Modellflug in der DDR

speed

Vereinsmitglied
Hallo,

gibt es irgendwo eine Dokumentation, wie der Modellflug in der DDR organisiert war?
Wie hat die Förderung funktioniert, welches Material gab es, was ist aus den früher geförderten Modellsportlern geworden?
Ich kenne die Fachliteratur aus dem VEB Verlag wie z.B. Modellflug in Theorie und Praxis, Luftschrauben für Flugmodelle usw.
In diesen Büchern wurde fundiertes Fachwissen vermittelt. Wir hatten im Westen Nichts Vergleichbares.

Wir fliegen in F3D ein paar Wettbewerbe in den neuen Bundesländern (Leipzig, Quedlinburg). Es gibt aber bis jetzt keine Teilnehmer aus dieser Region.
Woran liegt das. Ist das in anderen Klassen anders.

Vielleicht könnte ja jemand auch einen Beitrag fürs Magazin erstellen?

Gruß,

Otto
 
Hallo Otto,
bischen viel auf einmal was Du da wissen willst.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe fliegst Du Pylonrennen, auch auf Wettbewerben im "Osten" und wunderst Dich, dass da keine Teilnehmer, sondern nur Zuschauer her kommen, wo die im Osten doch früher, zumindestens was die Fachliteratur betrifft viel besser informiert waren als die im Westen und deswegen eigentlich auch, aufbauend auf dem früher zur Verfügung stehenden Wissen, heute konkurenzfähige Mitbewerber um den Pokal sein müssten?
Hab ich Dich da richtig verstanden?

Wenn ja, kann ich aus der besonderen Sicht des seit der Wende im "Osten" lebenden Modellsportler etwas dazu sagen.
Sicher wird das was ich berichten kann lückenhaft und speziell von meiner Situation geprägt sein.

