Jazz abgefackelt

crakob

User
Hallo,

sagt mal, warum raucht ein Regler im Segelflug ab??

Ich war am WE mit meinen Blue Generation unterwegs, beim letzten Flug ( logischerweise) hatte ich im Queranflug auf einmal eine heftige Störung. War dann aber wieder OK und ich bin allerschnellstens reingelandet.
Vorher ein ganz normaler Steigflug auf 200m ohne irgendwelche Anzeichen eines Problemes.

Beim Öffnen der Haube dann der Schock. Tierischer Gestank und der Regler hatte sich buchstäblich in seine Einzelteile zerlegt. Alle Kabel abgelötet und überall flogen kleine, ausgelötete SMD-Bauteile rum.

Der Regler ist/war ein Jazz 60-10-24 (32V) opto
(1 Jahr alt)
Antrieb ein Fun600-18 mit 6,7:1 Getriebe an einer 18,5-12er Aeronaut-Latte.
Als Akkus hatte ich 7 3200er Kokams drin.
(Gottseidank haben sich die abgelötetn Kabelenden nicht berührt.)

Da ich auch mit 6 Lipos oder 20-Zellen 3300NiMh fliege hatte ich direkt auf dem Platz nachgemessen und die Anlage so Programmiert, daß im Stand maximal 50-51 A fließen, um die Akkus nicht zu killen. ( Das sind dann etwas über 15C)

Also eigentlich war doch alles im grünen Bereich ?

Obwohl nicht vorgesehen, hatte ich seitlich noch Lüftungsschlitze und im Bereich der Endleiste Entlüftungsschlitze eingefräßt. ( So wie bei der Alpina)

Kann sich da jemand einen Reim drauf machen?

So sieht das desintergrierte Teil aus. Die Teile lagen so im Rumpf, da ist nichts abgemacht worden !


[ 31. Mai 2005, 08:54: Beitrag editiert von: crakob ]
 
Original erstellt von crakob:
Hallo,

Da ich auch mit 6 Lipos oder 20-Zellen 3300NiMh fliege hatte ich direkt auf dem Platz nachgemessen und die Anlage so Programmiert, daß im Stand maximal 50-51 A fließen, um die Akkus nicht zu killen. ( Das sind dann etwas über 15C)

Ist der Standstrom bei 6s Lipos bei Vollgas 50 A ?

Wenn ja, dann ist der Regler bei 7s überlastet.
Er ist auch dann überlastet, wenn du den Sender so programmierst, dass der Regler nicht den vollen Weg erhält. Der Regler ist nur dann teillastfest, wenn der Vollgasstrom 60 A nicht überschreitet.

Beim Tackten fließt der Vollgasstrom in kurzen Zeitintervallen. Der Mittelwert des Stromes entspricht deinen gemessenen 50 A.

[ 29. Mai 2005, 20:44: Beitrag editiert von: Gerhard_Hanssmann ]
 
Beim Wechsel von 6s auf 7s Akkus steigt bei gleicher Luftschraube die Spannung auf 7/6, die Drehzahl auf (7/6) und damit die WellenLeistung auf (7/6)^3. Da die Leistung das Produkt aus Strom und Spannung ist, steigt der Strom um den Faktor (7/6)^2.

Also:
Strom mit 6s: I
Strom mit 7s : I * (7/6)^2 = I* 1,35

35 % mehr, damit ist der Regler überlastet.

[ 29. Mai 2005, 22:02: Beitrag editiert von: Gerhard_Hanssmann ]
 

crakob

User
Hallo Gerd,
danke für die Antwort.

Ja, die 60A Volllast für den Teillastbereich hab ich in der Anleitung auch gelesen.

Ich hab gerade mal meine Messungen von neulich hochgeholt.
Da hatte ich mit frischen Packs gemessen.
Regler mit 100%
20Z 26,4 48A/21,2 ( NiMh 3300 P&M)
6Z 24,8V 50A/21,4V ( Koka 3200 )
7Z 28,9V 61A/24,4V -"-

Demnach wären die 60A Dauer nur gerade eben überschritten ( 61A). Im Flug geht der Strom doch auch noch etwas zurück ?
Der Steigflug dauert ca. 10-15 Sec.

