Jodel D.9 Bébé

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Ein Modell von Aero-naut

Jürgen Rosenberger​

Zur Geschichte des Originals

Die D9 wurde ab 1947 als einsitziges Sportflugzeug mit offenem Cockpit entwickelt. Der erste Prototyp mit dem Kennzeichen F-WEPF hatte im Januar 1948 in Beaune seinen Erstflug. Die Serienproduktion erfolgte in den 1950er und 60er Jahren sowohl bei Jodel in Beaune als auch bei Wassmer in Issoire. Ab 1952 wurde die Maschine auch in Deutschland von Amateurflugzeugbauern nachgebaut, erhielt aber erst 1958 ihre Zulassung. Insgesamt wurden etwa 500 Exemplare im Amateurbau hergestellt, hierfür stand ein großes Sortiment an Fertigteilen und Halbfabrikaten zur Verfügung.


Konstruktion

Die D9 ist ein aus Holz gefertigter, freitragender Tiefdecker mit kastenförmigem Rumpf und rechteckigen Tragflächen, die mit etwa 14° nach oben abgewinkelten Außenflügeln enden. Die einholmigen Tragflächen waren einteilig. Das feste, freitragende Spornradfahrwerk besaß mit Gummielementen ausgestattete Federbeine und in der frühen Ausführung einen Federsporn. Der Prototyp wurde von einem Poinsard Zweizylinder-Boxermotor mit 18 kW Leistung angetrieben. Die Maschine konnte jedoch mit einer Vielzahl unterschiedlicher Triebwerke ausgerüstet werden. Hierzu gehörten beispielsweise der 35 PS (25 kW) ABC-Scorpion und der 30 PS (22 kW) Minié. Später kamen Motoren mit bis zu 48 kW Leistung zum Einsatz. Bei den in Deutschland gebauten Exemplaren wurde ein Vierzylinder-Boxermotor von Volkswagen mit 19 bis 29 kW verwendet. Die Version mit dem 26 PS (19 kW) VW-Motor wurde als Jodel D.92 bezeichnet.

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Ein Gruß von Aero-naut

Es klingelte an der Haustür. Draußen stand unsere junge Postbotin mit dem Elektroauto und übergab mir ein Paket aus dem Schwabenlande. Von Neugier gepackt schwang ich das Teppichmesser und schon ließ sich als Inlet ein bunt bedruckter 60 x 40 cm Karton entnehmen. Auf dem Deckelbild lachte mich eine grün-weiße Jodel Bébé mit Knickohren an. Im Inneren des Kastens fand ich nach Bauabschnitten geordnete Sperrholzbrettchen mit fein gelaserten Rippen und Spanten, passgerecht geschnittenes Beplankungsmaterial aus Abbachi für Rumpf und Flügel. Eine Besonderheit war das auf der Unterseite mit Leinen beschichtete Beplankungsmaterial, was dem Abbachiholz, wie sich später beim Bauen herausstellen sollte, eine besonders hohe Stabilität verleiht ohne die sonst so typische Bruchneigung in Faserrichtung. Anlenkungen, Schubstangen, Räder und gefederte Fahrwerksbeine, es war alles vorhanden. Mein erstes Fazit: Ein Baukasten von erlesener Qualität! Ich bin mal gespannt, was mich im Weiteren erwartet.


Der Bau

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Die Bauanleitung ist nach Rumpf, Seitenruder, Höhenruder und Flächen gegliedert. Die Bebilderung ist nicht schlecht, könnte aber bezüglich Darstellung der Baustufen engmaschiger sein.

Der Rumpfbau beginnt mit der Fertigung einer rechten und linken Rumpfseite. Jede wird innen mit Rumpfgurt und gelasertem Sperrholzteil aufgedoppelt. Die beiden Seitenteile sind schnell fertig. Die Spanten, R10, R12 werden mit dem Zwischendeck verleimt. Der so entstandene Kern wird mit den Rumpfseiten über Zapfen in den jeweiligen Zargen zusammengefügt. Vorne folgt der Einbau des Motorspantes R15 unter Zusammenpressung beider Rumpfhälften. Hinten setzt man die Spanten R15 bis R18 ein und schafft mit dem Abschlussspant R19 ein Lager für das Seitenruder. All' dies ist ohne Bauplan möglich, da sich die Teile passgenau ineinander fügen.

