Helios von aero~naut

Mit Pappe, Papier und Balsaholz

Stephan zu Hohenlohe​

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HELIOS nennt aero-naut seinen neuen, schicken Leichtwindsegler in konventioneller Holzbauweise. Mit seinen kompakten Abmessungen und dem zweiteiligen Flügel soll sich das Modell gut transportieren und auf dem Flugfeld im Handumdrehen montieren lassen.

Mein Kontakt mit dem HELIOS ist nicht gerade rühmlich. Aus alter Gewohnheit schaue ich mir die einschlägigen Neuheiten noch an. Ganz offensichtlich aber weniger intensiv als zu der Zeit, in der ich noch für ein Modellflug-Magazin verantwortlich war. Mein kurzer Eindruck vom HELIOS, so wie er auf Fotos zu sehen ist: Voll-Kohle-Segler, schnittig, schnell und wohl “vollgasfest”. Also eher was für die Fraktion “von ooooooben...”, die solche Modelle gerne am Hang scheuchen. Zurzeit ist das eher nicht meine Welt.

Von wegen, Hangsegler...
Um so überraschter war ich, als mir später Thorsten Rechthaler von aero-naut erklärte, dass der HELIOS eher für fortgeschrittene Modellbauer sei. Außerdem würde man mit dem Modell so manch' aktuelles GfK-Thermikmodell auskurbeln. Ups...also nix Kohle, nix Hang, und schon gar nicht vollgasfest? Was ist das für ein Modell? Die Bestellung des Bausatzes soll da Licht ins Dunkel bringen.
Für knappe 170 Euro bekommt man einen Karton, vollgestopft mit gelasertem Balsa, Sperrholz, Kiefernleisten und jeder Menge Zubehör. Einen Bauplan sucht man vergebens, dafür liegen gelaserte Karton-Teile im Kasten. Wie man aus diesen Teilen ein Segelflugmodell mit gut zweieinhalb Metern Spannweite bauen kann, steht in der 24-seitigen Anleitung. Jeder Bauschritt ist mit einer computer-generierten 3D-Zeichnung erklärt.
Die Anleitung ist wirklich gut gemacht, man kann ihr bedenkenlos folgen. Ich habe das Modell exakt nach dieser Vorgabe gebaut. Einzig bei der Wahl des Klebstoffes, aero-naut empfiehlt durchgehend Holzleim, bin ich ein wenig abgewichen. Die gelaserten Holzteile passen so saugend ineinander, dass ich bei einigen Bauabschnitten auf dünnflüssigen Sekundenkleber zurückgegriffen habe. Traditionalisten werden aufheulen, aber diese Fraktion kann ich beruhigen. Zum Ausgleich meines Karmas habe ich den HELIOS klassisch mit Papier bespannt...

Arbeiten mit Papp-Helling
Der Bau des HELIOS beginnt mit den Tragflächen. Zwei aneinander geklebte Stücke aus fünf Millimeter dicker Pappe dienen als Helling. In diese Pappe sind jede Menge Schlitze gelasert. Füßchen an Holmsteg und Rippen passen exakt in diese Schlitze. Wenn man alles zusammensteckt, entsteht automatisch eine gerade Tragfläche, da kann man nichts falsch machen. Und weil das so prima passte, klebte ich das Gerüst auch gleich mit Sekundenkleber zusammen. Neben einem Haupt-Holmsteg werden zwei weitere Stege an die Stellen geklebt, die später den Anschlag für Querruder und Landklappen bilden. Diese Stege sind doppelt ausgeführt und sollten nicht miteinander verklebt werden. Viel später werden genau zwischen den beiden Stegen die Klappen ausgeschnitten.

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Holm und Rippen passen in die Schlitze der Papphelling

Ab jetzt kommt der Weißleim zum Einsatz. Aus Transportgründen sind die Holme aus 2 x 8 mm Kiefer nicht in voller Länge beigelegt. Die müssen geschäftet werden. Der Bausatz ist für fortgeschrittene Modellbauer gedacht, die damit wohl kein Problem haben. Ich schäfte die Holme auf meinem Proxxon Tellerschleifer. Wenn man zwei Kiefernleisten aufeinander liegend schräg anschleift, passen sie exakt aneinander. Die Ausschnitte in den Rippen sind dank Lasertechnik sehr genau, so dass ich die angeschrägten Leisten gleich auf der Fläche aneinanderklebe. Das ergibt einen exakten, geraden Holm.

