LIMIT PRO von robbe

Nur ein HAWK in neuen Kleidern?

Jürgen Rosenberger​

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Die ersten Sonnenstrahlen des Februars erwärmten nicht nur mein Herz. „Vom Eise befreit sind Flüsse und Seen“, sprach schon einst der alte J.-W. v. Goethe. Die Warnungen Elses, meiner Angetrauten, es sei doch noch viel zu kalt, schlage ich leider in den Wind, packe meinen HAWK Revolution ins Auto und fahre hinaus zum Flugfeld. Akku anschließen, Fläche verschraben und Abwurf ins Hotty-Getümmel. Senkrechter Aufstieg bis zur Sichtgrenze, fallenlassen, abfangen, über die Piste schießen, hurra der Winter hat es mich noch nicht verlernen lassen!

Irgendwann ist der Akku leer: Einkreisen zur Landung, aufsetzen, geschafft, durchatmen! Weitere Flüge folgten, der Schneid wächst, Übermut tut selten gut! Beim buchstäblich letzten Flug lasse ich außer Acht, dass die Wintersonne tiefer stand. Erst verschwand mein geliebter Hotty im gleißenden Sonnenlicht und dann auf Nimmerwiedersehen im 80 m tiefen Steinbruch.

Drei Tage später kam der süffisante Anruf der Sekretärin des Steinbruchbesitzers: Sie teilt mir mit, das Modell sei gefunden. Doch was soll ich sagen? Wie ein freier Fall aus ~ 80 m auf Fels endet weiß fast jeder: Servos und Motor waren noch funktionsfähig, der Rest schon Sondermüll.

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Bei der Ausschau nach einem Folgemodell finde ich unter Robbe/Lindinger ein Angebot namens LIMIT PRO, hinter dem sich bei genauerem Hinschauen mein alter HAWK III, also ein Voll-GFK-Hotliner, verbergen dürfte. Zwei Varianten werden angeboten, eine PNP- und eine ARF-Version. Ich entscheide mich für ARF, verblieben mir doch Motor und drei Servos vom hingeschiedenen HAWK Revolution. Im Internet den günstigsten Anbieter herausgesucht, per PayPal-Modus bezahlt, drei Tage später trifft ein sauber verpacktes Paket ein. Fertigungsqualität von Rumpf, Flügeln und Leitwerken sind über jeden Zweifel erhaben. Die leuchtend grün-schwarze Farbgebung des alten HAWK Revolution ist jetzt durch schwarz/weiß Design mit signalroten Ohren ersetzt. Die Flügelunterseite trägt schwarzweiße Balkenlackierung. Tragfläche und Höhenleitwerk haben spaltlose, leichtgängige Ruder; Ruderhörner, Steuerstangen, Servoabdeckungen, alles vorhanden, nichts muss hinzugekauft werden. Lobenswert ist zu erwähnen: Ersatzteile wie Rumpf-, Tragfläche und Höhenruder sind laut Hersteller nachzukaufen.

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Die Bauanleitung erläutert in 27 Fotos, für jedermann verständlich, die einzelnen Bauschritte. Man beginnt mit dem Einleimen des Höhenruderhornes: Mittig schneide ich einen Schlitz in die Unterseite des Höhenruderblattes, fixieren das angeraute GFK-Horn unter Zugabe von UHU-Plus und legen das Teil für >12 Stunden zum Trocknen weg. Der LIMIT PRO verfügt wie fast alle Hotties über eine starre Seitenruderfläche, an deren Oberkante ein Spalt zur Durchführung des Rudergestänges zu schneiden ist. Letzteres verbindet das Höhenruder mit der unterhalb platzierten Rudermaschine. Das Servo selbst umhüllt man mit Schrumpfschlauch, raut diesen unterseitig an und verklebt das Ganze an der gegenüberliegenden Seitenwand, sei es nun mit Harz oder Silikon. Ein fertig geschnittener runder GFK-Deckel verschließt die Lagerstelle. Die Verwendung eines Schrumpfschlauches hat den Vorteil, dass bei etwaigen Servo-Defekten ein problemloser Austausch mittels Durchtrennung der Umhüllung möglich ist. Frühere Methoden, das betreffende Servo direkt mit Silikon auf dem Untergrund zu fixieren, bergen bei späteren Austauschversuchen stets das unkalkulierbare Risiko, Rumpf- oder Flügeluntergrund zu beschädigen.

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In der einteiligen Tragfläche werden die beiden Rudermaschinen in vorbereiteten Servoschächten auf einem CFK-Lager eingeklebt. Mitgelieferte Messingruderhörner schraubt man in vorgeschnittene Löcher der Ruder ein, optional ist eine Sicherung mit Locktight. Das fertige Rudergestänge hänge ich über Gabelköpfe ein. Die Abdeckung erfolgt mit zugeschnittenen Hauben.

