Magnum - Caliber 32

Ein scratchbuild Schaummodell der "Resteklasse"

Peter Rausch​

Ein Modell aus der Restekiste. Nichts wird zugekauft! Alles, was noch so rumliegt, wird gebraucht. Als da wären: Ein noname Chinaböller (32er Brushless) mit 45 A, ein Redbrick 70 A-Regler, MG90-Servos mit Metallgetriebe, eine Kanzel von einer gecrashten GeeBee R3, Fahrwerk von einem gefledderten 120% Aggro-Magnum etc.

Der Seitenriss des Rumpfes ist vom Ur-Magnum von Martin Müller abgeleitet. Der Plan sollte im Netz zu finden sein.

Die Schaumteile sind schwarzes EPP, Abfall aus der Industrieproduktion. Hier kann man sicher auch gekaufte Platten nehmen, aber das passt thematisch dann nicht zum Restekisten-Modell.

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Zunächst habe ich die Fläche geschnitten und grob in Form gebracht, die im Umriss einer "Extra" gleicht. Das Profil ist ein symmetrisches NACA 0009. Der Rumpf (120 %-Magnum-Plan ohne Löcher) ist bislang nur gesteckt... Mal sehen ob ein 3S-Lipo noch geht oder ob es 4S sein müssen. Die Spannweite beträgt 105 cm. Auch der Kastenrumpf ist aus EPP (RG30). An Gewicht bringt der Rumpf auf dem Foto bislang 196 g auf die Waage.

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Was wird an Werkzeug für so ein Projekt benötigt?

- Eigentlich ist das einzige Spezialwerkzeug der heiße Draht und sein Antrieb (siehe Wikiartikel dazu), den man leicht selbst herstellen kann. Es muss also kein CNC sein.
- Ein dremelähnlicher Kleinfräsmotor (Billiglösung vom Discounter reicht für Schaumis). Der Fliesenschneidaufsatz als Abstandshalter ist wichtig für Nuten im EPP, damit man nicht mühsam zwischen zwei Skalpellschnitten das Material bergmännisch rauspopeln muss.

Alles andere sind Werkzeuge, die sich fast alle im Haushalt eines Modellbauers befinden:

- Cuttermesser mit scharfen Klingen
- Alu-Winkelmaterial als Lineal zum Entlangschneiden im rechten Winkel oder zum Entlangfahren mit dem Dremel für gerade Fräsbahnen sowie für exakte 45°-Schrägen bei den Ruderscharnieren. Ein paar 1 mm Löcher hineinbohren, um den Winkel mit Nadeln am EPP fixieren zu können.
- Stecknadeln (zum Fixieren von Material oder Linealen)
- Säge zum Ablängen von Stäben
- verschiedene Schraubendreher
- Flach und Rundzangen
- Akkuschrauber
- Bohrer unterschiedlicher Durchmesser
- Handlaubsäge (besser: Bandsäge oder Dekupiersäge) für Sperrholzteile und Durchbrüche
- 40-50 cm Schleiflatte mit 40er bis 80er Schmirgel belegt (um EPP an Rumpfkanten,-rücken oder Profilnase in Form zu bringen)
- runde Schleifstäbe (wie die Schleiflatte, als beklebte Rundhölzer verschiedener Durchmesser für Innenkonturen)
- geeignete Klebstoffe für Schaum (UHU-Por, Scotch Weld 77 o.ä.)

Damit lässt sich ein solcher Schaumi schon realisieren...

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Die Leitwerksteile wurden mit dem Cuttermesser ausgeschnitten. Etwas eckiger als die originalen Magnum-Leitwerke (es soll sich in der Luft ja etwas vom Ur-Magnum abheben) und die Querruder wurden mittels UHU-Por Scharnieren angeschlagen. Dann habe ich wegen dem Prop und dem 3S-Antrieb „e-calc“ befragt. Ich bin mangels konkreter Motordaten von einem 900 KV Motor mit 45 A Maximum ausgegangen und dann auf eine Dreiblattluftschraube mit 11 x 8,5 gekommen. Das ergibt ungefähr 1800 g Standschub bei 36 A. Das sollte reichen. Die Fluggeschwindigkeit beträgt dann etwa um die 80 km/h. Fotos kommen später...

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Versteifungen

Dann waren die Holme dran. In der Tragfläche, den Leitwerksflächen und innen im Rumpf. Jeweils 3x3 mm CFK-Rohr. Die Nuten habe ich mit dem Dremel und dem Fliesenaufsatz 3 mm tief gefräst und die Holme mit Uhu-Por nass eingeklebt. Die Flächenholme sind jeweils oben und unten in den Flächen eingeklebt. Das Fahrwerk soll ja wie beim Magnum an die Fläche, das muss also schön steif werden, damit es bei einer härteren Landung nicht gleich Brösel gibt. Es wird jedenfalls mit den vorhandenen Fahrwerkbeinen sehr, sehr knapp mit dem Propellerfreigang bei einem 11 Zoll Prop. Hoffentlich geht das gut...
An den Stellen, wo in den Querrudern die Ruderhörner hinkommen, habe ich 1x5 mm CFK eingelassen, damit die Kräfte besser eingeleitet werden.

