Flugsektor

Hallo,

bestimmt eine bereits gestellte Frage, habe aber nix dazu gefunden. Wie hoch darf ich mit dem Modellflugzeug, egal ob Hotliner oder Seglerschlepp, eigentlich fliegen? Darf ich über 600m Höhe den zugeteilten Flugsektor verlassen, oder ist dies ein Gerücht? Dies Frage kommt immer mal wieder bei Seglertreffen hoch, und ich wollte das einfach mal wissen.

Gruß
 

micbu

User
Aufstiegsgenehmigungspflichtige Modelle dürfen genau so hoch fliegen wie in der Aufstiegserlaubnis beschrieben. Ist nichts beschrieben, dann so hoch wie der lokale unkontrollierte Luftraum dies erlaubt.
Aufstiegsgenehmigungsfreie Modelle dürfen so hoch fliegen wie es der lokale unkontrollierte Luftraum erlaubt.

Immer vorausgesetzt, daß ein steuern in solchen Höhen problemlos möglich ist, der Pilot das Modell also sicher erkennen kann.

Viele Grüße, Michael
 
Darf ich über 600m Höhe den zugeteilten Flugsektor verlassen, oder ist dies ein Gerücht?

Die Frage hat es auf den zweiten Blick dann doch noch in sich.

Die 600m sind auf jeden Fall ein Gerücht. Wenn der Flugsektor und die Aufstiegsgenehmigung, aus der er stammt, für dich gültig ist, dann ist der Flugsektor gemäß der Aufstiegsgenehmigung unbegrenzt einzuhalten, sofern da nicht explizit drin steht, daß er oberhalb von 600m nicht mehr einzuhalten ist

Die Frage, was gilt, wenn man erlaubnisfreien Modellflug (bei Einhaltung aller dafür erforderlichen Bedingungen) auf einem Gelände eines Vereins mit Aufstiegserlaubnis und darin definiertem Flugsektor betreibt, oder wenn jemand mit persönlich gültiger Aufstiegsgenehmigung ohne Flugsektor auf einem Gelände mit Flugsektor fliegt, dürfte zu Diskussionen führen ;)

Oliver
 

micbu

User
Die Frage, was gilt, wenn man erlaubnisfreien Modellflug (bei Einhaltung aller dafür erforderlichen Bedingungen) auf einem Gelände eines Vereins mit Aufstiegserlaubnis und darin definiertem Flugsektor betreibt,
Nö, das führt zu keinen Diskussionen. Aufstiegserlaubnisfreie Modelle werden nicht von der Aufstiegserlaubnis erfasst. Wenn sich der Verein nicht selbst irgendwelche Auflagen auferlegt, dann kannst du damit völlig frei (innerhalb der gesetzlichen Richtlinien) fliegen.

oder wenn jemand mit persönlich gültiger Aufstiegsgenehmigung ohne Flugsektor auf einem Gelände mit Flugsektor fliegt, dürfte zu Diskussionen führen
Auch das führt zu keinen Diskussionen. Die Aufstiegserlaubnis des Vereines wo du fliegst ist zu beachten, da du dort die Platzordnung zu beachten hast und in dieser auf die Aufstiegserlaubnis hingewiesen wird.

Viele Grüße, Michael
 

hahgeh

User
Nö, das führt zu keinen Diskussionen. Aufstiegserlaubnisfreie Modelle werden nicht von der Aufstiegserlaubnis erfasst. Wenn sich der Verein nicht selbst irgendwelche Auflagen auferlegt, dann kannst du damit völlig frei (innerhalb der gesetzlichen Richtlinien) fliegen.

Das sehe ich zum Beispiel anders. Und das wird hier auch immer wieder mit guten Argumenten diskutiert.
Es ist die Frage, wie die AE konkret formuliert ist. Für meine Begriffe ist die entsprechende Behörde durchaus berechtigt, dass zu regeln...

Grüße
hg
 
Hallo,
hier mus ich Micbu voll zustimmen, ja es geht sogar noch darüber hinaus,
Nachzulesen; Siehe: Walter Felling, Chancen und Grenzen des Rechts auf freie Nutzung des Luftraums durch Flugmodelle, Neckar-Verlag, S. 109ff.

Der Flugsektor soll lediglich verhindern, dass eine Aufstiegserlaubnis erteilt wird, obwohl Hindernisse im Luftraum vorhanden sind, die eine Kollisionsgefahr darstellen können.

In einem Strafverfahren beim AG Schopfheim (Urt. v. 25.03.2002 - 3 Cs 22 Js 3725/99) ist festgelegt worden, es lediglich im obigen Sinne zu verstehen sei. Es sei keine Ordnungswidrigkeit, wenn dieser Luftraum verlassen wird.