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Dann wende ich mich dem Motoreinbau zu. Passgenaue Bohrungen sind im eingeharzten GFK-Frontspant vorhanden. Ausreichend Kühlung garantieren zwei seitliche Öffnungen in Motorhöhe sowie eine große Auslassöffnung hinter der Tragflächenaufnahme. Es empfiehlt sich, die Kabelenden von Regler und Motor zum Erreichen des Schwerpunktes nicht etwa End-zu-End, sondern im spitzen Winkel nach vorne verlaufend über dem Treibling miteinander zu verlöten. Der Regler liegt so dem Motor eng an, sodass der Flugakku später möglichst weit nach vorne geschoben werden kann. Der von mir verwendete Motor ist ein X-Max X36 L-800, ein Außenläufer mit umkleidender Außenhülle und einer Klappluftschraube 12 x 8 von Aero-naut.

Damit bin ich schon am Ende, der Zusammenbau ist an zwei Nachmittagen zu bewältigen.

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Als Energiequelle kommen 4S 3200 Ah Lipos zur Anwendung. Der Schwerpunkt zwischen 68 mm und 72 mm hinter der Nasenleiste, lässt sich problemlos über die Akkulagerung einstellen. Die angegebenen Ruderausschläge für Höhenruder mit +5/ -3mm, für Querruder +10/ -8 mm mit jeweils 20 % Expo werden zunächst übernommen. Mal abwarten, was die Flugerprobung bringt.



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Mein Außenläufer nimmt im Stand bei 4 S unter Verwendung einer 13 x 10 Luftschraube 79 A, der Grenzwert meines YEP-Reglers liegt bei 60 A. Mit einem 12x8 Quirl liegen am Boden gemessen 60 A an, was im Flugbetrieb geringer ausfallen dürfte. Beim ersten Abflug steigt der LIMIT PRO in bester Hotty-Manier in wenigen Sekunden senkrecht bis zur Sichtgrenze und würde diese sehr schnell überschreiten, nähme ich nicht das Gas heraus. Nach Motorstop, Abkippen über den Rücken, der LIMIT PRO taucht nach unten weg und nimmt maximal Fahrt auf. Die Maschine geht erst in einen 45° Sinkflug, der dann in einen Looping mündet. Meine Hirnerbsen sagen mir, der Schwerpunkt liegt ein wenig zu weit vorne. Vor den späteren Flügen verschiebe ich den Akku etwas nach hinten, der Schwerpunkt liegt nun bei 70 mm. Das Flugverhalten ist jetzt neutraler, d.h. der LIMIT PRO geht aus 45° in einen waagerechten Gleitflug.

Der Geschwindigkeitsbereich zwischen sehr schnell und langsam scheint mir gegenüber dem alten HAWK etwas größer zu sein. Der Gleitwinkel ist auch bei geringer Geschwindigkeit sehr flach. Steuerbefehle werden bereitwillig angenommen, trimmen entfällt, was für eine hohe Fertigungsqualität spricht. Hat man sich erst einmal an die zügige Fahrt gewöhnt, lässt sich trefflich turnen. Ein Turn über den Rücken, „Seitenruder is nicht“, Sturzflug, abfangen und zügigste Fahrt über die Landebahn schließen sich an: Das ist Vergnügen pur. Wie grölen doch die Diskoqueens - Hölle, Hölle, Hölle! Die vom Hersteller vorgegebenen Rudereinstellwerte werden zwar übernommen, ich fliege aber für Quer- und Höhenruder mit 40% Expo. Beim Abwurf reduziere ich die Höhenruderausschläge von 5 mm auf 3 mm, um dann in der Luft und bei der Landung auf 5 mm zu steigern. 3 mm Ausschlag sind bei der Landung zu wenig. Die Butterfly-Stellung mit 10 mm Querruder hoch unter Beimischung von 2 mm Tiefenruder sind für meine Bedürfnisse ideal. Man kann den LIMIT PRO über der Landebahn erstaunlich lange aushungern, um ihn dann am Ende sanft aufzusetzen. Bei weiteren Flügen zeigt sich, der ohne Sturz montierte Motor zwingt meinen Hotty bei Vollpower in einen extremen Steigflug von ~ 90°. Um dies zu kupieren, mische ich über meine Anlage 20% Tiefenruder hinzu, so dass jetzt ein mir angenehmerer Anstieg von etwa 45° erreicht wird. Will ich mehr, gebe ich Höhe, denn Schub gibt es im Überfluss.

Ein Wort zur Farbgebung: Die Ohren in roter Alarmfarbe sieht man auch in großer Höhe, die schwarz-weißen Balken an der Unterseite verlieren sich in der Ferne. Konzentration ist also angesagt, um die Modelllage nicht aus den Augen zu verlieren. Flüge in Richtung Sonnenball meide ich aus oben geschilderten Gründen, denn das kann bei der relativ hohen Grundgeschwindigkeit und einer doch zarten Flugzeugsilhouette zum Totalverlust führen. Bisweilen fühlt man sich als Modellpilot genarrt, weil einem via Verkaufsplattform unausgereifte Modelle zu Dumpingpreisen untergejubelt werden. Dies trifft nun für den LIMIT PRO in keiner Weise zu. Das Grundmodell ist in früheren HAWK-Versionen 1000-fach erprobt. Motorauslegung, Kühlung, Alarmfarben, stimmiger EWD-Winkel lassen den LIMIT PRO sicherlich erneut zum Freund so manches Modellpiloten werden.
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Im Fazit ein Donnerbolzen comme il faut mit hoher Fertigungsqualität in akzeptablem Preis-Leistungs-Verhältnis, fantastischen Steigleistungen, Kunstflug in Django-Manier, problemloser Landung Dank Butterfly. Ein Must have für jedermann.


