K8b in 1:10 - groß kann jeder

„Hallo, ich bin die kleine K8b, habe 1,50 m Spannweite, wiege 300 Gramm und wenn ich groß bin, will ich ein Flugzeug werden!“

Eine K8b im Maßstab 1:10 ist schon etwas verrückt, aber das passt zu mir.
Sie ist exakt maßstabsgerecht: alle Abmessungen und Rippenabstände (sogar mit Halbrippen) stimmen.
Der Rumpf ist eine "Stahlrohr"-Konstruktion, nur halt aus Buchenrundstäben statt Stahlrohr. Passt auch zum größten Teil, ein paar Abweichungen musste ich in Kauf nehmen.

Daten:
Maßstab 1:10
Spannweite 1500 mm
Länge ca. 700 mm
Gewicht 300 Gramm
Flächeninhalt 16 dm²
Flächenbelastung 18,75 g/dm²
Profil Clark Y – Original, nix „mod“!

Gestern war Erstflug und ich möchte euch gerne an meinem Glück teilhaben lassen. Kurz: Sie fliegt, Experiment geglückt :)
Die Kleine hat zwar ihren eigenen Charakter und ist - sagen wir mal - speziell, aber hat ein wunderbares Flugbild. Ich werde noch etwas mit Schwerpunkt, Ruderausschlägen und Turbulatoren experimentieren.

Aerodynamisch und flugmechanisch habe ich hier alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man einen so kleinen Maßstab wählt. Was ist verkehrt aus Sicht der Flugeigenschaften und Leistung:
- Zu geringe Flächentiefe zumindest außen
- Dadurch zu geringe Reynoldszahlen
- Zu kleine Querruder
- Zu geringes Höhenleitwerksvolumen (= Höhenleitwerksinhalt x Hebelarm)
- Zu dickes Profil mit zu großem Nasenradius

Aber die Kleine sieht super aus und sie fliegt! Immerhin.

Jetzt weiß ich nicht, ob ihr Interesse an so ein Micromodell habt. Ich will euch ja nicht langweilen.
Also, wenn ihr möchtet, werde ich hier über die Entstehung der Kleinen berichten. Ansonsten einfach eine Mail an mich bitte.

Viele Grüße

Heiko
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Hallo Heiko,
sehr schön gemacht die Kleine. Bitte berichte weiter über die Entstehung der kleinen. Ich bin exakt deiner Meinung, dass es einfacher ist ein Modell im groß zu bauen als in klein. Besonders würden mich die Flugeigenschaften interessieren? Ich glaube übrigens, dass die Auslegung mit dem Clark y gar nicht so schlecht ist und die Querruder nicht zu groß zu machen war auch eine gute Idee.
Schöne Grüße und ich freue mich über den weiteren Bericht.
Johannes
 
Sehr cool, gefällt!
Bis auf die Brandspuren vom Laser.....

Wie wäre es die Daten zu veröffentlichen?

Gruß
Mike
 

Milan

User
Hallo Heiko.

Chapeau - das hast du klasse gemacht!:)

Und zeigt mal wieder; je kleiner ein Modell ist, umso schwieriger wird die Auslegung um gleich gute Flugleistungen und Flugeigenschaften zu erreichen, als wenn du es in einem größerem Maßstab in gleicher Auslegung gebaut hättest.

p.s. Tollen Sender hast du da - den habe ich auch 🤓

LG

Harry
 
Echt hübsch geworden :-)

Das ClarkY ist bei kleinen Modellen oft nicht mehr so harmlos. Ab und an gibts Versuche das für Aircombatmodelle zu verwenden, bei unter 1m Spannweite scheitert dann manchmal sogar schon der Start. Schleuderseglerprofile wie das AG03 dürften super funktionieren und auch noch zu guten Flugleistungen führen, das Gewicht hast du ja sehr niedrig hinbekommen. Alternativ ein Profil der etwas älteren Wurfsegler, wenn es etwas dicker sein soll. Dünnes Profil und ein klein wenig Schränkung wegen dem Trapezflügel helfen aber auf jeden Fall.

Viele Grüße,
Timo
 

G.B.

User
Hallo Heiko,
...supersüß...die Kleine😊 Gibt es da etwa einen Bausatz ?😉
...und natürlich wäre es sehr interessant etwas über die Entwicklung zu lesen !
Was die Flugeigenschaften angeht...da kann man (fast) alles mit Turbulatoren in den Griff kriegen, z.B. mit Tesa-Band (das dicke Gewebeband) und einer Zackenschere aus der Bucht. Diesen Tubulator kann man dann sehr leicht wieder versetzten...mehrmals, wenn nötig...und wenn alles ok ist dann final feste anreiben 🙂.
Am Aussenflügel ziemlich weit vorn (kurz hinter der Nasenleiste) den Turbu platzieren und dann zur Flügelwurzel hin bis auf 20-25% der Tiefe nach hinten versetzten...vorschlagsweise.

