Leprechaun entflogen

Herbert Mittermayr​

Coronazeit ist Bauzeit! Das war sicher auch bei manch anderen Modellfliegern der Leitgedanke im vorigen Jahr. So auch bei mir und es entstand ein Antik-Modell, ein LEPRECHAUN. Ein Bauplan aus dem Internet, den ich auf 3 m Spannweite vergrößert habe. Nix Fräse, alles Handarbeit. Ein alltagstaugliches Modell, mit dem ich überall gerne fliege.

Habe bei mir die grüne Wiese "vor der Tür" und muss daher nicht immer erst zum Modellfluggelände fahren.
So war das auch im vergangenen Jahr im Dezember. An diesem Tag ist mir folgendes passiert: Ein schöner Tag, Sonnenschein, raus mit dem LEPRECHAUN und gestartet.
So nach 15 Minuten bin ich dann mal gelandet, um zu prüfen, ob der Akku bei diesen Temperaturen nicht schon zu kühl geworden ist.
Ich öffnete den Deckel vom Akkuschacht und musste den Regler etwas nach oben ziehen, um an den Akku zu gelangen. Dabei habe ich vermutlich, ohne es zu merken, am Reglerkabel gezogen. Dadurch wurde der Stecker nur ein Stück aus dem Empfänger gezogen, aber es war alles noch funktionsfähig. Erneuter Start und der LEPRECHAUN flog schön seine Kreise.

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Auf einmal pieps, pieps und die Verbindung zum Modell war unterbrochen, es kam also oben nichts mehr an. Zum Glück war das Modell gerade in einem sehr gut ausgetrimmten Geradeausflug mit minimalem Sinken. Wahrscheinlich hatten Vibrationen den Stecker endgültig aus dem Empfänger befördert.

Ich konnte nur mehr zuschauen, wie das Modell geradeaus entfleuchte. Nach einer für mich endlosen Zeit drehte der LEPRECHAUN durch den Wind in eine Rechtskurve und entschwand dann meinen Blicken
Und das Ganze ereignete sich noch über dicht bebautem Gebiet. Ui, das ließ nichts Gutes ahnen....

Naja, was tun?
Als erstes hab ich mal die Polizei angerufen, ihnen alles erzählt und meine Personalien hinterlassen. Dann ab ins Auto und das fragliche Gebiet abgesucht. Weiter weg, näher beim Ort, nirgendwo war etwas zu sehen. Auch rückte weder Feuerwehr noch die Rettung aus, das beruhigte mich etwas...

Als ich durch eine Siedlung wieder den Berg hinauf gefahren bin, stand plötzlich der LEPRECHAUN vor mir, mitten im Acker. Er wurde auch schon von Spaziergängern begutachtet. "Wie kommt der dahin, obwohl kein Pilot zu sehen ist?"

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Das Modell hat ungesteuert eine Superlandung hingelegt, es war nicht einmal schmutzig.
Als ich die Kabinenhaube geöffnet hatte, sah ich schon das Kabel des Reglers, leider nicht mehr im Empfänger.

Zum Glück war nichts passiert und ich war dann schon sehr erleichtert, muss ich gestehen. Aber man sieht wieder mal, es passieren die unmöglichsten Sachen.
Ich habe die Lehren aus diesem Vorfall gezogen und werde in Zukunft noch sorgfältiger sein.

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Kommentare

Hallo, danke für euer Feedback 👍"Turnblue", das ist kein GPS Protokoll, das habe ich nur so gezeichnet zur Veranschaulichung. Liegt aber sicher nicht weit daneben.
MfG
Herbert
Ha, ha, da hab ich mich über den Failsafe-Kommentar mit lustig gemacht und bin dem analog-halluzinellen GPS Protokoll auf den Leim gegangen- Karma is a bitch...:D
 
Wahnsinn was für eine Geschichte! Glückwunsch zum tollen Modell, das so zuverlässig fliegt!
Die Idee mit dem Heißkleber von Prosit werde ich in Zukunft auch verwirklichen!
 
Hallo Herbert,

vielen Dank für den kurzweiligen Bericht! Kleiner Tip aus der Helisparte: Die Stecker am Empfänger mit Heißkleber sichern. Das hält mehr als ausreichend, lässt sich aber im Fall des Falles auch problemlos wieder abpopeln.