Angaben des Herstellers:
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Kommentare

Hallo Jürgen,
ein schöner Artikel der Lust auf‘s Hotlinern macht!
Aber ist der Begriff „Butterfly“ nicht für die Landestellung mit Wölbklappen reserviert, die dieser Flieger ja nicht besitzt?
Auch ist es ungewöhnlich bei einem Hotliner alter Schule ohne Wölbklappen zur Landung die Querruder nur 10 mm aufzustellen aber 2 mm Tiefenruder dazu zu geben, damit durfte er erstens sehr schnell werden und zweitens die Nase deutlich nach unten nehmen.
Bei meinen „Hawks“ bin ich eher bei 25 - 30 mm Quer hoch und 0.5 mm Tiefe, dann kommen sie schön langsam und gerade mit leicht hängendem Heck rein, trotzdem kann man dazu noch beim Aufsetzen Höhe ziehen.
Viele Grüße
Axel
 
Hallo Axel,
ich habe die Klappeneinstellungen so wiedergegeben, wie ich sie fliege. Ich muss allerdings sagen, dass die Werte bei jedem meiner Hotties unterschiedlich waren.
Beste Grüße
J.R.
 
Wenn du das sechste Foto mit dem Messingauge anschaust und das Querruder 30mm nach oben, im Foto nach unten drehst dann steht das Gestänge im 30 Grad Winkel an der Fläche an, weder die Gestänge noch die Abdeckung ist montierbar. Das gilt für den Hawk3, den Milan von RC Wildtechnik und den etwas größeren Amplitude. Zudem rutschen bei 30mm die Querruder aus
Ihrer Spaltabdeckung, das passiert beim Milan leicht.
Ich hatte den Milan, habe den Amplitude und den Hawk3 habe ich auch schon in Händen gehabt.
Gruß Harald
 
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Hallo Harald,

schön, dass Du es ansprichst:
Die abgebildeten Anlenkungsgeometrien erscheinen (aber bitte mit Nachsicht, da eben nur per Foto beurteilt) zwar funktional, könnten aber auch besser sein.
Und ja, sich herausarbeitende Dichtlippen oder auch Spaltabdeckband ist immer ein Problem, wenn es auftritt, egal bei welchem Modell, egal bei welcher Klappe.
Aber daraufhin den Ausschlag zu begrenzen anstatt die Dichtlippe nachzuarbeiten ist sicher auch eine Lösung, oder vielleicht doch nicht?

VG Axel
 
Zum Thema Messing-Augenschrauben als Ruderhebel ist folgendes zu sagen:
Richtig ist, dass sie bei großen - vor allem schweren - Rudern nicht geeignet sind, weil dann die Rudermaschine sehr schnell überfordert werden kann. Ich habe das in einen Bericht in der letzten FlugModell über die Cessna Skywaggon von Aero Naut bemängelt. Für den Limit Pro trifft derartiges aber nicht zu: Die Ruder sind klein und leichtgängig, außerdem werden 30mm Quer-Hochstellung für die Landung nicht benötigt!
Beste Grüße
Jürgen Rosenberger
 
Jeder kann es natürlich machen wie er möchte.
Ich empfehle eine Anlenkungsgeometrie, bei der 100% des elektronisch möglichen Servoweges genutzt wird, das gilt natürlich auch für das Höhenruder.
Nur so wird die volle Auflösung und Kraft des Servos genutzt.
Wer dieses nicht möchte, kann die Anlenkung natürlich auch so wie auf den Fotos abgebildet umsetzen, mit den heutigen guten Servos funktioniert auch das, aber wenn man ehrlich ist: eigentlich nicht nur heutzutage nicht State of the art.

Und natürlich kann man einen Limit pro alias Hawk auch nur mit 10 mm Querruderausschlag nach oben und 2 mm Tiefenruder dazu landen, ist halt auch suboptimal aber funktioniert irgendwie,
VG Axel
 
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Die Messingschrauben sind in Wirklichkeit ein Murks, du musst das Gestänge nur in die Messingschraube einrasten,
einen Tropfen Superkleber in das Auge tropfen lassen und mit dem Aktivator leicht ansprühen, dann das Gestänge freidrehen. Auf der Gegenseite 1.5mm im Servohebel bohren, da die Gabelköpfe 1.6mm haben. Nur so ist das Ganze spielfrei.
Gruß Harald
 
Bei herauslaufenden Dichtlippen klebe ich oft doppelt Tesafilm auf die Lippen zur Verlängerung derselben.. Damit fädeln die dann sauber wieder ein. Wirkt Wunder oftmals!
 

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