Gruß Götz
 
Hallo Freunde der gepflegten Kleingeflügelzucht,

nun, dann will ich mal berichten. Aber immer in homöopathischen Dosen, wegen der Zeit...
Und Danke für die netten Kommentare :)

Zunächst zu den Fragen und den Flugeigenschaften.
- Ja, Schleppkupplung ist drin. Selbstverständlich.
- Ja, die Brandspuren stören im Rohbau etwas, verschwinden aber unter der Bespannung.
@Martin: komm vorbei mit deiner Klemm - dann hänge ich mich dahinter!
@Harry: Ja, der Sender ist die Wucht!
- Nein, Plan und Daten werde ich nicht veröffentlichen. Ich habe böse Erfahrungen damit gemacht, auf die ich hier nicht eingehen möchte. Bitte habt Verständnis dafür. Wer Interesse an der Kleinen hat, soll sich bitte bei mir melden.

Profilwahl:
Ja, das Profil Clark Y (das echte & originale welche) ist zu dick für die nicht nennenswert vorhandenen Reynoldszahlen,
aber dafür gibt es den schönen Buckel am Rumpf, den ein dünneres Profil nicht hergäbe.
Strak von Clark Y auf z.B. Ag-irgendwas wäre machbar. Dann wird es aber außen sehr, sehr dünn. Schon mit 11,7% sind es Micro-Rippen.
Und bei der Streckung und Zuspitzung gibt es immer Brassel mit dem Abreißverhalten, egal welches Profil.
Aber das war mir klar, dass die K8B nie ein DLG wird!

Flugeigenschaften
So schlecht fliegt sie wirklich nicht. Nur wenn sie zu langsam wird, kippt sie ab, ist aber sofort "wieder da".
Was aber interessant ist und mir bei den ersten Flügen ein „Oha!“ (= Norddeutscher im Panikmodus) entlockt hat, ist das Verhalten der K8b, wenn man sie langsam fliegt, also noch bevor sie abreißt.

Sie folgt bei zu geringer Geschwindigkeit einfach nicht mehr willig Seiten- und Querruder. Und sie zeigt einen Effekt, den ich noch nie bei einem Modell erlabt habe, nämlich eine seltsame Gier-Rollkopplung. Ist sie zu langsam und man gibt z.B. Seitenruder links, giert sie zwar nach links, rollt aber auch heftig nach rechts, sie slippt quasi automatisch. Was in diesem Zustand hilft, ist ein beherzter Tiefenruderausschlag, um Fahrt aufzuholen.
Und dann fliegt sie wieder ganz normal.

Ich werde noch mit dem Schwerpunkt und Turbulatoren und noch mehr Differenzierung experimentieren. Verwindung hilft hier nicht wirklich.
Erkenntnisstand bis dato: eher mit kleinem Stabilitätsmaß fliegen, also Schwerpunkt tendenziell an der hinteren Position. Das erhöht die Ruderfolgsamkeit.

Die K8b will auch auf dem Höhenruder immer gesteuert werden. Wen es interessiert: „Phygoide“ ist das passende Stichwort. Kein Problem, aber es verlangt etwas Aufmerksamkeit. In die gleiche Kerbe schlägt eine Art Hysterese auf dem Höhenruder. Die Höhenruderanlenkung ist exakt und rückstellgenau, aber es macht einen Unterschied, ob man vom „Ziehen“ oder „Drücken“ auf „Höhenruder Neutral“ kommt.

Kleine Renoldszahlen erzeugen einfach hochinteressante Effekte!

Das alles klingt vielleicht grausam, ist es aber nicht. Die Kleine ist gut fliegbar, wenn man auf die Fahrt achtet, ist aber nichts für einen Anfänger.

Im F-Schlepp liegt sie einfach perfekt! Ich habe sie bislang hinter eine kleine „Carbon Cub“ mit 4s und eine „Wilga“ mit 3s gehängt. Die K8b liegt stabil und kreuzbrav am Seil. Kein Eingriff am Höhenruder nötig, nur die Flächen mit dem Querruder horizontal halten, mehr ist nicht nötig.

Kreisen ist recht stabil, genügend Fahrt vorausgesetzt. Erstaunlich gut ist der Gleitwinkel. So gut, dass ich mich bei den ersten Landungen verschätzt habe. Und auch bei einigen weiteren Landungen… 😎

Ich freue mich jedenfalls auf die Tage am Hang: Sonnenschein, Südwind Stärke 2 bft an der Wasserkuppe und dann schön an der Hangkante entlang gleiten. Man sieht sich!

Die Tage kommt dann mehr - versprochen. Im Moment überarbeite ich den Plan & die Fräs- bzw. Laserdaten. Als Teaser zwei Bilder, die die Größenordnung verdeutlichen :-)

Viele Grüße

Heiko

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UweH

User
- Zu dickes Profil mit zu großem Nasenradius
Hallo Heiko,

schönes Minimodell 👍
Früher wurde in der Modellklasse erfolgreich das Goe795 verwendet und ist auch heute meine Empfehlung.