Die Modellsportler in der DDR waren meines Wissens im Rahmen der GST organisiert.(Gesellschaft für Technik und Jugend)Wenn man überhaupt von einer Organisation des Modellsports, wie wir sie durch die Vereine und Verbände kennen, sprechen kann.
Diese Gesellschaft (GST) hatte einen klaren politischen Auftrag. So wurden die nötigen Mittel auch von den politischen Gremien zur Verfügung gestellt.
Ziel dieser Veranstaltung war es, die Jugend so früh wie möglich an die Faszination der Technik heran zu führen und so kreatives Handeln und Denken im Sinne des sozialistischen Fortschritts in Bezug auf die technischen Aufgabenstellungen im Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu fördern.
Hierzu wurden keine Mittel gescheut um von der Kreisebene an das nächsthöhere Sekreteriat Erfolgsmeldungen machen zu können.
So wurde es mir auf jeden Fall berichtet.
In diesem Zusammenhang gab es wie überall Genossen, die hohe Ziele und Anerkennung im Sinne der Aufgabenstellung anstrebten. Diese wurden auch sehr gefördert, zumal zur Erlangung der gestellten Aufgabe auch andere Kräfte der Gesellschaft angehalten waren ihren Beitrag zu leisten. Z.B. Volksarmee, Technische Forschungseinrichtungen u.s.w.
Und es gab andere, wie überall in der ehemaligen DDR, die einfach nur ihren Interessen nachgehen wollten und die von der Politischen Führung zur Verfügung gestellten Mittel und Räume nutzten, da es keine anderen Mittel gab, um .. na, eben ihr Hobby aus zu üben.
Dazu kahm noch, dass man in vieler Weise zum Westen schielte, in dem jeder ja alles kaufen konnte, was man in der ehemaligen DDR nur unter bestimmten Bedingungen bekahm. Das heist die Bedingung um z. Beispiel an Balsaholz heran zu kommen war eben im wesentlichen die, dass man Mitglied in der GST war und sich dort auch konfrontiert sah mit den Genossen, die vehement den sozialistischen Fortschritt voran bringen wollten.
Im Westen hatte man all die schönen Dinge wie Fernsteuerung u.s.w. ohne den Sozialismus voran bringen zu müssen.
Ich selbst habe nun einige Jahre Nachwende-Modellsport in den neuen Bundesländern auf dem Buckel und habe sehr viele sehr nette Modellbaufreunde kennen und schätzen gelernt, die froh sind nichts mehr von einem Verein oder irgend welchen Organisiertem Zeug in Verbindung mit ihrem Hobby zu tun zu haben, sondern einfach irgendwo sich das kaufen können, was sie zur Ausübung ihres Hobbys brauchen und sich gerne zwanglos mit anderen Modellbauern-und-Fliegern treffen, wie man sich sonst auch mit Freunden trift und sich untereinander austauscht und hilft.
Zu dem habe ich einige Jahre Mitglidschaft in einem aus solch einer GST hervorgegangenem Verein auf dem Buckel. Bin da immer noch Mitglied, obwohl ich inzwischen wo anders wohne und schon einige Zeit am Vereinsleben nicht mehr teilnehme.
In diesem Verein konte ich etwas beobachten was nicht unbedingt für alle Vereine gelten muss, was aber doch etwas so der Geschichte geschuldetes war, dass ich einige Zeit brauchte bis ich dahinter kahm.
Wir hatten (inzwischen ist er es nicht mehr,) einen sehr rührigen Vorsitzenden, der in Zusammenarbeit mit früheren Bekannten, die dann im Sportbund und in der Stadtverwaltung saßen, dem Verein jedes Jahr eine nicht unbeträchtliche Summe an Fördermitteln zuführte.
Diese Fördermittel kamen zum großen Teil den Mitgliedern dadurch zu Gute, dass der Vorstand mit diesen Mitteln Preise, die die einzelnen Mitglieder auf "Wettbewerben" erringen konnten in dem Fachgeschäft des Vorstandes einkaufte. Ich dachte damals noch, mann soll ja auch die kleinen Fachgeschäfte vor Ort unterstützen und fand das Anfänglich auch ganz gut.
Bis ich merkte, dass das nichts Anderes war als der Versuch die Verhältnisse der früheren GST fortzu schreiben, nämlich die "Versorgung mit Mitteln derjeniger die für mich sind". Ich hatte mich immer gewundert warum die meisten Mitglieder es gar nicht so gerne sahen, wenn ich Möglichkeiten angesprochen hatte, wie man bei den Wettbewerben noch andere teilnehmer, auch aus anderen Vereinen gewinnen könnte.
Auch war der Vorsitzende garnicht begeistert, als einige Jüngere Mitglieder mit mir gemeinsam an Wettbewerben im Westen teil nahmen. Das wurde aber von den Anderen Mitglidern lobenswert gehalten, schließlich trug man ja die eigene Fahne ins Land hinein.
Krittisch wurde es, als wir in der speziellen Wttbewerbsart dann zum ersten mal einen Wettbewerb auf eigenem Teraing veranstalteten. Der Vorstand gewährte keine Vereinsmittel dafür. Es bestand die Angst, Andere könnten von den mühsam zusammengebrachten Fördermitteln proffitieren.
Dieses Verhalten führte dazu, dass es den einzelnen Mitgliedern in Bezug auf ihre Materialbeschaffung zwar ganz gut ging, aber der Verein für sich als Körperschaft eigentlich in den ersten 10 Jahren seines Bestehens fast nichts zustande gebracht hat.
Das hat sich inzwischen Gott sei Dank etwas geändert, es sind Jüngere am Ruder und auch solche, die heute zwar aus Beruflichen gründen wo anders leben, aber aus einem Heimatgefühl und der Verbundenheit den übrigen Mitgliedern gegenüber immer noch den Verein am Leben halten.

Wie gesagt, diese Erfahrungen mögen nicht Beispielhaft sein, aber sie können eventuell doch einen Einblick gewähren den man alleine durch die Kenntniss gewisser Daten nicht erlangen kann.

Mir ist aufjeden Fall aufgefallen, dass ich einen völlig anderen Umgang mit dem Vereinsleben und den Möglichkeiten mich in meinen Interessen zu organisiern gewohnt war.

Aus diesen Erfahrungen kann ich nur empfehlen überwiegend den persönlichen Kontakt zu suchen und nicht den organisierten.

Du wärst nicht der Erste der damit scheitert.

An dieser Stelle vielleicht noch ein Beispiel aus einer gänzlich anderen Brange.
Ich war zu Beginn der Wende sehr viel beruflich im Osten unterwegs und daher auch sehr oft in kleineren und größeren Hotells.
An der Bar traf ich einmal jemanden, der für eine große westdeutsche Versicherungsgesellschaft versuchte Mitarbeiter zu gewinnen um ein Netz von Vertretungen auf zu bauen. Er selbst hatte eine Offizierslaufbahn bis in die höchsten Ränge in der Bundeswehr hinter sich und war der Meinung, ein Versicherungsvertreter müsse sich vor allen Dingen selbst organisieren können. Und welcher Ausbildung währe dafür die beste Voraussetzung? Die Offizierslaufbahn in einer Armee, egal welcher Nationalität. Ein Offizier müsse immer, auch abgeschnitten von seiner Führung selbstständig handel können.
Er rekrutierte also folgerichtig seine künftigen Gebietsvertreter für den jetzt neuen Aufbau aus den nicht von der Bundeswehr übernommenen Offiziere.
Er fiel damit, wie er mir berichtete so richtig auf die Nase, er konnte keinen davon wirklich gebrauchen Er war erschüttert. Nun, wie ein Offizier nach dem vor genannten Bild, wusste er sich zu organisieren und fand seine Mittstreiter in anderen Karteien.

