NIMH Laden am Entladetag verkürzt Lebenserwartung

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

geo100

User
Halloja ja

gestern habe ich beim Modellbauhändler ein Gespräch mitgehört:
NIMH möglichst nicht am Entladetag erneut laden.
Ist das bei Hochstromanwendungen generell zu empfehlen?

Kann ich meine KAN 1050 nicht problemlos - ohne die Lebensdauer deutlich zu verringern - mit 0,5 ...1C kurz nach dem Entladen wieder laden?

Gruss Geerd
 
Hallo,

wenn Du sie nach dem Fliegen oder Entladen kalt werden lässt, ist es absolut kein Problem mit 2C wieder zu laden. Da man davon ausgehen kann oder sollte, dass die Akkus keine Anschaffung für´s Leben sind und eh nur eine begrenzte Lebenserwartung haben, ist es schon ok, wenn sie 2-3 mal pro Flugtag benutzt werden. Ich lade/entlade meine Nihm so um die 3-4mal und das seit fast 3 Jahren (unterschiedliche Fabrikate)ohne Einbussen.
Also, nicht so ängstlich. Nicht jedes Geschwätz vom oder beim "Fachhändler" ist richtig. Man sollte sich mehr an der Realität orientieren als am Geschwätz sogenannter Fachleute.
 

geo100

User
War ja nur zur Vorsicht, weil ich dem Händler sonst eigentlich recht gut traue.
Die Tabellen von BAtman zum (ent)Laden erscheinen mir recht gut, da aus der Praxis.

PS: Wier hoch ist denn die typ max. LAdezyklenzahl bei NIMH?
Die theoretischen 1000 Ladezyklen bei NC-Akkus erreiche ich sowieso nicht, da meistens im Pack eine Zelle im Laufe der Zeit defekt wird. Aber ich kann mich nicht entschließen, die Retzbachmethode zur automatischen Selbstentladung an die Zellenpacks anzulöten (je Zelle 1 Diode und ein ca. 40 Ohm Widerstand => Selbstentladung auf 0,7V garantiert). Wäre natürlich optimal für möglichst gleichgeladene Zellen.

Gruss Geerd
 

plinse

User
Moin,

das hängt auch sehr stark von der Entlademethode ab.

Ohmsche Verluste gehen beispielsweise quadratisch mit dem Strom ein, was für eine 10C Entladung gilt (6 min Dauerfeuer), gilt noch lange nicht für eine 50-60C Entladung, da kann man eher vom Leerbrennen der Akkus sprechen.

Wenn man seine Akkus derartig quält, ist ihre Lebensdauer eh nicht all zu hoch und da sich ein wesendlich höherer Druck in den Zellen aufbaut, reicht dann eine Abkühlpause alleine nicht aus. Der Druck ist nicht allein thermisch begründet, sondern entsteht auch durch eine Gasbildung bei den chemischen Prozessen. Bis sich dieser zurückbildet, dauert halt länger.

Treibt man es auf die Spitze, so dass der Akku gerade so nicht schon direkt bei der Verwendung den Geist aufgibt, bedarf es einer längeren Pause, der Daumenwert ein mal pro Tag kommt dann ganz gut hin, vormittags und nachmittags eine Verwendung ist auch noch im Rahmen. Wenn man sie aber nach 1/2-1h wieder lädt, kalt sind sie dann, kann man teilweise beobachten, dass die Zellen dann gasen.

Bei normalen Anwendungen ist aber gegen einen mehrmaligen Einsatz am Tag nichts einzuwenden. Musst du wissen, wie du die Belastungen deiner Akkus einschätzt. Beziehe die Ströme einfach dabei auf die Kapazität, dann kommst du auf realistische Einschätzungen. Hochstromtypen lachen über 10C, Hochkapazitätstypen schwitzen da schon etwas ;) .
 
je Zelle 1 Diode und ein ca. 40 Ohm Widerstand => Selbstentladung auf 0,7V garantiert
...ich habe das auch gemacht und stundenlang herumgesch... nachdem ich Peter Kollers Bericht in MOdell (o.ä.?) gelesen habe. Absoluter Schmarrn ! (Sieh´ Dir mal so eine Diodenkennlinie an)
Seit längerem hänge ich jetzt das ganze Pack beim erstenmal und dann ab und zu einige Stunden an 250 mA an und lasse sie "volllaufen". Besser billiger und schneller !

mfg

[ 09. Mai 2004, 21:25: Beitrag editiert von: waldopepper ]
 

Ulrich Horn

Moderator
Teammitglied
Problem: Überhöhter Zelldruck verkürzt Lebensdauer.

