Konstruktiom eine Modells lediglich aus einer 3-Seiten Ansicht ?

Kraftei

User
Hallo zusammen :)

Rein Interessenhalber eine dumme Frage...

Wenn man manchen Kontrukteur fragt, wie sein Modell entstanden ist, bekommt man oft die Antwort "aus einer 3 Seiten Ansicht"

What? Wie muss man sich das vorstellen?

Ich kann nachvollziehen, wie manche Kontrukteure ihr Modell anhand eines Plastikmodells konstruiert haben, nämlich indem z.B. der Rumpf "in Scheiben" geschnitten wird, und die so entstandenen "Spanten" vergrößert werden.

Aber wie geht so etwas, lediglich aus einer 3-Seiten Ansicht? Kann ich mir ehrlich gesagt, überhaupt nicht vorstellen!
Woher weiß man, wie ein Rumpfspant an einer bestimmten Position aussieht?
Habe auch schon danach gegoogelt, aber nix Aufschlusssreiches gefunden.

Merci
:) Holgi
 
Hallo Holgi,

vermutlich gibt es hier einige Methoden, ich mache es im 3d CAD (Rhino) folgendermaßen:
Für ein richtiges Scale Modell reicht es wahrscheinlich nicht, nur nach 3 Seitenansicht zu arbeiten, aber für Semi Scale denke ich schon.
Meist gibt es 3 Seitenansichten, die auch einige Rumpfschnitte dabei haben, das macht die Sache etwas einfacher. Des weiteren kann man aus der Vorderansicht eine grobe Form entnehmen.
Die Ansichten werden im CAD angeordnet und deren Außenkontur mit einer Spline nachgezeichnet. Hat diese "Dellen", kann hier schon mal korrigiert werden. Die verfügbaren Schnitte baue ich dann auch ein (meistens stimmen die eh nicht wirklich, aber als Anhaltspunkt sind sie ok).
Nun zeichne ich mit vielen Splines den Verlauf der Außenhaut über die verfügbaren Schnitte, im Prinzip wie man das im realen mit einer Straklatte macht. Manchmal brauche ich einen Qerschnitt an einer bestimmten Stelle, dann verkleiner uder vergrößere ich einen Schnitt, der dieser Stelle am nächsten liegt. Wenn das alles soweit gefällig aussieht, zeichne ich mir an den wichtigen Stellen (Formänderung, maximaler Durchmesser, Flügelanschluss weitere Schnitte heraus). Dieses Konstrukt wird dann mit Flächen "beplankt" und ein Volumenkörper erstellt. Wird dieser in, zum Beispiel, glänzendem Kunststoff gerendert, erkannt man sehr gut, ob die Oberfläche stimmig ist. Den Rumpf vergleiche ich dann noch mit allem, was ich an Bildern finden kann. Passt das auch, wird der Volumenkörper zerschnitten, die Beplankung abgezogen und der Spant erstellt. Mit den Rumpfgurten mache ich es genauso.
Tragfläche und Leitwerk sind einfach, aus der Form der Draufsicht bzw. Seitenansicht nehme ich die Form, Profile sind dann ja eh andere. Die Klappengrößen übernehme ich meistens 1:1.
Ist alles richtig viel Arbeit, aber man wird belohnt wenn die gefrästen Teile dann gleich auf Anhieb sauber passen.
Ich hoffe ich habe das halbwegs verständlich geschrieben 😄

Viele Grüße,
Johannes
 
Nur ganz allein aus einer 3S-Zeichnung ist es natürlich viel Raten, aber meistens gibt es ja noch Fotomaterial dazu, und dann kann man schon aus den Perspektiven Schlüsse auf die korrekte Räumlichkeit ziehen. Die 3S-Ansicht ist vor allem für die Maße wichtig, die aus einem Foto ja nie sicher herausgemessen werden können.
 
Hallo Holgi

Es ist mühsam, sich aus einer Dreiseitenansicht ein Modell zurecht zu schnitzen.
Wie Johannes schon geschrieben hat, sind bei den Rissen meist auch ein paar Querschnitte mit dabei, das erleichtert einiges.

Hier bin ich gerade am Üben:

Gerade bei älteren und unbekannteren Flugzeugen sind die Unterlagen dürftig, für ein Scalemodell reicht das bei weitem nicht.
In meinem Fall versuche ich dann noch, anhand von Fotos zu Korrigieren und zu Ergänzen, was man auf den Rissen nicht feindet oder zum Teil auch falsch ist.

