Irvine 20 Diesel

Heute habe ich mal diesen Gesellen hervorgezogen, der seit Jahr und Tag als "defekt" bei mir herumlungert, fest und versifft – was ich seinerzeit mit ihm veranstaltet hatte, weiß ich nicht mehr, sicher irgendwas mit Fesselflug. Also ab in den Schrott? Viel gelaufen ist er bestimmt nicht, obwohl er so fertig aussieht...

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Nach einem halben Stündchen im Backofen und vorsichtigem Lösen mit reichlich CNC 56 und ATF glaube ich: soo fuichbah isses gar nich!
Er läßt sich drehen, hat ganz vernünftige Kompression und könnte wohl zumindest mal in die Probelauf-Warteliste eingereiht werden.
Vermutlich kommt sogar noch irgendwo der passende Schalldämpfer zum Vorschein - nur falls er vielleicht doch noch demnächst wieder einen Fesselflieger antreiben sollte...? Obwohl gerade kein Fliegengewicht: der PAW 19 wiegt ca. 170 g mit Dämpfer und allem.

Was ich jedenfalls nicht verwenden werde, ist der zugehörige Irvine 20 RC Vergaser.
Auch verstaubt und fest, aber im Prinzip unbenutzt. Dafür bleischwer!

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Sondern es gibt einen Irvine Standard Venturi Einsatz, allerdings ohne Düsenstock oder Nadel. Er hat 5 mm Durchgang und wird von Madenschrauben gehalten, die mit einer Mutter gekontert sind. Davon fehlt mir leider die zweite, mit unbekanntem – vermutlich very britischem – Gewinde. Ächz...

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Der Venturi sitzt aber so streng in der Aufnahme, daß ich glaube, man könnte es allenfalls (ohne nennenswerte Falschluft) mit nur einer Befestigung probieren.

Für diese Variante hätte ich einen Düsenstock mit Nadel zur Hand, möglicherweise Webra-Teile (?), die zufällig recht gut passen. Mit einem freundlichen O-Ring auf der Spritzugangs-Seite könnte die Düsenöffnung ganz passabel in der Mitte des Durchgangs landen. So ein bißchen schräg nach unten Richtung Zylinder... wär' das was?

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Alternative wäre ein PAW Venturi, der aber wohl eigentlich zu einem größeren Motor gehört. Er hat 7 mm Durchgang und sitzt nur recht locker in der Aufnahme, vielleicht ½ mm Spiel. Da wäre dann die Abdichtung bzw. Benutzung des zweiten Befestigungsloches obligatorisch.

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Ich weiß noch nicht so recht, was ich machen soll.
Habt Ihr inzwischen irgendwelche Hinweise, Anmerkungen, Erfahrungen?

Viele Grüße - Albrecht
 

Bernd Langner

Moderator
Teammitglied
Hallo Albrecht

Frag doch mal hier an ob die den passenden Düsenstock haben
Just-Engines
Für die größeren Hubräume haben die noch etwas vielleicht passt da auch was für den 20er.

Gruß Bernd
 
Hallo Albrecht !
Welchen durchmesser und Steigung hat denn die Madenschraube ? Die Originalbefestigug ist nämlich ganz gut, da kann man die Nadel etwas anstellen..
VG,
Sebastian
 
Prima, danke für Eure guten Hinweise!

Die Madenschraube ist schlicht und einfach M5, man muß sowas nur mal zu hoffen wagen... Ich traue es mir glatt zu, so eine Madenschraube nachzufertigen mit meinen Hausmitteln – Schraubstock, Bügelsäge, Feile, ZANGEN!!! etc. ;-)

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Die Aussicht, die Nadel etwas schräg nach hinten "anstellen" zu können, wäre verlockend, wird aber wohl nicht gehen: der Venturi Hals ist auf einer Seite schon angesenkt, auf der anderen hat er eine keilförmige Einkerbung (so war es wohl originalerweise). Das wird sich also auf jeden Fall wieder rechtwinklig zentrieren, ist aber auch ok so.

Bild 06a.jpg


Bild 06b.jpg


Der vorhandene Düsenstock paßt mit einem kleinen O-Ring ganz gut in den Venturi.
Die Düsenöffnung drehe ich natürlich noch schräg nach unten.

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Ich versuche ihn erstmal mit dieser einfachen Lösung zum Laufen zu kriegen.
Bei näherem "Hinfühlen" zeigt sich nämlich, daß ein/das Lager ziemlich rauh läuft, es rattert sozusagen :-(

Ich habe schon gelesen, daß Lager durch langes Lagern (mit Petroleum/Rizinus-Siff) auf diese Weise leiden können, obwohl es paradox klingt!
Wird er so überhaupt noch einigermaßen laufen, oder brauche ich das gar nicht erst probieren?

