F3K Rumpf in Positivbauweise - Baubericht

dodo

User
Hallo Allerseits,

Ich habe vor ein Paar Monaten spontan mein erstes nicht-Depron Modell gebaut, einen RCN09. Das gute Stück fliegt, ist aber nicht sonderlich schön anzusehen und verdammt schwer (ca 350g Abfluggewicht ). Der Rumpf wurde dabei, wie von Jan Henning im rcn09 Rumpfthread dokumentiert mittels "Kondomtechnik" gebaut. Einfach eine Rumpfkeule aus Styrodur mit GFK überzogen und mit Kondom und Videoband angepresst. Schlussendlich das Styrodur mit Aceton ausgelöst. Die Flächenauflage wird dabei nachträglich ausgeschnitten.

Nun sollte ein neuer, etwas ansehnlicherer Rumpf her. Obwohl ich weiss dass mit zunehmenden Ansprüchen nichts an einer Negativform vorbeiführen wird wollte ich das Ganze noch einmal in Positivbauweise testen. Grund dafür war neben dem Budget auch die anstehende Klausurenphase, welche dieses Semester besonders spassig ausfällt. Da ist der Bau eines Urmodells und einer Negativform einfach zu viel Zeitaufwand und Ablenkung. Idee war ein vom Snipe inspirierter Rumpf mit Abziehhaube und angeformter Flächenauflage. Da die Positivbauweise, wenn auch nicht optimal, denke ich für die ersten Modelle bei begrenztem Budget oder zum "Reinschnuppern" eine gute Alternative darstellt dachte ich ich dokumentiere den Bau hier für mögliche Nachahmer ;)

Falls es für das was ich gemacht habe mittlerweile viel ausgefeiltere Techniken gibt lasst es mich wissen, mein Informationsstand ist der des RCN09 Threads :D

_____________________________________________________________________________


Los geht es mit einem Leitwerksträger, dieser wurde aus 80g UD Carbon um einen Golfschläger gewickelt. Der Golfschläger wird vorher mit dem Heissluftföhn erhitzt und mit Kerzenwachs beschichtet. Nach dem härten wird das Rohr erhitzt und der Leitwerksträger lässt sich entspannt abziehen. Umwickelt/Angepresst wurde mit VHS Videoband.

Aufbau:
2.2x Umfang 80g/m² UD
3x Umfang 25g/m2 Glas

(ist etwas weich, nächstes mal lieber ~3x Carbon)

IMG_20180809_130622_1920x1080.jpg

Als Nächstes wird der Spant, welcher den Tragenden Teil des Rumpfes bildet mit dem Rohr Verklebt:

IMG_20180818_221623.jpg

Die darauffolgenden Schritte befassen sich mit dem Erstellen des Styrodur Urmodells. Zuerst wird hier mit dem Heissdraht eine entsprechende Flächenauflage geschnitten und Aufgeklebt.

IMG_20180819_214528.jpg

Dann den Rest mit Styrodurblöcken "beplanken" und verschleifen:

IMG_20180819_220215.jpg
IMG_20180819_223903.jpg

Und Vertiefungen für die Aluplättchen schaffen: ( Das Bild zeigt meine kleine Schleifvorrichtung , an der Unterseite des vertikalen Balsastücks klebt etwas Schleifpapier)

IMG_20180820_152549.jpg
IMG_20180820_153509.jpg

Dann nachts im Bett beschliessen dass ein Paar Spanten vielleicht sinnvoll wären:

IMG_20180820_153845.jpg

Und schon sind wir bereit zum Laminieren:

IMG_20180821_185326.jpg

Aufbau:

Abziehhaube:
2x 80g/m² Glas

Rumpfhinterteil:
3x 80g/m² UD Carbon
1x 80g/m² Glas (aussen)

Vorgehensweise:
1. Fasern auf Rumpfhinterteil laminieren.
2. Hinteren Teil mit Schrumpfschlauch einschrumpfen
3. Abziehhaube laminieren
4. Haube mit Kondom überziehen.
5. Mit einem Stück Flächenkern Fasern an der Flächenauflage zusätzlich anpressen

IMG_20180821_195121.jpg

Leider habe ich zu lange gebraucht, beim laminieren der Abziehhaube war das Harz schon am gelieren.

