Leprechaun (DANE RC): Baubericht

So, nach einem ausgedehnten Flug möchte ich einiges zum Leprechaun schreiben. Ich wollte ihn ja als Stratosphären-Thermikmodell und hatte deswegen etliche Fragen. Vorab: wie erwähnt habe ich die Spannweite um 50cm durch je zwei zusätzliche Rippenfelder ausserhalb von Rippe drei vergrössert. Das Fluggewicht ist dadurch und durch etliche Verstärkungen auf 3600g gestiegen, was einem Original-Leprechaun mit 2900g entspricht. Die Flächenbelastung ist gleich geblieben.

Querruder nötig? JAA!
normalerweise braucht so ein Möbel mit soviel Dihedral (V-Winkel) absolut keine Querruder. Das gilt aber nur für den Normalflug in ruhiger Luft...
  • Heute in Thermik mit bis 5m/sec hat es den L. teils dermassen zur Seite geworfen, dass QR schon sehr angenehm waren. Ohne QR hätte er diese Attacken sicher auch überlebt, wäre aber 150° in die andere Richtung geflogen oder so.
  • Der L. zeigt seitliche Thermik wunderbar mit Heben der Flächenspitze an. Mit QR kann man sofort gegenhalten und zur Thermik kurven.
Wie bekomme ich ihn wieder nach unten? Seitengleitflug (D) / Slip (GB/US) / Glissade (F/CH)
  • Mit QR ist der L. ein absolutes Traummodell für Seitengleitflüge!!: SR voll links, QR ziemlich rechts und soweit einstellen, dass der L. fliegt wie ein Schluck Wasser in der Kurve, aber ungefähr gerade aus... Und jetzt Tiefe geben... und Kurs korrigieren mit SR oder QR - also dem Ruder das nicht auf Anschlag steht. Ein paar Mal üben und man fragt sich, wieso man jemals Bremsklappen oder Butterfly gebraucht hat... (die Frage ist falsch: Seitengleitflug geht nur gut mit gewaltiger Rumpfseitenfläche - und die hat der L. ja nun mal wie kein zweiter...)
  • Wenn man sich das nicht traut, kann man ihn auch "bremsen" wie unten beschrieben.
Bremsklappen nötig? NEIN!!
geringe Flächenbelastung - vermutlich denkt man an RES-Modelle und glaubt er braucht eine "Bremse"?
  • Hochgedrehte QR helfen sehr gut beim Landen. Da der L. ohnehin ständig weit unterhalb der Landegeschwindigkeit anderer normaler Segler fliegt, braucht er ja keine "Bremse", nur etwas, was ihn nach unten zwingt - und dafür sind QR 45° hoch und HR etwas tief perfekt.
Akkugrösse? 3s5000
meine Erfahrung hat gezeigt, dass man mit "5000mAh * Zellenzahl (diese ist Gewicht in kg)" bei Windstille etwa eine Stunde herumcruisen kann. Der L. hat ja eine zu kurze Schnauze, deswegen habe ich das Blei durch noch mehr Kapazität ersetzt: mit 3s8000 (genaugenommen 2p3s4000).

Antrieb?
Mein Antrieb ist ein powerREX 420/1100, der so mit einer AeCC 12,5x6,5 an 3s8000 exakt die dauerhaft erlaubten 55A zieht. Allerdings ist die Strahlgeschwindigkeit noch viiieeel zu hoch - ich habe einen Satz verschiedene negativ verwinkelte Mittelstücke und Klapplatten von Aeronaut bestellt, um überhaupt so flache Propeller (16x4 oder so) zu erreichen. Ich werde berichten.

Ist das Seitenruder gross genug? NEIN
Selbst beim Original-Leprechaun würde ich das SR vergrössern. Bei einem dermassen grossen Dihedral sind die QR für den Kurvenflug ziemlich wirkungslos! Richtig wendig wird der L. nur (wegen des Schieberollmoments) mit einem gewaltigen SR. Wegen der ungewöhnlich niedrigen Fluggeschwindigkeit muss es grösser sein als man es gewohnt ist. Mit dem Baukastenmaterial könnte man relativ einfach ein "gedämpftes" Seitenruder wie z.B. beim Graupner Cumulus 2800 bauen - den fliege ich selber, und der ist wendig wie es sich die heutigen 3-Achs-Piloten kaum vorstellen können.
Bei meinem 3,2m-L. geht es noch mit der Kurvenwendigkeit. Er fliegt sich wie ein 6m-Segler, aber einfach mit 4-facher Zeitlupe.