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Die angeschliffenen Holme werden direkt in den Ausschnitten der Rippen verklebt...

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....das ergibt einen geraden Hauptholm

Warum man noch schleifen muss
Die Beplankung der Tragfläche ist genau passend zugeschnitten. Zunächst wird damit der Nasen- und Endleistenbereich beplankt. Ich habe die Teilbeplankung im Mittelteil der Tragfläche minimal mit einer Schleifleiste bearbeiten müssen. Der Konstrukteur des HELIOS, Michael Bloß, erklärte mir dazu, dass dies die volle Absicht sei. Wegen der Länge der Beplankung könnten sich beim Kleben dort kleine Ungenauigkeiten einschleichen. Bei exakt gelaserten Brettchen wäre dann ein unschöner Spalt die Folge. Bei mit Übermaß gefertigten Brettchen reichten jedoch ein, zwei Striche auf der Schleiflatte und man erhält eine sehr homogene Beplankung. Die Schleiflatte lege ich nicht weit weg, die Rippenaufleimer werden aus langen Balsastreifen geschnitten und angepasst. Dazu lege ich die Leiste auf die Tragfläche über die Rippe und markiere die Länge mit Übermaß. Dann schneide ich die Aufleimer mit dem Cutter-Messer und passe sie dann mit der Schleiflatte an. Das erfordert ein wenig Zeit und Geduld, ist aber letztendlich Modellbau pur.
Die Tragfläche wird nun aus der Papp-Helling gehoben. Die Füßchen an den Rippen und am Holmsteg haben ausgedient und können entfernt werden. Die Helling sollte allerdings nicht zu weit weggelegt werden. Zum Beplanken der Flächenunterseite wird sie wieder gebraucht.
Doch vorher klebe ich die “Innereien” in die Fläche: Servohalter, Holmverkastungen und die Verstärkungen für die Klappen. Außerdem klebe ich die Steckungsröhrchen in die Löcher der ersten drei Rippen. Da diese leicht schräg gebohrt sind, ergibt sich später trotz geradem Steckungsstab eine leichte V-Form der Tragfläche.

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Der erste Bauschritt ist fertig, die Oberseite der Tragfläche ist beplankt

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Die Helling wird für die Beplankung der Unterseite vorbereitet

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In diesem Stadium sollten die Kabel für die servos eingezogen werden

Als Nächstes ziehe ich die Kabel für die Flächen-Servos ein. Ich habe dabei auf fertig konfektionierte Servo-Verlängerungskabel zurückgegriffen. Je zwei 30 cm- und 50 cm-Verlängerungen reichen aus.

Ohne Verzug beplanken
Die eben noch beiseitegeschobene Helling kommt nun erneut zum Einsatz. In vorgegebene Schlitze werden nun dem Profil entsprechende konkave Helling-Stützen eingesetzt. So liegt die umgedrehte Tragfläche gleichsam in einem Bett in der Helling und kann sich beim Aufbringen der unteren Beplankung nicht verziehen.
Komplettiert wird die Tragfläche mit Nasenleiste und Randbogen. Zeit für mich, mit Schleifklotz und Tragfläche vor die Haustür zu gehen, da der Schleifstaub in meiner Werkstatt nichts zu suchen hat. Gerade der aus drei Balsastücken zusammengesetzte Randbogen wird aus dem Vollen gearbeitet. Im nächsten Schritt würde ich meine Tragflächen nun komplett verspachteln und erneut schleifen. Die Flächenhälften des HELIOS sind jedoch so perfekt gelungen, dass ich nur an einer kleinen Stelle der Wurzelrippe überhaupt mit Balsaspachtel korrigieren muss.
Die Querruder und Landklappen werden mit Hilfe einer Zug-Säge und einem Cuttermesser rausgetrennt. Genau dort, wo die Säge angesetzt wird, liegen unter der Beplankung Balsa-Dreiecksleisten. So bleiben die Ecken der Ruder und die Endleiste im Bereich der Klappen stabil. Dort, wo die Klappen später angeschlagen werden, sind anfangs zwei Holmstege eingebaut worden. Das Cuttermesser trennt nun genau zwischen diesen Leisten, und ergibt so einen sauberen, geraden Schnitt. Klar, dass die Klappen nur wenig nachgearbeitet werden müssen.