Das Ganze geht sehr schnell, mit ein paar hundert Stunden bist du mit dabei........:p
 
Die Antwort ist immer 3-Seiten-Ansicht plus viele viele Fotos. Viele 3 Seiten Ansichten beinhalten auch zusätzlich Spantenrisse. Aber auch die verraten selten alles.
Das Ganze ist immer im Zusammenhang mit vielen vielen Fotos zu sehen.

Schau mal hier:

Ab Beitrag #44

Da verwende ich eine 3 Seitenansicht, die auch Spantenrisse enthält. Und dennoch ist der Auslassbereich auf dieser nicht erkennbar. Der wurde dann anhand von Fotos und Gefühl ;) modelliert.

So läuft es am Ende meistens, wenn ein Konstrukteur sagt er hätte nur mit einer 3 Seitenansicht modelliert.

Gruß
Dennis
 
Ich mache am Anfang dann ein Solid oder Flächenverbund. Danach kommen dann die Ansichten weg und je nachdem wird dann im Volumen (CFK Formenbau) oder Kurven auf Ebenen (Heißdraht) oder 3D aus 2D (Lasercut) weiter konstruiert. IMHO ist die 3 Seiten Ansichtsphase nur der Aperitif. Die Arbeit kommt danach...

Patrick
 
Hallo Holgi,
schau Dir mal den yt Channel von Cad Build Fly RC an. Da sind einige Tutorials wie man in Fusion 360 aus einer Drei Seiten Ansicht ein Flugzeug modelliert. Ob das wirklich so funktioniert, kann ich allerdings nicht beurteilen. Ich möchte das aber demnächst mal ausprobieren...
Gruß
Björn
 
Zumindest in Catia kann man die Ansichten im Raum anordnen. Das hilft enorm beim Nachmalen:
Patrick
Hallo Patrik
Das ginge in Fusion auch so. Unter den vielen Tutorials ist auch irgendwo die Konstruktion eines Airliners:

da bist du schon einige Stunden am Video schauen.
Airliner haben den Vorteil eines recht einfachen Rumpfes. Da ist die X4 von Dennis schon ein ganz anderes Kaliber.

Dank der Hilfe und den vielen Tips hier im Forum habe ich auch schon einiges hingekriegt, bin aber immer noch schwer am Üben.
Erste Resultate sin mal vorhanden:
IMG_0947 (002).jpg


Mehr gibt es nicht zu sehen :p
 
Hallo zusammen!
Habt vielen Dank für die Antworten und die Infos!
Das beruhigt mich einigermaßen, weil es bestätigt, dass "faktisch" nicht funktionieren kann (die ganzen Tricks und "Verrenkungen", die sich die Konstrukteure haben einfallen lassen, mal außer Acht gelassen)!

Der Hintergrund meiner Neugierde ist der, dass ich mich ein bisschen in diese "Fatty Fighters" (insbesondere der "Fatty 190" ) verkuckt habe!
Ich bin voller Bewunderung für die Kollegen, die diese drolligen Flieger konstruiert haben, und habe irgendwie Lust bekommen auch mal so einen Cartoon-Flieger zu konstruieren!

Jetzt könnte man auf den ersten Blick denken, dass das Konstruieren eines solchen Fliegers, ja einfacher sein müsste, als bei einem Scale-Modell, weil er ja per se bereits nicht "Scale" ist, aber ich denke das ist, im Gegenteil, gar nicht so einfach, da die Proportionen des Originals zwar karikiert, aber noch erkennbar sein müssen, damit es lustig wirkt.
Ich denke, mit einem einfachen "Stauchen" ist es nicht getan!

Kurzum: ich werde wohl die Finger davon lassen, und die Konstruktion dieser kleinen Kunstwerke denen überlassen, die etwas davon verstehen!

Aber nochmals vielen Dank

:) Holgi
 
Hallo Holgi,
schau dir doch mal devFus und devWing an. kannst Du kostenlos hier DevCad downloaden und auch damit arbeiten man kann nur keine Daten ausgeben dafür brauchst Du dann eine Lizens. Ich habe schon viele Modelle damit nachkonstruiert an Hand von 3 Seiten Ansicht und Spantenriss. Ich finde die Programme von DevCad gut und sind auch bezahlbar.
Gruß Marko
 
Jetzt könnte man auf den ersten Blick denken, dass das Konstruieren eines solchen Fliegers, ja einfacher sein müsste, als bei einem Scale-Modell, weil er ja per se bereits nicht "Scale" ist, aber ich denke das ist, im Gegenteil, gar nicht so einfach, da die Proportionen des Originals zwar karikiert, aber noch erkennbar sein müssen, damit es lustig wirkt.