Muss man was am Bauplan ändern? HMM....
Es hilft, wenn man in seinem Pilotenleben schon 20 Holzmodelle zerbröselt hat. Ich will nicht auf Details eingehen, aber eines sollte man doch beachten: Der L. fliegt ja nicht nur, sondern sein Besitzer will ihn ja auch zusammenstecken, starten, und nach der Landung auch wieder auseinandernehmen. Und dazu muss man den L. anfassen... Dazu gibt es ja im BK (V.2) reichlich überflüssige 10x10 Balsaleisten. Damit kann man gerade oder den Kurven entsprechende Leistenpakete einbauen bei:
  • Anfasszone am Rumpf unterhalb des SP, leicht nach hinten (habe ich gemacht)
  • Anfasszone an den TF zwischen Wurzelrippe und erster Rippe, unter der geamten Beplankung, oben und unten (habe ich gemacht)
  • Anfasszone an den TF etwa bei QR-Anfang, wie oben (habe ich leider nicht gemacht)
  • Anfasszone an den TF-Enden: es reicht, neben dem Holm noch je 2x10mm Balsa parallel zu montieren, hilft beim Abziehen (habe ich leider nicht gemacht)

Würde ich den Leprechaun wieder bauen? Im Prinzip JA!
Also wenn er jetzt kaputt ginge oder - was ihm eher bevorstünde - ins Nachbartal geblasen würde, würde ich ihn wohl nicht neu bauen. Aber ich bin trotzdem froh ihn gehabt zu haben - ääh im Moment habe ich ihn ja zu meinem Glück immer noch. Morgen muss er wieder ran...
Normalerweise erlebt man ja die Schiene Anfängermodelle aus Balsa oder EPP und dann alles mögliche in besserer Rippe, dann GFK und immer grösser oder schneller, und fliegt alles irgendwie fast schon im Schlaf. Aus diesem wird man nur durch Extreme geweckt: das erste Mal mit einem wesentlichen grösseren Modell (bei mir mein Einstieg in die 4m-Segler), mit einer Flächenbelastung von 100g/dm² (DS-Diva), mit einer Granate (Swift/Stingray) ohne Dihedral (habe ich übersprungen) - und dann kommen 1,4m² Tragfläche mit für diese Grösse absurd niedrigen 25g/dm² daher... Nach so vielen Jahren fast schlafwandlerischem Fliegen wurde ich das erste Mal wieder gezwungen, mich mit vielen Aspekten der Flugmechanik ernsthaft auseinanderzusetzen und viele Aspekte des realen Modells mit meinen Wünschen abzugleichen.

Provisorisch sieht meine Erkenntnis aus dem allen so aus:
  • Flächengeometrie gleich wie mein etwas vergrösserter L., mit etwas weniger Wölbung (warum nicht Clark-Y?), mit QR, und (wenig) stabiler gebaut, gleiches Dihedral
  • HR 25% kleiner (wg. weniger gewölbtem Profil), SR 25% grösser
  • Rumpf mit schöner runder glatter Keule mit bequemem Platz für RC und 3s8000- oder 5s5000-Brikett und Besenstiel-Heckausleger
  • Gewicht gleich (also 25g/dm²)
Das gäbe einen super Thermiksegler mit perfekter Sichtbarkeit und akzeptabler Penetrationsfähigkeit. Nur die heute geforderten Ablasser wären nicht so sein Ding...

LG Bertram

P.S.: warum ich ihn gebaut habe? Deswegen:

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heute, bei einem wunderbaren Zweistundenflug etwa 1200m über dem Startplatz in Davos (1600m). In Horizontmitte der Weissfluhgipfel, links die Parsennbahn zum Weissfluhjoch, rechts das Meierhoftal mit dem Skilift (das alles sozusagen nur der Anfang des sich noch weit nach hinten links und rechts erstreckenden Parsenn-Skigebiets).
Hinten links das Berner Oberland mit Finsteraarhorn usw., rechts der höchste ist die Schesaplana (die man bei Föhn übrigens von München aus sehen kann -200km entfernt)

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Hier sieht man rechts die Parsennbahn von der anderen Seite - etwa 2.5km entfernt vom Aufnahmeort des vorherigen Bildes. Mehr "Fliegen" kann ich mir kaum vorstellen und mehr wollte ich auch nicht (gut, über die Höhe sprechen wir noch...)
 