Lösung: Überhöhten Zelldruck vermeiden
1. Indem er gar nicht erst entsteht
2. Indem man ihm Zeit läßt, sich abzubauen

Leider haben Zellen keinen Druckanzeiger, daher weiß man nicht, wie hoch der Innendruck ist. Kein Wunder, dass die meisten Empfehlungen in die Richtung gehen, den Zellen Zeit zum Abbau des Drucks zu lassen, bevor man diesen womöglich durch weitere Ladung/Entladung noch erhöht. Soweit ok, sicher ist sicher.

Klar, wer seine Akkus wettbewerbsmäßig quält, sollte das nicht auch noch mehrmals am Tag tun. Dass aber auch Spaß- und Feierabendpiloten sorgfältig auf lange Ruhepausen achten, scheint mir eher ein Nachahmungseffekt zu sein ;)

Wann und warum entsteht der Druck:
Wie Eike schon schreibt: Druck baut sich bei hoher Belastung auf. Und zwar dann, wenn die chemische Umwandlung im Akku überfordert wird. Die Überlast setzt bei Ni-Zellen Wasserstoff aus dem Elektrolyten frei. Bis zur Druckgrenze des Ventils ist das unschädlich, darüber wird der Akku irreversibel geschädigt. Bei Unterlast oder Ruhe rekombiniert er wieder mit dem Elektrolyten, was einige Zeit braucht.

Der wichtige und oft übersehene Punkt ist aber: Überlast ist relativ, und zwar zum Ladezustand.
Zwischen 15% und 85% der Kapazität sind alle Oberflächen in der Zelle an der chemischen Reaktion beteiligt. Hier ist der Akku am höchsten belastbar, egal ob Ladung oder Entladung.
Außerhalb dieses Kapazitätsbereiches nehmen die an der Reaktion beteiligten Flächen ab, ein Problem der geometrischen Form der Zelle. Damit nimmt auch die Belastbarkeit ab, und die Neigung zur Gasbildung steigt.

Hohen Druck vermeiden:
Wer seine Akkus nicht leerquält, sondern, um Hausnummern zu nennen, bei hoher Belastung 15% oder bei mittlerer Belastung 10% Kapazität drin läßt, hat mit Druckaufbau durch Entladung kaum Probleme. Erkennbar ist das im Zweifelsfall durch nur mäßige Erwärmung bei der Entladung.
Etwas ähnliches gilt für die Ladung. Wer darauf verzichtet, seinen Akku mit hohem Strom bis zum Rand "vollzuballern", hat auch beim Laden wenig Druckaufbau. Ebenfalls erkennbar an der Temperatur.

Fazit
Überlastung läßt sich weitestgehend über die Temperatur erkennen. Solange der Akku anfaßbar bleibt (Hand drum und festhalten), sind Ruhepausen nicht wirklich nötig. Gerhard hat nicht unrecht, wenn er das zum Kriterium erhebt. Allerdings reicht es nicht, einen überlasteten und unter Druck stehenden Akku nur erkalten zu lassen. Faustregel: ist er zu heiß, um ihn fest und dauerhaft anzufassen, sollte er möglichst lange ruhen.

Nicht gerade der Lebensdauer förderlich ist bei NiMH die oft gelesene Empfehlung, die Akkus möglichst heiß zu betreiben, da sie dann besonders viel "Druck" haben. Dies ist in zweierlei Hinsicht richtig :D
Heiße NiMH haben höhere Spannung, das ist anders als bei NiCd. Das ist kein Problem, solange die Akkus extern erhitzt werden. Viele Schlaumeier haben aber festgestellt, dass sich die Akkus durch Überladung ebenfalls erhitzen.. und das ist ja viel einfacher. Kann man machen, aber dann sind es Druckpatronen, die man ruhen lassen sollte, wenn sie moderat entladen werden, und die man zerstört, wenn man sie auch noch gnadenlos unter hohem Strom leersaugt.

Grüße, Ulrich
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Oben Unten