Viele Grüße - Albrecht
 

Anhänge

M5 Madenschraube aus Edelstahl, vorn mit Konusspitze und hinten mit 3mm Innensechskant.

Ich schicke dir mal 3 Stück zum Probieren im Brief - sollte Samstag da sein.

Gruß Andreas
 
Hallo Albrecht !
Sind das bei dem Lager eher kurze weiche Ruckler oder ein richtiger Humpler ?
Du könntest mal den Deckel hinten aufmachen und schauen, ob Rost etc drin ist.
Wenn nein, fülle mal etwas sehr dünnflüssiges Öl ein und mach das Gehäuse von unten mit der Heißluftpistole Warm. Ich nehm für so etwas Liqui-Moly HLP22. (bei ATF weiss ich nicht ob es bei Wärme verfärbungen gibt) Da kann sein, dass die Kugeln im Käfig kleben und auf der Lagerlauffläche schaben, wo noch die Täler sind in denen die Kugeln standen. Da löst das Öl die Reste an und kriecht in den Käfig. Kein WD40 !
Da werden Lager wieder Frei. Das dann ein Paar Tage Stehen lassen und dann nochmal das ganze. Früher, als ich noch Zeit hatte, hab ich die Lager ausgebaut und in Nitroverdünnung eingeweicht. Hat auch gut geklappt.
VG,
Sebastian
 
Andreas... reizender Mann!
Auf diese Edel-Ersatzteile warte ich natürlich gerne, auch länger als Samstag.
Und mache dann gleich beide neu, mein vorhandenes Muster hat bloß einen schnöden Schlitz.

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Sebastian, es sind eher kurze weiche Ruckler, fühlt sich "rauh" an.
Und es wird ganz offensichtlich Zeit, mir endlich Liqui-Moly HLP 22 zu beschaffen.
A propos Gehäusedeckel: auch da war Quax anscheinend früher schon mal dran - und hatte wohl Glück mit einer zufällig passenden Ersatzschraube.
Näheres weiß ich nicht mehr...

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Oder sollten das die Irvine Leute selber so gemacht haben? Dieses Zettelchen lag in der Schachtel:

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Da kommen ja schöne Geschichten zutage...

Viele Grüße - Albrecht
 

Wilf

User
"Abgescherter Kurbelzapfen" ... Du Schlimmer, Du.

Und, hat der Irvine eine neue Kurbelwelle bekommen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Doch Wilfried,

das ist schon gemacht worden, daher ja auch das o.g. Zettelchen.
Er kurbelt und wellt doch ganz munter, nur die Sache mit dem Lager ist mies.

Rost etc. im Gehäuse, hm-hm-hm...?
Diese Pickel gegenüber vom Kurbelzapfen sehen schon schwer danach aus!
Es ist die einzige Stelle, die sich aus dieser Perspektive zeigt, und das sagt uns ...was?

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Jedenfalls bin ich jetzt erstmal gespannt, wie Sebastians Kur anschlägt.
Und ob sich dann folglich die Ergänzung mit Andreas' Edelteilen lohnt...

Viele Grüße - Albrecht
 
So sieht das jetzt doch schon ganz manierlich aus. Danke Andreas!

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Außer der sonstige Dreck... hmm...

Übrigens fühlt es sich so an, als wäre auch ohne Sebastians Salatöl-Kur das Lager-Gerumpel etwas milder geworden.
Ich hatte ihn auf der Welle stehend gelagert, vielleicht ist schon etwas von dem ATF an die richtigen Stellen gekleckert?
Aber ich werde trotzdem noch das schöne warme HLP Süppchen kochen, schaden wird's sicher nicht.

Viele Grüße - Albrecht
 
Kurzer Zwischenstand:

die HLP Kur schlägt anscheinend nicht recht an; das Lager läuft weiterhin "an einer Stelle" rauh und holperig.
Nicht übermäßig heftig, aber doch so spürbar, daß ich fürchte, es ist hinüber.
Oder fehlt mir nur die Geduld? Ich habe es jetzt dreimal volllaufen lassen, erwärmt und jeweils ca. einen Tag gewartet.

So langsam stelle ich mich also darauf ein, dieses Lager zu auszutauschen - für Euch sicher keine große Sache, für mich immer noch ein bißchen aufregend! Immerhin glaube ich, schon herausgefunden zu haben, welche Größe ich brauche und habe solche schon mal bestellt.

Beim Zerlegen und Zusammenbauen würde ich mich an diesem Vorgehen orientieren - irgendwelche Vorbehalte, Hinweise, Warnungen?
Dann melde ich mich wieder, wenn ich so weit bin - oder falls es unerwartete Probleme gibt.
Ein Fliegerle dafür hätt' ich jedenfalls schon...