Wenn man sich die Auslegung genauer anschaut gibt es auch moderne Alternativen z.B. eines der schon genannten AGs von Mark Drela, mit einem sinnvollen Strak kommt man dann wahrscheinlich mit der Scale-Außenflügeltiefe auch ohne Turbulatoren, aber mit rauher Oberfläche schon gut hin.

Gruß,

Uwe.
 

Hans Rupp

Vereinsmitglied
Wie geil 👍

Ich habe mal mit meinem Sohn eine ASK 18 mit GFK Rumpf von MPX in dem Maßstab und Jedelsky Flächen egbaut, die flog sehr bescheiden, weil sie einfach zu schwer wurde. Die 300gr. bei dir sind ein sehr guter Wert. An das Goe795 habe ich auch gleich gedacht.

Hans
 

G.B.

User
GÖ 795...war mal DER...Geheimtip, als F3F noch RC IV-D hiess...😉 Die Berliner hatten damals auch schon abenteuerlich schmale Flügel, die sehr gut gingen...
Der Effekt auf dem Höhenruder könnte auch mit nem Turbulator besser werden...an unseren superschmalen Baudis-Fliegern....Ventus und Salto...waren die Turbus die Lösung für diese Art von Problemen...im Vergleich zu vorher...zwei völlig andere Flieger🙂
 
Hi,

ja ne, war klar, dass jetzt eine Profildiskussion losgetreten wird :) Ist auch gut und richtig so. Ich bin da auch nicht ganz unbeleckt, was das Thema angeht...

Aber wie ich oben geschrieben habe, wurde das dicke Etwas aus optischen Gründen gewählt. Und dabei ganz bewusst die Nachteile in Kauf genommen. Dabei fliegt die K8b wirklich ordentlich wird aber nie die Leistung eines Zweckmodells haben. Vielleicht habe ich die "Probleme" zu hart beschrieben. Nennen wir es einfach Charakter, OK?

Viele Grüße

Heiko
 

G.B.

User
...das `dicke Etwas´ ist bestimmt nicht das schlechteste Profil...und Deine Wahl kommt auch sicher nicht von ungefähr😉...vor allem, wenn man aus Gründen der Optik und der Herstellbarkeit seine Wahl trifft.
Ist auch alles zweitrangig, bei einem so süßen Flieger😊
 

sgies

User
Würde ja gerne wissen wie die mit einem F3K Profil fliegen würde.
Größe und Gewicht ist ja grob in der F3K-Reichweite.
...auch wenn es vermutlich optisch nicht so gut wie dein gewähltes Profil passen wird. :)
 
Hallo,

nun etwas zur Konstruktion und zum Bau. Erstmal die Flächen. Die sind scale von allen Abmessungen her, bis hin zum Rippenabstand und den Halbrippen, die man zwar nicht mehr sieht, von denen ich aber weiß dass es sie gibt.

Leichtbau war hier Prio neben der Optik. Leichtbau bedeutet meiner unmaßgeblichen Meinung nicht, Löcher in zu dicke Teil zu bohren, sondern Material da wegzulassen, wo es nicht nötig ist.

Papier arbeitet viel - im Gegensatz zu mir. Daher gab es kleine Differenzen zwischen dem Plot und den Bauteilen. Das nächste Mal würde ich nicht auf dem Plan bauen, sondern direkt auf den Teilen, also der Beplankung.



Der Holm hat nur bis kurz vor den Querrudern Gurte aus Kiefer. Die laufen dann sanft in einen Balsaholm (Laserteil) aus. Als Steckung dient ein 5 mm CFK-Stab - vielleicht etwas überdimensioniert und zu lang :-)

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Verkastung im Bereich der Steckung.

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Erstaunlich wie dick Stecknadeln sein können, wenn man dünne Teile festheften möchte. Kennt jemand eine Bezugsquelle für wirklich dünne Nadeln?

Wenn das hier alles etwas grobmotorisch aussieht, bedenkt bitte: das sind 1,5 mm dicke Rippen, 1mm Beplankung und 0,5 mm dicke Stecknadeln. Das relativiert die Ungenauigkeiten!

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Alle Beplankungen sind aus 1 mm Balsa (fertig gelasert) und sitzen genau da, wo die Große "8" auch welche hat.

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Wie ihr seht, habe ich ganz altmodisch Umlenkhebel in der Fläche vorgesehen. Die Bauhöhe dort an der Anlenkstelle beträgt gerade mal 6 mm.
Ich kenne kein 6 mm dickes Servo, das für ein Modell dieser Größe geeignet ist und zwischen zwei Rippen passt. Aber auch mit den Umlenkhebeln stellen die Ruder erfreulich genau. Und wegen der Form des Hebels gibt es eine mechanische Differenzierung.

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Jede Menge Halbrippen waren einzusetzen - teils mit Pinzette und sogar mit Lupe. Ach, wo sind die Zeiten geblieben, als ich sowas noch ohne optische Hilfsmittel konnte...

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Und das nächste Mal werden die Flächen beplankt.

Wollt ihr mehr?

Heiko
 
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