Motor und Regler hatten ihren Platz gefunden, bevor der Rumpf geschlossen wurde. Den Regler habe ich gleich programmiert und natürlich durfte ein Test aus der Hand mit der gerade gelieferten Dymond E-Prop 3-Blatt 11x8,5 nicht fehlen. Ich muss schon sagen, die Luftschraube ist ein ganz schöner Klotz und sorgt beim Anlaufen für ein enormes Gegendrehmoment. Deshalb habe ich 2° Seitenzug nach rechts vorgesehen. Sturz bleibt bei 0°.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, einen V8 in einen Polo eingebaut zu haben.

Der Antrieb zieht wie Hölle an dem kleinen Rumpf. Bin mal gespannt, wie das bei dem lächerlich kleinen 2200 3S-Akku mit dem Einstellen des Schwerpunkts klappt.

Zur Kühlung des Reglers kann die Luft gezielt über die Kühlrippen durch den Spant nach hinten fließen. Dort kommt unten in den Rumpf ein entsprechender Luftauslass hin. Der jetzt durchgehende Spant ( Bild weiter oben) wird im Flächenausschnitt natürlich herausgetrennt.


Es wird langsam ein Modellflugzeug!

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Die Cockpit-Haube ist drauf, es fehlen aber noch die Magnete. Jetzt muss das UHU-Por bis morgen trocknen, weil ich zwecks senkrechtem Ausrichten das SLW nass eingeklebt habe.

Mit 1002 g auf der Waage bin ich mehr als zufrieden.

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Wahrscheinlich bleibe ich flugfertig foliert unter 1100 g, was bei geschätzten 1800 g Standschub schon mächtig was verspricht. Die Flächenbelastung liegt dann bei rund 40-45 g/dm². Ich bin schon jetzt gespannt wie ein Flitzebogen...

Der Kleinkram hält ganz schön auf. Die Anlenkungen nach hinten sind fertig. Es fehlen noch die direkten Anschlüsse an die Ruder. Ich habe mich doch entschlossen, die Servos innen einzubauen und nicht wie beim Magnum mit Schubstangen außen. Als Führungen der Schubstangen waren noch Reststücke der Flügelholme da. Zur Kraftübertragung wird gekröpfter 1,5er Stahldraht eingesetzt. Die Längenverstellung mache ich hinten am freien Ende mit Lüsterklemmen. Ein Spornrad hat auch seinen Platz gefunden, es ist frei drehbar. Die Fläche ist mit UHU-Por am Rumpf fixiert worden. Das reicht für heute...morgen sind die Fahrwerksbeine und die Querruderservos dran, dann wird der Platz für den Akku gesucht und die Servostecker an die QR-Servos angelötet.

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Das Abfluggewicht ohne Dekorfolie und Beleuchtung beträgt jetzt 1002 g und das bei geschätzten 400 W Leistung. Damit bin ich sehr zufrieden. Alle Anlenkungen sind dran. Nur noch verkabeln, Magnete in die Kanzel kleben und Luftlöcher für den Regler bohren und richtig auswiegen. Dann kann es eigentlich zum Erstflug gehen. Die Folie kommt erst später dran, eventuell auch die Beleuchtung. Erst mal muss er zeigen, dass er fliegt...

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In nur acht Tagen, das sind etwa 16 Baustunden, von der EPP-Platte zum rohbaufertigen Modell - das ist für mich neuer Rekord!

Heute ist Erstflugwetter, also raus zum Flugplatz. Leider war dort auch der Teilwettbewerb der Vereinsmeisterschaft im RES. Deshalb hatte keiner Zeit, den Erstflug zu filmen...
Es hatte niemand gemäht! Deshalb war Bodenstart wegen 15 cm Gras leider nicht möglich. Also Start aus der Hand, gegen den Wind. Ein leichter Schubs reichte aus und trotz nicht gemähter Wiese kann ich sagen: Der "Caliber 32-Magnum" fliegt!

Die Leistung ist für das momentane Gewicht von 1000 g mehr als genug. Er geht senkrecht ohne Ende. Die Geschwindigkeit im Geradeausflug ist ausreichend. Geschätzte 70-80 km/h. Obwohl der Wind etwas auffrischte (3-4) kam der Magnum gut damit klar. Die 8,5er Steigung war die richtige Wahl für den Propeller.
Dank der hohen Motorleistung gehen Loopings schön ausgedehnt. Messerflug klappt auch. Die Rollrate würde ich als hoch bezeichnen und er rastet nach der Rolle ohne Nachdrehen schön ein. Rückenflug ist ohne größeres Drücken möglich.
Zwei Akkus wurden angeflogen. Mit einem vierminütigem Nachladen von 948 mAh und noch mal 3:30 Minuten nachladen von 568 mAh. Da sollten im gemischten Betrieb mit den 2200ern 3S so circa sieben Minuten Flugzeit drin sein. Ich denke, der Caliber 32 braucht den Vergleich mit der gekauften S-Bach meines Sohnes in der gleichen Größe nicht zu scheuen.
Der Motor wurde gerade lauwarm, genau wie der Regler-Kühlkörper. Beides ist ja auch überdimensioniert. Die Kühlung funktioniert also auch. Jetzt kann er foliert werden. Damit der Flugspaß nicht nachlässt sollte er danach nicht zu sehr zugenommen haben.