Was ich nicht kapier; warum ist er dann ca 5 Min nach Abschalten des Motor hochgegangen und nicht im Steigflug?

[ 29. Mai 2005, 23:44: Beitrag editiert von: crakob ]
 
Hallo

Eigentlich müsste doch der Regler bei zuviel Strom abschalten und sich nicht verbraten! Auch wenn ich ein paar Ampere zuviel brauche. Hatte bei einem anderen Fabrikat auch schon ein solches Erlebnis. Weiss aber auch nicht welchen Fehler den Brand verursacht hatte.

Viele Grüsse Silvan
 

Snoopy

User
Wenn Du ein 5,2:1 Getriebe montiert hast wären dass bei 7s runde 95A Vollgasstrom, da raucht der Regler ab.
Bei nem 6,7:1 Getriebe bist Du Vollgas bei ca. 62A, das ist zwar grenzwertig, aber so sollte der Regler danach nicht aussehen.
Mit 6s Kokam 3200H solltest Du gar keine 50A mit 6,7:1 Getriebe erreichen, welches ist denn jetzt wirklich montiert?

Teillast macht aus meiner Sicht im Segler aber trotzdem keinen Sinn.

Wie lang waren die Zuleitungen vom Akku bis zum Regler?
 

plinse

User
Moin,

Teillast zur Leistungsbegrenzung ist absolut ungeeignet. Gerhard hat es schon geschrieben, dass der volle Strom dann nur getaktet wird, so dass die mittlere Leistung sinkt, aber gerade das Takten ist das Problem.

Die größte Wärme produzieren die Transistoren nicht, wenn sie den Vollgasstrom leiten, sondern wenn an ihnen gleichzeitig auch noch eine nennenswerte Spannung abfällt. Der Durchlasswiderstand von solchen FETs ist sehr gering doch wenn sie abschalten, steigt der R_DSON und zuerst fließt weiter der volle Strom, der dann "langsam" zurück geht. Wenn der Steller beim Takten dauerhaft schaltet, macht das den Löwenanteil der Verlustleistung aus.

Wenn man einen grenzwertigen Antrieb hat, dann nur Vollgas. Akku und Steller dürfen auf keinen Fall gleichzeitig grenzwertig sein. Dauervollgas ist nicht gut für den Akku und dauer Teillast killt den Steller.

Hätte aber trotzdem abstellen sollen der Steller oder hattest du den FAI-Modus drinne?

Hatte das aber auch mit 2 Yeti Stellern, die irgendwann unvermittelt ausgestiegen sind.
 

Snoopy

User
Sehe ich das richtig auf dem Bild, dass der REgler mit einem Kabelbinder festgemacht war?

Das könnte auch die Ursache gewesen sein, ist schon vielen Leuten passiert, da leicht ein Bauteil von der Platine reißt (z.B. bei der Landung), dann ein kleiner Kurzschluss...
 
...hatte auch 2 Jetis ähnlich zugerichtet, bis sich herausstellte, daß das falsche Timing Schuld war: für Mehrpolige (zB. AXI) muß langes Timing eingestellt werden, kurzes überlebte der Steller nur 30 sec lang.
mfg
 

crakob

User
Hallo Leute,
hallo Snoopy, hallo Eike

Sorry, Getriebeangabe hatte ich vergessen.
Es ist das 6,7:1 mit der 18,5x12 Latte, so wie von Kontronik bzw. B.A. vorgeschlagen bei 20 Zellen. (16-24 Zellen sind möglich, dann mit etwas anderen LS)

Wie gesagt, mit den 6S hatte ich knapp über 50A gemessen. (Unitest) Mit den 7S besagte 62A. Das passt ja zu Deinen Angaben, Snoopy.
Das Timing stellt der Jazz ja selber ein.
Der Kabelbinder ist vom Empfängerpack der unterhalb des Reglers befestigt war.
(Zwischen Regler und Akku war ein CFK beschichtets, mit dem Rumpf verschraubtes Brett zur Befestigung von Regler und Akku.)
Der Regler selbst war mit einem Stück Spiegelklebeband befestigt.