Damit will ich nur sagen, dass wir (Wessis) heute vielerorts immer noch mit unseren Masstäben rechnen und die anderen, dazu gewonnenen Masstäbe nicht sehen können.
Nochmals, das hier geschilderte ist ein ganz persönlicher Bericht und ich glaube nicht, dass wenn man in den Analen der früheren Organisationen nach Mitwettbewerbern im Sinne der "Westlichen Hobbyentwicklung" sucht, wirklich fündig wird.
Ich habe ausschließlich über den persönlichen Kontakt Anschluss gefunden und fühle mich hier oft herzlicher aufgenommen als in so manch anderen Gebieten in denen ich früher gelebt habe.

Puh, wollte garnicht so viel schreiben, aber das musste wohl mal sein.

Ich wünsche auf jeden Fall alles Gute bei der Gewinnung einiger Teilnehmer für das Pylonracing auch von hier.

Mit den besten Grüßen aus mecklenburg-Vorpommern, dem Lilienthalland
Op.
 
Guten morgen Op,

das fängt gut an. Natürlich will ich viel wissen. Ich erwarte aber nicht, dass einer die Modellflug DDR Geschichte alleine aufarbeitet.
So wie ich Deinem Bericht entnehme, war die Förderung durch die GST für den Modellflug (heute) eher kontraproduktiv. Das spricht ja auch ein wenig für unseren Sport. Kreativität und Engegement kann man nicht so leicht befehlen. Ich engagiere mich auch für die Nachwuchsförderung und die Jugendarbeit und hier gelten ähnliche Mechanismen. Man kann den Jugendlichen ein Sprungbrett bieten, aber springen müssen sie schon selbst. Der Modellflug ist so komplex, dass ein gewisser Biss und ein Durchhaltevermögen dazugehört. Was einem nicht in den Schoß fällt, muss man sich erarbeiten.
Bei den Wettbewerben im Osten trifft man viele engagierte Vereinsmitglieder, die aber erst nach der Wende angefangen haben. Sie kennen die Geschichte dann auch nicht besser als wir im Westen.
Hier bietet unser Forum die Möglichkeit weitere Kreise anzusprechen. Die Resonanz wird zeigen, ob hier noch mehr kommt. Ich befürchte, dass die ehemaligen GST Funktionäre sich aus dem Geschehen berabschiedet haben oder keine Forumsbesucher sind.
Ich schaue immer mal wieder auf die Ortsangaben beim Usereintrag. Hier habe ich auch den Eindruck, dass die User aus dem Osten erst nach 1990 mit dem Modellflug angefangen haben.
Ist dieses Thema für andere Wessies auch interessant oder stehe ich hier mit meiner Neugierde alleine da?
Ich halte es für sinnvoll aus der Geschichte zu lernen.


Schönen Tag noch!

Otto
 
Guten Morgen Otto

Also ich hab Modellbau auch schon vor 1990 betrieben, allerdings nur so 2-3 Jahrdann kam ein bischen 1:1 fliegen dazwischen. Das war wärend meiner Schulzeit,so Ende der 70iger Anfang der 80iger Jahre.Die genauen Strukturen haben mich damal nicht so interessiert,Hauptsache fleigen.
Es ging ungefähr so: Am Anfang eines jeden Schuljahres kam die obligatorische Frage :wer möchte in welche AG und dann wurde die Auswahl bekanntgegeben,Also gemeldet und fertig.Das ganz fand dann bei uns in der Stadt in einer "Station junger Techniker und Naturforscher",die irgendwie zur GST(Gesellschaft fur Sport und Technik) gehörte.Wir bauten damals vorwiegend Freiflieger.Mit Balsa und anderem Holz gab es, zumindest in meinem Fall wenig Probleme.Schlimmer war es mit der Beschaffung von Japanpapier zum bespannen.Von der techn. Seite haben wir damals schon oft zu den Tschechen geschielt.Beschaffung war aber wegen der Umtauschvorschriften nicht ganz einfach. Ich kann mich auch noch an irgenwelche russ, Tip-Anlagen und Start dp5 erinnern und das eine Genehmigung zum Betreiben einer FS zu erhalten ,ein kleiner Kraftakt war.
Meinen Zeitschalter hat mir meine Oma aus dem Westen mitgebacht, hat damals 17,90DM gekostet.
 