Viele Grüße - Albrecht
 
Kurzer Hinweis zu Kugellagern.
Bitte schau das Du C3 Lager (erhöhte Lagerluft) bekommst.

Zum Video:
- Zuerst den Propellermitnehmer mit einem Abzieher entfernen.
Dann kann man die Kurbelwelle ohne Hammer ausbauen!
- Ausbau der Lager mit Hitze ist gut, aber bitte mit Heißluftfön oder noch besser Backofen. Bitte keine Flamme benutzen.
- Beim Ausbau des vorderen Lagers würde ich lieber ein Holz nehmen, statt Alu-Stange.
- Einbau vorderes Lager nicht mit dem Hammer!!! Gehäuse Warm machen bis das Lager hinein fällt.
Innere Deckscheibe vorher entfernen.
- Einbau des hinteren Lagers auch bitte ohne Gewalt, nur mit Wärme.

Sauberkeit ist oberstes Gebot!! Die Lagersitze müssen vor dem Einbau der neuen Lager perfekt sauber sein.
Nach dem Einbau sollte der kalte Motor, mit angezogenem Propeller, leichtes axiales Spiel der Kurbelwelle haben und beim Durchdrehen keine Reibung spürbar sein.
Wenn dem so ist, dann hast Du alles richtig gemacht
 

Bernd Langner

Moderator
Teammitglied
Hallo Frank
Einbau vorderes Lager nicht mit dem Hammer!!! Gehäuse Warm machen bis das Lager hinein fällt.
Innere Deckscheibe vorher entfernen.
- Einbau des hinteren Lagers auch bitte ohne Gewalt, nur mit Wärme.
Ich stecke beim einziehen der neuen Lager noch die Kurbelwelle mit ein so können
die Lager nicht so schnell verkanten.
Wenn man vorne das Gehäuse warm macht reicht auch ein Hartholzklotz
zum rausstoßen des vorderen Lagers da braucht es kein Hammer

In dem Video hat der etwas getrixt die Kopfschrauben waren schon lose denn
mit der Kugel vom Imbusschraubendreher hätte er unweigerlich die Schrauben ausgenudelt.
Wenn man den Alumitnehmer heiß genug macht fällt der fast von allein vom Konus
im Video klopft der ziemlich grobschlächtig auf die Kurbelwelle ein.

Gruß Bernd
 
Vielen Dank,

sehr gute Hinweise, die ich allesamt gern befolgen werde.
Die Hammermethode ist mir auch etwas suspekt, und nachdem ich sowieso schon längst mal einen Abzieher kaufen wollte, ist jetzt wohl endlich der richtige Zeitpunkt ;-)
Das Video ist bestimmt ziemlich "heavily edited" - ich staune jedesmal wieder über die Geschwindigkeit, die xjet beim Sprechen vorlegt und durchhält!
Fast wie in der TV Werbung "Zu Risiken und Nebenwirkungen...", in der vermutlich auch jede nur denkbar mögliche Pause herausgelöscht ist?

Im Moment warte ich immer noch auf Material.
Was ist denn inzwischen eine gute Methode, das Gehäuse zu reinigen? Es wird ja voraussichtlich alles ab- und ausgebaut, und da wäre das vermutlich gar nicht so schwierig? Irgendwie einlegen? Beim Erwärmen wird der ganze Belag weich und klebrig, aber mechanisch allein kriege ich ihn nicht herunter.

Viele Grüße - Albrecht
 

Bernd Langner

Moderator
Teammitglied
Hallo Albrecht

Reinigen von Motoren gibt es unzählige hier im Forum.

bestimmt gibt es noch mehr
Das beste wäre ein beheiztes Ultrschallbad aber das hat nicht jeder.
Kalt wurde der Airbrushreiniger von Schminke sehr gut funktonieren auch andere Alkohol basierte Reiniger
gehen leidlich (Spiritus , Denaturierter Alkohol, Methanol)
Wenn du darfst würde ich den Motor in Seifenwasser erhitzen und dann abbürsten durch die Hitze löst
sich der Rizinusschmand und löst sich der Rest läßt sich dann abbürsten.

Es gibt zig andere Reinigungsmethoden (Frostschutz , ATF -öl ; Bremsenreiniger , Backofenspray usw)
aber die meisten funktonieren nur bei leichter Verschmutzung. Aber da hat jeder seien eigenen Methoden.
 
Inzwischen bin ich etwas weiter gediehen.