Hat den keiner eine Idee, warum der Regler nicht beim Steigflug, sondern erst nach 5min Segelflug abgeraucht ist ?

Naja, ich hab den Antrieb, bzw. die Reste, mal zu Mike geschickt. Da sind sie ja in guten Händen, und evtl. kann ja doch der Grund/Ursache des Blowups festgestellt werden.
Denn ich finde, noch ärgerlicher als der Schaden selbst ist es, wenn man das Warum nicht weiß.
 

Snoopy

User
Denn ich finde, noch ärgerlicher als der Schaden selbst ist es, wenn man das Warum nicht weiß.
Da stimme ich Dir voll und ganz zu, mir fällt auch ehrlich gesagt keine Ursache mehr ein.
Du kannst aber mit Sicherheit sagen, dass es erst 5min nach dem Motorlauf geraucht hat?
Das finde ich am seltsamsten, denn ohne mechanische Einwirkung oder irgendeinen metallischen Gegenstand der einen kurzen verursacht kann ich mir so einen Zerstörungsgrad nicht vorstellen.
Du warst auch nicht so weit über den Limits, dass es damit zu begründen wäre, es sei denn die Reglerzuleitung war sehr lang (bzw. irgendwein hoher Übergangswiderstand auf der selbigen).

Waren die Kokams mit den original Lötplatinen versehen? Oder war da was vernünftiges nachgerüstet?
 

crakob

User
Hi Snoopy,

Ich bin mir sicher, das es gut 5 Minuten waren ( evtl. 4 evtl. 6) Wie gesagt, der Steigflug am 200m war ganz normal.

Kokam-Platinen? , gute Frage.
Ich hab nichts anderes eingelötet.
Die Akkus sind aber irgendwo hier in BRD konfektioniert worden. Ich fand die Platinen eigentlich ziemlich robust und die Lötpunkte sahen auch sehr gut aus.

Nach der Landung sah es auch nicht danach aus, als ob irgendetwas hätte einen Kurzen verursachen können: Alles war an seinem Platz ( naja, die Bauteile des Reglers nicht:)) und alle Kabel und Stecker waren intakt ?
 
Motor ist ok ? nicht dass der zu viel Strom zieht!
Lipo zeigen glaube ich ein temperaturabhängiges Spannungsniveau, oder? Könnte es sein, dass die Leistung zu Beginn nicht die Leistung nach 3-4min ist? Oder ist das abwegig?
Grüßle Jörg
 
bie meinem Sonnyboy sehen die Regler nach dem Wassern auch immer so aus :D
Nur eine Anregung wenn irgendwo Kriechstrom fließt fackelt der Steller ab.

Ach ja solche gewasserte und abgefackelte Steller unbedingt zur Schadensbegrenzung in Spiritus einlegen, und sammt Glas persönlich zu Mike senden.
Darüber freut er sich bestimmt.
binschonweg....

Also im Ernst ich tippe drauf, daß irgend ein Bauteil Falschstrom bekommen hat und dann die FETS falsch geschaltet haben.
 

Gerd Giese

Moderator
Teammitglied
Hi,
das Problem ist die Rekonstruktion.

Hypothesen...

1. Fehler des Jazz (Dimensionierungen ...)
- wohl kaum, da die Serie wohl eines Besseren belehrt - zumindest mich und meine Kollegen. ;)

2. Produktionsfehler
- Zinnspritzer oder sonst was könne teuflisch wirken. Gerade wenn noch Temperaturdrifts und Erschütterungen dazukommen.
- Haarabspaltungen an der Leiterbahn (soll eigendlich auch der Lötstopplack verhindern) bewirken Gleiches.