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Mit Hilfe der Zugsäge werden die Klappen ausgeschnitten

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Das gelingt ohne Probleme

Kasten, Boot und Rohr
Der Rumpf des HELIOS besteht aus Rumpfboot und Heckausleger. Das Rumpfboot ist ein klassischer Kastenrumpf. 10 x 10 mm Balsa-Dreiecksleisten in den Ecken geben Futter, um den Rumpf rund zu schleifen.

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Die Rumpfseitenteile sind so gelasert, dass es immer eine "Schöne Seite" gibt, die nach außen zeigt.

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Der Kastenrumpf ist schnell gebaut.

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Die Dreieckleisten sorgen dafür, dass man den Rumpf schon rund schleifen kann.

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Der Rumpf wird zusammen mit der Kabinenhaube gebaut.

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Diese wird erst nach dem Verschleifen mit dem Cutter herausgetrennt.

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Das Schleifen kann man auch draußen erledigen.

Etwas exotisch ist das Kohlefaserrohr als Rumpfausleger. Zwei Spanten im Heck des Rumpfboots sind auf Maß gebohrt, so dass sich hier kein Baufehler beim Einkleben des Rohres ergeben kann. Das Rohr selbst klebe ich mit 5-Min-Epoxy ein, nicht ohne es vorher angeschliffen zu haben.
Höhen- und Seitenleitwerk sind unprofiliert und werden als Leistenkonstruktion auf dem Baubrett zusammengefügt. Der Bau erinnert an ein Puzzle. Die Einzelteile können auf einem mit Folie abgedeckten Brett aneinandergelegt werden. Hier bediene ich mich mal wieder des dünnflüssigen Sekundenklebers. Die Ruder sind einfache, mit Erleichterungsöffnungen versehene Balsabrettchen. Entscheidende Stellen werden mit Flugzeugsperrholz verstärkt.
Kurz vor Bauschluss kommt dann nochmal die Pappe zum Einsatz. Eine weitere Helling wird zusammengesteckt und sorgt dafür, dass das Leitwerk gerade aufgeklebt wird. Dazu wird zunächst eine Art Kasten gebaut, auf dem sowohl Rumpfrohr als auch Leitwerk komplett aufliegen. Der Kasten ist genau so hoch, dass mit dem auf dem Baubrett stehenden Rumpfboot der Heckausleger horizontal liegt. Eine weitere Pappe sorgt dafür, dass das Rumpfboot genau senkrecht auf dem Baubrett liegt. Ein “krummes” Modell wird man dank Papp-Helling nicht bauen können.

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Ein Papp-Kasten hält das Leitwerk in Position...

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Eine weitere Pappe fixiert den Rumpf

Nach der Pappe das Papier
Wenn man nicht raus darf, kommt man schon auf verrückte Ideen. Nach der völligen Fehleinschätzung des HELIOS habe ich mich natürlich auch auf der Website von aero-naut umgesehen,...damit mir so etwas nicht nochmal passiert. Dabei bin ich über das Bespannpapier "gestolpert". Aber nicht nur das Papier, auch Spannlack und Porenfüller gibt es bei aero-naut. Und so habe ich tatsächlich Spannpapier und Zubehör mit geordert.

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Fertig zum Bespannen

Meine Sozialisierung im Modellbau fand in den 80ern statt. "Der kleine UHU" war daher das Modell, bei dem ich das Bespannen eines Modellflugzeuges gelernt habe. Das heißt: Grundieren der Balsateile mit Porenfüller, Aufbringen des Papiers mit Tapetenkleister und Lackieren des Modells mit Spannlack. Ich möchte hier gar nicht weiter darauf eingehen. Es gibt verschiedenste Methoden der Bespannung. Meine hat den Vorteil, dass ich für die geruchsintensiven Arbeiten kurz auf die Terrasse gehen kann. Und so gerne ich Spannlack rieche...im Haus möchte ich das trotzdem nicht mehr haben.