Ein Wort zum Laserverfahren. Wie viele Modellbauer grübele auch ich über der Frage, was nun besser ist, eine Fertigung der Spannten und Rippen mittels Laser oder Fräse.

Die Vorteile des Laserns:
  • Die Teile benötigen so gut wie keine Nachbearbeitung,
  • Ecken müssen nicht wie beim Fräsen entrundet werden,
  • Leisten oder Holzteile lassen sich ohne langwieriges Feilen in den jeweiligen Löchern verzapfen.

Nachteile des Verfahrens:
  • Das Holz wird im Brennbereich infolge Austrocknung spröde und
  • die verbrannten Außenkanten sind für Sekundenkleber weniger zugänglich, das bedeutet,
  • die Klebestelle ist weniger belastbar.

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Es folgt das Einkleben der Höhenruderauflage. Beim späteren Einmessen der EWD stellte sich eine Fehlstellung heraus. Außerdem ist die EWD in der Baubeschreibung nicht vermerkt, sie beträgt 1,5° und musste erst bei Aero-naut erfragt werden. Dazu sind an der Vorderkante des Höhenleitwerks 5 mm zu unterlegen. Anschließend stehen die Fertigung des Rumpfbodens sowie der abnehmbaren Klappe vor dem Pilotensitz an, die den Batterie- bzw. Tankraum abdeckt.



Motorenwahl – knatter-knatter oder summ-summ?

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Der auf der Verpackung abgebildete Dreizylinder-Saito lässt Modellbauerherzen zwar höher schlagen, aber mit mehr als 1100 Euro ist das Teil jedoch nicht ganz billig und aufgrund seines Gewichts weniger empfehlenswert. Die auf Gewichtsersparnis bedachte Auslegung der Jodel im vorderen Rumpfteil erscheint wenig geeignet, den Vibrationen eines Verbrennungsmotors problemlos standzuhalten, sei es auch ein noch so exzellent gefertigter Dreizylinder. Meine Wahl fiel daher auf einen Hacker Brushless Außenläufermotor A 60 V4 mit 10 S Lipoenergiequelle sowie einen Electronics Speed Controller Master Mezon. Der A60, ein qualitativ hochwertiges Kraftpaket, muss angemessen fixiert werden. Hacker bietet für den stabilen Motoreinbau einen schwarz eloxierten Alu-Träger an. Das U-förmige Gerüst ermöglicht leider keine Verstellung der Motorachse z. B. nach rechts unten. Zähneknirschend griff ich zu Unterlegscheiben. Ja ich weiß, PC-Junkies stellen alles auf 0 und richten es über die Mischer der Computeranlage. Wer es kann, dem sei es gegönnt! Nach Festlegung des Motortyps konnte nun die Motorhaube über einem inneren Sperrholzgerüst mit Balsabohlen angefertigt werden.
Anmerkung zur Wahl des Spinners: Aero-naut präsentiert auf seinen Werbefotos einen Spinner, der im Durchmesser kleiner ist als das Kopfmaß der dahinter liegenden Motorhaube. Bei meiner Internetrecherche fand ich Jodel Bébé Maschinen, deren Spinner mit der Motorhaube fluchten. Dem Gefühl folgend, dass Aerodynamik und Ästhetik zueinander gehören, entschied ich mich für einen 80 mm Spinner. Der ergibt einen stufenlosen Übergang zur Motorhaube. Es schloss sich nun der Bau des Seitenruders und des Höhenleitwerks an. Der Bauplan ist weiterhin nicht erforderlich, da die Bauanleitung erklärende Abbildungen enthält. Die Rippen der Dämpfungsfläche wurden von der Mitte nach außen auf einer Kieferleiste positioniert, mittels nummerierter Verkastungen auf den richtigen Abstand gebracht und verklebt. Die Seitenruderrippen befestigte ich mit ihren Füßchen auf dem Baubrett, nachdem ich sie vorne und hinten mit Weißleim in die gelaserten Nasen- und Endbretter gesteckt hatte. Als Scharnierlager dienen hinterklebte Balsablöckchen. Die Skelette von Höhen- und Seitenruder standen zur Beplankung an. Für mich neu und ungewohnt war die aus einem Stück bestehende Holzauflage, die auf die Rippengerüste des Seiten- und Höhenleitwerkes aufgezogen wird.