Hallo, schönen Tag an Alle,
freu mich richtig über die Resonanz, hätte ich nicht gedacht.
Zu Maik:
Dann gehörst Du ja auch noch zu der Jüngeren Generation....
Ich habe erfahren, dass die Materialbeschaffung in den einzelnen GST´s durchaus unterschiedlich war, es kam wohl immer darauf an ob der einzelne Organisator, so nenn ich den jetzt mal, öfters bei der Kreisverwaltung vorstellig wurde oder nicht.
Ich habe von GST´s gehört, wo die Kreisleitungen richtig froh waren wenn die mal wieder eine Fernsteuerung angefordert haben. Aber es war eben auch sehr unterschiedlich.
Eigentlich waren die Modellbauer, so wie wir das heute kennen gar nicht organisiert.
Wettbewerbe wurden eher auf Anregung einzelner in Abstimmung mit anderen Gremien ausgeführt. Da war dann auch wiederum viel Einzelinitiative und Fantasie im Umgang mit den Gegebenheiten gefragt.
In den Bezeichnungen der einzelnen Wettbewerbsklassen hat man sich dann international orientiert.
Aber einen "Dachverband" für Modellflieger, wie z.B. der DMFV oder der DAEC , aus dessen eventuell noch vorhandenen Unterlagen man die Sportler von damals aufspüren und heute ansprechen könnte, gab es so nicht.
Zu den Foren,
ich habe festgestellt dass sehr viele meiner Modellbau-und-Flugkollegen sehr wohl als nicht angemeldete Mitglieder mitlesen.
Aber wenn ich sage, Mensch schreib da doch auch mal Deine Meinung, dann höre ich, zumindestens von den ungefähr gleichaltrigen, (ich bin Jahrgang 52)
"Ach, da muss man sich ja erst anmelden und so`Zeugs". Dann sag ich nichts mehr.
Grüße an Alle aus dem schönen Mecklenburg-Vorpommern, dem Lilienthalland
Op.
 
hallo otto,

schön dass sich mal jemand für den modellsport in der ehemaligen DDR interessiert! ich bin jetzt 31 jahre alt und baue seit etwa 22 jahren flugmodelle, habe also eine gewisse zeit als schüler einblicke in das gebahren der GST bekommen. bevor man von der GST richtig gefördert wurde, musste man schon leistung zeigen und sich irgendwie auch für eine offizierslaufbahn interessieren.
wir schüler mussten eine arbeitsgemeinschaft oder einen sportclub besuchen, das war einerseits nicht schlecht, jedoch fand alles vor einem politischen hintergrund statt. ich als schüler bekam man die härten des systems noch nicht zu spüren und wurde stück für stück in die geheimnisse und techniken des modellbaus herangeführt. wir lernten noch wie man rippen selber herstellt,
beplankungen schäftet und mit papier bespannt. all diese grundlegenden dinge beherrschen heute nur noch wirkliche modellbauer, die es zweifelsohne auch in den alten ländern gibt. vor diesem hintergrund kann man der herrschenden mangelwirtschaft wenigstens etwas positives abgewinnen. im übrigen war der modellsport in der DDR viel höher angesehen als heutzutage!

aber zu deiner frage weshalb du keine ossis auf f5d-wettbewerben findest. ich denke erstens braucht man wirklich gute und teure motoren und modelle um da mithalten zu können und zweitens zeit zum trainieren. wenn man aber als ossi zum arbeiten in den westen fahren muss hat man einfach keine zeit für das notwendige training, also belässt man es beim geselligen vereinsfliegen.

gruß andreas
 
Dann gehörst Du ja auch noch zu der Jüngeren Generation....
Aha ,hier hat schon mal jemand gepostet:" Ich bin schon über40":D :D :D

Ist mir egal ,Hauptsache gesund;)

Find's aber auch gut,das sich jemand für die Geschichte interessiert.
 