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Alle Teile habe ich mit Porenfüller versiegelt

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Das Bespannpapier habe ich mit Tapetenkleister aufgeklebt, die Kabinenhaube macht Mut...

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... der Rumpf folgt.

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Bei den Leitwerkung muss man aufpassen, dass sie sich nicht verziehen

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Zum Spannen wird das Papier gewässert

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Auch die Blockstreifen entstehen aus Papier

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Nach dem Streichen mit Spannlack ist die Bespannung wellig, beim Trocknen spannt sie sich

Die restlichen Arbeiten sind mit der Komplettierung eines ARF-Modells zu vergleichen. Zum Einbau des von aero-naut empfohlenen Motors actro-n 28-4-880 empfiehlt es sich, zwei M3-Gewindestangen in die Montagelöcher des Motors zu schrauben, um so den Antrieb in die Spitze des Rumpfes zu zirkeln. Der Motorspant ist genau für diesen Antrieb gebohrt.

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Wenn man den Regler actrocon 30A gleich mitbestellt, entfallen sogar die Lötarbeiten.

Der Propeller CAMcarbon 12×6,5” mit dem CN-Spinner 40/4 mm und dem Alu-Mittelstück mit 42 mm komplettieren das Modell. Leider stehen diese Komponenten nicht auf der Website, sondern nur in der Anleitung, die man auch hier herunterladen kann. Das gilt auch für die Servos. Es werden zwei Servos mit etwa 22,5 × 11,5 × 25 mm für Höhen- und Seitenruder und vier Servos, nicht viel größer als 23,5 × 8 × 20 mm, für Bremsklappen und Querruder benötigt. Ich bediente mich da aus meinem Fundus.

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Modellbau macht Spaß
Zeit für ein erstes Fazit: Der Weg ist das Ziel, dieses Modell macht beim Aufbau jede Menge Spaß. Die Konstruktion ist sehr durchdacht, Fehler können trotz der komplexen Bauweise fast ausgeschlossen werden. Mein HELIOS wiegt nun 1130 g, das sind 30 g über dem Mindestgewicht auf der Website. Damit kann ich gut leben. Sehr schön sind die unten angeschlagenen Wölbklappen, die so tatsächlich 90° nach unten ausschlagen können. Genau dieser Ausschlag wird in der Anleitung auch empfohlen. Das spricht für die Thermikleistung dieses Modells, einen 75-PS-Golf würde man auch nicht mit Keramik-Bremsen ausstatten. Der Akku kann prima durch die große Haube gewechselt werden, mit dem 2.100 mAh 3S-Akku von robbe stimmt der Schwerpunkt (70 mm von der Nasenleiste) perfekt ohne Blei.

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Der 2100er 3S Akku von Robbe passt perfekt

Ein kleines Manko ist in meinen Augen die Position der Servos im Rumpf. Diese liegen genau unter den Kabel-Auslässen der Tragfläche. Hier kommen die vier Servokabel von den Querrudern und Wölbklappen raus. Aus dem Empfänger habe ich unter dem Servobrett 100 mm lange Kabel bis zu den Steckern der Wurzelrippen geführt.

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Wenn man die Tragfläche montiert, verlaufen die Kabel der Tragfläche genau über die Höhen- und Seitenruderservos. Das gefällt mir nicht. Bei meinem nächsten HELIOS (baue irgendwann mal eine reine Seglerversion für die Tannenalm) verschiebe ich die Servos nach hinten, Richtung Heckrohr.
Auch die Anlenkung von Seiten- und Höhenruder ist nicht ganz perfekt. Laut Anleitung werden die Anlenkdrähte um 45° gewinkelt. Bei schnelleren Modellen ist das ein “No-Go”, beim Thermikschleicher aber akzeptabel. Eine Lösung für eine bessere Anordnung der Anlenkungen fällt mir allerdings spontan auch nicht ein.

Strom im grünen Bereich
Nach so viel Balsastaub und Spannlackgeruch wird es Zeit, an die frische Luft zu gehen. Gut, dass ich eine private Wiese nutze, da gibt es über das ganze Jahr kein Flugverbot. Mit frisch geladenem Akku wird noch kurz der Strom gemessen. 32 A erscheinen mir moderat für diese Modellklasse. Dann geht es mit einem kleinen Schubser in die Luft...