IMG_20180822_123922.jpg

Glücklicherweise liess sich die Abziehhaube nach dem Härten abziehen, und ich konnte eine zweite Laminieren:

IMG_20180822_213626.jpg
IMG_20180823_101818.jpg


Nun hat das ganze leider kein wirkliches Happy End, der Rumpf wiegt nämlich unbefriedigende 72g. Was unter anderem meinem sehr hohen Harzverbrauch zu verdanken sein dürfte. Auch ist der Aufbau etwas überdimensioniert, da die Spanten die grösste Belastung übernehmen dürften hätte ich mir wohl etwas Carbon sparen können. Glücklicherweise sind die Leitwerke diesmal deutlich leichter, was auch einen leichteren Akku erlauben dürfte. Ich denke flugfertig wird dieser Rumpf etwa 125g wiegen, im vergleich zu den 155g meines ersten Rumpfes.

Als vorläufiges Fazit denke ich nicht dass sich der Aufwand mit der Flächenauflage lohnt, hier war das Ergebnis meines ersten Rumpfes a la Jan Henning, bei dem diese nachträglich ausgeschnitten wurde besser. Die Abziehaube mittels Kondomen ist eine sinnvolle/erfolgreiche Erweiterung. Vielleicht baue ich auch irgendwann testweise noch einen, um das gelernte anzuwenden und zu sehen ob ich das mit dem gewicht noch besser hinbekomme.

Bilder des Fertigen Rumpfes folgen denke ich die Tage.
 
Ganz hübsch geworden.
Ich hätte eine Frage zu den Aluplättchen: werden diese einfach flach anlaminiert, oder kam Gewebe in die Vertiefung und dann Alu drauf vor dem Rumpf laminieren?

Gruß
Juri
 
Ganz hübsch geworden.
Ich hätte eine Frage zu den Aluplättchen: werden diese einfach flach anlaminiert, oder kam Gewebe in die Vertiefung und dann Alu drauf vor dem Rumpf laminieren?

Gruß
Juri

Da wurde in der Tat beim Laminieren erst etwas Getränktes Gewebe eingelgt, und dann das Plättchen eingedrückt. Das vordere ist allerdings eben beim Gewinde bohren verrutscht :eek: , ich habe auch vergessen das Aluminium anzurauen. Ich denke was die Flächenanbindung betrifft war der erste Rumpf erfolgreicher. Da wurden nachträglich Spanten mit Einschlagmuttern eingeklebt.
 
fertig

fertig

Als erstes die Flächenauflage aufgeschnitten und etwas Mumpe eingespritzt damit das Aluplättchen wieder hält. Die Komponenten durften auch schon mal probeliegen:

3.png


Ich denke zum Rest gibt es nicht allzuviel zu sagen, der Elektronikeinbau wurde ja hier im Forum schon reichlich dokumentiert. Daher nur wenige Bilder.

4.png

5.png

6.png

7.png


Wiegen tut er nun flugfertig 327g , im vergleich zu den vorherigen 355g rudderless. Also zumindest eine Verbesserung. Allerdings werden noch ein Paar Gramm Blei fällig sein fürchte ich. Beim nächsten werden die Leitwerke noch etwas optimiert, dann sollte es auch ohne Blei gehen.

Es freut mich übrigens dass Leute sich für den Baubericht interessieren, auch wenn es hier nur um Anfängerpfuscherei geht. Ich finde allgemein könnte das Forum mal wieder mehr Eigenbau-berichte vertragen! :)
Beispielsweise habe ich noch nirgendwo gesehen wie jemand einen Rumpf mit Abziehhaube in Negativform baut, das würde mich brennend interessieren. ( go @Halbritter jet :D )

Nächstes Semester findet sich dann hoffentlich Zeit für neue Experimente, von denen ich auch gerne berichten werde.
 