Hallo User,
ich kann nur sagen: weiter so und animiert die Kollegen an der Diskussion mitzuwirken.
Also ich bin 47 (Wessi) und habe meine Modellflugkarriere von der Pike an gelernt. Ich habe als Jugendlicher mangels Geld nach Plan gebaut, den es als Beilage in alten FMTs gab, die ich immer ein paar Jahre später zu damals 1 DM gekauft habe. Ich würde mal behaupten mir hätte eine GST damals sehr geholfen. Vom Elternhaus hatte ich keine Unterstützung, aber 2 jüngere Brüder, die auch mitgemacht haben. Ich habe mich dann hochgearbeitet bis zum Bau von aufwendigen GFK Modellen und bis zur WM Teilnahme in 1989 in F3D.
So in den 70- ern habe ich die VEB Bücher über Modellflug studiert und den Eindruck gewonnen, dass die Sportler hinter dem Zaun theorethisch ganz schön gut drauf sind. Die Wettbewerbe in der CSSR vor der Wende durfte ich dann nicht besuchen, weil meine Sicherheitseinstufung das verboten hat. Damals gab es Teilnehmer aus der DDR in Melnek!
Ich denke 15 jahre nach der Grenzöffnung ist es höchste Zeit dieses Thema zu diskutieren.
Ich hoffe auch die "Vorurteile" zwischen Ossis und Wessis sind soweit abgeklungen oder berichtigt, dass man offen über dieses Thema diskutieren kann.

Otto
 
@ op

Danke für Deine (langen) Ausführungen.

War auch für mich als Mitglied aus "Ö" mit Naheverhältniss zu "D" sehr interessant, da ich "damals" auch Modellflugkontakte zu MVVS hatten.

So gesehen, verstehe ich jetzt einiges besser ...

LG

Bernhard


.
 
Hallo,
ich bin zwar aus dem Westen, aber einiger meiner ehemaligen Arbeitskollegen (sind jetzt im Ruhestand) sind Modellflieger aus Ostdeutschland.

Mir hat man erzählt, das Fernlenkfliegen ein Abenteuer war, entweder hatte man Verwandschaft im Westen, die einem gebrauchte Sachen aus dem besorgt haben oder es blieb der Selbstbau. Meine Kollegen waren echte Profis (Nachrichtentechnik Ingenieure) und haben sich die Sachen zum grössten Teil selbstbebaut. Servos und Akkus waren am schwersten zu beschaffen.

Ein anderen Bekannte war Fesselflug Scale Modellbauer, der hat mir erzählt das er nach einer gewonnenen Meisterschaft eine Förderung in Form von zwei Webra Motoren erhielt. Diese Motoren waren mit dem Vermerk gekennzeichnet "Eigentum der DDR". Aber ich denke das war die Ausnahme, in der Regel war Eigeninitative gefragt.
 
hallo,

also das ferngelenkte fliegen war nur einigen wenigen in der DDR vorbehalten. erstens konnte sich nicht jeder eine start dp5 oder eine FM7 (beides fernsteuerungen) leisten und zweitens konnte man nicht einfach so in den laden gehen und eine kaufen. es gab in der DDR ein buch von günther miel, welches den aufbau einer AM-anlage beschrieb, dieses buch war auf dem freien markt fast nicht zu bekommen weil jeder diese anlage bauen wollte. ich beschäftigte mich dann auch mit diesem thema, habe leiterplatten geätzt und pendelempfänger gebaut, leider ohne erfolg. als schüler hatte ich einfach nicht das nötige wissen und die nötigen messinstrumente für eine erfolgreiche realisierung. das größte problem waren damals die filter und die quarze, man bekam einfach keine. meine älteren vereinskollegen haben ihre anlagen auf arbeit selber gebaut, denn es gab fast alles in der DDR für diejenigen die beziehungen hatten.
noch ein wort zu den modellmotoren. die meisten kennen ja nur die bwf`s und die 1,5er bis 2,5er moskitos. es wurden auch motoren bis zu 10ccm in glashütte entwickelt, welche leider nicht in serie gefertigt werden durften. dies wollte die "führung" des landes nicht, da fragt man sich wirklich welche gefahr von 10ccm motoren für den real existierenden sozialismus hätte ausgehen sollen.
was ich früher wirklich gut fand war die gemeinschaft in der dieses hobby ablief, nur im team konnten probleme gelöst werden. das ist der faktor welcher unserer gesellschaft leider immer mehr abhanden kommt, das miteinander, die gemeinsamen erlebnisse waren es die mich eigentlich gern zurückblicken lassen. natürlich blendet man alles unschöne aus, aber das ist wohl normal.

gruß andreas
 
wie war es?

wie war es?

Hallo,

ich hatte schon mal Konrad Kunik gegenüber geäußert dieses Thema unter dem Blick Schiffsmodellsport in der DDR (nur Schülerbereich) zu schreiben. Leider habe ich dazu noch keine Zeile für´s Magazin fertig.

Holt ein Bier oder andere Verstärkung ich kann mich nicht kurz fassen.

Was ich schreibe sind nur meine Gedanken/Erfahrungen und nicht allgemeingültig.