Tragflächenbau

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Jodel Flugzeuge haben eine typische Tragflächenkonfiguration. Der Flügel besteht aus drei Abschnitten. Dem Mittelteil ohne V-Form und den seitlichen Ohren. Die aus zwei Hälften (T1 und T2) bestehende untere Beplankung des Mittelteils wird mit Klebeband auf der Unterseite zusammengefügt und auf dem Baubrett fixiert. Anschließend wird der aus drei Teilen bestehende Hauptholm zu einem Stück geschäftet. Die Länge der Schäftungsfugen gibt der Konstrukteur mit 50 mm an; dies ist insofern lobenswert, als Schäftungen von jedem Modellbauer, nicht zuletzt auch von mir, nach Gefühl und Wellenschlag erfolgen, meist zu kurz und selten zu lang. Die doppellagig verklebte Zentralripppe T08 wird über der Stoßfuge in gelaserten Nuten der auf der Helling liegenden Beplankung verzapft. Wiederum von der Mitte ausgehend werden die nachfolgenden Rippen nach beiden Seiten anfänglich in vorbereitete Nuten eingesetzt. Ab T11 sind die Abstände durch die Verkastungen T11, T13 etc. im Wechsel mit den Rippen T12, T14 und T16 vorgegeben. Nach lateral setzte ich dann Halbrippen im Wechsel mit Vollrippen ein. An den Außenseiten platziert man die Abschlussrippen T20. Diese sind, es entsteht schließlich ein Knickohrflügel, über einer Schablone leicht angeschrägt einzuleimen. Beidseitig der Mitte werden die Fahrwerksträger zwischen Rippe T10 und T10a eingebaut. Die Abstützung im Flügelgerüst erwies sich bei Landungen nach ersten Probeflügen als zu schwach. Vor der Beplankung der Oberseite fallen noch einige Vorarbeiten an. Das Schraubenlager der Flügelbefestigung bilden Balsaklötze, die mittig an der Endleiste eingeleimt werden. Füllklötze für die Steckung der Frontdübel sind an der Nasenleiste anzubringen. Weiterhin werden Balsaholzverstärkungen sowohl an den Ecken des Flügelmittelteils, wie auch an den Ohren befestigt. Die Messinghülsen in Mittel- und Außenflügeln müssen spannungsfrei in die Holzlager einzuschieben sein, damit im Flugbetrieb die Kohlefasersteckungsrohre problemlos eingeführt werden können. Vor der Verklebung sind die Messinghülsen außenseitig anzurauen. Eine kritische Anmerkung: Die Platzierung der Füllklötze, Röhrchen, Steckungsdübel, Schraubenlager etc. ließe sich leichter bewerkstelligen, wenn es eine Explosionszeichnung mit den Positionen dieser kleinen Bauteile geben würde. Die Bauanleitung lässt nämlich den Modellbauer hier bisweilen im Unklaren.