:) Holgi

Hier ist so ein (Negativ-) Beispiel von dem was ich oben sagte. Drolliger Flieger, aber hat nicht im entferntesten Ähnlichkeit mit einer F-14.
Eher vielleicht noch mit einer SU-27, aber lustig wirkt das insgesamt nicht...
Ich denke, das ist mit einer zeichnerischen Karrikatur durchaus vergleichbar. Wenn wesentliche Eigenschaften des Originals nicht erkennbar sind, isses irgendwie nicht lustig.
Die Fatty Fighters von Scale-Parkflyer sind m.E. dagegen kleine Kunstwerke!, denen man ihr Original auf den ersten Blick ansieht!
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das sind verschiedene Kontrukteure (Chapeau!) und Scale-Parkflyer produziert / vertreibt die Eierchen.

Auf jeden Fall habe ich, da ich heute nach diesem Thread ernüchtert aufgegeben habe, so etwas in absehbarer Zeit hinzubekommen :-) , mir gerade, getreu der Devise "Make or Buy!" die knuffige Fatty FW190 bestellt :)

Auf jeden Fall nochmals vielen Dank!

:) Holgi
 
Holgi,
danke fürs Lob. 🙂

Das hast Du richtig erkannt. Bei den Legendary FAT FIGHTERS sind mehrere Konstrukteure am Werk, darunter am oberen Ende Profis mit beruflicher Konstruktionserfahrung und dem Auge für gute Formen.
Am unteren Ende dann ich mit Messer, Lineal, Stift und Papier, ohne Plan, von Spant zu Spant und mit dem Prinzip DSRA.

Frank von Scale-Parkflyer gehört selbst auch zu den Konstrukteuren.

Und auch wenn Du es schwer zu glauben findest, der Beginn ist bei uns immer eine gestauchte 3-Seiten-Ansicht. 🙂
Entscheidend ist dabei auch die Auswahl eines geeigneten Originals. Stauch mal spaßeshalber eine Gee Bee. Dann weißt Du, was nicht funktioniert.
Ein Starfighter hingegen staucht sich super.

Das Original sollte am Ende schon zu erkennen sein, aber Scaleansprüche werden bei den Fatties nicht verfolgt. Form follows function.

Versuch dich dran, es macht einen Riesenspaß.
Und mit der FW190 hast Du definitiv eine gute Entscheidung getroffen.

Gruß
Stephan
 
Hi Stephan,
ja, das ist eindeutig zu erkennen, dass die Fatty Fighters nicht einfach nur so "dahingeschnuddelt" sind, und sich auch bei der Typenauswahl Gedanken gemacht worden sind!
Auch die innere Konstruktion ist sehr durchdacht!

Cool wäre, aber das ist aus den genannten Gründen wohl (fast) nicht möglich, ein gestauchtes Kraftei, aber das Ding ist ja, wie die GeeBee, im Original schon fast ein Cartoon Flieger! Ein Fatty Kraftei, wäre dann wohl eine Kugel...
Außerdem käme der karikative Effekt bei so einer Vorlage dann fast nicht zur Geltung.

Wie gesagt, da dranzugehen ist wohl nicht meine Liga, aber wie im FW190 Thread schon angedeutet, hätte ich (eher aus optischen Gründen!) Lust auf eine "echte" Fläche, anstatt des Stufenprofils!

In diesem Video erklärt ein Kollege sehr schön (wenn auch ein bisschen fix :-) ), wie man das in Fusion 360 macht.
Ich denke, das könnte ich auch als F360 Anfänger hinbekommen...
Habe in F360 leider nie bis zur Routine weitergemacht. Als ich so ein bisschen was konnte, kam eine mehrjährige Pause, und... (fast) alles Erlernte wieder weg :-(

:) Holgi
 
ein gestauchtes Kraftei, aber das Ding ist ja, wie die GeeBee, im Original schon fast ein Cartoon Flieger! Ein Fatty Kraftei, wäre dann wohl eine Kugel...
Außerdem käme der karikative Effekt bei so einer Vorlage dann fast nicht zur Geltung.
Mit in Längsrichtung kürzen alleine ist es nicht getan, damit das kultig aussieht. Mit der C kann man wohl noch am ehesten die Charaktereigenschaften hervorheben. Auch die Draufsicht von oben muss der Rumpf breiter, die Flächen aber kürzer/gleich. Gibt dann aber Anpassarbeit (hier nur grob skizziert) an den Rumpf.