Im Luftrecht kennt man zudem den Modellflugsekltor nicht.
Im Gegenteil, danach ist der Luftraum frei sofern nicht durch Gesetz oder VO eingeschränkt, Und dies ist nicht der Fall.

Allerdings gibt es auch die Kehrseite der Medailile, Ich möchte nicht betroffen sein, wenn der Luftraum ausdrücklich 50 m vor einer Straße endet und dann nachgewiesen wird, es wurde misachtet. Dann gibt es einen kausalen Zusammenhang der zur Gefährdungshaftung dazu kommt.
Gleiches gillt bei einer Höhenbegrenzung in der AE egal aus welchem Sicherheitsgrund.

Ansonsten ist der Luftraum nur aus Genehmigungstechnischen Gründen zum Lärmschutz relevant, also der Gartenzaun zur Wahrung eines gut Nachbarschaftlichen Verhältnis, das vereinfacht die Duldungs u Zumutbarkeitsgrenzen definiert. Aber schon da, greift das LuftVG und die LuftVO
danach kann man auch Flugmodellen, "das über Land fliegen" (mit Sichtverbindung) im Rahmen von LuftVG und LuftVO nicht untersagen. Mindesthöhen 300 m für Motorflugzeuge und 150 für Segelflugzeuge. Obergrenze, kontrollierter Luftraum. Also das, was in LuftVG und LuftVO steht

Jetzt bin ich gespannt was jetzt dazu kommt......:D
Gruß
Eberhard

PS: es gillt auch, keine Strafe ohne Gesetz, ich möchte mal sehen, wie zB ein Luftamt eine Luftraumeinhaltung durchsetzen wollte.
Siehe das obige Urteil, betreffs Unfall mit Todesfolge außerhalb des Luftraums und dennoch dieses Urteil.
 

micbu

User
@hahgeh

Meine Meinung wird im übrigen auch auf Flugleiterschulungen vom Verbandsjustiziar des DMFV an die Anwesenden weitergegeben. Dieser Sachverhalt fand ebenfalls Berücksichtigung bei der Genehmigung unserer Flugplatzordnung durch das LBA welches die Aufstiegserlaubnis erteilt hat.

@Eberhard
Welches Urteil? Das Verfahren wurde gerade erst, wegen der langen Dauer und weil der Modellflugzeugführer bereits verstorben ist, eingestellt.
!!! 14 Jahre nach dem Unfall!!!

Viele Grüße,
Michael
 

micbu

User
Daher ja meine Frage, ich finde das Aktenzeichen nicht und das Verfahren welches du wohl meinst (Modellflugzeug kollidiert mit Motorsegler, 2 Tote) wurde eingestellt.

Viele Grüße, Michael
 

hahgeh

User
Hallo,
man orientiert sich an Urteilen nicht an eingestellten Verfahren und das Aktenzeichen lesen, kannst du doch bestimmt...:confused:

Wers kann, weiß, dass man dazu nichts finden wird. Dein Aktenzeichen ist ein Strafbefehl mit dem AktZ der StA und die werden nunmal nicht veröffentlicht.
Ihr widersprecht euch ja auch gar nicht - der Strafbefehl beendet das Ermittlungsverfahren, ein veröffentlichtes Urteil gibts aber trotzdem nicht.

hg
 
Zum Thema kein Urteil :):D:p

hier eine DMFV Pressemeldung zum damaligen Urteil....

DMFV-Pressestelle
Mitglied
Beiträge: 32
Von:Deutschland, 20259 Hamburg
Registriert: Sep 2001
erstellt am 26.03.2002 um 17:03 Uhr
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Modellflieger können aufatmen.
Das war die wichtigste Entscheidung, die es für die Modellflugpiloten und die Flugleiter je gegeben hat. "Es stand viel auf dem Spiel, wir haben es geschafft", meinte Rechtsanwalt und DMFV-Verbandsjustitiar Alfred Kreutzberg, der mit seinem Kollegen Carl Sonnenschein die Verteidigung dieses komplizierten Falles in Angriff nahm.

Nach acht harten Verhandlungstagen wurden ein Modellflieger und ein Flugleiter von dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Ausgangslage:

Der Modellflieger war mit seiner Schleppmaschine im
Landeanflug, nachdem er kurz zuvor den Segler ausgeklinkt hatte. Auf diesem Landeanflug kollidierte er mit einem manntragenden Motorsegler, in dessen Folge der Pilot und dessen junge Tochter ums Leben kamen.