Es ist schade, dass auch in einer so engen Interessengemeinschaft der Modellsportler es notwendig erscheint sich als O oder W zu auten, um ??? Warum eigentlich?? Die Antwort finde ich nicht.

Ich kann zur Modellfliegerei wenig beitragen.
Berührung zum Modellsport bekam ich 1961 erst durch die Fesselfliegerei, anlässlich einer Schauveranstaltung. Heimlich folgte ich den Modellbauern auf deren Nach hause Weg, bis ich wusste, dass das ihre Werkstatt in Nähe meiner Wohnung ist. Wenn ich 2 Straßen weiter die Modellmotoren hörte war ich sofort auf dem Schulhof, wo die "Fliegerei" erfolgte und ich endlich den Mut fand die Flieger anzusprechen.
Später erfuhr ich, dass man mich bewusst die ersten 3 male erst die Werkstatt aufräumen und ausfegen ließ um mein Durchhaltevermögen zu testen.
Ich weis nicht, ob die älteren Herren Mitglied in irgend einer Organisation waren. Muss aber so gewesen sein, denn irgendwie sollten wir unser Material von den Segelfliegern (manntragende) bekommen. Mehr sollten als Realität. Ich brauchte nirgends Geld bezahlen und nichts abrechnen.
Ich durfte das vorhandene "Brettchen" mit einem 1,5 WILO Motor fliegen (es hatte schon mehrere Anfänger überlebt und war mit der Tragflächenbespannung aus 1,0 mm Sph nicht kaputt zu kriegen). Meinen "Akrobat" baute ich mit dem Material, was in der Werkstatt (Dachboden in einem Nebengebäude eines Mietshauses) war. Balsa kannte ich damals nicht und fehlte mir deshalb auch nicht. Einen 2,5-er Schlossermotor durfte ich einbauen und fliegen (war das eine Leihgabe oder zur Nutzung überlassen????) Ich zerflog mehr Flieger als ich baute. Mir wurde das Fliegen auch langsam zu teuer. Alle 14 Tage eine Holzlatte zu 2,50 M Kraftstoff (Äther (6,00 M/L) und Rizinusöl aus der Apotheke, Petroleum aus einem privaten Kaufladen) erforderten je Flugtag ca. 10,00 M.
Da die Materialversorgung bei den Schiffsmodellsportlern besser sein sollte
wechselten wir alle geschlossen zum Marineklub. Seesportzentrum der GST mit allen Seesportarten. Dort hatten wir eine schön warme Werkstatt mit Zentralheizung, nicht immer das gewünschte Material, aber ein offenes Ohr vom Marineklubleiter.
Natürlich waren wir stolz, dass die Schiffsmodellbauer ohne Training nicht letzte im 2 km Kutterrudern waren. Wir freuten und auf die 3 Tage Zeltlager zu Pfingsten, das wir mit einem Kutter unter Segeln erreichten. Eifrig bemühten wir uns die uns zugeteilten Winterarbeiten an der Holzjacht exakt auszuführen.
Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich mehr 1. Mai Demonstrationen als jüngerer Sportangler denn als GST Mitglied mit machte.
Ich wurde Mitglied der GST, der Sektion Schiffsmodellbau/ -sport weil ich es wollte und es mir dort sehr gut gefiel. Später als Lehrling (30 km außerhalb des Wohnortes) fand ich fast jeden SA Zeit zum gemeinsamen Bauen in der Werkstatt. Meine 1m Reisemotorjacht "Warnow" mit Verbrennungsmotorantrieb entstand. Ich wollte damit zur Bezirksmeisterschaft antreten. Da das Modell eines Jugendlichen untergegangen war, bekam er meine Warnow zur Verfügung. War es Gutherzigkeit, oder der Wunsch so eine bessere Plazierung für unsere Sektion zu erreichen? Ich weis es nicht und analysierte es nicht. Der Jugendliche Qualifizierte sich und erreichte auf der DDR Meisterschaft einen 5.?? Platz.
In meinem Ausbildungsbetrieb gab es auch eine starke Grundorganisation der GST. Ich versuchte dort erfolglos einige Schiffsmodellbauer zu gewinnen. Am Geld und Material lag es nicht. Motorsport, Seesport usw. waren interessanter.
Nun entsteht vielleicht der Eindruck hier kommt eine andere GST Schilderung. Aber auch mich traf die Organisationsstruktur, wenn auch später.

Der Kreissekretär kam auf mich zu und meinte ich könnte als Mitglied in der Kreiskommission Modellsport mitarbeiten. Vielleicht gelingt es so erfolgreicher den Schiffsmodellsport zu entwickeln. Da ich der einzige in der Kommission war, wurde ich auch zu den Bezirkskommissionssitzungen mitgenommen.
Es blieb ein erfolgloser Versuch den Schiffsmodellsport in der Werft zu etablieren.