1720685512546.png

Das Kraftei dürfte aber auch in 3D verfügbar sein, da lässt sich genauso stauchen / dehnen - und dann mit Schnitten entsprechend die Spanten ableiten.

Grüße Stefan
 
Hallo Allerseits, hallo Holgi,

es bedarf sicherlich ein wenig Übung, aber aus meiner Sicht funktioniert es recht gut, aus 3-Seitenansichten in Fusion 360 vernünftige Ableitungen zu treffen, um einen Volumenkörper zu erhalten, der als ordentliche Grundlage für alle weiteren Modellbau-Maßnahmen dient.
Es gibt sicherlich keine "schnelle Lösung" an einem Nachmittag, aber der Arbeitsaufwand ist nicht übermäßig groß.

Ich gehe grob folgendermaßen vor:
- Eine 3-Seitenansicht auswählen (keine Mischung von unterschiedlichen Ansichten) und gewünschten Maßstab des Modells festlegen.
- 3-Seitenansicht in Fusion360 als Ansicht einfügen und anschl. so skalieren, dass die Geometrie (Spannweite, Höhe, Länge) passt und auf die jeweiligen 3 Ansichtsbereich legen. Sollte es nicht 100% möglich sein, alle 3 Maße genau zu skalieren (...weil die 3-Seitenansicht nicht maßhaltig ist....) muß man sich halt für eine Geometrie entscheiden und mit der Unschärfe bei den anderen beiden leben.
- Grundgeometrie (primär Abstände) ableiten in 3 Skizzen.
- Die Aerodynamik in einem passenden Programm verfeinern und festlegen. Ich nutze FLZ-Vortex. Da die im Netz verfügbaren 3-Seitenansichten ohnehin nicht wirklich maßhaltig sind, lege ich in FLZ-Vortex ähnliche aber definitiv nicht die exakt gleiche Geometrie fest.
- Erst wenn die Aerodynamik steht (EWD, Profil(-verlauf), Form, Schränkung, etc.) und sauber durchgerechnet ist, mit der eigentlichen Arbeit im CAD Programm einsteigen.
- Rumpfkonstruktion anhand der Ansichten (jeweils eine Skizze seitlich und Draufsicht) und ggf. vorhandenen Schnitten (auf korrekte Projektion zwischen den Skizzen achten) als Volumenkörper per Loft erstellen. Dabei (ggf.) in sinnvollen Abschnitten arbeiten und einzelne Volumenkörper erstellen, die aufeinander aufbauen. Zusammenfügen kann man die später immer noch. Von vorn nach hinten oder umgekehrt vorgehen. Möglichst wenig Splines nutzen und so wenig Auflagepunkte wählen, wie möglich, sonst wird es oft unschön beim Loft.
- Cockpit/Haube nicht mit Rumpf erstellen, sondern erst mal so Arbeiten, als ob es nicht da wäre. Anschl. an den Cockpit-Anformungen mittels Flächen den Überschuss abtrennen und das Cockpit einzeln erstellen. Als Gesamtfluss Rumpf-Cockpit ist das zu kompliziert (...für mich).
- Tragflächen und HR einzeln und unabhängig voneinander und vom Rumpf auf Basis der Aerodynamik erstellen.
- Wenn man alles einzeln erstellt hat, kann man die einzelnen Körper (jeweils als Kopie) zusammenfügen und der eigentliche (virtuelle) Modellbau kann beginnen.

Auch wenn ich noch kein FAT FIGHTER Projekt bearbeitet habe, sollte es nicht übermäßig kompliziert sein, den dem Orginal nachempfundenen Volumenkörper so zu stauchen, dass ein passabler FAT FIGHTER Look entsteht, solange man die Tragflächen/das HR aerodynamisch korrekt und einzeln erstellt.

Ich hoffe ich konnte helfen.

Gruß, Olly
 
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