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Zur Beplankung der Unter- und Oberseite werden zwei Hälften des Abbachifurniers, von Klebeband zusammengehalten, jeweils erst unten dann oben aufgebracht. Die konventionelle Herstellung mit Beplankung vorne, hinten und mit Aufleimern in der Mitte entfällt; das Verfahren spart Bauzeit, ist aber nicht ohne Tücken und erfordert planvolles Vorgehen. Der Grund: Eine einteilige Beplankung auf einer sphärischen Fläche zu verleimen, birgt die Gefahr, dass die eine oder andere Stelle des Furniers nicht satt aufliegt. Holz verhält sich nicht wie eine Schrumpffolie. Dem sphärischen Charakter geschuldet legen Furnier und Auflagefläche bisweilen verschieden lange Strecken zurück, hierdurch können Beulen entstehen. Die Verwendung schnellabbindenden Weißleims ist nachteilig. Nachverklebungen auftretender Beulen gestalten sich schwierig, einmal war ich sogar gezwungen, zur Streckenverkürzung ein Holzstück herauszutrennen. Im Anschluss an das Flächenmittelteil werden die Ohren in ähnlicher Weise wie beschrieben gebaut. Sie sollen - so die Vorgabe des Konstrukteurs - von vier Power-Magneten am Hauptflügel gehalten werden. Man schiebt die Außenflügel über dem Kohlefaserrohr ein, das Klackgeräusch der aufeinanderstoßenden Magnete signalisiert "Flügel fest". Es bleibt die bange Frage "Hält das auch bei extremen Flugsituationen?" Letztendlich entsteht ein schmucker Flügel, bei dem Schleifarbeiten - die Beplankung ist aus einem Stück - nur gering anfallen.

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Das Fahrwerk sind stoßgedämpfte Alubeine. Sie werden auf einem 4 mm Stahlstift des Fahrwerkslagers klemmend verschraubt. Als Radachse für die 127 mm Räder dienen M4 Sechskantschrauben. Ich komme auf die Frage, ob das reicht, später zurück.

Nach vier bis fünf Nachmittagen mit problemloser Bastelarbeit stand die Jodel im Rohbau auf dem Baubrett. Lediglich Nasenleisten, Tankabdeckung und Motorhaube musste ich noch verschleifen.


Finish

Ich entschied mich für Oratex Folie. Zunächst habe ich weiß aufgebügelt, anschließend rot. Mit dem Auftragen der zweiten Schicht hatte ich bisher immer so meine Probleme. Aus geraden Schnittkanten (weiß/rot) wurden, weil ich beim Aufbügeln zu hohe Temperaturen wählte, nicht selten Kurven. Um das zu vermeiden, bestreiche ich nun die bereits liegende Folie im Überlappungsbereich mit Oracover-Kleber und bügle anschließend mit nur 90° C rot auf. Den Rest besorgt das schwarze Trimline-Band.

Die Servos habe ich stehend in den Flügelohren platziert. Höhen- und Seitenruderservo sind hinter dem Pilotensitz montiert. Ein wenig problematisch gestaltete sich die Höhenruderanlenkung. Ein Servo soll zwei Höhenruderblätter bedienen. Der schräge Verlauf der Glasfaser-Bowdenzüge aus dem Rumpf durch die hinteren Rumpfseitenwände zum jeweiligen Ruder ergibt eine Schwergängigkeit, die zu einer erhöhten Belastung der Rudermaschine führt. Das Armaturenbrett habe ich mit einem Photo aufgehübscht, den Pilotensitz mit Leder bezogen und den Passagierraum grau gestrichen. Kompliment an den Konstrukteur: Vollständig ausstaffiert und mit 10S-Akku beladen, pendelt sich die Jodel im angegebenen Schwerpunkt (14,5 cm hinter der Nasenleiste) ohne Bleizugaben ein. Empfehlungen für die Ruderausschläge habe ich aus der Bauanleitung übernommen. Bei der Frage: Stimmen die Wege? hielt ich mich an Erich Kästners Feuerzangenbowle: "Dat kriejen mer später!". Meine Jodel mit einer Spannweite von 2,60 m hat komplett ausgerüstet, allerdings noch ohne Akku, ein Gewicht von 7,4 kg. Zukäufe bis zur Rohbaufertigstellung fielen nicht an. Alles war montiert, alles funktionierte, also auf zum Flugfeld, wäre es nicht November gewesen, mit seinen wetterlichen Unbilden.