Der Modellflugpilot und der Flugleiter wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, obwohl feststand, dass der Pilot viel zu tief geflogen war und die ihm vorgeschriebene Flughöhe von 600 Metern nicht eingehalten hatte.

Teilweise ging es bei den Auseinandersetzungen der Verteidigung mit dem
Gutachter heiß zu. "Die Verteidigung war bestens vorbereitet, sie gibt der
Anklageseite keine Chancen", meinten die Prozessbeobachter. So verwunderte
es nicht, dass die Rechstanwälte Kreutzberg und Sonnenschein mit augenärztlicher Fachliteratur zum Gesichtsfeld des Piloten und Flugleiter spezielle und überraschende Ausführungen machten. Es wunderte auch keinen
mehr, wie die Theorie des Gutachters zum Unfallgeschehen sprichwörtlich von den beiden Juristen zerpflückt wurde.

"Ein Modellflieger muss immer wissen, dass sich andere im Luftverkehr nicht gesetzmäßig verhalten. Der Modellflieger muss immer damit rechnen, dass in seinen Flugsektor zu tief geflogen wird, darauf muss er sich immer
einstellen. Wenn er dann nicht ausweichen kann, haftet er," meinte die Staatsanwältin, die eine Bestrafung beider forderte.

"Wenn das Schule macht, den Vertrauensgrundsatz nicht mehr für die
Modellflieger anzuwenden, dann können wir einpacken und keinen Flugleiter mehr ausbilden, um ihn nicht einer unbegrenzten Haftung auszusetzen, die zu seiner Bestrafung führt, obwohl der Geschädigte selbst das Recht gebrochen hat. Das wäre verheerend", meinte Kreutzberg. "Dann wären die
Modellflieger die einzigen, die sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen könnten."

Es ging auch um die Frage, ob der Flugsektor und dessen Einhaltung eine Garantie für den bemannten Flugverkehr sein soll, nicht mit einem Modellflugzeug zu kollidieren. Haftet ein Pilot also schon dann, wenn er außerhalb des Flugsektors mit einem manntragenden Flugzeug zusammenstößt, obwohl er diese Kollision objektiv nicht vermeiden kann? Das Gericht entschied im Sinne der Modellflieger, dass die Einrichtung von Flugsektoren für Modellflieger nicht dem Schutz des manntragenden Flugzeuges gilt. Auch in diesem Punkt schloss sich das Gericht den Ausführungen der Verteidigung an.

Beide Angeklagten wurden freigesprochen.

Und ala Anlage ein PDF von einem Verein der darüber berichtet hat.

Schönen Tag
Anhang anzeigen Urteil MBG-Newsletter03-2002.pdf
 

micbu

User

hahgeh

User
Zum Thema kein Urteil :):D:p

hier eine DMFV Pressemeldung zum damaligen Urteil....

Hallo Eberhard,

ich habe ja nicht behauptet, dass es kein Urteil gibt, nur dass das Aktenzeichen, welches du angegeben hast auf jeden Fall nicht zu einem Urteil führt.
Denn den Abkürzungen nach, ist das ein AktZ der StA, und nicht des AG Schopfheim. Ich habe zu dem zitierten Urteil, auch nachdem ich die Links durchgesehen und im Internet sowie bei Beck-Online gesucht habe, kein AktZ finden können.

Wie dem auch sei: Die Richterin im Prozeß 2002 hat ua auch betont, dass der Flugsektor nicht dem Schutz der Manntragenden dient, denn der Sektor sei schließlich überhaupt nicht eingetragen.

Grüße
hg
 
Back to the roots

Back to the roots

Hallo zusammen,

kommen wir doch zurück zur Frage die diesen Thread eröffnete.
Ist der Flugsektor nun unbedingt einzuhalten oder nicht ?

ist eigentlich eine einfache Frage die nicht unbedingt zerdeutscht werden muß, sondern einfach mit ja oder nein zu beantworten ist, oder ?


Also haut rein Jungs .....:D:D:D:D
 

micbu

User
Flugsektor ist Bestandteil der Aufstiegserlaubnis. Die Aufstiegserlaubnis regelt den Flugbetrieb der aufstiegsgenehmigungspflichtigen Modelle. Aufstiegserlaubnisfreie Modelle werden von dieser nicht erfasst und dürfen geflogen werden wo man will, solange dies durch andere Gesetze nicht eingeschränkt wird.
Her Zahn hat absolut recht, daß die Modelle für welche diese Aufstiegserlaubnis gilt, den darin aufgeführten Flugsektor nicht verlassen dürfen. Aber eben nur genau diese Modelle.

Viele Grüße, Michael
 
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