Fazit

Die Lücke in der 1 Meter-Klasse in meinem Hangar (noch Rückbank tauglich) ist geschlossen und ich habe wieder ein 3S-Modell für alle Tage und auch für windigere Bedingungen, das Spaß macht. Der Herbst kann also kommen.

Der Magnum Caliber 32 ist auf alle Fälle kein Speeder, sondern im Geschwindigkeitsbereich erwachsener Slowflyer angesiedelt. Das Tempo nimmt auch im Abschwung eines Loops nicht wesentlich zu. Der Propeller und die raue Materialoberfläche haben schon ihren Luftwiderstand.


Farbe kommt ins Spiel

Da das Fahrwerk schon Farbe hatte, blieb als dritte Farbe nur das Neongelb, das schon am Fahrwerk war. Der Rest ergab sich wie geplant schwarz weiß:

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An Gewicht hat er auch etwas zugenommen. Die Orastick-Folie mit Klebegrundierung bringt 48 g auf die Waage. Das Abfluggewicht beträgt jetzt 1050 g. Das Scotch-Weld 77 hat sich als Haftverstärker gut bewährt. Nicht nur zum Grundieren bei der Orastick-Folie, sondern auch zum fixieren von dem ganz normalem Oracover. Vor allem, weil es nicht dazu führt, dass das EPP sich wellt und verbiegt wie bei der Methode mit benzinverdünntem UHU-POR als Grundierung. So war es möglich, nur die Oberseite, ohne Gegenzug an der Unterseite, zu bekleben.

Das es ursprünglich ein Magnum nach Martin Müller war, sieht man meiner Meinung nach nicht mehr. Lediglich das Fahrwerk weist ein wenig drauf hin.


Beleuchtung?

Lohnt das oder ist es nur zusätzliches Gewicht? Eigentlich geht es nicht ohne, weil es im Herbst immer früher dunkel wird. Außerdem habe ich die Arduino-Steuerungen fertig und die schreien nach Aufgaben. Sie sind exakt für 3S-Lipos ausgelegt. Irgendwie hatte ich das schon eingeplant. Aber erst muss ich noch mal fliegen gehen...

Die Lichttechnik wiegt 58 g. Allerdings noch mit ungekürzten Kabeln:

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Zum Glück habe ich die Unterseiten von Flächen und Rumpf (noch) nicht beklebt, da kommen dann die Einschnitte für die Kabel hin...

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Hier sind die Links zur Licht-PWM Library und zum zugehörigen Thread.
In diesem Video sieht man die möglichen Lichtwechsel. Über einen Proportionalkanal wird vom Bodenmodus (Rot oben und unten langsam blinkend) in den Flightmode gewechselt. Danach werden die Landelichter am Fahrgestell ein- oder ausgeschaltet. Als Gag habe ich die Landelichter noch in eine MG-Atrappe verwandelt. Als Lichtquellen dienen Abschnitte von LED Bändern, die für 12 V ausgelegt sind. Der Arduino schaltet diese Lichter über zwischengeschaltete MOSFETs. Diese sind so überdimensioniert, dass sogar 12 V-Halogenlampen damit gesteuert werden könnten.

Noch etwas fällt mir zu den Löchern im ursprünglichen Magnum Rumpf ein: Irgendwann stellte ein Mitleser zum 200%-Magnum die Frage, ob die Löcher im Magnum Rumpf nicht eine aerodynamische Katastrophe wären. Beim Caliber 32 habe ich sie ja absichtlich weg gelassen. Ja ja, die Neugier nach so einer Frage treibt einen doch um. Dazu kann ich jetzt sagen, dass er um die Hochachse etwas schlechter dreht und für Seitenwind wesentlich empfindlicher ist. Man muss bei Seitenwind mit dem Seitenruder mehr gegen das "in den Wind drehen" stützen. Schneller ist er ohne die Löcher auch nicht geworden. Also kann man den Magnum ruhig weiter mit Löchern bauen! Sie sind eher förderlich für das bekannt gute Handling. In Gedanken habe ich die Eigenschaften jetzt mit meinem verblichenen "120% Acro-Magnum" verglichen, der die selbe Rumpfgröße hatte wie der Caliber32 und mit Löchern ausgestattet war.

Für den Erstentwurf des "Magnum reloaded" zolle ich Martin Müller meinen höchsten Respekt und für die Idee der "Acro"-Weiterentwicklung Fabian Kopp!

Viel Spaß beim Nachbau!
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hallo Peter,
cooles Modell, hätte lust es nachzubauen. Zwei Fragen:
1) Hast du für die Fläche Musterrippen zum Heissdraht-schneiden angefertigt?
2) was bitte ist ein " Fliesenschneidaufsatz als Abstandshalter"
Liebe Grüße aus dem Saarland von Peter
 

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