Zurück zur Frage des Themenstarters
Jede Material- und Geldzuwendung ist eine Förderung, wenn die Werte höher als die Mitgliedsbeiträge sind.
Diese waren unbedeutend:
Aufnahmebeitrag 50 Pf
Mitgliedsbeitrag Jugendlicher ???
Mein Mitgliedsbeitrag als Erwachsener 3,00 M/Quartal
Versicherungsbeitrag zur Sportausübung 0,00 M
Teilnahme an Konferenzen und Tagungen 0,00 M
Startgelder ???? (vergessen)
Auf meine Person bezogen muss ich einschätzen, dass ich erst Unterstützung/Förderung bekam ohne Leistung nachweisen zu können. Ich wollte auch kein Leistungssportler werden.

Viele wissen nicht mehr, dass ursprünglich die "Feie Deutsche Jugend" als Massenorganisation Auffangbecken sehr vieler Spotarten war. Das frühere Segelschulschiff "Wilhelm Pieck" (heute die "Greif") gehörte auch mal zu ihrem Bestand. In regelmäßigen Abständen erschienen in ihrem Zentralorgan in der Wochenendbeilage Baupläne Informationen usw. zu einigen Sportarten.
(z.B. Plan des Motorbootes Karola) Später gingen alle Sportarten aus der FDJ raus und viele wurden von der GST übernommen.
Natürlich war die GST als die militärische Massenorganisation der DDR bekannt. Der militärische Mehrkampf aber auch Schiessport waren die besten Beispiele. Motorsport Luftsport, Seesport und Funker (einige Zeit auch Reitsport und Hundesport) hatten nicht den direkten Bezug.
Um international auftreten zu können, wurden zentrale Klubs (Automodellsportklub, Flugmodellsportklub, Schiffsmodellsportklub) gegründet. Ich hatte meinen Beitrag immer bei der GST bezahlt.
Von der Struktur ähnelte die GST einem Verband mit Zentralvorstand, Bezirksvorstand, Kreisvorstand, Grundorganisation, Sektion.
Über die Beziehung DDR und Material im allgemeinen und Modellbaumaterial im Besondern möchte ich hier nicht schreiben. da das meiner Meinung nach diesen Rahmen sprengt.
Ich vermute, dass bis auf wenige Ausnahmen ein Leistungs(modell)sportler nicht ohne die GST aus kam. Ein FSR Fahrer sagte mal, dass seine Oma in der BRD ihn jährlich mit ca. 500 DM unterstützte (nicht Mark Deutscher Notenbank)
Die Förderung des Modellsportes erfolgte aber über weitere Zweige:
- Arbeitsgemeinschaften an den Schulen (AG) die der Abteilung Volksbildung (Schulwesen) unterstanden
- Stationen junger Naturforscher und Techniker, die glaube ich einem höheren Organ der Volksbildung unterstanden, denn die waren finanziell und materiell besser ausgestattet und wurden oft von mehreren Berufspädagogen besetzt.
- Pionierhäuser, die der Pionierorganisation unterstanden
- in wenigen Fällen wurde Modellsport an Touristikstationen betrieben.
- Gute Unterstützung gab es durch einige Betriebe.

Vieles hing oft an nur einer oder wenigen Personen. Wenn diese das Hobby auf gaben, schrumpfte der (Modell)Sport oftmals sehr schnell.

Über mein 2. Modellbauleben (1973-88) müsste ich mehr schreiben und würde Gefahr der Selbstlobung ausgesetzt sein.

Viele Grüße


Ulli
GER 67

Bitte den Unmut zu Fehlern unterdrücken. ich lese es nicht noch mal.
 
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Über mein 2. Modellbauleben (1973-88) müsste ich mehr schreiben und würde Gefahr der Selbstlobung ausgesetzt sein.
Moin Ulli,

ich denke, Deine Schilderung gibt Einblick in Verhältnisse, die Vielen, die sie nicht erlebt haben, zum Verständnis so manch einer Reaktion fehlen.

Ich habe Deinen letzten Satz zitiert um Dich zu bitten, Deine Schilderung und Erfahrungen fortzusetzen und niederzulegen. Es geht hier nicht um die Gefahr des Eigenlobes - da haben wir sicherlich im Rahmen des Forums schon einiges erlebt - vielmehr sehe ich den Bedarf an Information über Zeiten und Gegebenheiten, die eine Vielzahl der Leser nicht erlebt haben, gewollt oder ungewollt. ;)
Und sollte Deine Arbeit lobenswert gewesen sein, so hast Du sicherlich damit Gutes getan - also schreib, bitte...
 
