Landehilfe

typ62

User
Hallo zusammen,

ich hab mir die Frage gestellt ob man bei großen Kunstflugmaschinen (2,7m) beim Landen die Querruder etwas nach unten fahren kann damit sie wie Wölbklappen/Landeklappen wirken -> damit die Kisten langsamer werden beim Landen.
Hat das schon jemand ausprobiert? Funktioniert das?

-> bitte um eure Erfahrungen!!
 

Bellert

User
Hallo Chris,

nach unten ist schlecht, da das Modell dann superkritisch im Bereich des Strömungsabrisses wird. Dann würde die Strömung zuerst im Bereich der Querruder abreißen, was ein Steuern dann nicht mehr möglich machen würde. Der Strömungsabriss hängt in erster Linie vom relativen Anstellwinkel eines Profils ab.
Das ist auch der Grund warum Landeklappen bei Flugzeugen stets im inneren Bereich der Tragfläche positioniert sind. Reisst hier die Strömung ab, dann liegt sie aufgrund des geringerern Anstellwinkels im Bereich der Querruder noch an und das Flugzeug bleibt einigermaßen kontrollierbar.
Lange Rede kurzer Sinn: Fahre die Querruder zum Landen 10-15mm nach oben.
Das hat zum einer auch einen leichten Bremseffekt und zum anderen erhöht es den Anstellwinkel bei einer bestimmten Geschwindigkeit, was dazu führt, daß man bei einer eigentlich zu hohen Geschwindigkeit sicher und ohne Hüpftendenz mit einer Dreipunktlandung aufsetzten kann.
Das sollte nebenbei bei Spornradfliegern immer die angestrebte Form des Aufsetztens sein.
Ein Flugzeug mit Hecksporn kann überhaupt nur dann "Hüpfen" wenn das Hauptfahrwerk vor dem Heckfahrwerk aufsetzt. Andersrum geht´s nicht. Also noch ein Vortei von hochgestellten Querrudern.
Ich mache das so seit Jahren und voller Erfolg.


Gruß Dominik
 

oracle69

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Querruder nach oben...

Querruder nach oben...

Hi Chris

Dominik hat anscheinend absolut Erfahrung und damit recht! ;)

Ich hatte selbst bei meiner kleinen (2.4m) Delro-Cap231 jeweils die Querruder beim Landen nach oben gestellt. Es verhindert das Springen beim Landen erheblich, macht das Modell etwas langsamer und gutmütiger. >Besonders gut wirksam ist es, wenn die QR fast bis zum Rumpf reichen!
Sogar mit meiner 3m-Giles hatte ich dieses Prinzip bei ganz kurzen Pisten mit Erfolg verwendet.
Bei meinem heutigen Wettbewerbs-A-Modell, einer Extra300L (von Petr Zack) benötige ich dieses Feature nicht mehr. Die ist so leicht, sie kommt (wenn gewünscht) ohne alle Mischer im Sackflug zur Landung herein... :D

Gruss und always happy landing!
Elmer
 

Flugass

User gesperrt
^^....neigt das Modell dann eher nach vorn oder nach hinten zu kippen? Sprich musst du Höhe oder Tiefe trimmen dazu? Beim Hotliner fahre ich Sie auch nach oben zur Landung. Meine Extra 300L ist auch ziemlich fix zur Landung, da könnt ich das mal testen.
 

Bellert

User
Hi,

durch das Fahren der Querruder/Spoiler nach oben entsteht zunächst ein erhöhter Anstellwinkel der gesamten Tragfläche mit der Folge, daß das Modell wegsteigt. Es wäre also Tiefentrimm nötig.
Das ganze sollte aber auf die niedrigere Landegeschwindigkeit ausgerichtet sein, sodass sogar etwas Höhe beigemischt werden muß.
Ich würde erst mal keine Höhe beimischen und das ganz erst mal in der Luft testen. Ich habe gerade mal um die 3 Prozent Höhe bei meinen Modellen beigemischt, aber das hängt natürlich ganz vom Modell und den RC-Einstellungen ab.
Sinnvoll wäre eine verzögertes Aus-/Einfahren der Spoiler. Ist bei den meisten Sendern ganz einfach einzustellen. Bei mir brauchen die Spoiler etwa eine Sekunde in beide Richtungen. Dann hat man einen ganz weichen Wechsel der Flugzustände und es minimiert außerdem die Gefahr des Strömungsabrisses, z.B. durch zu schnelles Einfahren der Spoiler im Langsamflugbereich. Theoretisch könnte man durch ein schlagartiges Einfahren der Spoiler bzw. Runterfahren der Querruder (z.B. beim Durchstarten) durch die plötzliche relative Anstellwinkelerhöhung im Bereich der Querruder genau dort einen Strömungsabriss provozieren. Das wäre dann sicher ungesund.
Da ganze ist absolut unproblematisch und selbst wenn man mit gesetzten Spoilern durchstartet bleibt das Modell stets wunderbar fliegbar. Es hängt einfach ein wenig mehr in den "Seilen".
Beim Landen möchte ich jedenfalls nicht mehr darauf verzichten.