VG
Porsti

Ich mache gerne einen Streifen Thesa um alle Servostecker am Empfänger,
somit sichern diese sich gegenseitig. Soviel Vibration das 4 oder 5 Servostecker gemeinsam abrütteln würden, zerstört den Flieger soundso ;-)
 
Kurze Anmerkung:
Der Stecker vom Regler ist nicht "abgerüttelt" worden. Zur Erinnerung: das ist ein Segler mit E-Mot. Wie Herbert geschrieben hat, hat er nach der 1. Landung nur nachgesehen, ob der Akku zu kalt geworden ist und dabei den Regler hochgehoben. Und dabei hat er den Stecker am Empf. etwas herausgezogen, ohne es zu merken. Der Stecker hat sich dann verabschiedet und der Empf. war stromlos.
An sich sind die Stecker sehr fest im Empf., besonders wenn 4-6 Stück nebeneinander sind. Das merkt man, wenn man mal einen Stecker in der Mitte rausziehen will. Wenn man halt einen St. ein Stück rauszieht, ohne es zu merken, gibt es noch Kontakt. Und beim Fliegen könnte es sein, daß der Regler etwas nach vorne rutscht und den Stecker mitnimmt.
Knut
 
Also nochmals, es war eine Unachtsamkeit von mir dass sich der Stecker gelockert hat beim hantieren mit dem Akku.
Mein Pech war dann eben, dass der Stecker wahrscheinlich noch ein bischen an den Pins hing und ich das nicht sah.
Ob jetzt eine Vibration oder eine Flugbewegung die endgültige Trennung verursacht hat, steht wahrscheinlich in den Sternen....:confused:
Aber wie gesagt, zum Glück nichts passiert.

MfG
Herbert
 
Hallo zusammen, wir haben auch 2 Eigenbau Leprechaun im Verein und bringen die Modelle im F-Schlepp ( sogar Doppelschlepp) auf Höhe die Flieger sind so flugstabil das selbst der Schlepp in großen Kurven absolut zuverlässig funktioniert. Natürlich ohne Querruder, immer wieder schön, ein schönes Modell für die Bausaison im Lockdown. Video auf MFG- Niederrhein.e.V.
 
Schöne Geschichte mit Happy End.
Und ein tolles Modell obendrein

Mir ist auch schon Ähnliches passiert.
Seit Jahren sichere ich die Servostecker mit einem kleinen Würstchen schwarzem Heisskleber. Wie in vorigen Beiträgen geschrieben, lässt sich das mit einem Fingernagel wieder abknibbeln.
In einem Fall ist mir der Heißkleber jedoch zum Verhängnis geworden:
Bei einem Jeti Rsat2 gibt es ja nur ein Kabel Richtung Weiche/Centralbox.
Ich sicherte den Stecker nicht nur an den schmalen Seiten mit etwas Kleber (wie bei Empfängern, wo oft viele Stecker nebeneinander sitzen), sondern auch an den Längsseiten. Dadurch schmolz eine Kunstoffzunge, welche die Steckerkontakte gegen herausrutschen sichert.

Es kam was kommen musste...
Zum Glück setze ich immer zwei Rsats ein und ich konnte das Modell mit meckerndem Sender (Signalverlust) landen.

Also Obacht mit den Steckern ;-)

Allen eine schöne Zeit!
 
Vielen Dank fürs teilhaben lassen und Deinen spannenden Bericht.
Mir ist in den frühen siebziger Jahren mal ein Standard 66 (freifliegend A1) nach dem Start an der 50m Hochstartleine davongeflogen und ward nie wieder gesehen. Der hatte noch eine Thermikbremse mit Glühlunte, welche auch aktiviert war. Da ging mir auch so einiges durch den Kopf. Offenbar ist Sie wohl ausgegangen.......! Dein Leprechaun ist ein sehr schönes und offenbar auch "wohlerzogenes" Fluggerät. Kurs und Routenführung seines "Aus"fluges sehen aus wie auf dem Flight Management System programmiert, und das Modell nach der Landung wie von einem Piloten gesteuert (wahrscheinlich sogar noch besser als mit Piloten, auf diesem groberdigen Acker!
Die Freude und Erleichterung beim Auffinden des Modells kann ich nachvollziehen.
LG Roberto (aka Pampaflyer@RCN)
 

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