Servus Kollegens,

dieses Thema finde ich als echt lesenswert. Mehr davon bitte.......(der quasi nähe Multiplex geboren ist).

Grüße
Jörg Peter
 
Was war ich damals stolz die einzige Fachzeitschrift "MBH - Modellbau Heute" zu ergattern. Die nette Zeitungskioskfrau legte für mich meist ein Exemplar unter den Ladentisch. ;-)

Meine Träume von ferngelenkten Fliegern fanden durch diese gute Zeitschrift ständig neues Futter.

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Als 12 jähriger war ich in der Station Junger Techniker und baute F1A-Modelle wie den Pionier, Falke oder Junior vom VEB "MOBAU". Eine Fernsteuerung zu besitzen, war damals fuer uns unerreichbar. Ein paar Jahre später begann ich dann mit dem Aufbau der 2-Kanal Anlage aus dem Buch "Steuern und Regeln" von Miel/Fiebich - das Problem war an die 455 kHz ZF-Filter (Mickey Filter zu gelangen). Heute lächelt man nur noch darüber... ;-)

Zu DDR Zeiten hatte die Stadt Potsdam 2 Modellbaugeschäfte, wo wir jungen Steppkes uns an den Schaufensterscheiben in jeder freien Minute die Nasen plattdrückten. Jetzt bestellen wir im Internet oder fahren nach Berlin, um an unsere Materialien zu kommen.

Ich denke, der Modellsport wird in den östlichen Bundesländern zunehmend populärer - es ist nur eine Frage der Zeit und des Geldes. Dieses Verhalten kann ich jedenfalls in unserem Verein beobachten. Vielleicht möchten wir Modellsportler aus dem Osten aber auch nur unsere Freiheit, die wir mit unserem Hobby verbinden, geniessen - ohne wieder an organisierten Abläufen, wie z.B. Wettbewerben teilzunehmen...
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja die "Modellbau heute" war eigentlich die Bibel eines jeden Modellsportlers. Das Beste war die letzte Umschlagseite, da wurden die neuestes OS-Motoren und JR-Computeranlagen ala MC 18 vorgestellt welche im Westen neu auf den Markt kamen, in der DDR aber nie frei erhältlich waren.

@Nowawes...wonach hast du dir eigentlich die Nase platt gedrückt? Also in unseren Läden in Karl-Marx-Stadt gab es wirklich nichts wofür es sich lohnte sich die Nase platt zu drücken. Man hatte die Wahl zwischen tschechischen Modellbaunadeln, welche übrigens sehr gut waren und sind, und einem Fläschchen rot eingefärbten Spannlack. Manchmal gab es sogar Balsa, daraus konnte man dann Motorträger bauen. Ja und wer viel Glück hatte bekam einen 1,5er Moskito Selbstzünder, aber noch lange keinen Tank, den musste man sich selbst löten.

Gruß Andreas
 
Guen Morgen zusammen!
Ja ,das mit der Zeitschrift was so ein Theater,eine genauen Erscheinungstermin gabs nicht.Also ca.eine Woche lang täglich zum Kiosk rennen und der Verkäuferin so lange auf den Keks gehen,bis man die Zeitschrift hatte.Das war jeden falls in meinem Fall so.die Dame mochte mich nicht so recht,aber das beruhte dann auf Gegenseitigkeit.Abo.....Fehlanzeige nicht zu bekommen!!!
 
Servus Kollegens,

ich habe einmal ein Modellflugheft von 1959 bekommen (DDR - Modellbau und Basteln): Hier einmal ein paar Themenauszuge:

......Wir gratulieren Walter Ulbricht zum 66. Geburtstag
......Die Millionen der Jesuiten, westzonale Revanchisten und ehemalige Nazi-Offiziere in der CDU.
.....Konrad Adenauer, ehrenritter des deutschen Ordens, Unterdrückung der Ostvölker
....So werden Akkumulatoren geladen
....Das Nato Porträt....sie morden wieder


So etwa 2/3 des Heftes ist politisch. Dazwischen sind aber phantastische Zeichnungen von Lenkgetrieben, Leistenbauweise im Schiffsmodellbau, FDGB Urlauberschiff, Jaria Modellflugzeug flog 370 km am Stück, Die Handbohrmaschine wird zur Drehbank.

Und ein Vergleichstest Boing B 52 / Tupolev TU20.

Wenns jemand interessiert, vielleicht sollte ich das Heft scannen, und seitenweise hier einstellen?

Grüße
Jörg Peter
 
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