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Beim ersten Steigflug musste ich etwas ziehen, das blieb auch so nach dem Abschalten des Antriebs so. Wenige Klicks auf Höhe, und der HELIOS gleitet stabil durch die kalte Winterluft. Erstaunlich, ich muss weder Seiten- noch Querruder korrigieren. Das Modell fliegt exakt geradeaus. Das ist ein deutlicher Beleg dafür, dass die Art und Weise, wie der HELIOS gebaut wird, perfekt ist. Die verschiedenen Hellingen aus Pappe haben dafür gesorgt, dass ich ein absolut verzugfreies Modell gebaut habe.

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Thermik ist nicht zu erwarten! Nach ein paar Runden um die Wiese ist die Höhe abgeglitten. Erneut starte ich den Motor. Der HELIOS geht keinesfalls senkrecht, mit 45° geht es erneut hoch. Der Akku wird bei 4° C Lufttemperatur nicht die volle Leistung zeigen. Oben angekommen, mache ich die üblichen Tests mit dem Modell. Die Reaktion auf Höhen-, Seiten- und Querruder sind ausreichend. Später habe ich auch schöne saubere Rollen und große Looping geflogen.

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Das Modell wirkt sehr elegant am Himmel, hektische Bewegungen sind ihm fern. Den Überziehtest meistert der HELIOS mit Bravour. Langsam ziehe ich die Fahrt raus, der Knüppel ist nun am Anschlag, und der HELIOS: Kein Abkippen, schon gar kein Trudeln, das Modell fliegt einfach weiter. Klar, das ist eher ein sehr langsamer Sackflug, aber weiterhin gut beherrschbar. Sicherlich trägt die von mir gewählte Papierbespannung zu dem gutmütigen Flugverhalten bei. Mit Folienbespannung würde das Modell eher pumpen, wenn es zu langsam wird.

Jetzt wird er schnell
Nach dem Anstechen, 45° nach unten, fliegt der HELIOS einen weiten Abfangbogen. Das zeigt mir, dass der in der Anleitung angegebene Schwerpunkt gut zum Modell passt. Aufgrund des gutmütigen Flugverhaltens könnte man ein wenig mit dem Zurücklegen des Schwerpunktes experimentieren, damit sollte das Modell besser auf Thermik reagieren. Aber, wie ich schon schrieb, Thermik war am Tag des Erstfluges Mangelware.

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Da ich jetzt schon beim Anstechen bin, geht es gleich mal im Tiefflug über den Platz. Aus 100 m runter, sieht man keine große Durchbiegung der Flächen. Der HELIOS fliegt relativ geräuschlos über den Platz, die Fahrt ist allerdings schnell raus, die Energie aus dem Sturzflug kann das Modell aufgrund des geringen Gewichtes nicht in neue Höhe umsetzten. Klick...dafür habe ich ja den Motor! Noch einmal geht es auf Höhe. Langsam steigt das Vertrauen in meinen selbstgebauten Segler, es wird geturnt. Rolle, Looping, Turn...ja selbst Rückenflug kann man machen. Das ist gut zu wissen. Spätestens im Frühjahr, wenn die Bussarde kreisen, muss die in der Thermik erreichte Höhe ja auch wieder abgeturnt werden.
Die erste Landung mache ich ganz klassisch mit Queranflug, Auch ohne Einsatz der Landeklappen lande ich fast “bei Fuß”. Einen halben Meter rutscht der HELIOS noch auf der kalten Wiese, dann ist der wirklich gelungene Erstflug vorbei. Den großen Becher heißen Kaffee aus der Thermoskanne habe ich mir nun redlich verdient.

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Nachgeladen habe ich nicht. Mir scheint, der Akku hat noch ein paar Steigflüge in petto. Denn jetzt möchte ich die Klappen testen. Ich habe die Klappen mit der Butterflyfunktion auf meinen Gasknüppel gelegt. Wenn der Gasknüppel ganz hinten ist, fahren die Landklappen 90° nach unten. Auftrieb wird so nicht mehr erzeugt. Für mich sind nun zwei Dinge wichtig.