Viel Spass beim Ausprobieren,

Gruß,
Dominik
 

HFK

User
Hallo Chris,

hast Du zufällig die QR mit je 2 Servos angelenkt? Dann ist es einfach, Querruder halbieren und zur Landung innen als Landeklappe (45° runter) und Aussen als Spoiler (10° hoch).

Habe ich bei einer 2m Extra die etwas schwar war (>9kg) gemacht. Statt 80m Landestrecke nur noch 30m und Punktlandungen. :) Einfach nur genial.
 

NikKN

User
Hallo Chris,

grundsätzlich ist die Idee, die Querruder zum Landen zusätzlich als Wölbklappen zu benutzen nicht schlecht, allerdings muss man hier aufgrund der schon von Dominik genannten Gründe vorsichtig sein.

Bei Flugzeugen, bei denen die Querruder jedoch über die gesamte Halbspannweite reichen, was bei den meisten Kunstflugzeugen ja der Fall ist, ist dies jedoch durchaus denkbar und wird in der manntragenden Fliegerei bei einigen modernen Segelflugzeugen und auch Motorflugzeugen teilweise so gemacht (Stichwort: Flaperons).

Ob Du das bei Deiner Kunstflugmaschine nutzen kannst, hängt stark von der Tragflächengeometrie und von den verwendeten Proiflen ab (Schränkung haben Kunstflugmaschinen in der Regel nicht, diese ist hier also nicht zu beachten, hätte aber sonst auch noch Einfluss). Auch darf man nicht vergessen, dass Modellflugzeuge bei wesentlich geringeren Reynoldszahlen unterwegs sind und die Luftteilchen sich in diesen Bereichen etwas anders verhalten als bei den großen Vorbildern.

Am besten wäre es, sich mal die Verteilung der Auftriebsbeiwerte mit ungesetzten und auch gesetzten Querrudern mittels entsprechenden Programmen anzuschauen. Dann kann man urteilen, ob es sinnvoll ist, oder die Maschine so zu kritisch werden würde.

Wenn Du es lieber in der Praxis versuchen willst, würde ich Dir anraten die Querruder nicht mehr als 10Grad zu fahren, da sonst die Wirksamkeit der Querruder zu stark abnehmen würde.

Also im Zweifel die Maschine auf eine große Sicherheitshöhe bringen, die Querruder beide um ca. 10Grad nach unten ausfahren und schauen, wie sich die Lady verhält.

Alternativ ist die Methode von Dominik die sicherere.
 

NikKN

User
Hallo,

vielleicht noch ein kurzer Nachtrag zu den 2 Prinzipien:

Durch das Ausfahren der Querruder nach oben, wie es Dominik beschrieben hat, wirken Deine Querruder wie Spoiler (spoilerons). Diese verringern den Auftrieb und erhöhen, wenn sie weit genug ausgeschlagen sind, den Widerstand. Hierdurch erhöhst Du aber nicht den Maximalauftrieb, das heißt die StallSpeed wird nicht geringer. Du wirst die Machine also zum Landen nicht langsamer reinholen können. Sie fliegt bei gleicher Geschwindigkeit aber mit einem höheren Anstellwinkel, wodurch man schöne Dreipunktlandungen realisieren kann und die Maschine nicht hüpft (wurde ja schon beschrieben).

Durch die Nutzung der Querruder als Klappen erhöhst Du den Maximalauftrieb und den Widerstand. Hierdurch kannst Du die Maschine langsamer fliegen. Aber musst halt aus den zuvor genannten Gründen vorsichtig sein.

Gruß,

Niki
 

typ62

User
Landehilfe

Hallo zusammen,

schon mal Danke für die sehr detaillierten Ausführungen -> ich werds mal bei einer kleineren Kiste ausprobieren und wenn ich damit zurecht komme dann bei der großen.
 

NikKN

User
Hi Chris,

aber nicht vergessen, dass Du das Ergebnis der Kleinen nicht unbedingt auf Deine Große übertragen kannst. Durch die Abhängigkeit der Tragflächengeometrie, der Ausdehnung der Querruder und auch der Profilwahl.

Aber berichte dann mal von Deinen Ergebnissen.

Schöne Grüße,

Niki
 
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