machen, um etwas über die luv-/leegierigkeit bei schräglage sagen zu können:(..)

Die Lateralfläche wird jedoch entscheidend vom Kiel beeinflusst. Und bei einem Segler hängt nun mal auch ein großer Teil des Gewichts am Kiel. Und das muss dann eben aufeinander abgestimmt sein.
wäre es da irgendwie sinnvoll den kiel auf auf einer schiene verschiebbar zu montieren um noch trimmen zu können? oder reicht es da, mit den segeln und dem mast zu trimmen?

eigentlich hatte ich sowieso vor, ein boot zu bauen, das sich von sich aus möglichst neutral verhält und nur durch den trimm auf den wind zur kursstabilisierung einzustellen..
aber ich denke mittlerweile, dass es wohl kaum möglich sein wird, ein rc boot an land schon neutral zu trimmen, damit es zumindest an der kreuz ohne ruderdruck läuft.. (is ja schon auf 20m booten schwer ;))

aber zumindest weiß ich jetzt, worauf ich bei der gewichtsverteilung achten muss.

jetzt ist erstmal wieder zeit zum basteln
 
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