Klappen die Klappen?
Erstens: Lässt sich das Modell mit ausgefahrenen Klappen und hochgestellten Querrudern noch steuern? Schon manches Modell reagierte mit Butterfly so träge auf Querruder, dass ich die Klappen zur Korrektur einer Böe einfahren musste.
Zweitens: Bremsen die Klappen ordentlich? Wer schon mal in richtig heftiger Thermik unterwegs war, kennt das Problem, das Modell beschädigungsfrei aus dem Aufwind zu holen. Eine Holzkonstruktion wie der HELIOS ist da gegenüber Voll-GfK-Modellen im Nachteil.

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Beide Fragen werden zu meiner vollsten Zufriedenheit beantwortet. Inzwischen stelle ich das Modell mit voll ausgefahrenen Klappen auf die Nase und lasse es aus 100 m Höhe senkrecht fallen. Der HELIOS wird nicht sonderlich schnell, in 10 m Höhe fliege ich einen leichten Abfangbogen und lande das Modell direkt vor meinen Füßen. Wer es nicht glaubt, auf dem diesen Bericht begleitenden Video zeige ich genau diese Art zu Landen. Während des gesamten Landeanfluges ist das Modell einwandfrei mit Querrudern steuerbar. So muss das sein.

Mein Video vom Bau und einem der ersten Flüge.

Mein Fazit:
Für knapp 170 Euro bekommt man einen ausgereiften Bausatz, der viel Spaß bereitet. Der Aufbau auf der Papphelling und die gute Bauanleitung helfen, ein absolut verzugsfreies Modell zu bauen. Ein paar typische Modellbauarbeiten wie das Schäften der Holme überlässt aero-naut dem Erbauer. Vermutlich ist das der Grund, weshalb der Hersteller diesen Bausatz für “Fortgeschrittene” empfiehlt. Ich habe schon zu viele Modelle gebaut, um diese Einstufung zu bestätigen. Wer unsicher ist, sollte vielleicht vor dem HELIOS einen Lilienthal oder einen LT200 Flex bauen. Damit kann man sich gut an die besondere aero-naut-Bauweise gewöhnen. Mein einziger Kritikpunkt ist die Lage der Servos gleich unter dem Kabelauslass der Tragflächen. Da knubbelt es sich beim Aufbau des Modells.

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In der Luft ist der HELIOS auch für Einsteiger uneingeschränkt geeignet. Gutmütiger geht es eigentlich nicht. Der Schwerpunkt und die Ruderausschläge können aus der Anleitung bedenkenlos übernommen werden. Das Modell ist stabil gebaut und trotzdem leicht. Zwar nichts für einen stürmischen Herbsttag, aber der ideale Begleiter, um im Frühling ein bissen Thermik zu schnüffeln. Der empfohlene Antrieb passt dabei prima zum Modell. Mit einem vollen Akku im Gepäck kann das Ladegerät zuhause bleiben, für vier, fünf Flüge reicht eine Akkuladung immer.


Technische Daten "HELIOS"
Einheit
Spannweite
[mm]​
2.545
Länge
[mm]​
1.275
Gewicht (Testmodell)
[g]​
1.130
Tragflächeninhalt
[dm²]​
37,3
Flächenbelastung
[g/dm²]​
29,5
RC-Funktionen
[--]​
Höhenruder, Querruder, Seitenruder, Wölbklappen, Motorsteuerung
 
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Kommentare

Hallo! Feiner Bericht, danke dafür. Wär's eine Idee die Haube nach dem Verschleifen des Rumpfes heraus zu trennen? Macht das Ganze doch einfacher, oder? Liebe Grüße; Schorsch
 
Hallo! Feiner Bericht, danke dafür. Wär's eine Idee die Haube nach dem Verschleifen des Rumpfes heraus zu trennen? Macht das Ganze doch einfacher, oder? Liebe Grüße; Schorsch
Ja würde ich auch so machen, die Anleitung schreibt allerdings, dass die Haube erst geschnitten und nach dem Komplettieren zum Verschleifen wieder mit paar Tröpfchen Weißleim eingesetzt werden soll.
 
Liest hier denn keiner mehr was?
Hat er beschrieben. Hast Du auch das Video angesehen? Also, bevor Du hier so unfreundlich auspackst beschäftige bitte mit dem GANZEN Bericht, dann wirst Du feststellen, dass die ungeschliffene Haube herausgetrennt wurde. Und diese Diskrepanz ist mir aufgefallen und darum habe ich nachgefragt. Also, zuerst lesen und schauen, dann loshacken.