Mylar Alternative

Mylar Alternative

Anbei noch ein kleiner Tipp für Sparfüchse:

Mylar folie ist Teuer, und zumindest hier in der Region gibt es bei den Baumärkten nichts geeignetes zu finden. Sämtliche Folien sind entweder zu dick,dünn, weich oder steiff. Für Leitwerke habe ich aber eine Alternative gefunden die so ziemlich jeder daheim haben dürfte:

6.png

Die glatten Klarsichthüllen eignen sich hervorragend zum Laminieren. (selbstverständlich entsprechend ausgeschnitten)

Das schwarze Leitwerk am neuen Rumpf wog wenn ich mich recht erinnere 5,irgendwas Gramm mit folgender Vorgehensweise:
PS: Das Foto zeigt ein anderes Leitwerk mit pigmentiertem Harz, nicht das mit Acryllack, welches sich ja schon am Modell befindet.

1. Klarsichthülle zuschneiden
2. Folie mit Acryllack aus der Dose lackieren ( ohne Trennmittel, Wachs oder sonstigen zeitaufwendigen Schnickschnack - Geht auch ohne)
3. Laminieren ( Für den genauen Vorgang einfach Jan Hennings Video schauen)
- Als kleine Variation habe ich die Folien inkl. Fasern mit zwei lagen Zewa etwa 30sek ins Vakuum gepackt, so wird das überschüssige Harz auch hervorragend entfernt.
 
Moin Dodo,

Es freut mich übrigens dass Leute sich für den Baubericht interessieren, auch wenn es hier nur um Anfängerpfuscherei geht. Ich finde allgemein könnte das Forum mal wieder mehr Eigenbau-berichte vertragen! :)
Beispielsweise habe ich noch nirgendwo gesehen wie jemand einen Rumpf mit Abziehhaube in Negativform baut, das würde mich brennend interessieren. ( go @Halbritter jet :D )

als Pfuscherei wuerde ich das jetzt nicht gerade bezeichnen. Ich finde deinen Positivrumpf wirklich sehr gelungen!

Abziehschnauze in Negativform ist bestimmt eine Herausforderung. Aber ohne CAD und CNC wird das wohl nur extrem schwer umsetzbar sein.


BTW, was gibt es eigentlich "Wissenswertes über Erlangen"?
 
Moin Dodo,



als Pfuscherei wuerde ich das jetzt nicht gerade bezeichnen. Ich finde deinen Positivrumpf wirklich sehr gelungen!

Abziehschnauze in Negativform ist bestimmt eine Herausforderung. Aber ohne CAD und CNC wird das wohl nur extrem schwer umsetzbar sein.


BTW, was gibt es eigentlich "Wissenswertes über Erlangen"?

Danke für die Blumen, Luft nach oben ist im Grunde ja eh immer. Aber das macht ja auch den Reiz aus.

Ich bin unsicher ob du auf etwas bestimmtes anspielst bzgl. Erlangen ( Die Anführungszeichen sind verdächtig ). Ich würde aber sagen Erlangen ist relativ unspektakulär, besteht (gefühlt) zur Hälfte aus der Friedrich Alexander Universität , zur anderen aus Siemens ;)

Anbei noch eine Frage an alle:
Werlche Maße haben eure Torsionsfedern? Mich verunsichert das ganze noch ein wenig, ich habe entweder bedenken sie seien zu schwach ( Vor allem beim Höhenruder, wo zb eine versagende Feder beim Sturzflug das aus bedeuten würde) oder andererseits dass sie mir den Servo auf Dauer zerstören.
 
@ dodo
Ich glaube der "kleine Schelm" in Norbert möchte auf ein Lied aus der NDW-Zeit (also die tiefsten, tiefsten Achtziger) anspielen. Da gab es ein Liedchen das nannte sich " Wissenswertes über Erlangen"; frag' jetzt aber bitte nicht wer das war!!;)
Ich hab' keinen blassen....

Jörg Baumann
 
Ansicht hell / dunkel umschalten
Oben Unten