Die Flugerprobung

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Auf dem Flugfeld ist die Montage nach dem Ausladen schnell erledigt. Anlage einschalten, Gasknüppel nach vorne! Das E-Aggregat läuft mit Vehemenz an, kein Fluchen über einen startunwilligen Verbrennungsmotor. Ich wollte mich allerdings bezüglich der Befestigung der Ohren am Hauptflügel nicht alleine auf die Magnete verlassen…

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…und schaffte daher eine zusätzliche Sicherung mit Tesastreifen, man weiß ja nie. Ein letzter Check aller Funktionen, dann ging es los. Nach 5-10 m hob das Modell ab. Der Wind war nicht unerheblich, der Windsack des Platzes zappelt in der Waagrechten, die Jodel aber schien das nicht zu kümmern. Sie flog wie an der Schnur gezogen durch die bewegte Luft. Ein Vereinskollege mutmaßt sogar die Verwendung eines Kreisels, was ich energisch bestritt. Die Power des Hacker V60 ist superb, Halbgas war für den Normalflug völlig ausreichend, mit Vollgas sind Loopings eine leichte Übung. Für Rollen scheint die Querrudereinstellung mit +/- 15 mm allerdings zu gering zu sein. Im Verlaufe von sieben Minuten bot die Bébé ein vielversprechendes Flugverhalten. Gewöhnungsbedürftig waren die ersten Landeanflüge wegen einem extrem flachen Gleitwinkel.

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Auch die Butterflystellung erwies sich als zu gering. Mit 2 cm hochgestellten Querrudern war die Sinkrate im Landeanflug nur mäßig. Da gibt's also vor den folgenden Flügen noch Änderungsbedarf. Ebenfalls die Höhenruderausschläge erschienen mir mit +/- 10 mm zu schwach dimensioniert. Nach mehreren Anflügen erfolgte die erste Landung. Sie verlief eigentlich glatt, aber dann setzte der noch winterliche Rasen dem Fahrwerk doch zu. Das rechte Fahrwerk brach aus der Verankerung im Flügel. Bei der genauen Inspektion fand ich zusätzlich eine verbogene Radachse. Summa summarum ein vielversprechender Erstflug. Sogar bei bockigen Windverhältnissen bietet die D9 eine hohe Eigenstabilität mit gutmütigem Flugverhalten. Ruderausschläge und Fahrwerksauslegung sind jedoch korrekturbedürftig.

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Die Reparatur

Ab in die heimische Werkstatt zur Fahrwerksüberarbeitung. Ich schnitt um den Fahrwerksaustritt an der Unterseite der Flügel 4 x 6 cm große Rechtecke. Auf der rechten Seite ist das obere Haltebrett in sich gebrochen. Ich trennte es heraus, habe dann das Lager mit durch Baumwollflocken aufgedicktem Harz vergossen und ein neues Brett eingesetzt. Auf der unbeschädigten Seite habe ich durch 1 x 2 cm große Bohrungen vorsorglich ebenfalls eine Verstärkung mit Harz vorgenommen. Ob das ausreichen wird werden die nächsten Landungen zeigen. Das die 4 mm Radachse verbogen wurde, hat mich nicht überrascht. Das Aufnahmeloch im Fahrwerksbein habe ich aufgebohrt und erneut mit Gewinde versehen. Ab jetzt wird die Achse des 127 mm Rads von einer gehärteten M5-Schraube mit mehreren Zwischenringen gebildet, die den Landestößen hoffentlich besser standhalten wird.