Guten Abend, Schorsch
 
Na na, "loshacken" ist wohl auch etwas kräftig. Ich nenne das freie Meinungsäußerung, die halt auch mal nicht weichgespült sein kann.
Ich habe eben nur den Text gelesen. Wer kann denn wissen, daß in einem Video noch andere Infos stecken.
Aber ich werde mich in Zukunft zurückhalten.
Knut
 
Hallo! Die Infos stecken auch in den Bildern zum Text. Ich hab's mir noch mal angeschaut. Freie Meinungsäußerung natürlich und sehr gerne und genauso gerne auch höflich. Danke und fertig.
Schönen Tag, Schorsch
 
Haste sehr gut gemacht Stefan,aber die steckungsrohe mit 5 min.epoxy,warum hast du kein uhu plus genommen,ansonsten schön mal wieder ein Modell selber zu bauen dank so einen schönen Bausatz wie von aeronaut,sehr gut!
 
naja, uhu plus hält nach Meinung vieler erfahrener Experten schon besser/länger, als 5min Epoxy (Hersteller!?)...muss jeder selbst entscheiden und ist beim Helios wohl nicht so maßgebend.
zum Helios: ich habe mir auch vor 4 Wo. beim Höllein noch schnell einen bestellt (inkl. Mot+Regl). War dann dort dann schnell ausverkauft, auch derzeit rot. Hängt wohl auch mit der Balsa-Knappheit zusammen. Vom Bausatz und der Holzqualität meines Helios bin ich sehr angetan.
 
Ein bisschen wundere ich mich ja schon: habe den Bau des Helios in diesem Forum vor langem schon beschrieben. Null Reaktion. Sei’s drum, habe den guten Bericht dennoch mit Interesse gelesen.
 
Tja Rene

wenn zweie das gleiche tuen ist es noch lange nicht das Selbe

:p :p

gräme dich nicht, für dich ist es Hobby

deinen Bericht habe ich im letzten Jahr zum Jahresende auch gelesen, leider war das zerstückeln, (Teil 1, 2, ....) etwas hinderlich beim Wiederfinden ....

gut fand ich die Fotos von der Bauanleitung
 
ich hätte 2 Fragen an die helios-Erbauer:
1.Passung Flächenmitte - es gibt Berichte, dass, baut man eine Fläche nach der anderen fertig, am Schluss ein deutlicher Spalt in der Mitte bleibt. Ist das "vorprogrammiert" oder individuell unterschiedlich? Oder schafft man nur einen sauberen Übergang, wenn man, wie nicht selten empfohlen, die Wurzelrippen nicht festklebt, bis beide Flächen zusammengesteckt werden können. Erst dann werden diese Rippen (eng aneinander liegend!) festgeklebt...ist aber auch erheblicher Mehraufwand. Und: Gibt es eine Winkelschablone, wegen V-Form für die Wurzelrippen?
2. Größe Fl.-Servos, insbes. QR - ich weiß, 8mm sind "angesagt". Da mir 10mm (KST 135) lieber wären->haben die Platz, wenn man die seitl. Laschen nutzt, sich damit das obere Befestigungsbrett spart und die Abdeckung ausspart (in Servogröße L*B). Rechnerisch spart man so 1,5+1mm!? Ich habe erst Rumpf und Leitwerke gebaut, und bin nun am Überlegen, zwecks Servobestellung. Hat sowas ev. jemand realisiert...Photos?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,
durch den Aufbau auf der Papphelling passen die Wurzelrippen perfekt aufeinander. Ich musste nicht nacharbeiten.
he.JPG

Die Servos sind tatsächlich problematisch. Ich wollte mir die Kosten für die empfohlenen EMC Vega XV 8-309 V oder XV 8 309 H (23,5×8×20 mm) (ca. 40 Euro/Stück) sparen und habe aus meiner Grabbelkiste die bekannten D47 (die mit dem gelben Ruderarm) eingebaut. Auf Quer funktioniert das wunderbar, auf den Klappen sind mir am letzten Wochenende beide Getriebe gestorben... Wieder was gelernt!
 

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