3. Bauteilefehler
- wer kennt das nicht und wer will das ausschließen. Heute gekauft und morgen kaputt ???

4. Überlastung
- ist geklärt und sollte nicht der Fall gewesen sein

5. Bedienungsfehler
- keine Ahnung, auch will ich hier NIEMANDEM auch nur das Kleinste unterstellen!

... aber Mögliche wären:
- ein unbemerkter ganz kurzer Verpoler am Eingang. Nie bemerkt und schon vergessen ... :rolleyes:
- mechanisch, eventuell hoher Druck. Dieser dann noch spitzt - teuflisch was da passieren kann!
(s.o.)

... die Liste könnt ihr vervollständigen ...

Welches Resultat möchtet ihr?
 

crakob

User
Hallo,

ich hab gestern den Motor und Steller zurückbekommen.
Steller mit dem Kommentar : Nicht reparabel. HA HA was für ein Scherz. Das war doch wohl klar.

Motor: Rotor getauscht.(56€) Und jetzt kommt es: Wegen Überhitzung bzw. überlastung defekt ???!!!

Wobei von Kontronik im Vorwege die Aussage kam, das das Antriebsset, so wie ich es habe super passt, und auch mit 7 Zellen kein Problem darstellt. Auch von Blue Airlines wurde gesagt, das keine Kühlung notwendig sei. ( Ich hab ja trotzdem Schlitze drinn.)
(Der Thermostrip auf dem Motor zeigte ca 88 grad max. Temp. an)

Etwas mehr Kulanz hätte ich doch erwartet.

Ebene bekam ich noch zur Antwort: Garantie gibt es bei sowas nicht, denn wir wissen ja nicht was der Kunde mit dem Antrieb macht.
OK kann ich verstehen. Aber dann sollte man gleich darauf hinweisen, das man für seine Produkte keine Garantie übernehmen kann.

Und man sollte sich Antriebsvorschläge verkneifen, wenn man sich nicht 100%sicher ist.

Sorry, aber ich bin ziemlich sauer so abgefertigt zu werden.

Das es auch anders geht hat Torcman ja schon gezeigt. Da hieß es sinngemäß: bei dem Setup darf unser Motor nicht überhitzen. Und da gab es ohne Zögern einen neuen.
 

Snoopy

User
Auch wenns ärgerlich ist, aber die Fehlerursache wissen wir jetzt.
Wenn der Rotor abmagnetisiert hatte, dann lag der Strom deutlich über 60A, das ganze kombiniert mit Teillastbetrieb hat den Steller zerstört (bei Teillast greifen die Schutzmechanismen nicht, bzw. nicht schnell genug).

Bleibt aber die Frage warum der Motor überhitzt wurde, wie lange waren Deine Steigflüge im Schnitt?
 

plinse

User
Moin,

zum einen nimmt die Entmagnetisierfestigkeit von NdFeB Magneten um ~0,1%/° ab und zum anderen dürfen Magneten nicht über 170-200°C warm werden, dann ist eh der Ofen aus.
Das geht verdammt schnell und so mancher "schnelle Motortest" erfüllt die Kriterien der Überhitzung, das kann auch schon länger her sein. Man kann den Magneten ganz leicht schädigen und er hat nicht mehr die alte Belastbarkeit.

Im F5B kann man einen Rotor binnen 2 Steigflügen töten, nur mal so als Refferenz und die Steigflüge müssen nicht überlang sein, sonst reicht einer.

Speziell bei LiPo muss man aufpassen, auf ein mal stehen einem Kapazitäten zur Verfügung, Setups, die mit NiCd als safe galten, waren mit den GP3000er und 3300er teils mehr als grenzwertig, was mit NiMh noch eine Akkuladung überlebt, muss aber mit Lipo nicht mehr durchhalten. Ist immer die Frage, wie alt die Aussagen zu einem Setup sind. Das überholt sich alles mit der nächsten Akkugeneration.
 

Snoopy

User
Naja, das große Motorsterben fängt gerade erst an, die Zahl der hochkapazitiven Lipos ist noch nicht so groß.

In Christians Fall kam aber erschwerend der Teillastbetrieb dazu, da wird der Rotor förmlich geröstet. Trotzdem sollte niemand sagen, dass der Motor keine Kühlung braucht...
 
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