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Hallo Bertram

1. Mein Antrieb: Leopard LC500 2450KV mit Micro Edition 5:1N LS 16x8 RF an 3S 5000er für die normale Grösse und 4S 3000 für XL Grösse 😎
2. Sinkrate leider nein :rolleyes:

LG und frohe Ostern
Manfred
 

sukzess

User
Hallo Bertram,
ich nutze einen Dualsky Motor XM 2838EG 14L mit 860KV. Der hat identische Maße zum Hacker mit Getriebe, hat aber keines, sondern nur ein verlängertes Gehäuse zum Abstützen der Welle.

http://www.dualsky.com/Xmotor_Outrunners/XM2838EG.shtml

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Als Akku kommt ein 3s 3200mAH zum Einsatz, der im Bestand war. Dafür nehm ich dann halt etwas Bleizugabe in der Nase in Kauf. Für lange Flugzeiten reicht der allemal auch bei schwachen Bedingungen und wenn mal gar nix geht und der Antrieb öfter laufen muss, hab ich zur Not noch einen zweiten dabei.

Bei der Luftschraube wurde es nach einem Gespräch mit Hr. Eder von eder-mt eine 13x6,5.
Kombiniert hab ich das dann mit einem Scale Spinner von Reisenauer mit 44mm Durchmesser und einem 43er Mittelteil.
Diese Kombination betreibe ich mit einem 45A Antares Regler von D-Power. Hier hätte der 60A wahrscheinlich etwas mehr Reserven, aber bisher hat es auch bei heißen Außentemperaturen immer gereicht.

Mit dieser Kombination steigt der Leprechaun beim Start sicher und herrlich langsam aus der Hand weg. Ein kleiner Schups genügt. Er wird dann im Steigflug mit ca. 30 bis 45 Grad auch nicht mehr schneller. Ich finde das passt von der Optik her sehr gut. Es geht vielleicht auch noch etwas steiler, bringt aber nix und sieht nur komisch aus.

Einen Start und ein/zwei Steigflüge bei nahezu Windstille siehst du hier (für mehr müsste ich nochmal das Rohmaterial durchsehen, wenn du Bedarf hast):

Zur Sinkrate kann Ich dir leider nichts sagen... 🤷‍♂️
 
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Erst mal Danke, schönes Video (bisschen mit Zeitlupe?)!
Hier waren heute zwei Leprechauns in der Luft; da die Thermik in 900m Höhe schwächelte, gelang es mir sogar, den Kollegen auf ein paar Fotos zu erhaschen. Da heute in der Höhe etwas Wind war, haben wir die Leppis mit dem innovativen magnetischen Klickballast unter dem Bauch etwa 1400g schwerer gemacht, das verträgt er locker. Damit flogen sie erheblich besser auf Strecke. Fotos habe ich glatt vergessen, reiche ich beim nächsten Einsatz noch nach.
Wenigstens das Foto mit dem anderen Leprechaun:
1617282684666.png


In der Höhe ist es schon recht anstrengend, eine fotografierbare Formation zu fliegen.
LG Bertram
 

fox_4m

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Ich bin durch Ostern auch endlich fertig geworden 😉
Mein Abfluggewicht liegt bei 2430 gr.
Schwerpunkt 190mm, EWD 0 Grad.
Ich habe Seiten und Höhenruderservo vorne eingebaut und kein Blei gebraucht, um den Schwerpunkt zu einzustellen.
 

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Sehr schön geworden dein Kobold !! 👍 Tolle Schwerpunktwaage für grössere Modelle 👍 und eine super aufgeräumte Werkstatt 👍
Drei mal Plus :D:D:D Viel Spaß beim Erstflug !!
LG Manfred
 

fox_4m

User
Danke für die Blumen, inzwischen habe ich auch die Verpackung fertig gemacht.
Geflogen wird bei nächster Gelegenheit und dann melde ich mich wieder 😉
VG Andi
 

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