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Der nächste Flugtag

Mein Hoffen auf weniger Wind: Fehlanzeige - es blies weiterhin kräftig. Die Ruderauschläge hatte ich geändert. Quer auf +35/-20 mm, Butterfly auf 40 mm mit 15% Tiefenruderzumischung. Gas rein, nach 5 m airborne. Auch diesmal störte der unangenehm böige Wind die Jodel kaum. Die vergrößerten Ausschläge zeigten die erhoffte Wirkung: Rolle, Looping und Turn gelangen spielerisch, nur Messerflug konnte sie nicht. Erstaunlich ist auch die Kraft des Hacker-Außenläufers. Trotz des starken Windes war Halbgas völlig ausreichend. Nach sieben Minuten folgte die Landung. In der Butterfly-Stellung driftete die Maschine jetzt extrem nach rechts, also zurück zur Normalstellung der Querruder. Die Landung gelang dieses Mal ohne Fahrwerksprobleme. Nach dem Aufsetzen zeigte sich, dass die linke Querruderanlenkung gebrochen war. Eine kleine Reparatur am Platz mit Stabilit war fällig. Danach ging es wieder in die Luft. Neuer Akku-Pack, neuer Start, up, up and away - die Turnerei wurde fortgesetzt. Anfangs gefiel mir die Jodel Bébé wegen ihrer Knickflügel nicht, jetzt bin ich geradezu verzückt. Gutmütiges Flugverhalten, tolles Flugbild, begrenzte Kunstflugtauglichkeit. Das sind faszinierende Eigenschaften. Nicht zu vergessen: Die Transportfreundlichkeit im Auto - mit abgenommenen Ohren.

Noch ein Wort zu den Höhenruderausschlägen: +/- 10 mm, wie vom Hersteller vorgeschlagen, sind vor allem für die Landung zu gering; +/- 20 mm haben eine eher giftige Reaktion zur Folge, doch mit 40% Expo ergibt sich ein gesunder Kompromiss.


Fazit

Mit der Jodel Bébé D9 bietet Aero-naut einen qualitativ hochwertigen Baukasten in Vollausstattung an, der unter Nutzung moderner Computertechnik den Holzmodellbau attraktiv macht. Der Aufbau des Modells gestaltet sich zügig und weitestgehend problemlos. Die Flugeigenschaften des Tiefdeckers sind gutmütig, so dass auch der weniger Geübte seine Freude haben dürfte. Wie lautet doch das Motto aller Schwaben: Wir können alles außer hochdeutsch!


HELIOS (aero-naut) - Technische Daten
Einheit
Spannweite-------------------------------------------------------------------------------
mm
2.400
Länge
mm
1.830
Fluggewicht (ohne Akku/mit 10s-Akku)
kg
7,4/8,6
ProfilNACA 2412 mod.
HELIOS (aero-naut) - weitere Angaben
MotorHacker Brushless A60 V4
ReglerJeti Master Mezon
LuftschraubeAPC 20x13E
Schwerpunkt hinter Nasenleiste
mm
145
EWD
°
1,5
HELIOS (aero-naut) - meine Ruderausschläge
Höhenruder - Expo
mm
+/- 20 - 40%
Seitenruder
mm
maximal
Querruder - Expo
mm
+35/-20 - 40%
 

Kommentare

Naja, muss man halt mögen. :D
Die Farbwahl und Ausführung ist über jeden Zweifel erhaben.
Aber die Form ist nichts für mich.

Mario
 
Ja, die Bébé gefällt oder nicht - mir schon sehr und Jürgen hat sie ja hübsch gebaut. Wie wär's noch mit 'Männle' und den frei sichtbaren Zylindern des Boxers? Mein etwas kleinere (2m Spw) verhält sich im Flug ähnlich wie beschrieben, auch ich wundere mich über den unerwarteten Gleitwinkel.
 
Moin Jürgen.
Wieder mal ein toller Bau-und Flugbericht wie von dir nicht anders zu erwarten.
Liebe Grüße und bis bald wieder auf der Insel.
Michael.
 
Hallo liebe Modellbaufreunde,
zum Thema Pilotenpuppe sei eine Anmerkung erlaubt. Würde ja gerne eine platzieren, nur sind die mir bekannten mit sturem nach vorne gerichteten Blick und Schnurres - so nennen Saarländer den Oberlippenbart - einfach hässlich und zudem recht teuer. Wenn mir jemand sagen kann, wo ich eine wohlgerundete Barbie mit blonder Mähne und keckem Gesichtsausdruck erwerben kann, sie soll meinen neu im Bau befindlichen 5,80m Schneider DFS Habicht pilotieren.
Beste Grüße und danke für die Anregung!
Jürgen Rosenberger
 

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