Nachdem nötige Teile und Werkzeuge eingetroffen waren, hatte ich den Motor im Backofen auf etwa 150 Grad erwärmt und wollte dann loslegen mit dem Abziehen des Mitnehmers. Als ich zum Abschied nochmal an der Kurbelwelle drehte, war plötzlich alle "Rauhigkeit" spurlos verschwunden...?

Jedenfalls habe ich dann beschlossen, ihn in diesem inneren Zustand erstmal auszuprobieren und einen evtl. erforderlichen Lagertausch auf später zu verschieben. Dafür habe ich die Gelegenheit zum Putzen mit warmem Seifenwasser ergriffen und dann nochmal reichlich HLP 22 eingefüllt.

Der Probelauf (in bewährter Manier erst nur mit Primen, danach mit halb gefülltem Tank ergab 9.750 U/min an 9 x 4 Robbe dynamic, später legt er noch zu, hab ich aber nicht mehr gemessen.

Wobei es mir ja gar nicht um Spitzendrehzahl geht, sondern um konstant stämmige Leistung zum Sport/Kunstflug.
Aber es ist schon noch Luft nach oben, auch in der Propellergröße: bis 10 x 6 könnte man wohl schon gehen, was meint Ihr?
Also jedenfalls noch weiter einlaufen...

Sollte ich dafür eigentlich eine bestimmte "Strategie" verfolgen?
Im Moment versuche ich es so, daß ich mit der Kompression knapp über die Fehlzündungsgrenze gehe und dann den geringstmöglichen Verbrauch einstelle, im Zweifelsfall lieber fett.
Dabei beobachte ich den Niederschlag und warte darauf, daß er klar bleibt.
Nebenbei beobachte ich Drehzahl und Klang und warte darauf, daß der Motor "frei" wird. Ich lasse ihn immer nur einige Minuten laufen und zwischendurch vollständig abkühlen.

Übrigens macht der Bursche gehörig Radau, insofern bin ich ganz vergnügt, daß der passende Schalldämpfer inzwischen auch ausgekrochen ist.

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Jetzt müssen sich bloß noch passende Schrauben finden, die natürlich mal wieder nicht metrisch sind...

Viele Grüße - Albrecht
 
Mit einer 10/5 Super Nylon macht er jetzt um die 11 K – damit kann man doch erstmal zufrieden sein, auch mit altem Lager, oder?
Für den Dämpfer habe ich zwei 5/64 Hex Schrauben gefunden.

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Trotzdem mag ich den so noch nicht anschrauben.

Ich kenn' das nämlich schon: so ein schöner Topf steht mächtig weit heraus, bei liegendem Einbau z.B. nach unten. Da reicht ein kleiner Kopfstand auf holperiger Wiese (wie bei mir), und krack, schade Marmelade...
Jedenfalls erscheint mir hier ein kleiner Zungenmuffler richtig wünschenswert.

Also einfach den schönen Topf am Stutzen schräg absägen, stattdessen eine fein gebohrte Aluplatte aufkleben, fertig und gut?

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Ich käme so auch an die verflixten Schrauben besser bzw. überhaupt mal dran!
Und der beliebte Rizinusschleier würde wohl besonders fein verwirbelt, abgesehen vom Klang, den noch keiner kennt.
Oder sonstige Effekte. Hmm...

Seinen Arbeitsplatz richte ich übrigens vorläufig auf einer Art altem Schnürsenkel ein, Gewicht ohne alles ca. 480 g.
Freilich nicht zum Rennen, aber womöglich ist über die Optik noch was zu machen ;-)

Bild 17.jpg


Schaun mer mal.
Viele Grüße - Albrecht
 

Wilf

User
Also einfach den schönen Topf am Stutzen schräg absägen, stattdessen eine fein gebohrte Aluplatte aufkleben, fertig und gut?

Ich käme so auch an die verflixten Schrauben besser bzw. überhaupt mal dran!
Und der beliebte Rizinusschleier würde wohl besonders fein verwirbelt, abgesehen vom Klang, den noch keiner kennt.
Oder sonstige Effekte. Hmm...
Einen alten Modelldiesel wieder zum Leben zu erwecken, das hat für mich so einen Hauch von Alchemie an sich. Machst Du das bei Kerzenlicht und murmelst dabei Zauberformeln?

Die Schalldämpfer-Befestigung mit den Schrauben verkehrt herum ist kein Glanzlicht britischer Ingenieurskunst. Aber den Original-Schalli deshalb gleich abschneiden???
Derartige Misshandlungen kannst Du jedem überzähligen Schalldämpfer oder auch einer einfachen Schalldämpferverlängerung angedeihen lassen. Mit einem Spannband um dem Motor rum kann man den auch befestigen.

Übrigens, welchen Achsabstand haben die Schalldämpferbefestigungsschrauben am Irvine denn?
 
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